HIGHTLIGHTS DES MONATS
Archive: "Noise",
Rock (Warner)
Love & Hate
Archive veröffentlichte vorletztes
Jahr ein Album, dass sich gleichzeitig beim Trip Hop ihrer früheren
Tage bediente, wie auch bei Pink Floyd und ähnlichem Prog-Rock
aus den 70ern.
Von Basil Schneider.
Herausgekommen ist damals nicht, wie anhand
der Zusammensetzung zu erwarten wäre, ein bombastangehäuftes
Album mit kitschigen Techno-Einlagen, sondern wunderschöne
Songs - allen voran Again - die einen in andere Dimensionen
abdriften liessen. Again ist wohl heute noch die Hymne
der Liebesgequälten, in 17 Minuten steigert sich das Stück
in ein Inferno aus Sehnsucht, Hoffnung und Melancholie.
Wer jetzt jedoch ein zweites Again erwartet
oder gar erhofft, der kennt Archive schlecht. Während andere
Bands an solchen Erfolgen zugrunde gehen und sich ihr Musikmachen
auf das Kopieren eines ehemaligen Hits reduziert, so tun Archive
das einzig richtige: Sie ändern einmal mehr ihren Stil -
auch wenn die Weiterentwicklung auf diesem Album nicht so gross
ausgefallen ist, wie dazumals von Take my head zu You
all look the same to me.
Die elektronischen Klänge wurden weiter
reduziert, Archive heute noch als Trip Hop zu bezeichnen, würde
ihrer Stilvielfalt gar nicht gerecht werden. Noise erinnert
musikalisch am ehesten an Radiohead zu OK Computer-Zeiten.
Jedoch ist Noise sehr eigenständig. Was die beiden
einzigartigen Bands verbindet ist diese authentische Melancholie,
die trotz all ihrer Traurigkeit ein Lächeln ins Gesicht
zu zaubern vermag.
Textlich geht es diesmal weniger um Liebe,
als vielmehr um Hass: "There's a look on your face I would
like to knock out" oder "Pray to god I can think of
a nice thing to say, but I don't think I can, so fuck you anyway".
Ein Album zum alleine sein: "Cause I don't like you looking
at me". Ein Album zum immer wieder hören.
Web: www.archivemusic.net
Modest Mouse: "Good
News for People who Love bad News" (Sony)
Von Menschen und Mäusen
Modest Mouse mausern sich mit "Good
News for People who Love bad News" zu einer der ideenreichsten
und dynamischsten Indie- Rock Bands unserer Zeit. Definitiver
Anwärter auf bestes Album des Jahres.
Von Mathias Menzl.
Seit elf Jahren musizieren Modest Mouse
auf höchstem Niveau und endliche werfen ihre Mühen
Ertrag ab. Nicht nur, weil sie seit vier Jahren als eine der
letzten Indie- Rock Bands auf einem Major sind und damit immer
noch vom grossen Indie- Rock- Boom Mitte der 1990er Jahre profitieren,
sondern auch, weil sie kürzlich ihren Song "Gravity
Rides Everything" für einen Autowerbespot hergaben
und somit endlich an die grosse Kohle kommen. Dass es sich für
Bands womöglich doch lohnt bei einem grossen Label sein
Geld zu verdienen, zeigt sich bei Modest Mouse exemplarisch,
nicht nur in musikalisch- kreativer Hinsicht - welche andere
Band hat schon vier Jahr Zeit zwischen zwei Alben -, sondern
halt auch in pekuniären Belangen, denn ihr Album, wird nicht
nur im Fernsehen rauf und runter laufen - bzw. fahren -, sondern
erhält momentan auch bei US-amerikanischen Radiostationen
gewaltig Airplay, nicht zuletzt eben durch die Unterstützung
eines grossen Majors.
Seit "Moon & Antarctica" hat sich bandintern etwas
getan. Gründungsmitglied Jeremiah Green wurde durch Benjamin
Weikel am Schlagzeug ersetzt, doch gross ins Gewicht fällt
dies nicht. "Good News for People who Love bad News"
steht für kompakte, in sich absolut agile und durch Einfallsreichtum
gekennzeichnete Indie- Rock Songs. Isaac Brocks Organ zeigt sich
so versiert wie nie zuvor, ob schreiend wie Screamin' Jay Hawkins
("Bury me With it", "Dance Hall"), nasal
nuschelnd wie Doug Martsch von Built to Spill ("The World
at Large") oder disco-groovy (The View). Nicht minder abwechslungsreich
sind die Songs und ihr Eigenleben, doch das sind wir uns ja schon
fast gewohnt von den Mäusen. Modest Mouse schafften es ihre
eigene kleine Nische zwischen den Flaming Lips und Ween zu finden.
Erstere sind nicht so schräg und abgedreht wie die Mäuse
und Letztere weniger harmonisch, detail- verliebt sind sie alle
drei gleichermassen. Übrigens: Dave Friedman und The Flaming
Lips hatten das Vergnügen auf dem letzten Track "The
Good Times are Killing me" mitzutun und so erstaunlich wie
bedauerlich ist diese Kollaboration auch der Schwachpunkt des
Albums.
Narrativ zeigt sich Isaac Brocks einmal mehr von seiner morbiden
Seite aber auch gewohnt provokativ auf der einen, sowie ironisch
auf der anderen Seite. So zum Beispiel bei "Dancehall":
"I could give myself a shot, I could get myself a pill,
I'm gonna go a try to buy a little more time to kill", oder
in "Satin in a Coffin" bemerkt er lakonisch: "Yeah,
everybody is talking about death" und fügt blasbhemisch
hinzu: "God, I sure hope you are dead". Klar, Hyperinterpretationen
sind auch hier fehl am Platz. Zumindest kann man sich schmunzelnd
durch die Texte lesen und entzückt den Hits am Laufmeter
lauschen.
Web: www.modestmousemusic.com
Divison of Laura Lee: "Das
Not Compute" (Phonag)
Oasis covern Muse und
sagen Franz Ferdinand goodbye
Alle sprechen von Franz Ferdinand -
sie sind ja ach so genial - oder trauern noch immer Oasis nach
- sie waren ja mal ach so genial - dabei gibt es bessere Alternativen:
Division of Laura Lee aus Schweden zum Beispiel.
Von David Bauer.
Alter Schwede, schon wieder zeigen die
Skandinavier uns und den Briten wie es geht! Gerade erst haben
Mando Diao (Interview in Plebs
4/04) mit ihrem fulminanten Debutalbum die britischen Rock
,n' Roll Kollegen gehörig das Fürchten gelernt. Kaum
haben sich diese vom ersten Schock erholt, holen Division of
Laura Lee mit Das Not Compute zum nächsten Schlag
aus.
Erster Song, "Does Compute". Man glaubt, die Platten
vertauscht zu haben. So stark klingt dies nach Franz Ferdinand.
Kein bisschen schlechter, und dazu noch nicht so verbraucht.
Schnelle verzerrte Gitarren, eine gehörige Portion Retro
und Vocals zwischen Rock, Punk und Pop. Gibt es in Schweden auch
Kunsthochschulen? Im gleichen Stil und Tempo geht es weiter,
die vier Schweden lassen es krachen und swingen und sorgen für
hinunterklappende Unterkiefer. Franz Ferdinand können wir
getrost vergessen.
Dritter Song, "Endless Factories". So würden Oasis
klingen, wenn sie noch immer gut wären und Muse covern würden.
Mehr gibt es da nicht zu sagen. Sechster Song, "Loveless".
Ein weiteres Highlight. Psychedelischer Post-Punk mit Gitarrenwänden
im XXL Format. So geht es weiter und fort. Man kommt aus dem
Staunen nicht mehr heraus und fühlt sich wieder und wieder
an den Rock der 90er erinnert.
Wer Division of Laura Lee nun aber als abkupfernde Trendverpasser
abstempelt, begeht ein Kapitalverbrechen. Division of Laura Lee
haben zwar die jüngere Rockgeschichte ordentlich geplündert,
doch gelingt es ihnen im Gegensatz zu vielen anderen, etwas innovatives,
eigenes entstehen zu lassen. Diese Platte ist ein echtes Juwel.
