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Inhalt dieser Seite:
- CH.Steckbrief: Chris und Greg Wicky stellen sich der ultimativen Herausforderung
- Avril: Macht, was er will
- I Am Kloot: Auch das zweite Mal noch interessant
- Sportfreunde Stiller
- Mañana: Die Stars von morgen?


Schweizer Künstler im Persönlichkeitscheck
CH.steckbrief: 25 Herausforderungen

Musiker sind auch nur Menschen. Aber was für Menschen sind sie? Genau dieser Frage wollen wir mit dem neuen CH.steckbrief auf den Grund gehen. Jeden Monat schauen wir hinter die Fassade der grossen Schweizer Acts. Jeweils 25 Antworten die mitunter sehr viel verraten...

Inhalt diesen Monat:
- Chris und Greg Wicky (Favez, Pendleton, Ex-Chewy, The Sad Riders)

Im Juni:
- Ritschi (Plüsch)

Weitere Namen...
werden im Juni verraten...dranbleiben!

Wer bist du? (*)
Ich wachte in einem Eingang in Soho auf, ein Polizist kannte meinen Namen. Greg Wicky, aka Pendleton.
28 Jahre alt, manchmal fühle ich mich wie 17, manchmal wie 70
Manchmal glaube ich, ich bin nicht schlau genug, manchmal ich sei zu schlau.

Was fällt dir ein, wenn du an Musikjournalisten denkst?
Sie sind männlich, öfter als nicht. Ein harter Job. Etwas zu definieren versuchen, das nicht dazu gemacht ist, definiert zu werden.
Und zu viele schlechte Platten zum anhören.

Der beste Club, das beste Konzertlokal, das du kennst?
Ganz klar: VERA in Groningen, Holland. Mokka, Thun.

Wo gibt es den besten Kaffee?
Non e una questiona difficile. Was für eine coole Frage! Ich bin koffeinsüchtig. Also muss Italien die Antwort sein. Den schlechtesten gibt es übrigens in deutschen Rockclubs.

Was ist lustig?
Guy Borel, wenn er versucht einem Angst zu machen. Ernste Dinge, nicht zu ernst genommen.
Gary Larson, Woody Allen. Hunde mit heraushängenden Zungen. Muskelprotze mit glänzendem Haar in lauten Autos mit glänzenden Rädern.

Was macht dir Angst?
Guy Borel, wenn er versucht lustig zu sein. Alt zu werden. Meine kritische Haltung zu verlieren (und mein Haar).

Was würdest du niemals tun?
Versuchen 16 zu sein, wenn ich 31 bin... "Never say never" ist ein dummes Sprichwort. Aber je älter ich werde, desto wahrer scheint es mir. "Drogen nehmen" ist bestimmt eine sichere Antwort...

Der beste Satz der jemals gesagt wurde?
"Mr. Churchill, you are drunk" "Yes my dear, and you are ugly. Tomorrow, I will be sober" "Man is innocent because he didn't start the whole
thing. But he's guilty because he isn't doing anything
to stop it." Albert Camus, glaube ich.

Im Jahre 2015...
Irgendein Enkel eines idiotischen Vaters eines Arschlochs wird vermutlich Präsident der grössten und arrogantesten Nation seit dem Römischen Reich sein. Viele Trends haben sich hoffentlich wieder umgekehrt. Zum Beispiel sollte es wieder mehr Independent Kinos geben anstatt dieser hässlichen Multiplexe. Mehr Bäume als Autos. Und ich persönlich werde hoffentlich in der Lage sein, jemanden richtig zu lieben.

Welche CD muss man haben?
"Live 1975-1985", von Bruce Springsteen and the E Street Band Leonard Cohen: Greatest hits (vom ersten Teil seiner Karriere)

Welche darf man nicht haben?
Es gibt zu viele, um eine zu nennen. Obwohl, irgend ein Album von Swell würde wohl sogar die schrecklichste Phil Collins-Chris De Burgh-Tina Turner-style Plattensammlung beschmutzen. Jamiroquai, Limp Bizkit.
All diese Pseudo Rock Acts für Kinder, wie sie MTV andauernd spielt. Es sei denn, du bist jünger als 14, dann ist das ok.

