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The Freestylers: "Raw As
F**k" | BigBeat | Musikvertrieb
BigBeat ist tot! Es lebe BigBeat!
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Anhänger des anscheinend
vergessenen und begrabenen BigBeats im Stile eines rollenden
Fatboy Slim oder von guten alten, rohen The Prodigy in ihren
besten Jahren leben ja bekanntlich in harten - sehr harten(!)
- Zeiten. Jetzt holt aber diese Gemeinde dank den Freestylers
zum grossen Befreiungsschlag au. Wer hätte das gedacht...
Von Rinaldo Kalbermatter.
Die Geschichte geht folgendermassen:
Stellt euch einen dieser von der hoffnungslosen Suche nach musikalischen
Leckerbissen aus dem fast vergessenen Bereich BigBeat ausgelaugten
Fanatiker vor. Wie er seine Feierabende damit verbringt, die
unzähligen CD-Läden abzuklappern. Wie er immer wieder
voller Hoffnung in die Musiktempel giert und dort ebenso immer
wieder total frustriert rauskommt. Wie dieser arme Bursche dann
irgendwann an einen Punkt kommt, wo nur noch Verzweiflung ist.
Stellt euch einen armen CD-Junkie vor, dem dann nichts anderes
übrigbleibt, als zu Hause die immer wieder gleichen BigBeat-Highlights
rauf und runter abspielen zu lassen. Nennen wir diesen armen
Kerl der Einfachheit halber Hans-Anton "Toni" Gertschen
Inalbon.
Ebendieser längst der Hoffnungslosigkeit
verfallene BigBeat-Liebhaber wollte neulich - ich vermute mal:
ins Kino. Aus purem Zeitvertrieb verkroch er sich in einen CD-Schuppen,
obwohl um des Unmutes wissend, da enttäuscht und mit leeren
Händen wieder herauszuschleichen. Obwohl er also nicht wirklich
da rein wolle, tat er es trotzdem. Wie gesagt: Es muss aus purem
Zeitvertrieb oder aus sonst irgendeinem fahrlässigen Grund
geschehen sein. Wie er da so durch die Regale schlendert, erschrickt
er plötzlich, als er sich dabei ertappt, im allertiefsten
Pop-Schrott heraumzuwühlen. Mein Gott, Hans-Anton, bist
du jetzt schon so weit? Völlig beängstigt möchte
er nur noch raus dort. Doch langsam: Es muss ja nicht gleich
jeder im Laden von seiner plötzlichen Panik erfahren. Also:
"Haltung zeigen!", sagt er zu sich selbst.
Immer noch gleicher Bursche,
gleicher Laden. Ersterer schlendert beim Rausgehen bei den Preishits
vorbei. Nicht die dollen Preishits beim Eingang, die ge- und
verkauft werden wie blöd. Nein, ein Regal, dass an einer
unübersichtlichen Stelle steht. Für unseren kleinen,
armen Held genauso wenig wie die Preishits beim Eingang sind
sie keinen Blick wert. Aber eben, das Konsum-Tier in jedem von
uns: ein kurzer, flüchtiger Blick auf dieses Regal und auch
gleich wieder weg. Einen Schritt weiter (oder warens zwei?) bleibt
er aber mit leerem Blick nach geradeaus stehen. Freestylers?
Die Freestylers? Die Freestylers, von denen er das letzte
Album besitzt? Welches er in seiner Verzweiflung gekauft hat,
weil und obwohl es gerade mal zwei Tracks enthält (darunter
ein Intro, also sinds bloss eineinhalb Tracks), die seinem ausgelutschten
BigBeat-Ideal entsprechen? Der Blick wandert überrascht
und voller Hoffnung zurück in dieses ominöse Preishit-Regal.
Doch, doch, das müssen die sein. Ganz sicher! Es kann sich
doch sonst niemand anderes einfach so Freestylers nennen! Zügigen
Schrittes gehts zur Theke, wo er die Scheibe dem Verkaufspersonal
entgegenstreckt, um reinzuhören. Und was dann geschieht,
grenzt an ein Wunder.
Zuerst das Intro. Hatten wir
ja schon mal. Auch auf Raw As F**k grandios. Gebrannte
Kinder aber machen sich nicht mehr allzu früh Hoffnung.
Eben: Nach dem Intro ein Song im Stile der bisherigen Freestylers,
also sosolala. Geht OK. Was dann aber folgt, überrascht
sowohl unseren Protagonisten, also auch die anderen Leute im
Laden (insbesondere das Verkaufspersonal). Da steht bei ihnen
nämlich ein Kerl, der sich einfach nicht mehr halten kann!
Dem alle Sicherungen durchgebrannt zu sein scheinen! Der sich
da verrenkt, als sei es tief nach Mitternacht in der übelsten
Tanzspelunke der Stadt. Ein Song, zwei Songs, drei Songs, vier
Songs, fünf Songs (NACHEINANDER!!!), die einen schier aus
den Socken hauen! Heiliger Strohsack! Und unserem Hans-Anton
"Toni" Gertschen Inalbon ists so etwas von sch**ssegal,
wenn sich da alle rundherum wundern, welcher blutrünstige
Hund ihn wohl gebissen hat! Man muss sich das mal vorstellen,
wie sehr diesem verloren geglaubten Burschen endlich genau das
gegeben wurde, was er ach so dringend brauchte: einfach nur fette,
rohe Beats und viel, viel Elektronik. Du meine Güte: Dieses
Raw As F**k hat es in sich! Und da hat er noch nicht mal
das ganze Album fertiggehört, da rennt er schon ungeduldig
zur Kasse! Kino? Sch**ss aufs Kino! Nichts wie nach Hause! Kaum
bezahlt, renne ich... ups! Sh**, ein Versprecher... äh...
Verschreiber. OK, OK, Hans-Anton "Toni" Gertschen Inalbon,
ja das bin ich. Da habt ihrs, mir solls egal sein.
Und wenn ich mich schon verraten
habe: Meine persönlichen Empfehlungen sind der absolute
Killertrack "The Slammer" und das hammermässige
"Right On". Ein Hoch auf den puren Zeitvertrieb! Ein
zweifach Hoch auf das Konsum-Tier in uns! Und ein dreifach Hoch
auf die Freestylers! Oder ganz einfach: RAW AS F**K!!!
Live: Heitere Open Air, 13.08.04
www.thefreestylers.com
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