Dieser Sound bringt den Elch zum Tanzen.
Web:
www.divisionoflauralee.com
www.phonag.ch
Reinhören:
www.burningheart.com/bands/index.php?id=188
VERLOSUNG
Wir verlosen wie immer unsere Highlights.
Schreibt uns, welche Rubrik im Hören Ressort wir weiter
stärken sollen an gewinnen plebs.ch
mit dem entsprechenden Betreff (siehe unten). Die ausführlichsten
Feedbacks werden mit einer Platte prämiert. Wie immer gilt:
komplette Adresse nicht vergessen.
3 x Archive (Betreff: Archive)
3 x Modest Mouse (Betreff: Mouse)
Vollständige Teilnahmebedingungen
unter Gewinnen.
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DAS HEISSESTE BRÖTCHEN DES MONATS
The Icarus Line: "The
Penance Soirée" (TBA)
Hart aber herzlich
Waren die nicht mal härter, fragt
man sich nach den ersten paar Songs von "The Penance Soirée".
Die Antwort lautet ja. The Icarus Line sind zugänglich geworden,
und wie. Trotzdem muss man sich "The Penance Soirée"
mehrmals anhören bis es ,klick' macht.
Von Mathias Menzl.
Zuerst schepperts krakeelts, dröhnts und rumpelts nur gewaltig
aus den Boxen. Nach zwei, drei Durchgängen stellt sich jedoch
der Wiedererkennungseffekt ein und die Songs wachsen und wachsen.
Zweiter Tipp: Lautstärke aufdrehen, denn "The Penance
Soirée" ist vielschichtig und einzelne Facetten geben
sich erst bei genauerem Hinhören zu erkennen. Irgendwie
überlagern sich hier mehrere Musikgenres auf einmal: Ein
bisschen Retro/Garage/Psychedelica- Rock à la Black Rebel
Motorcycle Club, eine Prise Abgedrehtheit aber gleichzeitig auch
experimentelle Raffinesse von The Blood Brothers, dann noch die
Dröhnung pur mittels Hellacopters- Schweinerock und zu guter
Letzt sind auch deutliche Reminiszenzen an Alice in Chains mit
ihrer Mischung von Grunge und Heavy Metal hörbar. Im Endeffekt
schaut dann eines der fettesten Alben im Rock- Bereich - oder
ist das bereits Post- Schweinerock?- in diesem Jahr heraus. Und
aufgepasst: Das Album wächst und wächst und wächst
- und im Hintergrund knirschts, quitschts und rauschts immer
noch unaufhörlich.
Web: www.theicarusline.com
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Adem: "Homesongs"
Singer/Songwriter (RecRec)
Frühlingsgefühle
Alle spüren den Frühling und
dann kommt da einer daher, der Herbstmusik macht, wie es nicht
herbstlicher ginge. Adem heisst der Herr, der sich in den Jahreszeiten
verirrt hat. Hörenswert ist sein Debut allemal.
Von David Bauer.
Obwohl Homesongs sein Debutalbum
ist - ein gänzlich unbekannter ist Adem Ilham nicht. Zusammen
mit Four Tet ist er Fridge, ein experimentelles und daher gänzlich
anderes Projekt als sein Soloprojekt. Homesongs zeigt
Adem als talentierten Singer/Songwriter mit viel Folk im Blut.
Er kann damit dem derzeit stark aufkommenden Anti-Folk zugeordnet
werden, wenngleich sein Ansatz der Tradition des Folk stärker
verbunden ist als etwa Adam Green, eines der Aushängeschilder
dieser neuen Bewegung. So gesehen steht er David Gray näher,
vor allem dem frühen, prä-poppigen David Gray. Adem
könnte sich aber auch nicht beklagen, wenn man ihn in die
New Acoustic Ecke stellen würde. Turin Brakes sind (abgesehen
von der Stimme) nicht weit entfernt. Doch wie so oft greifen
Vergleiche, so beliebt sie sein mögen, zu kurz.
Ich würde allen, die beim Anblick der genannten Namen nicht
direkt rückwärts vom Stuhl fallen, empfehlen sich Adems
Homesongs zu Gemüte zu führen. Nicht weil ich überzeugt
bin, dass sie jedem gefallen werden. Weil ich überzeugt
bin, dass sich einige in die Songs verlieben werden. Womit wir
doch wieder beim Frühling wären.
VERLOSUNG
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Wir verlosen das Album von Adem 3 Mal.
Schreibt uns, was wir im Plebs noch besser machen könnten
an gewinnen plebs.ch (Betreff:
Adem). Die drei ausführlichsten Feedbacks werden mit der
Platte prämiert. Wie immer gilt: komplette Adresse nicht
vergessen.
Vollständige Teilnahmebedingungen
unter Gewinnen.
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Bonnie "Prince"
Billy Sings Great Palace Music (RecRec)
Don't cry for me Will
Oldham!
Palace, Will Oldham, Bonnie "Prince"
Billy, alles der gleiche Mann: Ein bärtiger Melancholiker
aus Louisville/Kenntucky, ein Genie der Klänge für
traurige Stunden. Wieder einer, der mit Amerikanischer Musik
in Europa grössere Erfolge feiert als Zuhause.
Von Philipp Albrecht.
Nun singt Will Oldham als Bonnie "Prince"
Billy alte Palace-Songs. Das darf er ja auch, weil's seine eigenen
sind. Das Problem ist nur: Es ist praktisch die reinste Form
traditioneller Countrymusic, die nun entstanden ist. Das mag
einige abschrecken. Pfui! Dolly Parton und so Scheiss! Taucht
man aber mal so richtig ein und lässt Steel Gituar Steel
Guitar sein, stolpert man über so manche Ironie. Zum Beispiel
You Will Miss Me When I Burn. Irgendwie wird man hier
das Gefühl nicht los, dass sich Will Oldham selbst ein bisschen
veräppelt. Einerseits ist die Stimmung himmeltraurig ("Wenn
du niemanden hast, kannst du auch von niemandem verletzt werden")
andererseits kokettiert er mit solch ironischen Titeln.
Egal. Fakt ist: Es ist Country. Lagerfeuerstimmung,
jaulende Steel Guitar, schleppendes Piano, krächzende Stimme.
Da hilft auch die Tatsache nichts mehr, dass Oldham (der alte
Schinken...) in der von grossen Plattenfirmen unabhängigen
Musikszene Amerikas, die zur Zeit in Europa grosse Erfolge feiert,
ein angesehener Mann ist. Es ist einfach zu viel Country. Punkt.
Web: www.dominorecordco.com/artist.php?artist=39
VERLOSUNG
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Wir verlosen das Album von Bonnie Prince
Billy 3 Mal. Schreibt uns, was wir im Plebs noch besser machen
könnten an gewinnen plebs.ch
(Betreff: Bonnie). Die drei ausführlichsten Feedbacks werden
mit der Platte prämiert. Wie immer gilt: komplette Adresse
nicht vergessen.
Vollständige Teilnahmebedingungen
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"Aids is no longer just
a disease, it's a human right issue"
46664 gegen die Pandemie
Samstag, 29. November 2003. Green Point
Stadium in Cape Town, Südafrika. Mit einem riesigen Benefizkonzert
wird eine weltweite Kampagne zur HIV/AIDS Aufklärung von
Nelson Mandela lanciert. Die Musik ist dabei zweirangig.
Von David Bauer.
Bono und The Edge von U2. Peter Gabriel.
Youssou N'Dour. Queen. Anastacia. Jimmy Cliff. Angelique Kidjo.
Euryhmics. Ms Dynamite. Bob Geldorf. Beyonce. The Corrs. Die
Liste der anwesenden Weltstars ist lang und könnte noch
weiter fortgeführt werden. Sie alle sind Nelson Mandelas
Einladung gefolgt und haben dem Kampf gegen AIDS ihre Stimme
gegeben. 46664 war Nelson Mandelas Gefangenenummer während
seiner 18 Jahre, die er im Gefängnis verbringen musste.
