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Archive, Mono, Blüchel & Van Deylen | Montreux Jazz Festival: 12. Juli 2004
Laut, leise, gut.

Zwei Dinge hatten die drei Acts dieses extravaganten Abends gemeinsam. Alle haben sie ein ausgesprochenes Faible für das Wechselspiel von leise und laut, langsam und schnell. Und alle haben sie auf ihre Art überzeugt.

Von David Bauer.

Dass Archive eine grossartige Live-Band sind, ist weit herum bekannt. Dass für Mono dasselbe gelten würde, liess das kürzlich erschienene Album erahnen. Und Blüchel & Van Deylen - wer sind eigentlich Blüchel & Van Deylen? Diese Prämissen liessen auf einen unterhaltsamen Abend hoffen, der die hohen Erwartungen mindestens erfüllt, weitgehend aber übertroffen hat.

Ohne Worte - Mono

Copyright: Montreux Jazz Festival
Das grösste Lob aus meiner Sicht gebührt Mono. Nicht, weil sie etwa besser als Archive gewesen wären. Aber im Gegensatz zu Archive durfte man das, was die vier Tokioter zum besten gaben, nicht unbedingt erwarten. Was auf dem Album vielversprechend klingt, ist live umwerfend. Nicht alle in der Miles Davis Hall liessen sich mitreissen, die meisten staunten leicht befremdet in Richtung Bühne, wo drei Japaner und eine Japanerin in ihrer Mitte unnahbar und ohne auch nur ein einziges Wort zu sagen oder zu singen ihre Klangwelten konstruierten. Dabei ist das Konzept denkbar einfach. Die Songs beginnen leise und sanft, in einer meditativen Ruhe. Langsam bauen sie ihre Energie auf um dann unvermittelt, dafür um so heftiger zu explodieren. Zum Ende bricht ein wahrhaftiges Soundgewitter über das Publikum herein und lässt offene Münder und aufgerissene Augen zurück.
Mono, so etwas wie die japanische Post-Rock Version von Radiohead oder eine spartanische Variante von Mogwai, haben keine Begeisterungsstürme ausgelöst. Sie haben das Publikum gefordert, teils überfordert. Einige, darunter den Schreibenden, haben sie schlichtweg verzückt.

"I can't believe we're playing a jazz festival" - Archive

Copyright: Montreux Jazz Festival
Von Archive wäre alles andere als ein mitreissender Auftritt als eine Enttäuschung zu werten gewesen. Selbstredend, dass dies nie zur Diskussion stand. Von der ersten Minute an fesselnd, erfüllten die Briten die Miles Davis Hall mit "Noise". Die Songs des neuen Albums, namentlich "Fuck U" und "Get Out" erweisen sich als Live-Kracher - düster, böse und eindringlich. Archive wissen ihr Personal optimal auszuschöpfen und richten mit zwei Gitarren, Bass, Schlagzeug und unzähligen Effekten krachende Soundgebilde auf, auf denen Craig Walkers magistrale Stimme trohnt und dem Sound von Archive die charakteristisch bittersüsse Note gibt. Es ist schon erstaunlich, wie Walker auf der Bühne stehen und die wüstesten Dinge singen kann, ohne sich auch nur einer kleinen Gefühlsregung hin zu geben. Überlegen wirkt er, trotzdem nie überheblich. Und so machen Archive genau das, was man von ihnen erwartet hatte. Ohrenbetäubend laute und ohrenstreichelnd schöne Musik, überlegen und gekonnt vorgetragen, ohne Allüren, einfach gut.

En Français - Blüchel & Van Deylen
Den Abend eröffnet hatte das deutsche Elektronik Duo Blüchel & Van Deylen. Wegen ihnen ist bestimmt niemand an diesem Abend nach Montreux gekommen. Zu verlieren hatten sie also nichts. Was sie dem Publikum boten, könnte sich hören lassen, wenngleich ihr Sound nicht allzu facettenreich war. Mit Französischkenntnissen, mit denen sich hierzulande ein Primarschüler brüsten könnte, holten sich die beiden Herren - sitzend hinter Keyboards und Laptop verschanzt - zudem einige Sympathiepunkte. Insgesamt war der Auftritt so wie das Französisch der Akteure: nett anzuhören, unterhaltsam aber nichts weltbewegend. Ein Opener für die beiden folgenden Acts, mehr nicht.

www.montreuxjazz.com

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