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Inhalt dieser Seite:
- Cully Jazz Festival (Teil 2)
- I AM
- London Elektricity
- Monster Magnet
- Calexico
- Knarf Rellöm
- Urlaub in Polen

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- Sportfreunde Stiller


Cully Jazz Festival vom 26. März. - 3.April 2004
Grosser Jazz im kleinen Rahmen

Das Cully Jazz Festival scheut sich nicht vor grossen Namen: Am 1. und 2. April standen unter Anderen Eddie Palmieri, Roy Hargrove und Terry Callier auf dem Programm des Festivals mit Geheimtipp-Charakter. Das grosse Stars auf kleinen Bühnen mindestens so gut spielen, wurde hier einmal mehr deutlich.

Von Michael Walther.

Teil 2 (Teil 1 in der letzten Ausgabe)

1.April: Vinicius Cantuaria; La CHala Cubana und Eddie Palmieri. 2.April: Terry Callier und Roy Hargrove.


Terry Callier (zVg)
Einer von neun Abenden ist in Cully immer den geraden Achteln, dem Bossa Nova und den samtweich flüsternden Saxofonen à la Stan Getz gewidmet: Dem Latin Jazz. Diese Sorte des Jazz gedeiht am besten bei 40°C am Schatten und einer sanft wehenden Meeresbrise- in Brasilien zum Beispiel. Von dort kommt Vinicius Cantuaria. Seine Musik steht im Zeichen des Bossa Nova und erinnert an den letzten Sommer- und an die Bars, wo Bebel Gilberto in mancher warmen Nacht aus den Lautsprechern vor sich hin säuselte.

Nachdem es dunkel geworden ist über dem Genfersee, beginnt das Städtchen erst richtig zu leben. Das milde Wetter zieht viele Leute an, die den zahlreichen Weinkellern und Bars nachgehen, in denen das Off-Festival stattfindet. Drinnen im Zelt beginnt bereits das zweite Konzert des Abends: La CHala Cubana. Der Namen ergibt sich aus ihrer Zusammensetzung: Ein Teil der Band kommt aus der Schweiz, der Andere aus Cuba - La CH à la Cuba(na), die Schweiz in Cuba. Wie der Name, so die Musik: Der Salsa flammt zwischendurch auf - jedoch etwas verhalten und scheu, wie wir Schweizer eben sind.

Kein Halten mehr gibt es, als Altmeister Eddie Palmieri mit seinem Orchestra la Perfecta II loslegt. Schon bei seinem Solostück zum Auftakt ist das Publikum ausser sich. Salsa in seiner Reinform, ungefiltert und waschecht fegt von nun an von der Bühne in Richtung Publikum: Wirbelnde Congas, messerscharfe Bläsersätze mit Trompetensoli in wortwörtlich atemberaubenden Tonhöhen und juchzende Flötenlinien sorgen für eineinhalb Stunden Lebensfreude. Diese Lebensfreude ist auch im Publikum bemerkbar: Es wird Salsa getanzt- ohne Rücksichtnahme auf volle Bierbecher oder empfindliche Zehen. Unter den Tanzenden wirbeln auch einige Profis ihre dunkelhäutigen Schönheiten in Minjupes durch die Menge, was die Stimmung noch zusätzlich anheizt.

Der nächste Abend beginnt besinnlicher: Terry Callier sei ein alter Weise, steht im Programmheft. Sein Name steht für eine Aura, für eine einzigartige Stimmung und musikalischen Tiefgang. Calliers Gesang verdient das Attribut "Soul" wohl mehr als Vieles, was am Radio unter dieser Sparte gesendet wird. Mit seiner akustischen Gitarre und einer Band, die zusammenhält, schafft er Stimmungen, die glücklich machen. Seine Musik ist wie ein warmes Schaumbad, das einen umgibt und träumen lässt.

Die Träume zereisst Roy Hargrove. Er betritt die Bühne in einem Mechaniker-Kombi und ungeschnürten, breiten Lederschuhen. Seine Coolness besticht wie sein Spiel: nicht umsonst wurde er in verschiedenen Kritiken bereits als einen "der besten Trompeter der Welt" genannt. Seine Solos beginnen sphärisch wie die von Miles Davis und enden in exzessiven Gewittern. Die Band spielt Funk- er Jazz. Beides zusammen ergibt den unbändigen und originalen "Hard Groove", nach welchem auch sein neustes Album benannt ist.