46664 ist nun der Name der weltweiten Kampagne, die Mandela ins
Leben gerufen hat. Sie soll all denjenigen Leuten helfen, die
durch ihre Infektion mit dem HI-Virus zu einer Nummer reduziert
werden, genauso wie Mandela damals selber zu einer Nummer reduziert
wurde. Und sie soll mithelfen, das Bewusstsein für die grosse
Bedrohung der Krankheit zu stärken. Symbolisch für
die weltweite Zusammenarbeit, die für das Erreichen dieser
Ziele notwendig ist, haben sich die Musikgrössen aus der
ganzen Welt nicht nur in Südafrika zusammengefunden, sondern
geben viele Songs in multinationaler und multikultureller Besetzung
wieder.
Das Konzert von Cape Town ist nun auf DVD sowie als 3 Cd Set
erschienen. All diejenigen, die nicht zu den 2 Milliarden (!)
Leuten gehörten, welche das Konzert live via Fernsehen,
Internet oder Radio mitverfolgt haben, haben nun also ebenfalls
die Gelegenheit, sich diese teils unkonventionellen musikalischen
Kooperationen anzuhören. Natürlich ist es ein schlechter
Witz, wenn Anastacia mit Queen zusammen "We will rock you"
performt, doch darum geht es für einmal nicht. Musikalisch
mögen die Platten eher ein Flop sein, der Event hingegen
war ein Riesenerfolg und das ist auch wichtig und gut so.
CD und DVD sind unter dem Titel
46664 bei Warner Music erschienen.
Web: www.46664.com
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Divine Comedy: 'Absent Freinds',
Pop
Romantischer Brite
Seit Anfang der Neunziger veröffentlicht
Neil Hammon unter dem Namen Divine Comedy Alben. Mit 'Absent
Friends' erschien das neunte Opus des romantischen Briten.
Von Patrick Müller.
Wenn du dir Divine Comedy anhören willst, ohne dich dabei
wie ein lausiger Nichtsnutz zu fühlen, muss du dir beim
Hören schon den richtigen Rahmen schaffen. Das heisst, du
solltest es dir in einem antiken Fauteuille gemütlich machen
und eine sauteure und vor allem steinalte Flasche Wein trinken.
Vor dir stehen Schachfiguren aus Elfenbein auf einem Brett, auf
dem du am Nachmittag die entscheidende Partie der Weltmeisterschaften
'96 nachgespielt hast. Auf der Lehne aus Mahagoni liegt das aufgefaltete
Booklet, denn mindestens so gut wie Kasparow die spanische Eröffnung
beherrscht, textet Neill Hammon, der seit Anfang Neunziger Platten
unter dem Namen Divine Comedy Alben veröffentlicht.
Auf dem aktuellen Album 'Absent Friends' sind elf Gedichte zu
monströsen Popsongs vertont. Wie so viele andere singt auch
Neill Hammon von den kleinen Alltäglichkeiten, die so unglaublich
gross werden können. Seine Texte sind melancholisch, sehr
intellektuell und immer mit einem kleinen Augenzwinkern. Leider
werden die lyrischen Perlen von einer unglaublichen Üppigkeit
der der Streicher- und Bläserarrangements völlig zugeschüttet.
Durch die Überproduktion der Musik verlieren die Songs extrem
stark an Zugänglichkeit und Intimität. Das Ganze hört
sich an wie Titelmelodien von lächerlichen TV-Shows aus
den Neunziger.
Also, wer nicht auf orchestrales Intellektuellengesülze
steht und sowieso findet, dass man süsse Elefanten nicht
töten sollte, nur um aus ihren Stosszähnen Schachfiguren
zu schnitzen, der lässt es mit Divine Comedy besser bleiben.
Jérôme Minière:
"Petit Cosmonaute", Nouvelle Chanson (Le Pop Musik)
Schwerelos
Wahrhaft ein kleiner Kosmonaut dieser
Jérôme Minière. Auf seinem endlich auch hierzulande
erschienenen Album "Petit Cosmonaute" bewegt er sich
trotz allem Schwermut völlig schwerelos durch 14 Songuniversen.
Von Ralph Hofbauer.
Ganz allein ist der im wahrsten Sinne des
Wortes franco-kanadische, weil von Frankreich nach Kanada ausgewanderte
Kosmonaut in seinem Raumschiff unterwegs. Die Langeweile vertreibt
er mit elektronischen Klangbasteleien, seiner Gitarre und anderen
Instrumenten, die sich an Bord befinden. Auf einigen Planeten
besucht er Seelenverwandte, die Schlagzeug oder Trompete spielen.
Er berichtet ihnen von seiner Welt, nicht ohne zu betonen, dass
es ihm grosse Mühe bereite, diese zu fassen. Er erzählt
von der Luft auf dem blauen Planeten, dessen Bewohnern und -
darin ist er ganz Franzose geblieben - seinen Schwierigkeiten
mit der menschlichen Existenz.
Neben den philosophischen Sedimenten hat seine ursprüngliche
Heimat auch in der Musik Spuren hinterlassen, allerdings bleiben
dies stets marginale Rückstände. Minère bedient
sich zwar der Chanson-, wie der Popgeschichte überhaupt,
die oberflächlich traditionellen Songs werden aber stets
durch (oft abstrakte) Elektronika unterminiert. Dem Filmschulabgänger
sind raffinierte Ideen wichtiger als Gainsbourg-Posen und so
findet der kleine Kosmonaut schliesslich seinen eigenen Stern.
Auf dem ist alles leicht ohne seicht zu sein, schwebend vielmehr.
Die lauernde Schwere der unerträglichen Leichtigkeit des
Seins scheint überwunden, wie auch der Protagonist des letzten
Stücks lernt, das Gewicht der Welt nicht mehr auf seinen
Schultern zu tragen.
Einen weiteren Stern hat Minière unter dem Pseudonym Harry
Kopter mit noch grösserem elektronischen Aufwand erkundet.
Es bleibt zu hoffen, dass die Raketenbasis von Le Pop uns Aufnahmen
davon in Bälde zugänglich macht. (Frankreichspecial
in Plebs 2/04). Schade, dass man Musik wie diese
erst mit zwei Jahren Verspätung bei uns veröffentlicht,
während eine Unmenge an fragwürdigen Informationen
täglich ohne Verzögerung global kommuniziert wird.
Web: www.jeromeminiere.com
Kaito: "Band Red",
Indie-Rock (Musikvertrieb)
Giztef - Rückwärts
für fetzig!
Kaito machen Popmusik mit ein wenig
Geschrammel, Gekreische und Getobe. Jedoch in einer erfrischenden
Einstimmigkeit, die einen nicht nur gut fühlen, sondern
auch gut aussehen lässt!
Von Daniela Valentino.
Bei Kaito wird elektrisierend in die Saiten
geschlagen, vibrierend ins Mikrofon gegellt - dennoch hat alles
seine Melodie. Eine trashige "Schrammel-Band". Frau
am Mikrofon ist Nikki Colk und sorgt mit ihrer hellen, quirligen
Stimme für mächtig Trubel.
Bei den ersten Stücken der CD stehen
einem wirklich die Haare zu Berg, doch nur zu gut! Kaito haben
eine ereifernde Wirkung, so dass man irgendwie die Lust verspürt,
die Wände hochzurennen. Spätestens bei Stück Nummer
vier würde man sich jedoch gnadenlos den Kopf am Boden anstossen
- denn die "band red" kann auch mal ein paar Gänge
runterschalten und das zu unser aller Genugtuung. Schade, dass
von diesen ruhigeren Klängen nicht viel mehr auf dem Album
vertreten sind, womit der Rest der CD jedoch keinesfalls unterbewertet
werden soll. Denn es sind wahrlich alles regelrechte Kracher,
wenn man dem so sagen kann. Nun gut, Benennungen wie "trashige
Schrammel-Band" und "Kracher" werden dem Potential
dieser CD nicht wirklich gerecht, denn hier wird nicht nur drauflos
gekracht. Es liegt zwar kein Zweifel daran, dass die Töne
stattlich aus den Boxen dröhnen und gesanglich hünenhaft
gebrüllt wird, doch alles in einem ausgereiften Wohlklang.