Bier oder Champagner?
Oh come oooooonnn! Frisch gepresster Orangensaft

Rotwein oder Weisswein?
Rot. Wirklich. Frisch gepresster Orangensaft. Sorry, ich trinke keinen Alkohol

(nur für Frauen) Robbie Williams or Lenny Kravitz?
I tausche diese Frage gegen die nächste: ROBBIE!!!!!!!!!!!!!!!!! Ich bin ein Mann, trotzdem: Robbie. Er ist der einzig echte Superstar, den es derzeit gibt.

(nur für Männer) Jennifer Lopez or Madonna?
Keine. Don't care. Scarlett Johanson in Lost In Translation!
Wenn von diesen beiden wählen müsste: Madonna. Sie muss doch einfach gut sein im Bett, nicht?

Winter oder Sommer?
Der Sommer hat Songs von The Lovin Spoonfull, Gershwin, Don Henley und Dodgy (ehm), und das hat auch seine Gründe. Winter does sort of suck.... Sommer. Es ist so einfach: von April bis Oktober fühle ich mich lebendig, von November bis März fühle ich mich tot. Ich kann nicht glauben, dass Leute, die den Winter bevorzugen, dasselbe Lebewesen sind wie ich.

Stadt oder Land?
StadtStadtStadt! Je älter ich werde, desto mehr liebe ich die Natur. Wenn ich nur meine Angst vor Spinnen überwinden könnte, würde ich auf's Land ziehen. Allerdings liebe ich auch meine Kinos...

Fühlst du dich frei?
Freier als mein Vater und hoffentlich nicht so frei wie meine Kinder, die noch kommen werden. In meinen Gedanken schon. Aber im Alltag gibt es einfach zu viel Arbeit, als dass man wirklich frei sein könnte.

Was schenkst du guten Freunden?
Cds. Ich lade sie in ein schönes Restaurant zu einem gutem Essen ein.
Oder Bücher: jemandem ein gutes Buch zu schenken ist wie ihm einen Freund zu schenken.

Ein Bild, das dir geblieben ist?
1987, Paris, in der Metro. Ein alter Mann stand inmitten der Menge, machte sich in die Hose und weinte. Eine wahre Geschichte, die ich nur schwer loswerde. Als Liv Tyler ihre Jungfräulichkeit verliert in Steeling Beauty.

Mit wem würdest du gerne mal einen Song aufnehmen?
Mit Neil Hannon von The Divine Comedy; eloquent, intelligent, und noch immer frisch, unterhaltsam und rockend. J Mascis oder Neil Young.
Oder John McEnroe. Ja, der Tennisspieler! Er ist mein all-time hero. Und er spielt Gitarre (allerdings sehr schlecht). Singen mit Evan Dando wäre auch nicht schlecht.

Was singst du unter der Dusche?
"(Don't go back to) Rockville", von REM Eine gute Frage. Meistens derjenige Song, den ich im Kopf habe, wenn ich aufwache.
Manchmal imitiere ich auch Gitarrensoli in Falsetto. Ziemlich beängstigend.

Wozu ist Geld gut?
Um Zeugs zu kaufen, Essen, Videos, Waffen, Bomben, Blumen. Geld ist immer so schlecht wie die Person, die es besitzt. Essen und Reisen. Und Gitarren! Allerdings hätte ich lieber Zeit als Geld.

Was würdest du nie jemandem sagen?
"How did you like our show?" Mein Problem ist, dass ich eben immer Dinge erzähle, dich ich nicht erzählen sollte. Deshalb weiss ich keine Antwort auf diese Frage.

Welches Gerücht über dich würdest du weiterverbreiten?
Dasjenige über den gigantischen Penis, den ich angeblich habe, ist manchmal ganz praktisch (ich kann weder bestätigen noch bestreiten). C'mon, I'm a guy! Ihr wisst die Antwort ganz genau...