Die 22.Ausgabe vom Cully Jazz Festival ist bereits Erinnerung- und es wird eine von den schönsten des musikalischen Frühlings 2004 bleiben. Denn was in erster Linie an einem Festival zählt, ist die Stimmung. Die Atmosphäre in Cully wird dem Genre "Jazz" mehr als gerecht- und lässt bereits eine Vorfreude auf die 23.Ausgabe aufkommen.

Web:
www.cullyjazz.ch
www.eddiepalmierimusic.com
www.royhargrove.com
www.chalacubana.ch
www.vinicius.com
www.premonitionandmusic.com/html/tcallier/tcallier.html (Terry Callier)

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IAM, X-Tra, Zürich: 24. April 2004
Das Manifest

Die Stimmung war genial, das X-tra ausverkauft und die Show dauerte gut und gerne zwei Stunden: IAM haben in Zürich ihre "Revoir Un Printemps"-Show gezeigt und dem deutschsprachigen Publikum richtig eingeheizt.

Von Simon Lustorf.

Vermutlich haben rund 80% der Leute im X-tra zwar kein einziges Wort von IAM verstanden. Besonders bei schnellen Rap-Passagen oder wenn einer der "Imperial Asiatic Men" in den Marseille-Slang abrutschte verstanden die meisten wohl nichts mehr. Um so genialer, wenn die Show und Musik im Duo dennoch das Publikum zum kochen brachten und mit Abwechslung, Variationen und dem Feuer der Akteure begeistern konnten.

IAM zeigte ein Programm, das vor allem die Tracks der letzten LP "Revoir un printemps" berücksichtigte. Etwas enttäuschend für Anhänger der alten Schule: Das Hit-Album "L'école du micro d'argent" wurde mit keinem einzigen Stück berücksichtigt. Dafür gabs ein paar auserlesene Perlen aus Soloalben der Rapper aus Marseille.

Bei langsameren Stücken wurden zwar keine mitschaukelnden Feuerzeuge gesichtet, ein paar Fans gingen die Lyrics aber offenbar stark ans Herz. Für Abwechslung sorgen auch Pausen, in welchen die beiden DJs ihre Turntablism-Fähigkeiten unter Beweis stellten. Zudem glänzte vor allem Freeman zwischen den Stücken mit Seitenhieben politischer Art in Richtung USA oder Le Pen, die jedoch im Vergleich mit anderen "Fuck Bush"-Attitüden im typischen IAM-Style daherkamen: Niveauvoll und dennoch simpel.

IAM hat genau das geboten, was sie indirekt immer versprechen: Eine geniale Show, welche auch von normalen Hiphoppern abseits der Gangster-Szene besucht wird.

Web:
www.iam.tm.fr

Live:
11.05.2004 in Genf

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London Elektricity, Kiff, Aarau: 24. April 2004
Danger - High Voltage!

Ein Drum'n' Bass-Gig von London Elektricity ist etwas für Hochleistungssportler - auf der Bühne wie im Publikum. Kenner bringen zu einem solchen Event Mineralwasser und ein Schweisstuch mit.

Von Adrian Wettstein.