Band Red
ist das zweite Album der vier - paarweise beiden Geschlechts
- Engländer. Formiert haben sie sich in Norwich/Brighton,
der Stadt am Meer, im Jahre 1998. Der Sprung über den grossen
Teich ist ihnen bereits mit dem ersten Album You've seen us...
You must have seen us gelungen. Mit dem aktuellen
Album gehen sie sogar noch einen gewagten Schritt weiter, denn
man sollte sie nicht nur gesehen, sondern vor allem auch gehört
haben! Kann man also getrost in die oberen Ränge des CD-Regals
stellen!
Web:
www.kaito.co.uk
Reinhören:
www.boces.demon.co.uk/avframet.htm
Kaizers Orchestra: "Evig
Pint", Polka-Rock (Muve)
Gipsy-Finale
Gut ein halbes Jahr ist es her, als
mich die Veröffentlichung des Debut-Albums vom Kaizers Orchestra
aus den Socken haute - ein breites Grinsen war gewiss, wenn diese
CD gespielt wurde. Jetzt gibt's bereits den Nachfolger: Evig
Pint.
Von Basil Schneider.
Ihr zweites Album wurde bereits letztes
Jahr in Norwegen veröffentlich; nachdem die "ewige
Verdammnis" - so der Titel auf norwegisch - in Norwegen
Platin-Status erreichte, gibt es das Album endlich auch in der
Schweiz zu kaufen, natürlich wieder mit der englischen Übersetzung
der norwegischen Texte im Booklet. Reinschauen lohnt sich!
Der Vorgänger, Ompa Til du dør
war bei uns letzten Oktober Platte des Monats. Zurecht, wie
ich noch betonen möchte, doch jetzt, ein halbes Jahr und
2 Live-Auftritte später, ist die Euphorie ein wenig verflogen
und vor allem der Überraschungseffekt ist jetzt nicht mehr
auf der Seite der Norweger. So spielt zwar Evig Pint in
der gleichen Liga, jedoch nicht mehr als Aufsteiger und Favoritenschreck
- sondern eher als etablierte Grösse.
Web: www.kaizers.no
Mika: "Right Place,
Right Time", Electronica
Ein modernes Märchen
Zur richtigen Zeit am richtigen Ort
zu sein, ist eine Kunst die kaum jemand beherrscht. Mika auch
nicht so ganz, da hätten sie mit ihrer elektronisch-poppigen
Mischung schon um einiges früher kommen müssen, um
für Aufsehen zu sorgen.
Von Basil Schneider.
Zugegeben, die leicht verdaubaren Songs
machen gute Laune und laden zu einem Spaziergang im sommerlichen
Wetter um den See ein. Bei der gemütlichen Runde um das
Lagerfeuer mit akustischer Gitarre und tiefgreifenderer Musik
dürften sie aber kaum eine Chance haben. Zu eingängig
das ganze auf Dauer und somit stellt sich leider (zu) schnell
Langeweile ein.
Dabei hat doch alles so gut begonnen: Im
Märchenwald haben sich die beiden Österreicher getroffen,
im Playmobilzimmer haben sie ihre ersten musikalischen Gehversuche
unternommen - doch jetzt, jetzt hat es sie alle in die grosse
weite Welt verschlagen, Wien, Graz, London. Die Distanzen zwischen
diesen Städten und somit das Album mussten deshalb zuerst
"erreist" werden, wie Mika selber sagen. Dabei gäbe
es doch grad auf diesen Reisen genügend Zeit, um Ideen zu
haben.
Web: www.mikaella.org
Múm: "Summer
make good", Electronica (Muve)
Sommer gut, alles gut
Hoch im Norden, wo noch Trolle und Elfen
leben, wo warme Quellen aus den Felsen sprudeln, wo die tektonische
Meeresplatte über den Meeresspiegel gedrückt wurde,
wo teilweise noch unberührte Natur herrscht, da kommen sie
her: Múm aus Island.
Von Basil Schneider.
Ihre Herkunft wollen und können die
vier Isländer nicht verbergen. Wer bereits bei Björk
einen eigenen, unverkennbaren Stil heraushörte und diesen
bei Bands wie Gus Gus oder Sigur Rós trotz aller Verschiedenheit
wieder ausmachen konnte, der wird dieses spezielle Etwas auch
bei Múm wiederfinden. Dieses Etwas vermag elektronischen
Klängen so viel Seele einzuhauchen - Gänsehaut garantiert.
So war es zumindest auf Yesterday was
dramatic - today is OK. Ein Album voller ambienten Klängen,
die sich derart ins Gehör und ums Herz schmiegten, dass
man dieses Gefühl nie mehr loswerden wollte. Auch auf Finally
we are no one war diese einzigartige Stimmung herauszuhören,
trotz der Spur Kitsch, die sich auf dem Album eingeschlichen
hat.
Der Leser möchte jetzt wohl wissen
wie Summer make good ausgefallen ist. Schwierig zu sagen.
Die Musik ist nicht mehr derart minimalistisch wie (zumindest
teilweise) auf den beiden Vorgängern. Der Gesang wurde mehr
in den Vordergrund gestellt und ja, die Spur Kitsch vom Vorgängeralbum
hat sich leider noch etwas verbreitert. Wie sich das Album entwickeln
wird, muss die Zeit zeigen, denn diese braucht es in jedem Fall
zur Genüge bei Múm.
Web: www.randomsummer.com
Nada
Surf: "Live aux Eurockéennes de Belfort - 06.07.2003"
(DVD, EMI), "Live in Brussels" (CD, EMI)
"Quand la batterie
entre, il faut qu'on devient tous des mouches."
Nada Surf sind ein Sympathisantenpaket.
Da stehen sie auf der Bühne und verbreiten gute Laune -
einfach so. Keine Spur von aufgesetztem Lächeln oder einstudierten
Witzeleien, die drei New Yorker versprühen ungetrübte
Natürlichkeit.
Von Daniela Valentino.
Letztes Jahr durfte geschwitzt werden.
Bei brütender Hitze durften Nada Surf ihre Livefähigkeiten
an den verschiedensten Festivals unter Beweis stellen. Die Palette
reichte von gigantisch (Glastonbury Festival) bis familiär
(umgebauter Swimmingpool in Österreich). Die Herren hatten
sichtlich Spass daran und waren nicht abgeneigt, beim legendären
Paléo Festival gleich ein Doppelkonzert zu spielen. Ja,
man kam so richtig auf die Kosten. Und heute wurde für die
unersättliche Anhängerschaft der Wonnemonat um gut
31 Tage vorverschoben: Emi vertreiben nämlich zur Freude
aller eine Live-CD vom letztjährigen Aufrtitt am Ancien
Belgique. Damit noch nicht genug: Eine Live-DVD vom Konzert am
Eurockéennes packen sie noch obendrauf.
Die CD ist
eine ziemlich gute Darstellung von dem, was Nada Surf letztes
Jahr alles auf Tour gespielt haben. Über den Sinn solcher
Live-CDs wird ja oft und gern gestritten - einerseits können
sie niemals die wirklichen Livequalitäten rüberbringen,
andererseits sind sie dennoch eine hübsche Erinnerung an
ein besuchtes Konzert. Gezänk hin oder her, wir freuen uns
über ein bisschen nada-surfesque Liveatmosphäre in
der Stube.
Das einzig verwunderliche an dieser CD
ist die Benennung des üblichen Stalemate. Wie man
hier auf ein nichtssagendes Stacemate kommen kann, scheint
ziemlich fragwürdig, zumal die Buchstaben c und l sich nun
wirklich nicht in unmittelbarer Nähe befinden.
Das Konzert selbst ging am 31. März
2003 über die Bühne und blieb den Herren, den Worten
im Booklet zufolge, in äusserst schöner Erinnerung:
"One really can't ask for anything more." So ist es
denn auch in Wirklichkeit mit uns Besuchern - was kann man sich
mehr Wünschen als annehmliche Gänsehaut bei Songs wie
80 Windows, Killians Red oder Amateur,
sich selbstständig machende Tanzfüsse bei Hispeed
Soul oder schunkelnde Hüften bei Inside of Love?
Vielleicht noch eine zusätzliche Live-DVD? Et voilà!