Wer darf dich nackt sehen?
Meine Freundin ist die einzige Person, die mich genug fest liebt, um mich noch immer zu lieben, wenn sie mich nackt sieht. Ich habe eine Zeitlang Stillleben von meinem Penis in verschiedenen Umgebungen fotografiert, hauptsächlich zusammen mit Esswaren. Z.B. "Penis mit Trauben und Wurst" oder "Penis auf einem Teller mit Pilzen". Ich bin ein bisschen exhibitionistisch...aber ich habe aufgehört mit solchen Bilder.

(*) Chris Wicky ist Sänger von FAVEZ und nebenbei mit seinem Soloprojekt The Sad Riders unterwegs.

Aktuelles Album FAVEZ: "Bellefontaine Avenue" (Stickman 2003)
Aktuelles Album The Sad Riders: "Lay Your Head On The Soft Rock (Sticksister 2003)

Web:
www.favez.com
www.thesadriders.com

(*) Greg Wicky ist Pendleton und war Sänger von Chewy

Aktuelles Album Pendleton: "Grounded for a Year" (Gentlemen, 2004 re-released)
Neues Album Ende Mai

Web:
www.pendleton.ch
>> under construction
www.gentlemen.ch

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Avril, Avril, macht was er will - wir haben ihn gefragt, weshalb eigentlich
There's nothing like "The Man"

An einem sonnigen Frühlingstag sitzt ein hageres Männlein hinter seinem Laptop in einem halbdunklen Zimmerchen irgendwo in den verwinkelten Räumlichkeiten des Zürcher Musikvetrieb-Gebäudes und raucht Ketten.

Von Patricia Senn.

Erst das zweite Interview heute, insgesamt sind es etwa acht, die Pausen werden mit Vorbereitungen für eine abendliche Performance in Paris überbrückt. Um nichts in der Welt möchte man mit Interviewer Nr. 8 tauschen. Doch noch ist Fred Avril guter Laune, seine Augenringe, erzählt er schief lächelnd, nur eine Folge des momentan so engen Zeitplanes. Auf der Dachterrasse steckt sich der Franzose eine weitere Zigarette an, wirkt entspannt und vor allem: gesprächig.

Welche Unterwäsche trägt er?
Seine neue Homepage ist noch nicht in Betrieb, doch Pierrick Calvez, der verantwortliche Webdesigner, muss ein unheimlich toller Kerl sein, will man Avrils Schwärmereien Glauben schenken (Bestätigung: www.1h05.com). Begeisterungsfähigkeit ist wohl eine seiner ausgeprägteren Eigenschaften, sympathisch. Wir schaffen den Übergang von den unbegrenzten Möglichkeiten und Gefahren des Internets hin zu den drei Tracks auf seiner CD, die man findet, wenn man das Album auf mp3 konvertieren will. Die einzelnen Streams können vom Konsument weiterverarbeitet werden und machen ihn so zum Produzenten.
Mit kleinen Dingen die Welt verbessern. Wen interessiert schon, welche Unterwäsche er trägt oder wie er morgens aussieht, viel dringender scheint ihm die Erteilung von Marketinglektionen an Kinder im Grundschulalter, Zielgruppe der grössten Werbemanipulationen, man muss sie aufklären darüber, welchen Einflüssen sie ausgesetzt sind und wie sie damit umgehen können. Dazu empfiehlt er einen Besuch auf Matthew Herberts www.magicandaccident.com, mit Matthew würde er gerne mal zusammenarbeiten, "wenn Du es irgendwie schaffst, ihn mal zu treffen, das könnte sehr interessant sein". Ein Menschenfreund. Avril ist einer dieser Menschen, denen zu jedem Thema ein Name einer Persönlichkeit, eines Albums oder eine passende Anekdote einfällt. Weiss zu viel, um nicht hinter die Dinge sehen zu können, verfällt dabei aber nicht in schwermütiges Grübeln, sondern scheint es sich zum Vorsatz gemacht zu haben, das zu tun, was der Moment ihm als richtig weist.

