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Hören  7. August 2004
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The Freestylers: "Raw As F**k" | BigBeat | Musikvertrieb
BigBeat ist tot! Es lebe BigBeat!

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Anhänger des anscheinend vergessenen und begrabenen BigBeats im Stile eines rollenden Fatboy Slim oder von guten alten, rohen The Prodigy in ihren besten Jahren leben ja bekanntlich in harten - sehr harten(!) - Zeiten. Jetzt holt aber diese Gemeinde dank den Freestylers zum grossen Befreiungsschlag au. Wer hätte das gedacht...

Von Rinaldo Kalbermatter.

Die Geschichte geht folgendermassen: Stellt euch einen dieser von der hoffnungslosen Suche nach musikalischen Leckerbissen aus dem fast vergessenen Bereich BigBeat ausgelaugten Fanatiker vor. Wie er seine Feierabende damit verbringt, die unzähligen CD-Läden abzuklappern. Wie er immer wieder voller Hoffnung in die Musiktempel giert und dort ebenso immer wieder total frustriert rauskommt. Wie dieser arme Bursche dann irgendwann an einen Punkt kommt, wo nur noch Verzweiflung ist. Stellt euch einen armen CD-Junkie vor, dem dann nichts anderes übrigbleibt, als zu Hause die immer wieder gleichen BigBeat-Highlights rauf und runter abspielen zu lassen. Nennen wir diesen armen Kerl der Einfachheit halber Hans-Anton "Toni" Gertschen Inalbon.

Ebendieser längst der Hoffnungslosigkeit verfallene BigBeat-Liebhaber wollte neulich - ich vermute mal: ins Kino. Aus purem Zeitvertrieb verkroch er sich in einen CD-Schuppen, obwohl um des Unmutes wissend, da enttäuscht und mit leeren Händen wieder herauszuschleichen. Obwohl er also nicht wirklich da rein wolle, tat er es trotzdem. Wie gesagt: Es muss aus purem Zeitvertrieb oder aus sonst irgendeinem fahrlässigen Grund geschehen sein. Wie er da so durch die Regale schlendert, erschrickt er plötzlich, als er sich dabei ertappt, im allertiefsten Pop-Schrott heraumzuwühlen. Mein Gott, Hans-Anton, bist du jetzt schon so weit? Völlig beängstigt möchte er nur noch raus dort. Doch langsam: Es muss ja nicht gleich jeder im Laden von seiner plötzlichen Panik erfahren. Also: "Haltung zeigen!", sagt er zu sich selbst.

Immer noch gleicher Bursche, gleicher Laden. Ersterer schlendert beim Rausgehen bei den Preishits vorbei. Nicht die dollen Preishits beim Eingang, die ge- und verkauft werden wie blöd. Nein, ein Regal, dass an einer unübersichtlichen Stelle steht. Für unseren kleinen, armen Held genauso wenig wie die Preishits beim Eingang sind sie keinen Blick wert. Aber eben, das Konsum-Tier in jedem von uns: ein kurzer, flüchtiger Blick auf dieses Regal und auch gleich wieder weg. Einen Schritt weiter (oder warens zwei?) bleibt er aber mit leerem Blick nach geradeaus stehen. Freestylers? Die Freestylers? Die Freestylers, von denen er das letzte Album besitzt? Welches er in seiner Verzweiflung gekauft hat, weil und obwohl es gerade mal zwei Tracks enthält (darunter ein Intro, also sinds bloss eineinhalb Tracks), die seinem ausgelutschten BigBeat-Ideal entsprechen? Der Blick wandert überrascht und voller Hoffnung zurück in dieses ominöse Preishit-Regal. Doch, doch, das müssen die sein. Ganz sicher! Es kann sich doch sonst niemand anderes einfach so Freestylers nennen! Zügigen Schrittes gehts zur Theke, wo er die Scheibe dem Verkaufspersonal entgegenstreckt, um reinzuhören. Und was dann geschieht, grenzt an ein Wunder.

Zuerst das Intro. Hatten wir ja schon mal. Auch auf Raw As F**k grandios. Gebrannte Kinder aber machen sich nicht mehr allzu früh Hoffnung. Eben: Nach dem Intro ein Song im Stile der bisherigen Freestylers, also sosolala. Geht OK. Was dann aber folgt, überrascht sowohl unseren Protagonisten, also auch die anderen Leute im Laden (insbesondere das Verkaufspersonal). Da steht bei ihnen nämlich ein Kerl, der sich einfach nicht mehr halten kann! Dem alle Sicherungen durchgebrannt zu sein scheinen! Der sich da verrenkt, als sei es tief nach Mitternacht in der übelsten Tanzspelunke der Stadt. Ein Song, zwei Songs, drei Songs, vier Songs, fünf Songs (NACHEINANDER!!!), die einen schier aus den Socken hauen! Heiliger Strohsack! Und unserem Hans-Anton "Toni" Gertschen Inalbon ists so etwas von sch**ssegal, wenn sich da alle rundherum wundern, welcher blutrünstige Hund ihn wohl gebissen hat! Man muss sich das mal vorstellen, wie sehr diesem verloren geglaubten Burschen endlich genau das gegeben wurde, was er ach so dringend brauchte: einfach nur fette, rohe Beats und viel, viel Elektronik. Du meine Güte: Dieses Raw As F**k hat es in sich! Und da hat er noch nicht mal das ganze Album fertiggehört, da rennt er schon ungeduldig zur Kasse! Kino? Sch**ss aufs Kino! Nichts wie nach Hause! Kaum bezahlt, renne ich... ups! Sh**, ein Versprecher... äh... Verschreiber. OK, OK, Hans-Anton "Toni" Gertschen Inalbon, ja das bin ich. Da habt ihrs, mir solls egal sein.

Und wenn ich mich schon verraten habe: Meine persönlichen Empfehlungen sind der absolute Killertrack "The Slammer" und das hammermässige "Right On". Ein Hoch auf den puren Zeitvertrieb! Ein zweifach Hoch auf das Konsum-Tier in uns! Und ein dreifach Hoch auf die Freestylers! Oder ganz einfach: RAW AS F**K!!!

Live: Heitere Open Air, 13.08.04

www.thefreestylers.com

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