Alles über Plebs | Rechtliches | Kontakt 

Logo
Plebs Netzmagazin. Härter denken.
Anzeige
  Front  
  Denken  
  Hören >
  Lesen  
  Sehen  
  Spielen  
  Leben  
  Wissen  
  Archiv  
Hören  7. August 2004
Übersicht
Leitartikel
Festival-Special
Interviews >
Kolumnen

Meilensteine
Neuheiten
Vorfreude
CH.steckbrief
Ben Weaver >

Ben Weaver über sein Album "Stories under nails" (Fargo/Musikvertrieb)
Rostige Geschichten

Klicken & kaufen:

Bereits im zarten Alter von 24 Jahren klingt Ben Weaver's Stimme wie die einer amerikanischen Legende: schwer, weise und traurig-schön. Am Telefon im "richtigen" Leben tönt er unbeschwerter.

Von Ralph Hofbauer.

Aufgrund seiner Musik hätte ich einen kauzigen, verkaterten Gesprächspartner erwartet, der in seinen Bart murmelt. Doch als Ben auf dem Weg zu einem Auftritt in Seattle meinen Anruf entgegennimmt, klingt er gut halb so alt wie auf seinem neuen Album und geradezu gut gelaunt, wenn er auch wie erwartet in seinen Äusserungen lakonisch bleibt.
Alles andere als wortkarg sind die Texte auf Stories under nails. Es sind metapherngespickte Geschichten von Liebe und Verzweiflung, Nähe und Ferne, die unter die Haut gehen. Ben bestätigt vom Nirgendwo in den Bergen Oregons aus, dass die Texte das Herzstück seiner Musik seien. Um sie herum passiert denn auch wenig, aber das ist ja bekanntlich manchmal mehr. Herzzerreissende Steelgitarren wiegen sich wie Kornfelder im Wind und neben der dezenten herkömmlichen Perkussion wird ein Briefkasten zum Schlagzeug umfunktionert und bringt die nötige Portion Rost in die Songs. Musik behäbig aber zäh, wie der Ochse vor dem Pflug in der Mittagshitze und die Erde, die diese Klänge aufbrechen, sind deine Gefühle.

Touring his ass off
Während auf seinem vierten Album sechs Musiker zugegen waren, wird Ben auf seiner Amerikatour lediglich von einem Drummer und einem Gitarristen begleitet. Im Anschluss daran wird er im November auch in den Clubs Europas zu hören sein, worauf er sich freut, da die Europäer im Gegensatz zu den Amerikanern Musik gegenüber viel offener seien. Überhaupt sei er gerne unterwegs, was auch aus gewissen Textzeilen hervorgeht: "Everytime I thought I was lost / Just packed my bags and my chains fell off". Auch auf seiner Webpage schreibt Ben, er wolle den Schattenseiten der Musikindustrie zum Trotz Musik machen und sich vor allem den Arsch abtouren. Als ich ihn aufgrund dieses Seitenhiebs frage, ob er im Musikbusiness schlechte Erfahrungen gemacht habe, weicht er aus. Wahrscheinlich gründete er deshalb ein eigenes Label, auf dem er einige seiner früheren Platten veröffentlichte.
Weaver erzählt in seinen Songs aber nicht nur vom Getriebensein und Sehnsucht, sondern genauso von der Notwendigkeit der Geborgenheit: "In the end it was the travelling that brought me home." Sein zu Hause hat Ben in Minnesota gefunden, wo er mit seinem Hund lebt.

Americana?
Natürlich steckt man Ben Weaver sofort in die Americana-Schublade, schliesslich arbeitet er mit Banjo und Akkordeon und überhaupt tönt das ganze irgendwie alt und amerikanisch. So ist er bespielsweise auch auf einem Americana-Sampler des Uncut-Magazins vertreten, worüber er sich enerviert, denn er wisse nicht, was dieser Begriff soll. Der altbekannte Widerspruch von Kunst und Kategorisierung. Allerdings kann man nicht verneinen, dass man die Bilder, welche die Texte von Stories under nails evozieren, insbesondere mit Amerika assoziiert: weites Land, verrostete Autoteile in dürren Gärten etc.
Trotzdem ist Ben Weaver kein weiterer Truckermützenträger der im Fahrwasser von Calexico von der Amerika-Nostalgie profitiert, während das Amerika der Gegenwart von allen Seiten gehasst wird. Das Herzblut in seinen Songs rechtfertigt seine Musik, egal woher sie kommt oder wie man sie benennt. Überhaupt fällt es schwer die Musik Ben Weaver's zu benennen, Analogien zu finden. Kaum denkt man sich, der klingt wie Tom Waits, klingt er nach Nick Cave oder gar nach Johnny Cash und dies spricht wohl ebenso für seine Anfangs erwähnte "Frühreife", wie auch für seine Originalität, denn eine passende Referenz für dieses Album lässt sich nicht finden.
Als ich Ben zum Schluss des Interviews frage, ob er noch etwas auf dem Herzen habe, was die Leute über ihn oder seine Musik wissen müssen antwortet er: "It's all in the music." Wie wahr.

www.benweaver.net

zur nächsten Seite | nach oben

Newsletter
Jeden Mittwoch das Neuste von Plebs.

Verlosungen
Alle Verlosungen auf einen Blick.

Powered by Bürki Hosting, Spiez