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Polly Jean Harvey, Montreux Jazz Festival, 6. Juli 2004
Mit Matchbox-Autos durch den Abend gerast

Polly Jean Harvey, die Grande-Dame des Rock'n'Roll. Man fühlt sich für kurze Zeit wieder wie ein Kind. Vorfreude herrscht. Zuerst aber ging's durchs Vorabend-Programm.

Von Mathias Menzl.

Und wie in der herkömmlichen Flimmerkiste, wurde dieses gekennzeichnet durch viel Durchschnitt und ein paar auf Sensation ausgerichtete Aktionen à la Big Brother-Haus oder so ähnlich. Guy McKnight von The Eighties Machtbox B-Line Disaster schaffte es tatsächlich sein Pulver schon nach drei Songs verschossen zu haben. Nach dem ersten Song sprang er ins Publikum, nach dem Zweiten kotzte er auf die Bühne und während des dritten Songs, hämmerte er wie wild mit dem Mikro auf seinem Kopf rum. Tja. Dann war aus die Maus. Und mit der Nachfolgeband Black Rebel Motorcycle Club begann dann das grosse Gähnen. Die drei Kalifornier sind Live wohl das Äquivalent zu einem Running Gag: immer dasselbe. Programm runterrattern und zum nächsten Auftritt. Nur: zu lachen gibt's dabei nicht viel. Dann wäre die Reihe an Polly gewesen. Wäre da nicht ein Krankenhausaufenthalt des Schlagzeugers Robert Ellis dazwischengekommen. 15 Minuten Wartezeit und die klamme Befürchtung ohne Polly gesehen zu haben, nach Hause gehen zu müssen. Doch dann kam sie trotzdem. Zu Beginn ohne Rob, zu dritt enterten Polly, Josh Klinghoffer und Simon Archer die Bühne und rockten ab was das Zeugs hielt. Ein bisschen Improvisation hier und ein bisschen dort. Nach 30 Minuten traf dann auch Rob ein, allerdings mit der Auflage der Ärzte nicht zu hart auf das Drum schlagen zu dürfen. Nach einer Wiedervereinigungszeremonie der Extraklasse - Polly und Josh kriegten sich fast nicht mehr ein, dass es Rob doch noch geschafft hat - gings dann regulär weiter. Und von wegen nicht zu hart auf die Drums schlagen. Denkste: ein richtiger Rocker kennt gar nichts anderes. Nach zwei ruhigeren Songs gingen dann die Anweisungen der Ärzte in der rockenden Miles Davis Hall in Luft auf. Polly präsentierte ein Repertoire ihrer ganz grossen Songs und vermochte vollends zu überzeugen. Nicht nur musikalisch, sondern auch ihre Kleidung passte zum Abend: um die Hüfte trug sie einen mit Matchbox-Autos verzierten Gürtel. Was The Eighties Matchbox B-Line Disaster mit ihrem Namen versprachen aber nicht hielten, nämlich viel Speed, Drive und Rock'n'Roll, griff Polly mit ihrer Bühnenpräsenz und ihrer alles überragenden Musik auf und setzte es in die Tat um. Eine gewaltige Dame.

www.eightiesmatchbox.com
www.blackrebelmotorcycleclub.com
www.pjharvey.net
www.montreuxjazz.com

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