Zu viel Message schadet der Musik
Dafür, dass man mit seinem neuesten Album "Members Only" auch mal seine Mühe haben kann, zeigt er Verständnis, und betont im gleichen Atemzug: "I don't care". Nach einem Konzept entworfene Alben sind langweilig, er wollte eine Zusammenstellung der Songs machen, die ihm selber am besten gefielen, und das seien nun mal verschiedene. Wen stört es schon, sich nicht in eine Schublade stecken lassen zu können? Schlussendlich ist alles nicht so wichtig, nach Sinn und Aufgabe der Kunst an sich gefragt, meint er nach langem Überlegen "der Sinn der Kunst ist, keinen Sinn zu machen" oder "die Rolle des Einzelnen in der Gesellschaft sollte so leicht und so frei wie möglich sein, jeder sollte sich natürlich bewegen können, ohne an Grenzen zu stossen, und so verhält es sich auch mit der Kunst, oder sollte es. Was nicht heissen soll, das Kunst reine Unterhaltung ist, doch sie unterhält durch ihre Leichtigkeit und Freiheit." Die Kunst soll gemäss Avril nicht in erster Linie dazu da sein, eine politische oder gesellschaftliche Kritik äussern. Oder anders gesagt: Jemand, der versucht, möglichst viel Message in seine Texte zu packen, läuft Gefahr, dass die Musik selber darunter leidet, und das kann ja unmöglich das sein, was ein Musiker will.
Am 3. Juli spielt Avril nach Air und Blond Redhead am Montreux Jazz Festival (Miles Davis Hall). Man darf gespannt sein auf seine Performance, die nichts mehr mit eigenbrötlerischem Hinter-dem-Laptop-versteckt-sein zu tun hat. Kritiker verglichen seine Liveshow einmal mit einem Kampf zwischen Mensch und Maschine. Den wird Avril zweifellos gewinnen, denn: "There's nothing like "The man"".

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"Es ist sehr "i am klootish", dass man uns nicht so genau einordnen kann." John Bramwell
Manche Chancen bekommt man nur einmal im Leben. Diese nicht: I Am Kloot Interview, Vol.2
I Am Kloot...find ich gut.

Beim zweiten Besuch von I Am Kloot in der Schweiz sprachen wir mit Sänger und Songwriter John Bramwell über das typische I Am Kloot Publikum, die Schwierigkeiten des Songschreibens und ein neues Album.

Von David Bauer und Mathias Menzl (Bilder).

Dienstag Nachmittag in der Bundeshauptstadt. Strömender Regen bei einer kalten Bise. Ein Heimspiel für I Am Kloot. Bereits zum zweiten Mal machen sie auf ihrer aktuellen Tour in der Schweiz Halt. An das erste Mal - im Albani in Winterthur - kann sich John Bramwell, Sänger und Gitarrist von I Am Kloot noch vage erinnern. "Unser Busfahrer war an diesem Abend so dermassen betrunken, dass wir ihn gezwungen haben, im Bus zu übernachten. Bei uns im Hotel wollten wir ihn in diesem Zustand nicht".
Zusammen mit John, der gerade einen freien Tag in Bern verbracht hat, betreten wir das ISC. Er schaut sich kurz um und lacht: "Hier ist ja die Bühne grösser als der Zuschauerraum". Es scheint ihm aber zu gefallen und auch der nicht aufzutreibende Kaffee kann seiner guten Laune keinen Abbruch tun.
Es ist unser zweites Interview mit I Am Kloot - damit sind sie die allererste Band, die zweimal mit einem Interview im Plebs erscheint. Dies hat gute Gründe: I Am Kloot ist eine in vielen Hinsichten bemerkenswerte Band und trotzdem hier zu Lande noch wenig bekannt. John Bramwell hat eine der aussergewöhnlichsten Stimmen der britischen Musikszene, keiner klagt so zuckerwattensüss wie er. Und ausserdem wissen wir noch immer nicht, woher der eigenartige Name I Am Kloot kommt.
Gründe genug, I Am Kloot ein zweites Mal vor das Mikro zu bitten.


"Wir verraten niemandem, was unser Name bedeutet"
Plebs: Ihr habt im letzten Herbst euer Album veröffentlicht. Was habt ihr seitdem gemacht?

