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Blue Balls Festival: Keziah Jones, Buddy Guy, 30. Juli 2004, KKL Luzern
Blufunk vs. Chicago-Blues

Keziah Jones, der Erfinder des Blufunk, konzentrierte sich in Luzern zum Glück vor allem auf sein Power-Gitarrenspiel. Buddy Guy, der Meister des Chicago-Blues, spielte ein berauschendes Geburtstags-Konzert.

Von Adrian Wettstein.

Seinen diesjährigen missratenen St. Gallen-Auftritt vergessen wir getrost. Zweiter Anlauf nun für Keziah Jones in Luzern, im vollen KKL. Der Meister der Slap Guitar stellte sein schnelles Händchen ein weiteres Mal unter Beweis und hielt das Publikum mit druckvollem Sound unter Hochspannung. Den Kontakt mit dem Publikum suchte Keziah Jones freilich auch in Luzern nicht wirklich. Zwischen den Stücken nuschelte er etwas ins Mikrofon, klimperte ein wenig auf der Gitarre, als wäre er gerade bei der Probe, drehte ein paar Runden auf der Bühne und starrte permanent auf sein Instrument, als ob es dort etwas Spannendes zu sehen gäbe. Wenn er sich damit immer noch in dem Image des jungen Enfant Terrible gefallen will, ist das reichlich lächerlich - Keziah hat es längst nicht mehr nötig, die Aufmerksamkeit auf diese Art auf sich zu ziehen.
Musikalisch überzeugte der Nigerianer jedoch rundherum, so dass seine kleinen Mätzchen den guten Gesamteindruck nicht trüben konnten. Die Band war aus einem Guss, Keziahs Blufunk wärmer als noch in früheren Jahren. Selbst die etwas langsameren Balladen wie "Beautiful Emilie" kommen hier so kraftvoll daher, dass sie niemandem mehr als Einschlafmittel dienen könnten. "Rhythm is love" heisst die einfache Devise von Keziah Jones, das ist nach diesem Konzert unbestritten.
In der griechischen Mythologie gilt Orpheus als der beste Sänger, zu dem sogar Bäume und Berge kamen, um sein Spiel zu hören. Berge musste Keziah Jones, der "schwarze Orpheus", in Luzern keine versetzen, denn sie standen bereits vor der Tür. Um jedoch die menschlichen Zuhörer aus den Sitzen zu locken, reichte sein Gitarrenspiel nicht aus - es bedurfte einer kleinen Standpauke vor der Zugabe. Schade, dass er diese nicht schon ein wenig früher gehalten hat, der Stimmung hätte das gut getan.

Buddy Guy hatte just am Tag seines Luzern-Auftritts Geburtstag. Alterserscheinungen waren bei der 68-jährigen Chicago-Blues Legende aber keine auszumachen. Auf der Bühne nahm er das Publikum mit seinem Charisma und seinen Witzen vom ersten Moment an gefangen. Mit seiner Erfahrung und Reife spannte er musikalisch einen weiten Bogen und gab ein vielseitiges Konzert zum Besten. Da war etwa eine Blues-Version des Klassikers "Fever" zu hören oder je ein Tribut an Marvin Gaye und Ray Charles, beide auf akustischer Gitarre gespielt (Buddy wechselte ständig zwischen seinen 3 Gitarren). Natürlich gab es auch viel Electric Blues zu hören, darunter "Damn right, I've got the Blues", zu dem Buddy Guy einen Rundgang durch den ganzen Saal unternahm.
Buddy Guy wird von manch berühmtem Gitarristen offen bewundert. Nach dem Konzert in Luzern ist das auch manch einem verständlich, der sonst nur wenig Blues hört.

www.keziahjones.com
www.buddyguy.net

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