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Ben Weaver über sein Album
"Stories under nails" (Fargo/Musikvertrieb)
Rostige Geschichten
Bereits im zarten Alter
von 24 Jahren klingt Ben Weaver's Stimme wie die einer amerikanischen
Legende: schwer, weise und traurig-schön. Am Telefon im
"richtigen" Leben tönt er unbeschwerter.
Von Ralph Hofbauer.
Aufgrund seiner Musik hätte
ich einen kauzigen, verkaterten Gesprächspartner erwartet,
der in seinen Bart murmelt. Doch als Ben auf dem Weg zu einem
Auftritt in Seattle meinen Anruf entgegennimmt, klingt er gut
halb so alt wie auf seinem neuen Album und geradezu gut gelaunt,
wenn er auch wie erwartet in seinen Äusserungen lakonisch
bleibt.
Alles andere als wortkarg sind die Texte auf Stories under
nails. Es sind metapherngespickte Geschichten von Liebe und
Verzweiflung, Nähe und Ferne, die unter die Haut gehen.
Ben bestätigt vom Nirgendwo in den Bergen Oregons aus, dass
die Texte das Herzstück seiner Musik seien. Um sie herum
passiert denn auch wenig, aber das ist ja bekanntlich manchmal
mehr. Herzzerreissende Steelgitarren wiegen sich wie Kornfelder
im Wind und neben der dezenten herkömmlichen Perkussion
wird ein Briefkasten zum Schlagzeug umfunktionert und bringt
die nötige Portion Rost in die Songs. Musik behäbig
aber zäh, wie der Ochse vor dem Pflug in der Mittagshitze
und die Erde, die diese Klänge aufbrechen, sind deine Gefühle.
Touring his ass off
Während auf seinem vierten Album sechs Musiker zugegen waren,
wird Ben auf seiner Amerikatour lediglich von einem Drummer und
einem Gitarristen begleitet. Im Anschluss daran wird er im November
auch in den Clubs Europas zu hören sein, worauf er sich
freut, da die Europäer im Gegensatz zu den Amerikanern Musik
gegenüber viel offener seien. Überhaupt sei er gerne
unterwegs, was auch aus gewissen Textzeilen hervorgeht: "Everytime
I thought I was lost / Just packed my bags and my chains fell
off". Auch auf seiner Webpage schreibt Ben, er wolle den
Schattenseiten der Musikindustrie zum Trotz Musik machen und
sich vor allem den Arsch abtouren. Als ich ihn aufgrund dieses
Seitenhiebs frage, ob er im Musikbusiness schlechte Erfahrungen
gemacht habe, weicht er aus. Wahrscheinlich gründete er
deshalb ein eigenes Label, auf dem er einige seiner früheren
Platten veröffentlichte.
Weaver erzählt in seinen Songs aber nicht nur vom Getriebensein
und Sehnsucht, sondern genauso von der Notwendigkeit der Geborgenheit:
"In the end it was the travelling that brought me home."
Sein zu Hause hat Ben in Minnesota gefunden, wo er mit seinem
Hund lebt.
Americana?
Natürlich steckt man Ben Weaver sofort in die Americana-Schublade,
schliesslich arbeitet er mit Banjo und Akkordeon und überhaupt
tönt das ganze irgendwie alt und amerikanisch. So ist er
bespielsweise auch auf einem Americana-Sampler des Uncut-Magazins
vertreten, worüber er sich enerviert, denn er wisse nicht,
was dieser Begriff soll. Der altbekannte Widerspruch von Kunst
und Kategorisierung. Allerdings kann man nicht verneinen, dass
man die Bilder, welche die Texte von Stories under nails
evozieren, insbesondere mit Amerika assoziiert: weites Land,
verrostete Autoteile in dürren Gärten etc.
Trotzdem ist Ben Weaver kein weiterer Truckermützenträger
der im Fahrwasser von Calexico von der Amerika-Nostalgie profitiert,
während das Amerika der Gegenwart von allen Seiten gehasst
wird. Das Herzblut in seinen Songs rechtfertigt seine Musik,
egal woher sie kommt oder wie man sie benennt. Überhaupt
fällt es schwer die Musik Ben Weaver's zu benennen, Analogien
zu finden. Kaum denkt man sich, der klingt wie Tom Waits, klingt
er nach Nick Cave oder gar nach Johnny Cash und dies spricht
wohl ebenso für seine Anfangs erwähnte "Frühreife",
wie auch für seine Originalität, denn eine passende
Referenz für dieses Album lässt sich nicht finden.
Als ich Ben zum Schluss des Interviews frage, ob er noch etwas
auf dem Herzen habe, was die Leute über ihn oder seine Musik
wissen müssen antwortet er: "It's all in the music."
Wie wahr.
www.benweaver.net
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