John Bramwell: Im Dezember haben wir uns eine kleine Auszeit von vier Wochen gegönnt, was eine gute Idee war. Es war praktisch das erste Mal in den letzten fünf Jahren (d.i. seit es IAK gibt, Anm. d. Verf.), dass wir "getrennt" waren. Ich habe die Zeit genutzt und bereits wieder einige Songs geschrieben, mit denen ich sehr zufrieden bin. Und natürlich waren wir auch auf Tour.

Ihr wart in Deutschland, Spanien, Italien, Österreich, England und den Niederlanden auf Tour. Gibt es so etwas wie das typische I Am Kloot Publikum, oder sind die Leute überall anders?

Ich würde schätzen, unser Publikum ist zwischen 13 und 40 Jahren alt. Wir sprechen verschiedenste Gruppen an. Da können auch mal Goth-girls darunter sein (lacht). Es ist sehr "i am klootish", dass man uns nicht so genau einordnen kann. Und was natürlich schön ist: es kommen immer mehr Leute zu unseren Konzerten. Als wir zum Beispiel das erste Mal in Österreich spielten, kamen vielleicht 300 Leute; einige Gigs, die wir nun in Österreich gespielt haben, waren richtig gross.

I Am Kloot, 6. April 2004, ISC Bern
I Am Amazed

"This song is about love...and desaster", die Ansage, die John Bramwell ziemlich zu Beginn des Konzerts macht, könnte für praktisch jeden Song gelten. I Am Kloot spielen mit den Abgründen menschlicher Emotionen, immer messerscharf zwischen Zynismus, Ernsthaftigkeit und Ironie. Und sie machen ihre Sache so was von mitreissend gut! Die drei Herren - John Bramwell an Gitarre und Mikrofon, Pete Jobson an Bass und Zigarette und Andy Hargreaves an den Drums - nehmen das ISC schnell mit ihren Melodien in Beschlag. Der kleine Raum schafft eine intime Atmosphäre, die den Songs von IAK nur zu Gute kommen. IAK wirken relaxed und haben sichtlich Spass an der Sache, allen voran John, der mit seinem trockenen Humor punktet. Die sympathische Art der drei Mancunians ist das i-Tüpfchen auf ein ohnehin schon begeisterndes Konzert.
Wer I Am Kloot noch nie live gesehen hat, sollte dies bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit nachholen. Für die reisefreudigen unter euch empfehle ich die Festivals in Glastonbury oder Roskilde. (dba)

A propos gross: England ist ja bekannt dafür, dass es gerne Hypes um Bands kreiert. Warum wurdet ihr bisher noch nicht gehyped?

Als wir unsere erste Platte veröffentlichten, waren wir bei einem kleinen Label (Wall of Sound, Anm. d. Verf.) und die Radios wollten unsere Single "Twist" mit der Textzeile "There's blood on your legs...I love you" nicht spielen. Wir waren immer leicht abseits dessen, was generell erwartet wurde. Ich glaube, unsere Songs haben viel poetisches...

Seid ihr vielleicht zu kompliziert für die Massen?

Ich finde es nicht zu kompliziert, wirklich nicht. Aber die Medien meinen wohl, es sei zu kompliziert.

Du glaubst also auch nicht, dass ihr in nächster Zeit gehyped werden könntet?

Doch, schon. Wir machen einfach so weiter wie bisher, werden grösser und grösser und irgendwann sind wir dann so gross, dass die Medien von uns Kenntnis nehmen müssen.

Dies bringt mich wieder zurück zu den Songs, die du für ein nächstes Album geschrieben hast. Wie weit bist du damit?

Keiner ist wirklich fertig, aber ich habe acht oder neun gute Ideen, mit denen ich weiter arbeiten möchte. Jedem Songs fehlt es noch an etwas, aber ich bin zuversichtlich. Allerdings weiss man nie, wie schnell man effektiv voran kommt. Es gibt immer wieder Zeiten, wo es nicht läuft und du auf die nächste Inspiration warten musst.

Brauchst du bestimmte Umstände oder muss du in einer bestimmten Stimmung sein, damit du Songs schreiben kannst?