Die DVD
zeigt den Liveauftritt an den Eurockéennes de Belfort,
vom 06. Juli 2003. Die Songauswahl ist wiederum eine Mischung
aus all ihren Alben, allen voran jedoch aus ihrem neuesten Werk
Let Go.
Immerwieder hübsch anzusehen ist die
zierliche Dame im Hintergrund, die mal hier, mal da einen Finger
am Keyboard rührt. Ihre eigentliche Aufgabe scheint nicht
wirklich geklärt, da sich ihre körperlichen Anstrengungen
lediglich auf diese eine Tätigkeit und gelegentliches, ausschwingendes
Klatschen beschränken.
Desweitern sind wir jedoch froh um eines
Rätsels Lösung: Mit auf der DVD ist nämlich der
gern gespielte und stets mit lautem Gejole begleitete Song L'Aventurier
von Indochine. Ein Lied, dass sie bisher nur an französisch
sprechenden Orten zum Besten gaben, und einen als unwissenden,
deutschen Schweizerländer ganz schön ahnungslos da
stehen liess, währenddem das Lied bei den Franzosen eine
regelrechte Massenhysterie auslöste. Mittlerweile scheint
jedoch sogar eine Mini-Singleauskopplung daraus geworden zu sein.
Die CD enthält zum einen den Song L'Aventurier und
zum anderen Inside of Love. Ein kleines Presswerk, wofür
man jedoch stattliche CHF 8.90 hinblättern muss.
Alles in allem hat diese DVD eine überaus
beglückende Wirkung. Man kann sagen, dass selbst über
den Bildschirm der Funke dieser erfrischenden Band überspringt.
Umso mehr freuen wir uns auf deren Konzert am 30. Mai in der
Schüür in Luzern. On y va!
Web:
www.nadasurf.com
Reinhören:
www.nadasurf.com/songs.shtml
Live:
30.05.2004 - Schüür,
Luzern
Naoki Kenji: "Ecoustic",
Electronica (Disctrade)
Müesli-Mix
Ecoustic
ist bereits das fünfte Album von Naoki Kenji. Erfahrung
hat der Japaner also genügend, doch was man daraus macht,
ist jeweils eine andere Frage.
Von Basil Schneider.
Das Cover täuscht, doch der Name auch:
Auf Ecoustic sind weder elektronisch abgefahrene Spielereien
zu hören, in deren Mittelpunkt eindeutig der DJ steht, so
wie einem das Cover glauben machen könnte, noch sind wirklich
akustische Songs zu hören, wie man aufgrund des Album-Titels
glauben möchte.
Nein, auf Ecoustic gibt's Jazz zum
Tanzen, oder Funk im Elektronikgewand oder Trip Hop mit einer
Note Soul. Was auch immer: Naoki Kenji befindet sich irgendwo
zwischen den Stühlen, ohne dabei gross aufzufallen. Das
Album dümpelt mit seinen eingängigen Grooves so vor
sich hin, doch wirklich berauschende Momente gibt es leider keine.
Web: www.naokikenji.com
N.E.R.D.: 'Fly or Die',
Hip Pop (Sony)
Too sexy for my Stereoanlage
Wenn dein bester Freund, dem du eigentlich
einen guten Musikgeschmack bescheinigst, den neuen Britney Spears
Song gar nicht mal so schlecht findet, waren bestimmt Pharell
Williams und Chad Hugo alias Neptunes am Werk. Jetzt liefern
sie uns unter dem Namen N.E.R.D. mit 'Fly or Die' ihr zweites
eigenes Werk. Ein viel beachtetes und mit unzähligen Vorschuss-Lorbeeren
übersätes Album.
Von Patrick Müller.
N.E.R.D. sind Pharell Williams, Chad Hugo
und Shae. Die beiden erstgenannten produzieren unter dem Namen
Neptunes Musik für so bekannte Acts wie Busta Rhymes, Babyface,
Usher, Justin Timberlake oder No Doubt. Neptunes sind der absolute
heisse Scheiss und jedes Sternchen am Pophimmel, das nicht mindestens
ein Lied mit ihnen gemacht hat, kann sich seine Coolness grad
mal in den Arsch schieben.
Irgendwie haben sich N.E.R.D und Neptunes eine unglaubliche Streetcredibility
ergaunert. An allen Ecken trifft man Leute, die das, was die
machen, unglaublich lässig finden. Man muss ihnen attestieren,
dass sie frischen Wind in das abgeschlaffte und monotone R&B,
Hip Hop-, Popbusiness gebracht haben. Darum gerade von Revolution
und dem besten seit Qunicy Jones zu sprechen, finde ich nicht
nur übertrieben sondern geradezu anmassend.
Auf 'Fly or Die' sind zwar zwölf nette Songs, die schon
unglaublich gut geeignet sind, mit einem hübschen Hintern
dazu zu wackeln. Doch auch nicht viel mehr. Und dieses Gerede
von Titten und Ärschen ist doch einfach nur pubertär.
Obwohl Pharell Williams bei den Frauen scheinbar unglaublich
viel 'Play' hat, und die ganze Männerwelt ihn darum beneidet,
wird er nie die Brillanz eines Hugh Hefners erreichen, dafür
hat er leider zu wenig Stil.
Nichtsdestotrotz, 'Fly or Die' ist ein Album, das man sich bei
heissem Wetter im Garten beim Kartenspielen gut anhören
kann, aber für Kopfhörer und lange Zugreisen ist es
nicht geeignet.
Portobello: "Face the
Music" (11.p.m. Records / Helvetic Production)
Face It - es könnte
sich lohnen
Wieder eine junge und vielversprechende
Indie-Band aus Luzern. Portobello orientiert sich dabei primär
an Bands wie Placebo oder The Notwist.
Von David Bauer.
Es waren einmal zwei junge Menschen. Und
diese jungen Menschen spazierten durch London. Genauer gesagt,
durch Portobello. Und sie unterhielten sich. Sie unterhielten
sich über ihre Projekte. Der eine war ein Künstler,
der andere kannte sich in organisatiorischen Dingen aus. Und
dann trennten sie sich wieder.
Die beiden Menschen sind Markus Burri und Peter Bucher. Mittlerweile
ist der erste der musikalische Kopf, der andere der Manager von
Portobello. Irgendwann hatten sich die beiden an ihr Gespräch
in Portobello/London erinnert und beschlossen, gemeinsame Sache
zu machen. Mit dem Namen huldigen sie dem Ursprung der Inspiration.
Beim Hören des Debutalbums Face the Music kommt einem
schnell Placebo als Referenz in den Sinn. Vor allem die Stimme
von Markus Burri ist derjenigen von Brian Molko sehr ähnlich.
Aber auch die Gitarren werden teils sehr ähnlich eingesetzt
und erzeugen den speziellen Placebo Stil. Besonders deutlich
wird dies etwa bei "Chase The Dragon" (sogar textlich
eine Anleihe von Placebo) oder "I'm Not Gold". Auch
Einflüsse von The Notwist sind von Zeit zu Zeit klar auszumachen.
Es gilt also fest zu halten: wer Placebo und The Notwist nicht
mag, dürfte auch mit Portobello Mühe haben. Der Umkehrschluss
gilt allerdings genauso: wer Placebo und/oder The Notwist mag,
dem wird Portobello ebenfalls gefallen. Denn Markus Burri macht
seine Sache gut. Face the Music klingt musikalisch sehr
ausgereift und spielt schön mit unterschiedlichen Stimmungen.
Mal direkt und down to earth, dann wieder verspielt elektronisch.
Face the Music ist auf jeden Fall eine der Platten, die
man gerne immer mal wieder aus dem Regal holt...
Web:
www.portobello-music.ch
Reinhören:
www.portobello-music.ch >>Cd Face the
Music >> Songs
Live:
30.05.04 - Schüür Luzern
(Support von Nada Surf)
Roman
Fischer: "Bigger than now", Indiepop (Blickpunkt Pop)
Wunderkind wider Willen
Das Münchener Label Blickpunkt
Pop ist vor allem bekannt durch Bands wie die Sportfreunde Stiller
oder Readymade. Jetzt haben sie das Album des 18-jährigen
Multiinstrumentalisten Roman Fischer veröffentlicht.