Vor einem Jahr erschien von London Elektricity das Drum'n' Bass Album Billion Dollar Gravy, das von manch einem bewundert wurde; nur konnte man sich nicht so recht vorstellen, dass da wirklich alles live eingespielt wurde. Im Kiff fand nun die Probe aufs Exempel statt.
Die Instrumente stehen bereit, die Band betritt die Bühne. Auf den T-Shirts der Bandmitglieder steht "Hospital", der Name ihres Plattenlabels. Der junge MC mit Baseballcap sieht aber nicht aus, als würde er gerade aus dem Spital kommen, eher aus der Mittelschule. Die beleibte Sängerin, die sich noch im Hintergrund herumtummelt, könnte gut und gerne seine Lehrerin sein, Keyboarder Tony Coleman der Rektor. Und diese lustige Truppe will nun zum Drum&Bass-Konzert aufspielen? Die leisen Bedenken sind aber schon nach wenigen Minuten alle weggewischt und man weiss: alles wird gut. Es beginnt mit hartem Hip Hop, wo der MC sein loses Mundwerk zum ersten Mal unter Beweis stellen kann, bis der sogenannte "Jungle Drummer" die Geschwindigkeit merklich erhöht, d.h. etwa verdoppelt, und die D&B-Freaks zum Hüpfen bringt.
An einem Gig von London Elektricity dazustehen und nur mit dem Kopf zu wackeln ist ähnlich unangebracht wie an einer Beerdigung Freudensprünge zu machen. Tanzen bis zum Höhepunkt heisst die Devise - Cum Dancer der nächste Song. Der Jungle Drummer haut auf die Becken als würde ihm jemand ein Stromkabel an den Hintern halten, er hat an diesem Abend etwa gleich viel zu tun wie ein Trash Metal -Drummer, nur dass seine Rhythmen ein bisschen abwechslungsreicher sind als diejenigen des düsteren Berufskollegen. Es wird auch bald deutlich, dass es Tony Coleman, dem Kopf von London Elektricity, nicht nur um einen Geschwindigkeitsrausch geht. Immer wieder wird das Tempo gedrosselt, etwa beim wunderschönen "Rewind"; man kann sich ein wenig ausruhen und die eingängigen Melodien aufs Gemüt wirken lassen. Die Sängerin Lainne Carrol wärmt mit ihrer Soul-Stimme die Herzen und bringt das Publikum dazu, beim House-Klassiker "Spread Love" mitzusingen, natürlich in einer Broken Beat Version .
Drum & Bass ist zwar immer noch schnell und schweisstreibend, aber weniger hart als vor einigen Jahren. Einflüsse aus Jazz, Soul und Hip Hop sind unverkennbar. Man hat den Stil von London Elektricity deswegen auch schon Liquid Funk genannt. Tony Coleman ist mit der kompletten Live-Besetzung seiner Band sicher ein Risiko eingegangen, das sich gelohnt hat. London Elektricity gehört definitiv zu einem der angesagtesten Drum'n Bass-Acts. Als die Truppe zum letzten Song aufspielt und Lainne Carrol singend verkündet: "Life is beautiful", wissen alle Tanzenden: Sie hat Recht. Zumindest an diesem Abend!

Web: www.hospitalrecords.com

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Monster Magnet/Gluecifer, Fri-Son, Fribourg: 03.04.2004
Auf dem absteigenden Ast

Wenn ein Band gleich 2 Supportgruppen mit auf Tour nimmt, kann das zwei Dinge bedeuten. Erstens: Die Band ist verdammt erfolgreich und kann sich das leisten. Oder zweitens: Sie haben ein schlechtes Gewissen ihren Fans gegenüber, weil sie von sich selber denken nicht mehr gut genug zu sein. Auf Monster Magnet trifft beides zu.

Von Stephan Knepper.

Die mir völlig unbekannt Band The Quill eröffnete einen langen Hardrock Abend im Fri-Son. Mehr will ich über diese Band gar nicht schreiben, denn das wäre pure Zeitverschwendung. Nach der Umbaupause betraten Gluecifer aus Norwegen die Bühne. Mit ihnen kam dann auch erstmals Stimmung in der Halle auf. Die fünf Skandinavier überzeugten mit straightem Rock'n'Roll, der das denn voll aufgedrehten Verstärkern nur so heraussprang. Im Nachhinein betrachtet muß man leider sagen, dass ihr Auftritt bereits der Höhepunkt des Abends war. Denn was danach folgte war irgendwie fad und langweilig. Gluecifer beendeten ihr Set so gegen 23 Uhr. Durch die Umbaupause stellte sich ein wenig Langeweile ein, die aber durch die Vorfreude auf Monster Magnet verdrängt wurde. Als Bilderbuchjunkie Dave Wyndorf und seine Jungs dann ihr Set starteten machte sich allerdings schnell wieder Langeweile breit. Mit den üblichen Rockstarposen und Zwischenkommentaren versuchte die Band zwar Stimmung rüber zu bringen, das gelang aber nur sehr selten. Der einzige Höhepunkt war ihr Hit Powertrip, leider ohne die im Video auftretenden Stripperinnen. Das wäre vielleicht noch interessant geworden. Was man Monster Magnet allerdings zugute halten muß, ist die Tatsache, dass sie fast drei Stunden lang versuchten ihr Publikum zu unterhalten. Das bekommt man heutzutage auch eher selten geboten. Wenn man allerdings als Band an dem Punkt ankommt, an dem die Vorgruppe besser ist als der Hauptact, ist das kein gutes Zeichen. Da das bei diesem Konzert der Fall war, sollten sich die fünf Musiker vielleicht mal ein paar Gedanken machen. Aber vielleicht hatten sie auch nur einen schlechten Tag. [gluecifer.jpg]

