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Gurtenfestival: 15.-18. Juli
Viele Schweizer und Deutsche...
Das Programm des Gurten hatte
es in sich. Der etwas zwiespältige Eindruck im Vorfeld hat
sich bestätigt. Leider und zum Glück.
Von David Bauer.
Leider deshalb, weil sich herausgestellt
hat, dass einige Acts schlichte Fehlgriffe waren und man dies
eigentlich hätte erahnen können. Dazu aber später
mehr. Zum Glück deshalb, weil diejenigen Acts, von denen
man sich viel versprechen durfte und für die man den Organisatoren
auf die Schulter klopfen muss, fast ausnahmslos überzeugt
haben. Dazu aber auch später mehr.
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The Streets, Eaststage, 16. Juli
2004
Zu wenig getrunken?
Da prahlt einer (niemand geringerer
als Shakespeare 3000 alias Mike Skinner aka The Streets - die
Crossover-Sensation aus dem Vereinigten Königreich), wo
er nur kann, dass er mehr Alkohol trinkt, als Bukowskis Protagnoisten
in seinen derbsten Werken, und dann steht ein nüchterner
Geezer auf der Bühne...
Von Rinaldo Kalbermatter.
Aber alles der Reihe nach:
1. Mike Skinner hat mit seinem
Debut Original Pirate Material einen regelrechten Knüller
fabriziert.
2. Mike Skinner hat mit dem kürzlich
erschienen Nachfolger A Grant don't come for free sein Talent
bestätigt.
3. Deswegen war er schon im Voraus
das geheime Highlight der Schweizer Sommerbühnen - Vorfreude
pur.
4. Die Gefahr ist also gross,
dass bei diesen Erwartungen die Enttäuschung im Nachhinein
gross sein wird.
5. Es ist klar, dass es ein Kunststück
ist, die subtile Energie eines Streets-Albums auch live rüberzubringen.
6. Das setzt voraus, dass die
Soundqualität sich vom Durchschnitt abheben muss. (Hat sie
sich aber nicht.)
7. Es ist zudem förderlich,
sich dabei mehr auf die Musik als aufs Cool-sein zu konzentrieren.
(Auch dem war leider nicht so.)
8. In der Kürze liegt die
Würze? Negativ.
Ja, autsch, die Enttäuschung
war gross - insbesondere für einen Freak wie mich aus der
ersten Reihe mit dem Transparent "Mike, you're fit and you
know it! (Show us your ass!)" Umgedreht hat er sich zwar,
als er es sah, und den Popo entgegengestreckt auch. Enthüllt
hat er ihn (natürlich) aber nicht. Aber he, immerhin! Im
Nachinein macht sich so ein Freak nätürlich Vorwürfe.
Denn hätte ich bloss "Don't just walk around whit your
bottle of Brandy, drink it!" aufs Transparent geschrieben!
Dann hätte das Publikum dank meinen guten Absichten vielleicht
wenigstens auch seinen entblössten Allerwertesten inspizieren
können. Sorry Leute, konnte es ja nicht ahnen...
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Das Gurtenfestival hat die
Expansion auf vier Tage gewagt - und hat damit Recht behalten.
Ein fast ausverkaufter Donnerstag, sowie ein ausverkauftes Festival
von Freitag bis Sonntag. Auch die Wettergötter meinten es
gut mit dem Gurten. Der leicht verregnete Samstagabend vermochte
die Stimmung nicht zu trüben. Überhaupt: die Stimmung.
Für all diejenigen die nicht in wildem Gegröle und
grünlich verfärbten Gesichtern ihr Seelenheil finden,
ist das Gurtenfestival nach wie vor die erste Adresse in der
Schweiz. Friedlich, sauber, atmosphärische Super League.
Leider...oder: was es zu kritisieren
gibt
So sehr man dies dem
Gurten zu Gute halten kann, so muss man auch etwas daran kritisieren.
Die Veranstalter wissen sehr genau, dass das Gurtenfestival mittlerweile
ein Selbstläufer ist und viele Leute wegen dem "Happening
Gurtenfestival" auf den Hügel kommen und nicht der
Bands wegen. Dies war bestimmt ein Grund für das nicht über
alle Zweifel erhabene Line-Up. Dieses Jahr - das muss man
auch festhalten - ist der Spagat noch geglückt. Die
Veranstalter werden aber gut daran tun, sich nicht zu sehr auf
dem Erreichten auszuruhen.