Von Stephan Knepper.
Wunderkind ist ein Begriff der gerne verwendet
wird, wenn junge Menschen etwas schaffen wozu sie eigentlich
noch zu jung zu sein scheinen. Obwohl er das nicht gerne hört,
wurde Roman Fischer auch schon oft als Wunderkind gepriesen.
Kein Wunder, er ist gerade mal 18 Jahre alt und hat jetzt seine
erste Platte veröffentlicht, auf der er noch dazu alle Instrumente
selber einspielte. Bei der Musik handelt es sich um seichten
und sehr einfühlsamen Indiepop. Erinnert ein bisschen an
Weezer ohne Rock, Radiohead in Zeitlupe oder Placebo auf Valium.
Der Singer/Songwriter Fischer sieht seine Einflüsse aber
eher bei seinem Eltern. Die Mutter ist Leiterin einer Musikschule,
der Vater spielt im Orchester des Bayrischen Rundfunks. In seiner
Jugend hörte Roman Fischer erst Punk, dann Hip-Hop und landete
schließlich bei Tocotronic und Miles. Zum Glück, wie
er selber zugibt. Glück, das er mit uns in Form seiner Debüt
CD teilen will. Dafür sollte man ihm danken. Denn die CD
ist wirklich schön anzuhören.
Web: www.romanfischermusic.de
Rumplestitchkin: "Small-Time
Hero" (Petrol/Saiko)
Belgiens kleine Helden
Rumplestitchkin kommen aus Belgien und
haben mit "Small- Time Hero" ein erfrischendes Indie-
Pop/Rock Album aufgenommen, das praktisch nur aus Hits besteht.
Von Mathias Menzl.
Couleur 3 hatte wieder mal einen guten
Riecher. Nicht umsonst wurde "Small- Time Hero als Album
der Woche propagiert, denn Rumplestitchkin aus Brüssel sind
gut, sehr gut. Ob "Vodoo Smile" fröhlich disco-
rockend, an Noir Désir erinnernden Grunge Rock zelebrierend
wie mit "Big Bag Slide" oder mit einer simplen Indie-
Pop- Melodie ("Harsh", "Stairs") das Herz
zum schmelzen bringen. Erstaunlicherweise mag das Debüt
denn auch keinen Tiefpunkt aufweisen und das trotz sage und schreibe
14 Songs. Das macht ihnen so schnell keiner nach. Rumplestitchkin
vermögen nicht durch Innovationen überzeugen, sondern
durch ihre Schnörkellosigkeit. Allerdings muss dieser euphorischen
Laudatio relativierend beigefügt werden, dass die Belgier
schon ziemlich lange zusammen musizieren, seit 1997 und somit
ist dieser Wurf auch nicht aus dem Nichts kommt. "Small-
Time Hero" ist in Belgien schon letztes Jahr erschienen
und wurde dort ziemlich abgefeiert, doch die Platte als "alt"
zu bezeichnen wäre schlicht fahrlässig, denn Indie-
Pop in diesem Format ist zeitlos.
Web: www.rumplestitchkin.com
The Eagles of Death Metal:
"Peace, Love and Death Metal" (Irascible)
"Sex- Rock- Shock-
Welle"
Josh Homme tanzt wieder mal auf einer
anderen Hochzeit. Diesmal eine ganz unbefleckte.
Von Mathias Menzl.
Mit Jugendfreund Jesse ,Devil' Hughes geht's
ab Richtung abgedrehten Country- Rock. Das tönt jetzt völlig
unzumutbar, ist aber nicht so. Trotz den für Fans von Hommeschem
Schaffen vielleicht etwas ungeübten Ohren für Slide-
Gitarren. Gospel, Hillbilly und Blues, sollte dieses Album mächtig
zünden. Zumindest vielleicht bei jenen, die mit den Desert
Session schon so einige kreative Windungen von Josh Homme mitmachen
durften. Sänger und eigentlicher Frontmann der Eagles of
Death Metal, Jesse ,Devil' Hughes - Josh Homme spielt Schlagzeug
-, hat denn auch schon bei den Desert Sessions 3&4 mitmachen
dürfen. Gepriesen wird das Album als eine "kultivierte,
Sex- Rock- Schock- Welle". Das lassen wir hier mal so stehen.
Web: www.southern.com
The Mendoza Line: "Fortune"
(Musikvertrieb)
Das Schreiben ist Mendozas
Lust
The Mendoza Line haben sich nach dem
mexikanischen Leistungs-Baseballspieler Mario Mendoza benannt.
Sie selbst sind aber keine Schlägertypen, sondern eher ein
melodiöses und dichterisches Schreibersextett.
Von Daniela Valentino.
Mendoza Lines neuestes Werk handelt vom
Reisen. Vom Reisen in fremde Länder, von Immigration und
Emigration. Spannend sind die Erzählungen vom Songwriter
Dreigestirn, die unter anderem auch beim American Book Congress
ihre selbsterfassten Geschichten publizieren.
Fortune
lebt vom Country, Pop, Rock und sich abwechselnder Frauen- und
Männerstimme. Es ist das fünfte Album, seit sich das
Brooklyner Sextett 1995 zusammengefunden hat, mit dem Ziel vor
Augen, keinen Einheitsbrei zu komponieren. Die Vielschichtigkeit
spricht durchaus für diese CD, irgendwie ist für jeden
etwas dabei. Wer kein grosser Freund von Countrygitarren ist,
dem werden die raffinierteren Popmelodien gefallen, alle anderen
werden sich am ausgeklügelten Songwriting laben. Die Songtexte
erzählen Geschichten und sind kein Gebräu von vierzeiligen,
sich reimenden Textabsätzen, die wiederum von sich wiederholenden
Refrains umrahmt werden.
Die Texte besitzen eine scharfe Beobachtungsgabe
und paaren sich in Einklang mit melancholischer Heiterkeit. Man
sollte dem Album wirklich Zeit geben, denn was am Anfang als
(beschwipste) Trallalala-Musik rüber kommt, entpuppt sich
nach mehrmaligem Hören in eine interessante Stimmigkeit.
Web: www.mendozaline.com
The Young Gods: "Music
for Artificial Clouds", Ambient (RecRec)
Klangwelten
Ganz so jung sind sie nicht mehr - Götter
sind sie aber zweifellos geblieben: The Young Gods aus Genf.
Die Rock Pioniere der Schweiz auf ganz neuen Pfaden...
Von David Bauer.
Mike Patton hat sie einst als eine seiner
prägendsten Einflüsse bezeichnet. Dies alleine verdeutlicht,
dass The Young Gods nicht irgendwer sind. Mit ihrem neuesten
Werk Music for Artificial Clouds leisten sie wieder Pionierarbeit
und geben sich für einmal ganz leise und entspannt.
Ganz neu sind die Klänge allerdings nicht. Denn mit der
Artificial Cloud im Albumtitel ist die Arteplage in Yverdon gemeint,
eine der wenigen wirklichen Highlights der kulturellen Steuerschleuder
mit EXPOnentiell gestiegenen Kosten im Jahre 2002. Die Klänge,
die den Besucher in der Wolke begleitet haben, veröffentlichen
The Young Gods nun als Platte. Wer es nicht gewusst hat, staunt
nicht schlecht, dass die sonst rockigen Young Gods hinter diesem
Projekt stecken.
Music for Artificial Clouds ist Musik zum Entspannen.
Musik, die entführt. Musik die gleichzeitig da ist und trotzdem
nur unterbewusst wahrgenommen wird. Inspiriert sind die Kompositionen
von einer Amazonienreise des Young God Franz Treichler, zahlreiche
Geräusche von dieser fernen Welt sind in die Musik eingeflossen.
So entsteht eine neue, computererzeugte Welt mit zig verschiedenen
Geräusche und Klängen, in die man gut und gerne eine
Stunde eintauchen kann um danach völlig entspannt wieder
zurück zu kommen.