Web:
www.monstermagnet.net
www.gluecifer.com

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Calexico, Stansermusikfesttage, 21.4. 04
Die Wüstenhunde in den Bergen

Calexico haben sich mit ihrer letzten Tour durch Europa den Mythos einer aussergewöhnlichen Live-Band erspielt. Dass liegt nicht nur an der hohen Qualität der Musiker, sondern vor allem an ihrem äusserst sympathischen Auftreten.

Von Patrick Müller.

Anlässlich der zehnten Stanser Musiktage spielte die Band aus Tuscon/Arizona ein exklusives Konzert in der Schweiz. Es muss für eine Band, die weltweit grosse Erfolge feiert, schon etwas Spezielles gewesen sein, inmitten der Innerschweizer Berge im kleinen Städtchen Stans ein ausverkauftes Konzert zu spielen. Der Kontrast zwischen der eindrücklichen Bergkulisse und der amerikanischen Wüste, von der die Musik Calexicos beeinflusst ist, könnte eigentlich grösser nicht sein. Doch, obwohl es schwer zu glauben ist, hat die Diversität des zahlreich erschienen Publikums diesen an Einzigartigkeit noch übertroffen. Vom seitengescheitelten Musikbesessenen über Luzerner Hausbesetzerinnen bis hin zu cüplitrinkenden Sitzplatzkarteninhaber; von zum Nichtrauchen gezwungenen Kettenraucherinnen über Kurzhaar-Jazzer bis hin zur schlipstragenden Bohnenstangen, die Gratistickets von ihrer Bank gekriegt haben, war wohl alles vertreten, was man auf Schweizer Strassen so antrifft.

Die Band besteht ohne Ausnahme aus Originalen
Mindestens so exquisit zusammengewürfelt wie das Publikum, sind die Musiker von Calexico:
Im Zentrum der Band stehen Joey Burns und John Convertino, die langjährigen Freunde und Mitbestreiter von Giant Sand, der Band des Sänger und Liedmachers Howe Gelb. Joey Burns ist der so genannte Mastermind von Calexico. Er spielt auf den Platten bis aufs Schlagzeug fast alle Instrumente selbst ein. Live spielt er Gitarre und singt und das mit einer beeindruckenden Virtuosität und traumwandlerischen Sicherheit. John Convertino spielt Schlagzeug, wie wenn er mit seinen Stöcken in Kochtopfen rühren würde, um ein delikates Sechs-Gang-Menü zuzubereiten. Sein dynamisches Spiel trägt viel zur Einzigartigkeit der Musik von Calexico bei.
Rund um diesen Kern versammeln sich Musiker aus verschieden Ländern und verschiedensten Stilrichtungen. Da haben wir zum einen den Mexikanischen Trompeter Jacob Valenzuela, der, wenn er nicht bei Calexico spielen würde, auch einen Tankwart in einem Jim Jarmusch Film abgäbe. So musikalisch wie der mir den Maracas rasselt, könnte er aber auch ebenso gut einen professionellen Salsatänzer abgeben. Bei dem Huftschwung ist erblasst jeder Europäer vor Neid.
Auf der Bühne direkt neben ihm steht jeweils der Multiinstrumentalist Martin Wenk aus Deutschland. Er wechselt an den Konzerten vom Vibrafon, zur Trompete, von der Handorgel zum Keyboard und die zweite Stimme singt er auch noch. Der Typ ist ein Meter neunzig, gut gekleidet, blond und blauäugig und könnte eigentlich alles andere sein als ein Musiker.
Das Goldstück in der Freakshow war Paul Niehaus. Er ist klein, hat wirklich lockiges Haar, eine Brille und eine Figur wie eine Bierflasche. Er hockte den ganzen Abend über seiner Lap-Steel-Gitarre und spielte Lied für Lied scheinbar ohne Regung. Nur ein Lächeln ab und zu bis zum letzten Stück, als er bei Crsytal Frontier die ultra schnelle akustische Gitarre spielte. Im Stehen. Der kann ja nur aus Nashville, Tennesse stammen.
Der Letzte im Bunde ist der deutsche Kontrabassist Volker Zander. Ein waschechter Teddybär: Pustebäckchen, grosse, braune Augen und eine nicht zu erschütternde Gemütlichkeit ausstrahlend.