Wenn ich das wüsste, wäre es einfacher! (lacht) Ich glaube nicht, dass ich das speziell beeinflussen kann. Es sind mehr spontane Situationen, die mich irgendwie ansprechen und zu einem Song inspirieren. Wir sind kürzlich mitten in der Nacht mit dem Tourbus über die Alpen gefahren. Der Sternenhimmel, der Mond, die imposanten Alpen - das ist eine Atmosphäre, die zum Schreiben anregt. Trotzdem habe ich keinen dazu geschrieben. Es ist wirklich ein absolutes Rätsel...


"Schau, ich zeige dir wie die Welt funktioniert und alles ist gut". Jeder, der sowas sagt "is full of shit".
Das Warten auf die Musen...

Ja, effektiv. Es tönt vielleicht etwas prätentiös, aber hat etwas wahres.

Bisher haben dich die Muse offenbar immer zu sehr persönlichen Songs inspiriert. Oder möchtest du gar nicht über andere Themen schreiben, zum Beispiel politische?

Politik ist etwas sehr persönliches. Es ist nur so, dass du, wenn du über Politik schreibst, ein Dogma vertreten musst in gewisser Weise. Du sagst den Leuten, was sie denken sollen nach dem Motto "Schau, ich zeige dir wie die Welt funktioniert und alles ist gut". Jeder, der sowas sagt "is full of shit".

Plebs beginnt den Satz, I Am Kloot beendet ihn:

Wenn wir auf den Bühne stehen, dann lachen wir und werden intensiv - gleichzeitig.
Die Welt wäre besser, wenn mehr Leute I Am Kloot hören würden.
Das beste an Manchester ist, dass es so viele grossartige Dinge gibt.
Ich habe nie verstanden, weshalb es cooler sein soll, älter zu sein.
Man sollte sich I Am Kloot nicht anhören, während man masturbiert.

Du möchtest also keine Lösungen anbieten?

Nein, nicht so. Ich schreibe, weil ich schreibe. Im Grunde genommen ist ja jedes Schaffen von etwas schönem ein politischer Akt. Alleine deshalb, weil man damit ausdrückt, dass es auf der Welt um mehr geht als bloss Geld zu scheffeln.

Letzte Frage: Noch immer habe ich keine schlüssige Antwort auf euren Bandnamen gefunden. Was bedeutet er? Bedeutet er überhaupt etwas?

Das verraten wir nicht. Er hat schon eine Bedeutung, aber wir haben sie noch niemandem verraten.

Web: www.iamkloot.com
Aktuelles Album: "I Am Kloot" (Musikvertrieb; Rezension in Plebs 11/03)

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Sportfreunde Stiller
Dumm wie Brot!

Sie haben gerade ihr drittes Album veröffentlicht. Und die dazugehörige Tour eröffneten sie am 24.04. in Basel. Am Tag drauf trafen wir sie im Abart in Zürich. Nachdem sich die gesamte Band per Handschlag vorgestellt und vom Tourauftakt geschwärmt hatte, gingen wir mit Bassist Rüdiger Linhof, der Rafaello mitbrachte, zum Catering, wo dieses Interview entstand.

Von Stephan Knepper.

Plebs: Hallo Rüdiger. Zuerst eine Frage die du wahrscheinlich schon öfters beantworten musstest. Wie seit ihr auf den Albumtitel Burli gekommen?

Rüdiger Linhof (Rüde): Burli heißt ja soviel wie "kleiner Junge" und wir haben die Platte von Anfang an so genannt. Das war irgendwie so der geläufige Begriff. Wir haben schon versucht andere Plattentitel zu nehmen, weil wir Burli eigentlich gar nicht in Betracht gezogen haben: Zum Beispiel "Im Kopf schon fertig", ist langweilig. "Reicht das noch für ne Sensation", ist noch langweiliger. Und dann haben wir uns für Burli entschieden. Ist ja auch was schönes, denn dann können die Leute zu ersten Mal in ihrem Leben denken sie hätten im Plattenladen ein Lebewesen gekauft und nicht nur einen Gegenstand. Es heißt ja auch: Hast du den Burli schon? Und nicht: Hast du die Burli von den Sportfreunden?