Web:
www.theyounggods.com
Reinhören:
www.theyounggods.com/cms/front_content.php?idcat=45
Live:
Amazonas Ambient Project (eine
von den Young Gods instrumentierte Lesung des Anthropologen Jeremy
Narby), weitere Daten werden bekanntgegeben
VERLOSUNG
|
Wir verlosen das Album der Young Gods gleich
3 Mal. Schreibt uns, was wir im Plebs noch besser machen könnten
an gewinnen plebs.ch (Betreff:
Young Gods). Die drei ausführlichsten Feedbacks werden mit
der Platte prämiert. Wie immer gilt: komplette Adresse nicht
vergessen.
Vollständige Teilnahmebedingungen
unter Gewinnen.
|
The Zutons: "Who killed
the Zutons", Sony
Was für ein Hörerlebnis
The Zutons kommen aus Liverpool und
sind The Coral nicht unähnlich. The Zutons sind ein Hörerlebnis,
ob auf Party, Drogen oder nüchtern zu Hause auf dem Sofa.
Nicht nur in England als der Geheimtipp schlechthin gehandelt.
Von Mathias Menzl.
Vielleicht wisst ihrs schon: Hier fallen
gleich drei Referenzen ins Auge beziehungsweise ins Ohr: Erstens:
Ihr Album erinnert stark an The Raveonettes' Cover- Künste.
Und siehe da, The Raveonettes minus Punk und wir haben einen
Sound der ganz nahe an The Zutons rankommt. Aber dann vergessen
wir dies gleich ganz schnell wieder. Zwei weitere Dinge zeichnen
The Zutons aus: der obercoole Bandname und die Parallelen zu
The Coral. Auch hier sass Ian Broudie hinter den Reglern und
auch The Zutons behilflich auf ihrem Streifzug durch die ältere
Musikgeschichte. Auf diesem Sommerspaziergang, denn ein Sommeralbum
ist "Who Killed the Zutons" auf alle Fälle, streifen
sie so manches Hippie- Fest, bringen aber auf jedes dieser Feten
ihr Bläserensemble, ein paar Streicher, Slide- Gitarren
und eine Rumpelkiste voll anderen Querverweisen an die 60er und
70er Jahre mit, u.a. auch The Grateful Dead. Was sie vor einem
gröberen Absturz in psychedelische Gefilde bewahrt, ist
ihr Pep (Pop), den sie schnurstracks und ohne Übermittlungsverluste
auf den Hörer übertragen können. In der Folge
schwingt die Hüfte und zappelt das Tanzbein und wenn's ruhiger
zu und her geht, dann wird halt mit einem sonnigen Grinsen auf
den Lippen mitgeschunkelt und den imaginären Lichtkäfern
in Slowmotion nachgetänzelt. Was für ein Hörerlebnis.
Web: www.thezutons.co.uk
Tomasz Stanko Quartett:
"Suspended Night", Jazz (ECM)
Kind of blue
Die polnische Legende Tomasz Stanko
scheint seiner Trompete nicht müde zu werden und veröffentlicht
zwei Jahre nach dem vielumjubelten "Soul of Things"
ein neues Album, das seine Vormachtstellung als einer der besten
europäischen Jazzmusiker untermauert.
Von Ralph Hofbauer.
Jazz ist in diesem Magazin eine Ausnahmeerscheinung
und zugegeben, der kultivierte, harmlose Feuilleton-Jazz, der
so manchem DRS2-Hörer den Sonntagmorgen versüsst, ist
ja schnell mal langweilig oder weckt Assoziationen, die man lieber
schlummern lässt. Jazz hat die aufbegehrende Aura längst
verloren, die ihn Mitte des letzten Jahrhunderts noch umgab,
und ist heute für das gutsituierte Bürgertum das, was
damals noch Klassik war: schöne, intelligente, unaufdringliche
Musik. Auch der Jazz von Tomasz Stanko plätschert in der
lieblichen Manier von Miles Davis' "Kind of Blue" aus
den Boxen - und ist trotzdem oder gerade deshalb hörenswert.
Zu sagen, Stanko sei dem grossen Miles ebenbürtig, wäre
wohl Blasphemie, aber gar nicht so verfehlt, denn der Pole meditiert
auf seinem Instrument ähnlich introspektiv-lyrisch wie der
Urvater des Jazz. Trotzdem ist "Suspended Night" keine
Blaupause der angesprochenen Phase der Karriere von Miles Davis.
Stanko schwelgt vielmehr in einer ureigenen Melancholie, die
stärker in der slawischen Mentalität verhaftet scheint,
als im Blues der Südstaaten. Begleitet wird er von Klavier,
Bass und Drums, gespielt von Musikern, die seine Söhne sein
könnten. Stanko hat die drei jungen Polen bereits vor zehn
Jahren unter seine Fittiche genommen und so erstaunt es nicht,
dass das Quartett harmoniert. Es gelingt den Vieren über
70 Minuten eine elegische Atmosphäre aufrechtzuerhalten,
deren Spannung sich bisweilen entlädt, um sich mit neuer
Intensität wieder aufzubauen. Obwohl Raum genug für
Improvisation bleibt, verliert sich das Quartett dabei nicht
in egomanischen Soli. So macht Downbeat-Jazz auch heute noch
Sinn und versüsst auch meinen Sonntagmorgen.
Web: www.ecmrecords.com
Tortoise: "It's all
Around you" (RecRec)
Klangreiches Utopia
Die Wasserschildkröte ist zurück
- gewohnt stilsicher und post-rockig. Felsenfest halten die fünf
Jazz-Rocker die Fahne "Post- Rock aus Chicago" aufrecht
im Wind.
Von Mathias Menzl.
"Tortoise are using rock- instruments
for non-rock purposes". So wurden die fünf Nordamerikaner
in ihren Anfangstagen definiert. An die Zauberformel "Post-Rock"
haben sich Tortoise auch bei "It's all Around you"
gehalten. Eine Veränderung zum Vorgänger "Standards"
ist aber dennoch auszumachen. Tortoise sind sanfter geworden,
mit noch mehr Detailversessenheit. Die Klänge fliessen vor
sich hin, begleitet durch eine sanfte Beschwingtheit. Alles fügt
sich harmonisch zusammen, Ecken und Kanten werde zu Rundungen
und man darf vor sich hinträumen von Utopia oder Mittelerde
wie es das Cover evoziert. Die Stromgitarre bleibt gänzlich
aus, das Xylophon nimmt seine dominante Stellung in gewohnter
Manier ein. So schaffen es Tortoise auch auf ihrem mittlerweile
fünften Werk mit Melodien zu verzaubern, die das geistige
Auge Luftsprünge vollbringen lässt, ob den Eindrücken,
welche die Musik vor selbiges transportiert.
Web: www.thrilljockey.com/bandpage.html?artistnum=1
Whysome: "of the need
to wait", Indie-Rock (Namskeio)
Die Notwendigkeit des
Wartens
Dass in Basel viele Bands ziemlich britisch
klingen, dürfte weit herum bekannt sein. Dass es dabei bessere
und (viele) schlechtere gibt, dürfte ebenfalls klar sein.
Und dass Whysome zu ersteren gehören, ist ja keine Frage!
Von David Bauer.
Whysome haben eine schwierige Phase hinter
sich gebracht. Whysome waren früher mal Bent und in vielen
Basler Musikköpfen als eben diese abgespeichert. Es folgte
der juristisch bedingte Namenswechsel und die langwierige, mühselige
Übergangsphase in der Whysome als neuer Name einer eben
nicht neuen Band etabliert werden musste. Mittlerweile kennt
man Whysome (wieder) und die durch den Namenswechsel verlorenen
Anhänger wurden durch neu dazu gewonnene längst überkompensiert.
Das Warten hat sich für die Band also gelohnt.
of the need to wait ist streng genommen das Debutalbum
von Whysome, das erste Album haben sie noch als Bent veröffentlicht,
als Whysome bisher erst eine EP (not even close to what it
was ment to be, 2002). Diesmal tragen sie dick auf: üppig
instrumentierte Pop-Rock Hymnen, üppig produziert. Whysome
leben ihre Affinität zu den grossen Melodien und schöpfen
ihr Potential und ihre Möglichkeiten mit Tom Jackson (Eat
No Fish, Guano Apes) als Produzenten voll aus. Leider fallen
zwei der markantesten Elemente von Whysome diesen imposanten
Gitarren- und Effektwänden etwas zum Opfer: Victor Hofstetters
aussergewöhnliches Stimmorgan und die Violinenarrangements,
mit denen sich Whysome vom Indie-Rock-Mainstream abheben. Bei
beiden hätten Whysome gut daran getan, sie etwas mehr hervor
zu heben. Nichtsdestotrotz ist ihnen mit der neuen Platte die
bisher professionellste und auch beste gelungen und of the
need to wait können wir ja wörtlich verstehen.