Schöner als die Berge
Kurz nach Acht betrat die Band die Bühne des Theaterraums des Kollegiengebäude in Stans, um ihr knapp zweistündiges Konzert zu eröffnen. Die unglaubliche Spiellust und die hohe Virtuosität, mit der die einzelnen Musiker ihre Instrumente beherrschen, vermochten das Publikum, trotz des streckenweise etwas laschen Songmaterials in ihren Bann zu ziehen. Durch ihr engagiertes Auftreten, fernab von peinlichem Rock'n'roll-Gehabe und klischierten Posen, bekam man das Gefühl, dass hier Musiker am Werke sind, die es richtig geniessen, zusammen Musik zu machen. Die Musik oder das besser gesagt das Musizieren stand immer im Zentrum; und wenn so wohlklingende Instrumente, wie Kontrabass, Geige, Lap-Steel-Gitarre, Vibrafon und gedämpfte Trompete mit einer akustischen Gitarre und einem mit Besen gespielten Schlagzeug zusammen spielen, ergibt das eine klangliche Landschaft, die der Schönheit der Innerschweizer Bergwelt in nichts nachsteht.

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Knarf Rellöm, Nt-Areal, Basel, 8.4. 04
Knarf, Frank Möller, Rellöm

Obwohl mein Freundeskreis eigentlich fast ausschliesslich aus gestandenen und vom Leben gezeichneten Männern besteht, haben wir neulich wieder einmal so richtig herumgeblödelt. Irgendeiner hatte auf RTL einen Bericht über eine alte Dame gesehen, die Texte von hinten nach vorne gelesen auf ein Tonband aufnahm, welches sie darauf folgend rückwärts abspielte, so dass man das Kauderwelsch verstehen konnte, das sie vorher in ihr Diktiergerät parlierte.

Von Patrick Müller

Ein tolles Hobby
Auf der Stelle machten wir uns daran, die ersten Skills dieser etwas verschrobenen Kunst zu erlernen. Wir hielten unsere vom Wohlstand gemästeten Bäuche vor Lachen, als jeder von uns probierte seinen Namen rückwärts aufzusagen. Olop Refoh; Ifok Nanna; Floda Igo; Ogeid Odnamra Anodaram. Zum Schluss war ich an der Reihe: Kcirtap Rellüm stotterte es aus mir heraus, und wir schauten uns alle verdutzt an. Rellüm, Rellöm, Knarf, Frank. Das Lächeln des Archäologen beim Fund eines Faustkeils machte sich auf unseren Gesichtern breit, genau dasselbe Lächeln, das schon Sir Isaac Newton auf seinem Gesicht hatte, als im der berühmte Apfel auf die Birne fiel.