So gilt es auch Verpflichtungen
wie diejenigen von Ska-P und Nena zu hinterfragen. Zwei Fragen
reichen hierzu: Wer hat Ska-P noch nicht gesehen? Wer wollte
Nena als Headliner auf dem Gurten sehen? Nena hat denn auch nicht
nur viele gelangweilt, sondern auch Sympathisierende mit ihrem
lustlosen und laschen Auftritt enttäuscht. Plattitüden
wie "Stop the War" und zwei, drei alte Hits zum Ende
sind schlicht nicht Headliner würdig.
Ebenfalls zu Hinterfragen wäre
die Anzahl deutscher Bands. Nichts gegen deutsche Bands, aber
10 von insgesamt 36 Acts, davon 3 von 4 Headlinern aus dem nördlichen
Nachbarland sind etwas gar viel. Dem gegenüber standen gerademal
je zwei Bands aus Grossbritannien und Skandinavien, beides nicht
eben Gebiete grosser musikalischer Armut. Gewiss, das Gurtenfestival
ist wie jedes andere Schweizer Festival finanziell gebunden,
doch liegt die Vermutung nahe, dass zum Preis von Nena (den die
Redaktion selbstredend nicht kennt) auch eine britische Band
mit angemessener Zugkraft hätte verpflichtet werden können.
Alternativ hätte man auch Stephan Eicher an diesem Abend
zum Headliner machen können. Womit wir bei den positiven
Aspekten des diesjährigen Gurtenfestivals wären.
Zum Glück...oder: was
es zu loben gibt
Gurten-Debutant Eicher
bot am Samstagabend ein ganz feines Konzert. Stilvoll, mit viel
Klasse und der nötigen Prise Rock sorgte der Altmeister
für Begeisterung und konnte gar das Gewitter in Schach halten.
Er hat nicht nur den Regen von Gurten weggerockt, sondern eindrücklich
gezeigt, dass er der bessere Headliner als Nena gewesen wäre.
Ganz grosse Klasse war die Deutschland
Fraktion vom Sonntagabend. Sowohl die Sportfreunde Stiller als
auch Wir sind Helden wussten das Publikum spielend für sich
zu gewinnen und das Zelt zum Kochen zu bringen. Auch musikalisch
zählten die beiden Konzerte mit zum Besten, was der Gurten
dieses Jahr zu bieten hatte. Es sind diese jungen Bands, die
sich noch selber freuen können, auf dem Gurten zu sein,
die das Festival wesentlich mehr bereichern als selbstgefällige,
altersmüde Stars.
A propos Freude: Die meiste derselben
strömten wohl Ritschi und Plüsch aus. Wenngleich kein
musikalisches Highlight, so waren sie doch irgendwie die Abräumer
des diesjährigen Gurten. Sie versammelten die Masse vor
der Hauptbühne und verbuchten mit "Heimweh" den
mit Abstand erfolgreichsten Sing-Along des ganzen Festivals.
Ebenfalls stark präsentierten
sich I AM aus Marseille. Dass Hip-Hop an Festivals generell gut
ankommt ist bekannt. Sich damit begnügen, das ohnehin gutgesinnte
Publikum ein wenig zu unterhalten? Nicht I AM. Das Sextett bot
Hip-Hop voller Kraft, Schwung und bösen Seitenhieben. Jean-Marie
LePen kam schlecht weg - wie viele im Publikum genaueres
begriffen haben, ist eine andere Frage. Warum aber auch grosse
Umschweife machen, I AM sind direkt: Auftritt gelungen, alles
bestens.
Neben den Band unbedingt zu loben
gilt es einmal mehr die Organisation des Festivals. Das Gurtenfestival
hat seinen Ruf als sauberstes und bestorganisiertes Festival
der Schweiz mühelos zementiert. Darauf stossen wir an -
im Mehrwegbecher.
Wer sonst noch da war...
Wer sich wundert, warum
Placebo bisher nicht erwähnt worden sind, dem sei gesagt,
dass dies seine guten Gründe hat. Placebo haben ein gutes
Konzert hingelegt, können aber beileibe mehr. Sie fallen
damit in die Kategorie derjenigen, die weder enttäuschend
noch überragend waren. Da Placebo immerhin optisch immer
ein Genuss sind, widmen wir ihnen einen Extra-Bild-Bericht.
www.gurtenfestival.ch
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