Übersicht
Leitartikel
Festival-Special
Interviews
Kolumnen
Meilensteine >
Neuheiten
Vorfreude |
 |
Blood, Sweat And Tears: "Child
Is Father To The Man" (1968)
Das beste, was 1968 passieren konnte
| Klicken
& kaufen: |
 |
"Child Is Father
To The Man" von Blood, Sweat And Tears ist ein Jahrhundert-Orkan
der Popmusik, ein Wirbelsturm des Pathos, der seine Intensität
nur einer Sache verdankt: den Bläsern. Und Al Kooper.
Von Philipp Albrecht.
Die Idee Al Koopers, Bläsersätze
aus Jazz und Funk mit den herkömmlichen Mitteln der Popmusik
im Jahre 1967 (Gitarre, Bass, Schlagzeug, Hammond-Orgel) zu vereinen,
stiess anfangs nur auf Ablehnung. Der geniale Produzent und Songwriter,
der sich zu dieser Zeit einen Namen als Studiomusiker für
Bob Dylan und Jimi Hendrix machte, versuchte verzweifelt die
finanziellen Mittel für eine Studiosession mit einem anständigen
Bläsersatz aufzutreiben. Zusammen mit dem Gitarristen Steve
Katz, dem Schlagzeuger Bob Colomby und dem Bassgitarristen Jim
Fielder gründete er 1967 Blood, Sweat And Tears (nach einem
Churchill-Zitat: "Ich habe nichts zu bieten als Blut, Schweiss
und Tränen"). Durch ein Zeitungsinserat konnten bald
schon vier Bläser verpflichtet werden, die zusammen mit
dem Produzenten von Simon & Garfunkel Kooper seinem Traum
näher brachten.
Nachdem Al Kooper mit dem Saxofonisten
Fred Lipsus die Bläser-Arrangement geschrieben hatte, wurde
das kleine Wunderding in gerade mal zwei Wochen im Dezember ´67
eingespielt. Das Produkt, das im Februar ´68 erschien,
mutierte zum "besten im Rock'n'Roll, was 1968 geschehen
konnte" (Rolling Stone). Die völlig neuartige Fusion
von Pop mit jazzigen Bläsern rief jedoch bei den Konsumenten
erstmal nur Verwirrung hervor. Das Album erreichte nur gerade
Platz 47 der Billboard Charts. Dabei gilt CIFTTM heute als eines
der wegweisensten Alben der Popgeschichte. Nach der "Overture",
das eine Art psychedelische Summierung des Albums darstellt,
stimmt Al Kooper zur schönsten Ballade der Popgeschichte
an: "I Love You More Than You'll Ever Know" ("I
could be president of General Motors, Baby"). Das anschliessende
Tim-Buckley-Cover "Morning Glory" singt Steve Katz
dessen Stimme im Bläserschwall fast untergeht. Die auffälligsten
Songs auf CIFTTM stammen aus Koopers Feder. "My Days Are
Numbered" und "I Can't Quit Her" sind pathetische
Hymnen mit antreibenden Taktwechsel und Bläser-Outros. Die
weiteren Covers, Randy Newmans "Just One Smile" und
Harry Nilsonns "Without Her", sind mehr als nur Füller.
Al Kooper modelte sie zu herzzerreissenden Liebeserklärungen
mit - wie könnte es anders sein - imposanten Bläsereinsätzen
um.
Nach einem Streit trennte sich
nach einer kleinen Promotour Kooper von der Band. Es folgten
der Sänger David Clayton-Thomas und zwei, drei neue Bläser
und 3,8 Millionen verkaufte Exemplare des zweiten Albums "Blood,
Sweat And Tears" (1969). Erfolgreich übernahmen zahlreiche
Bands wie Chigaco oder Sly die von Kooper ins Leben gerufene
Fusion aus Pop, Jazz und Funk.
www.rdrop.com/users/rickert/bst.html
zur
nächsten Seite | nach
oben
|