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Paléo-Festival, Nyon (20.07.
- 25.07.04)
Bamboulé zum 29. Mal
Dieses Jahr war alles etwas
anders. Einerseits wollte das Wetter nicht konstant schön
bleiben, wie man es sich eigentlich gewohnt ist am Paléo-Festival,
andererseits hat es nur während dem Konzert von Texas geregnet,
die anderen Bühnen sind ja sowieso alle überdacht,
die Konzertgänger wurden also von allzu viel Nässe
verschont, während die Camper trotz viel Regen ihren Spass
hatten.
Von Basil Schneider.
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Richtige Festivalgänger
lassen sich auch von Regen und Schlamm nicht einschüchtern. |
Etwas anders waren dieses
Jahr auch die Verhältnisse auf dem Schwarzmarkt. In früheren
Jahren konnte man sich Preise um die 100 Franken für einen
Abend gewiss sein, dieses Jahr wurden von den Veranstaltern einige
Massnahmen getroffen, um horrende Preise zu verhindern, so gab
es zum Beispiel noch Tickets an der Abendkasse zu kaufen. Diese
Massnahmen, so wie das schlechte Wetter und wohl auch die Absage
von David Bowie, führten dazu, dass die Tickethändler
die Tickets schlussendlich für 10.-- loswerden wollten.
Das Wetter hatte auch Auswirkungen
auf die Besucherzahlen. Mit 210'000 Menschen in 6 Tagen wurden
zwar die Zahlen vom letzten Jahr noch übertroffen, der Campingplatz
war dafür etwas leer, was allerdings keine Stimmungseinbusse
zur Folge hatte.
Von Lhasa bis Eros Ramazotti
Musikalische Höhepunkte
zu nennen, an einem Festival das in 6 Tagen über 100 Interpreten
aus den verschiedensten Musikbereichen Platz bietet ist immer
schwierig und ohne subjektive Selektion gar unmöglich.
Lhasa verzauberte die Zuschauer
mit ihren vertrackten und verspielten Rhythmen. The Darkness
zeigten sich in glimmernder Kleidung und mit passendem 70ies-Rock.
Peter Gabriel vollführte eine Multimedia-Rock-Show, die
man ihm aufgrund seines grauen Haares nicht mehr zugetraut hätte.
Eros Ramazotti berührte die Fans mit seinen Herz-Schmerz-Balladen.
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Auch dieses Jahr war
das Paléo-Festival gut besucht. |
Die Liste könnte beliebig
weiter fortgesetzt werden. Doch nicht nur die Bands machen ein
Festival einzigartig, auch die Leute, die man an solch einem
Anlass antrifft sorgen für Stimmung. Wir waren zwei ganz
unterschiedlichen Festival-Besuchern auf der Spur.
Die Geschichte von B. Sessen
und B. Knackt
Es ist spät am Abend, Sonntag
Abend, als B. Sessen in Nyon eintrifft, nur bepackt mit Zelt,
Schlafsack, Gaskocher und einigen wenigen weiteren Utensilien
(vielleicht sogar mit Ersatz-Unterhose). Etwas verwirrt schaut
er um sich, da doch wirklich die alt bewährte Bahn, die
ihn nach L'Asse bringen sollte, der Haltestelle kurz vor dem
Paléo, verschwunden ist. Die zugemauerten Schienen erhärten
den Verdacht, die Bahn ist weg, welch ein Skandal! Doch bereits
nach wenigen Fluchworten schnallt sich B. Sessen den Rucksack
enger und macht sich zu Fuss auf den Weg zum Paléo, den
Fussweg kennt er ja noch von früher. Der neue Bahnhof der
Bahn wäre allerdings gleich um die Ecke gewesen.
Oben angekommen steuert er direkt
auf seinen Lieblingsstand zu, wechselt mit dem Besitzer einen
Handschlag und bestellt dann mit seinem besten Schulfranzösisch
einen Tchai. Kurze Zeit später betritt er den Camping-Platz.
Mit einem lauten "Bamboulé" orientiert er die
restlichen Camper über seine Ankunft. Das Bamboulé
wird natürlich von allen Seiten lauthals erwidert. Danach
schreitet B. Sessen mit seiner Horde an Freunden, die natürlich
in keinem Jahr fehlen darf, in Richtung seines altbewährten
Platzes. Beim Zelt aufstellen und Plachen spannen geht B. Sessen
zwar nicht ganz so gekonnt um, wie beim anschliessenden Joint
rollen und Bier trinken, trotzdem kommt eine ansehnliche Bleibe
raus, in der er und seine Freunde es für die nächste
Woche gemütlich haben sollten - denn das ist ja das
wichtigste!
Währenddessen schläft
B. Knackt noch gemütlich in seinem Bett. Wieso bereits am
Sonntag nach Nyon fahren, das Festival beginnt ja erst am Dienstag.
Am Dienstag morgen geht's dann auch los. Das Auto voll bepackt
mit Sachen, die nun mal wirklich unentbehrlich sind, wenn man
eine Woche ausser Haus geht, da wären zum Beispiel der Ghettoblaster
mit ganz viel Lieblingsmusik, oder der Grill - selber Feuer
machen ist ja wirklich zu anstrengend.
In Nyon angekommen heisst es
zuerst mal warten. Zuerst in der Auto-, später in der Menschenkolonne.
Doch wartet B. Knackt gerne, schliesslich spielen an diesem Paléo-Festival
solche illustre Namen wie Patty Smith, Peter Gabriel oder Eros
Ramazotti. Die Absage von David Bowie wurmt B. Knackt natürlich,
doch ist er zufrieden und wandert von Konzert zu Konzert. Weder
die alternde Patty Smith, noch der etwas schmalzige Eros Ramazotti
können seine Laune verderben. Er schaut sich jedes Konzert
an und wird später erzählen, wie unvergesslich dieses
Festival war.
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Vorsicht, Schlamm! |
Währenddessen hat B.
Sessen irgendwie keinen Bock, um aufs Areal zu gehen. Seine Lieblingsband,
deren Namen ausser ihm niemand aussprechen kann und die schon
gar nie jemand gehört hat, geschweige denn je hören
sollte, sind ja doch nicht am Festival. Etwas desinteressiert
wankt er vom einten Bierstand zum anderen, schaut bei einem Konzert
kurz rein, schüttelt den Kopf, geht zur nächsten Bühne
und lässt dort einen offensichtlich provozierten Gähner
von sich.
B. Sessen verbringt den lieben
langen Tag damit, am See zu faulenzen. In der Nacht, meistens
wenn die Konzerte schon vorbei sind, da erwacht er zu ungeahnten
Kräften. Spontan fordert er die Leute, die gerade vorbeilaufen
zu einem Fussballmatch (zwischen den Zelten) heraus. Beim Djembé
spielen ist er vielleicht nicht der versierteste, jedoch mit
Sicherheit der lauteste und überhaupt kennen ihn schon alle
auf dem Zeltplatz.
So verbringen B. Sessen wie auch
B. Knackt trotz aller Unterschiede ein friedliches Festival.
Und falls sich die beiden einmal über den Weg gelaufen sind,
so haben sicherlich beide den Kopf geschüttelt.
www.paleo.ch
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