Plebs: Auf der Homepage von eurer Plattenfirma Motor war zu lesen, dass das Burli am Anfang ziemlich gebockt hätte. Wie darf man das verstehen?

Rüde: Es gab halt so ein paar Anlaufschwierigkeiten, Missverstände und Kommunikationsschwierigkeiten mit der Plattenfirma. Aber das haben wir nach einigem Gezicke dann begraben. Und jetzt ist alles gut.

Plebs: Was hab ihr bei dem Burli anders gemacht als bei den Platten davor? Hast du endlich ein Mikro bekommen?


Bassist Rüde
Rüde: Na sicher doch. Ich hab jetzt ein Mikro. Auf Konzerten hab ich ein Mikro und auf der Platte habe ich bei zwei Liedern mitgesungen. Es gibt so erzpeinliche Soloaudiospuren, wo ich zum ersten Mal in meinem Leben gesungen habe. Das hört sich einfach nur krank an. Das hört sich wirklich so krank an, dass kann man keinem Menschen erklären, das ist so das es mir alles zusammenzieht, mir wachsen Haare und Dornen aus dem Rücken wenn ich das höre. Das ist wahnsinnig peinlich. Der Flo (Florian Weber, Schlagzeuger der Band) hat das mal bei einer Party vorgespielt und ich stand dann so allein in einer Ecke und die Leute sind in brüllendes Gelächter verfallen. Das nur dazu, das ist aber nicht die einzige Neuerung. Zum Beispiel habe ich ein Basssolo gespielt, ich habe sogar ein Gitarrensolo gespielt. Des weiteren haben wir noch weiter versucht, dass es dynamischer klingt, dass es härter kling, dass die Lieder besser auf den Punkt gebracht sind. Also harte Lieder hart und softe Lieder schön soft und weich und schmusig. Das sind so die Unterschiede, aber im Grunde genommen sind wir immer noch die drei gleichen Typen, die Lieder schreiben.

Plebs: Im Song "Ich Roque" schimpft ihr über die Leute, die das Wort Rock missbrauchen...

Rüde: Wir setzen uns mit der Thematik auseinander.

Plebs: Ok, oder so. Im Song "Lauth anhören" gibt es folgende Textzeile: Positive Energien und Emotionen lassen sich nicht beliebig klonen". Ist das ein kleiner Seitenhieb auf den ganzen Casting-Wahn, der zur Zeit abläuft? Schließlich heißt die Platte von Daniel Kübelböck "Positive Energien".

Rüde: Der Seitenhieb, in einer doppeldeutigen Art, findet eher im letzten Lied "1. Wahl" statt. Bei Roque geht es um dieses Wortspiel, um den Modebegriff Rock. Alles rockt plötzlich. Aber das es nur einen Menschen gibt, der das tatsächlich sagen kann und das ist der Typ der so heißt, nämlich Roque Santa Cruz vom FC Bayern München. Und er sagt auch in grammatikalisch einwandfreiem Deutsch: Ich Roque.

Plebs: Das ist also wirklich Roque Santa Cruz auf der Platte?

Rüde: Ja genau. Der Peter (Peter S. Brugger, Gitarre und Gesang) hat das beim FC Bayern in der Umkleide aufgenommen. Also er ist mit dem Laptop rein und Roque stand dann so da und wollte singen, dann kam aber Olli Kahn, nur mit einem Handtuch um den Hüften, rein und hat böse geschaut. Dann haben die beiden das im Arztzimmer aufgenommen. Aber bei "Lauth anhören" geht es halt um besondere Momente die es braucht, die man sich aber auch hart erarbeiten muss. Aber der eigentlich Seitenhieb steckt im Song "1. Wahl".

Plebs: Das Roque Lied ist ja über einen Spieler vom FC Bayern. Ist es da eine Art Ausgleich, dass ihr das Lied "Lauth anhören" nach einem Spieler von 1860 München benannt habt?