Knarf Rellöm heisst mit bürgerlichem Namen also Frank Möller. Und genau dieser gastierte mit seiner Band 'the Shi-Sha-Shellöm' am Abend vor Karfreitag im Nt-Areal in Basel. Das Konzert war auf zehn Uhr angesagt und weil ich ein bisschen spät dran war und auf keinen Fall die Vorband verpassen wollte, rannte ich den letzten halben Kilometer vollgas. Dort angekommen und ziemlich ausser Puste wurde mir schnell klar, dass Saalschutz aus mir immer noch nicht bekannten Gründen an diesem Abend gar nicht spielen würde. Wie dem Rest des zahlreich erschienen Publikums blieb auch mir nicht anders übrig, als warmes Bier aus Pappbechern zu trinken und auf die grosse Attraktion des Abends zu warten. Irgendwann kurz vor Zwölf betrat der Star die Bühne, um sie eine knappe Stunde später wieder zu verlassen. Dazwischen passierte nicht viel:
Ein paar unmotiviert gespielte Lieder, dazwischen einige zum Teil Publikums verachtende Ansagen und drei vergossene Schweisstropfen. Man muss dazu sagen, dass die Ansagen mit Abstand das Beste waren, was sie an diesem Abend zu bieten hatten. Meine vom Wohlstand gemästeten Freunde haben mir nachher erzählt, dass sie auch schon richtig gute Konzerte von Knarf Rellöm gesehen hätten. Und das glaubte ich ihnen gern, denn die Band hätte auf alle Fälle das Potenzial, einen Saal zum Kochen zu bringen. Aber diese Nacht war nicht für Knarf Rellöm and the Shi-Sha-Shellöm gemacht. Nach dem Konzert legten Sie noch ein paar Platten auf, Elekro-Pop-Knüller, eigentlich ganz nette Musik, aber nach kurzer Zeit hatten sie auch davon genug und überliessen das Feld einem waschechten Goa-DJ. Und davon hatte ich dann ganz schnell genug.
Fazit: In nächster Zeit übe ich mich wohl eher in Texte rückwärts auf ein Tonband sprechen bevor ich wieder auf ein Knarf Rellöm Konzert gehe.

Web:
www.whatssofunnyabout.de/infos/knarf.htm
www.areal.org

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Urlaub in Polen, Bad Bonn, Düdingen, 22.4.04
Alle wollen Urlaub in Polen

Von Bern nimmt man den Bummler in Richtung Fribourg und der hält eigentlich mehr, als das er fährt. Umso länger man in der S2 sitzt, desto komischer klingen die Ortsnamen und man beging sich zu fragen, ob Urlaub in Polen heute wirklich in einem dieser Käffer spielt?

Von Patrick Müller.

Was hab ich in letzter Zeit nicht alles probiert? Ich ging an x Konzerte, nach Zürich, Basel, Stans und Bern; Ich habe die Lautstärke meines Discmans konstant höher geschraubt, bis er mich so zugedröhnt hat, dass ich nicht anders konnte als hinzuhören; ich durchforschte meine Plattensammlung bis in die verstaubtesten Winkel auf der Suche nach einer vergessenen Band. Ich suchte nach irgendetwas, das mich wieder einmal so richtig reinzieht.

Dann muss man schon nach Düdingen gehen, um wieder einmal ein verdammtes Rockkonzert zu erleben. Urlaub in Polen war grossartig. Atemberaubend. In Urlaub in Polen ist alles vereint, was eine gute Indieband ausmacht. Immer vorwärts treibende Schlagzeugbeats, harte und verspielte Gitarren und eine wahnsinnig differenzierte Klangdichte. Die Songs sind vertrakt arrangiert und voll von Überraschungen und doch sind sie packend, emotional und paradoxerweise gerade durch ihre Sperrigkeit zugänglich. Man hat nie das Gefühl, dass sie ihre Ideen suchen müssten. Die Songs fliessen und wirken homogen. Wo der Song brechen muss, bricht er; wo er ausufern soll, lassen sie es so richtig krachen und schichten über den Schlagzeug/Gitarre-Sound Samples, die sich klanglich und rhythmisch perfekt ins Gefüge einbetten. Man verliert sich in Einzelheiten und bleibt doch immer am Ball. Urlaub in Polen arbeitet eigentlich mit denselben Modulen wie so viele andere Indiebands, die nicht mit vorgefertigten Songschematas funktionieren: aufbauen, einstürzen lassen, explodieren. Sie sind aber direkter und rockiger. Wenn Mogwai und Shellac zusammen in Kiste stiegen, wäre Urlaub in Polen ihr Kind. Wenn man sich ein bisschen an solche Musik gewöhnt ist, springt einem das Herz vor Freude und so viel kann ich sagen: Es wurde gejauchzt vor Glück.

Übrigens: Für mich war es das erste Mal im Bad Bonn, und wer noch nie da war, soll unbedingt mal hingehen. Der Club ist zu einzigartig, als dass man ihn beschreiben könnte.

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