Wir warten auf das nächste Konzert und lassen uns live (Daten
siehe unten) überzeugen. On Stage sind Whysome Spitzenklasse
- garantiert!
Web:
www.whysome.com
Reinhören:
www.whysome.com >> whysome world >>
sounds
Live:
15.05.04 - börömpömpöm
Oberentfelden
19.05.04 - Musikaserne Basel (siehe unten)
20.05.04 - Bierhübeli Bern
21.05.04 - Schüür Luzern
PLATTENTAUFE
|
19. Mai 2004, Musikaserne Basel,
Whysome Plattentaufe mit Special Guests
Whysome geniesst in Basel einen hervorragenden
Ruf als Live-Band. Und dies völlig zu recht. Whysome live,
das ist grundsolider Indie-Rock, grosse raumfüllende Melodien,
eine einzigartige Violine und die Gänsehautstimme von Victor
Hofstetter. Whysome gehören damit klar zu den Lieblingen
des Basler Musikpublikums. Es ist allerdings bereits eine Weile
her, seit man Whysome in Basel live sehen konnte und entsprechend
gespannt darf man auf die Plattentaufe in der Kaserne sein. Das
neue Songmaterial ist um einiges massiver als frühere Songs
und dürfte live noch besser zur Geltung kommen als auf Cd.
Wenn Whysome ihr Potential ausspielen - und das werden sie bei
diesem Heimspiel - dann darf man einen energiegeladenen Auftritt
mit einigen Überraschungen erwarten. Vor lauter Vorfreude
sollte man allerdings nicht vergessen, sich rechtzeitig Tickets
zu besorgen. (dba)
Web:
www.musikaserne.ch
www.ticketcorner.ch
|
NEWS
AUS DEM ROCK EPIZENTRUM
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Magicrays: "On the Shoreline"
Pendleton: "Grounded for a Year" (Re-release)
v.a.: "Gentlemen Sampler 2004"
News aus dem Rock-Epizentrum
Lausanne liefert wieder einmal kreativen
Output. Diesmal gibt es Zinedine Zidane auf Platte, einen Rückblick
auf ein ganzes Jahr sowie eine all-in-one Lösung. Ja wenn
das kein verlockendes Angebot ist...
Von David Bauer.
Wem Favez zu energiegeladen sind,
Honey for Petzi zu minimalistisch und Toboggan zu verspielt,
der findet in den Magicrays die perfekte Mischung. Ihnen
gelingt eine Synthese der Stärken der genannten Bands, wobei
sie die Ecken und Kanten weglassen. Damit sind die Magicrays
bestimmt um einiges mehr mainstream als es die restlichen Bands
aus Lausanne sind. Sie als durchschnittlich zu bezeichnen, wäre
von der Wahrheit dennoch Meilen entfernt. Wie alle Bands des
(nicht mehr ganz so) geheimen Rock-Epizentrums der Schweiz haben
sie dieses gewisse Je-ne-sais-quoi, das die Musik so charmant
wie Montmartre, so bekömmlich wie ein gereifter Bordeaux
und so geschmeidig wie Zinedine Zidane macht. Der Rest ist Hören!
Pendleton
an sich ist nicht allzu vielen Leuten ein Begriff. Wenn man aber
den Künstler, der hinter diesem Projekt steht, nennt, werden
bereits einige aufhorchen: Greg Wicky. Und wenn man dann noch
bemerkt, dass dieser der Frontmann der mittlerweile aufgelösten
Chewy war, ja spätestens dann dürfte zumindest das
Interesse geweckt sein.
Wie sein Bruder Chris - seines Zeichens Favez Frontmann und als
The Sad Riders hin und wieder solo unterwegs - hat auch Greg
ein Soloprojekt, bei dem er seine eher ruhigere Seite auslebt.
Nach dem Ende von Chewy ist Pendleton nun zu Gregs Hauptprojekt
geworden. Bevor im Mai die neue Platte von Pendleton kommt, wird
das Debutalbum Grounded for a Year (1999) nochmals veröffentlicht.
Quasi um in Erinnerung zu rufen, dass da neben Chewy noch etwas
anderes war...
Grounded for a Year besteht aus 12 Songs, wovon jeder
nach einem Monat benannt ist. Darunter findet sich mit "December"
auch ein Song, der später auf einem Chewy Album etwas üppiger
instrumentiert veröffentlicht wurde. Wem Greg Wickys Stimme
gefällt, der wird gerne seine Reise durch die Monate mitmachen.
Frisch, entspannend, humorvoll, deprimierend, energetisch - wie
das Jahr halt so ist...wir sind gespannt auf das neue Album (geplanter
Release im Mai)
Wer erst gerade daran ist, Lausanne
als Herkunftsstadt erstklassiger Musik zu entdecken, ist mit
den Sampler des Gentlemen Labels gut bedient. Bei Gentlemen
laufen die Fäden zusammen, von hier aus gehen die Bands
und Platten in die Schweiz hinaus (grosse Reportage in Plebs
6/03, http://www.netzmagazin.ch/magazin/2003/juni/hoeren1.html VERLINKEN
UND VERSTECKEN). Viele Lausanner Bands sind bei Gentlemen unter
Vertrag (Honey for Petzi, Toboggan, Houston Swing Engine, A Season
Drive, u.a.), zudem vertreibt das Label internationale Acts (The
Appleseed Cast, at the close of every day, u.a.) in der Schweiz.
Der Sampler bietet die ausgezeichnete Gelegenheit, diese kennen
zu lernen.
Web:
www.magicrays.com
www.pendleton.ch
(under construction)
www.gentlemen.ch
Magicrays Live:
20.04.04 - PTR (L'Usine) Genève
25.04.04 - Fri-Son Fribourg
28.04.04 - ISC Bern
21.05.04 - Kiff, Aarau
11.06.04 - Caribana Festival, Crans/Céligny
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KURZKRITIKEN
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Eskobar: "A Thousand Last
Chances" (TBA)
Leichtgewichtig
Wirklich relevant waren Eskobar
nie. Ihre Musik war anspruchsloser Pop, der gerade darin seine
gewissen Reize hatte. Musik zum sich leicht fühlen. Mit
dem neuesten Album sind Eskobar nun aber definitiv selber zum
Leichtgewicht geworden. So langsam aber sicher dämmert es
uns, dass Eskobar nicht bewusst die Musik gemacht haben, die
sie bisher gemacht haben, sondern dass mehr einfach nicht drin
lag. A Thousand Last Chances legt dies schonungslos bloss.
Kane:
"What If", Pop-Rock (BMG)
Frühlingsgefühle?
Der Frühling ist endlich da
und mit ihm die Sonne. Zeit also für Frühlingsmusik.
Kane kommen da gerade richtig. Das holländische Quartett,
in den Niederlanden bereits mehrfach mit Preisen ausgezeichnet,
macht Pop-Rock ohne grosse Ansprüche mit eingängigen
Melodien. Ganz im US-amerikanischen Stile von 3 Doors Down, Lifehouse
und Konsorten. Nicht besser, aber auch nicht schlechter. Durchschnittlich
eben.
Schandmaul:
"Wie Pech & Schwefel" (Musikvertrieb/BMG)
Geiselnahme
Was passiert, wenn Rammstein einen
Troubadours als Geisel nehmen und ihn zwingen, mit ihnen Musik
zu machen? Richtig: Schandmaul! Wobei diese Musik weder die Härte
von Rammstein, noch die lyrische Qualität eines Troubadours
hat. Offenbar sind Rammstein mit ihrer Geisel nicht zufrieden
und das Stockholm Syndrom will nicht wirklich greifen. Wollen
wir hoffen, dass diese Geiselnahme bald ein glimpfliches Ende
findet...
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