Rüde: Ja da hat einfach der Typ mit den stärksten Armen bei uns gesiegt. Der heißt Florian "Rakete" Weber, "die Krake", und hat einfach Laut in der deutschen Rechtschreibung umformuliert und mit TH geschrieben, weil Benni Lauth ja ein großes Stürmertalent ist und bei 1860 München spielt. Das musste als Gegengewicht zu Roque Santa Cruz stattfinden.

Plebs: Wie sind denn eure fußballerischen Vorlieben in der Band?

Rüde: Also wir haben jetzt einfach beschlossen, mich aus der ganzen Sache rauszuhalten. Flo und Peter sind halt wirkliche, ganz radikale Fußall-Fans. Flo ist Fan von 1860 und Peter ist Bayern-Fan. Da kann sich so ein Typ wie ich, der niemals im Fußballverein war, nicht einfach reinstellen. Ich kann nicht sagen ich sei 1860-Fan, weil ich halt auch nicht gegen Bayern bin, wenn es in der Champions League gegen Manchester geht. Da stand ich immer so in der Mitte und hatte irgendwann keinen Bock mehr mir diese Heuchler-, Judas-Vorwürfe vom Flo anzuhören. Und dann hab ich gesagt: Lasst mich in Ruhe und macht die Sache unter euch aus. Flo ist 1860-Fan vor dem Herrn. 1860 ist der Verein den er anbetet. Sein Gott ist Diego Maradona, er ist auch in der "Church of Diego Maradona"...

VERLOSUNG

Neugierig geworden? Wir verlosen 3 Mal das Album "Burli" (siehe unten) von Sportfreunde Stiller. Schreibt uns, was wir im Plebs noch besser machen könnten an gewinnenplebs.ch, mit Betreff "Sportfreunde Stiller". Die ausführlichsten Feedbacks werden mit der Platte prämiert. Wie immer gilt: komplette Adresse nicht vergessen.

Plebs: Die gibt es?

Rüde: Die hat er gegründet. Und der Peter ist halt Mitglied bei den Bayern.

Plebs: Wie konnte es da passieren, dass bei einer so fußballverrückten Band, der Tourstart auf das Wochenende fällt, an dem in München das Derby zwischen Bayern und 1860 stattfindet? War das Zufall oder vielleicht sogar Absicht?

Rüde: Wir sorgen ja schon in monatelanger akribischer Arbeit dafür, dass Fernseher bereitstehen damit wir die Spiele sehen können. Die Europameisterschaft ist auch ein sehr großes logistisches Problem bei uns und wir testen gerade die Möglichkeiten mit Satellitenantennen und Übertragungswagen. Aber wir werden vor solchen Problemen nicht klein bei geben. Das Derby steht sogar auf dem Ablaufplan für heute. Siehst du, da stehts: 17.30 Uhr, Anpfiff FCB gegen 1860. Fest eingetragen.

Plebs: Anderes Thema: Rockstars. Ihr seid jetzt seit acht Jahren zusammen als Band unterwegs. In der Zeit habt ihr euch von kleinen Clubs in die größeren Hallen hochgearbeitet. Seid ihr zufrieden mit eurem Werdegang?

Rüde: Ja sehr. Wenn kein Fortschritt da wäre, würde auch der Reiz irgendwann verloren gehen. Jeder braucht halt eine Entwicklung, auf jeder Ebene. Konzerte spielen geht auf Dauer schlecht wenn keine Leute kommen. Aber es ist sehr schön jetzt zu sehen, dass sich das Ganze so gelohnt hat. Dass sich tatsächlich was entwickelt hat und wir nicht blind irgendwo herumgegraben haben. Wir sind jetzt an einem Punkt an dem wir sagen können: Hier wollten wir hin. Davon haben wir geträumt.

Sportfreunde Stiller, 25.04.2004, Abart, Zürich
Tourneeauftakt auf engstem Raum

Das Abart ist eigentlich viel zu klein für die Sportfreunde. Es war sehr laut und sehr heiß. Aber in so einer Atmosphäre entstehen oft sehr schöne Konzerte. Das war auch bei den drei Münchenern der Fall.

Von Stephan Knepper.


Sänger Peter und Schlagzeuger Flo

Gute Platten machen ist nicht einfach, gute Konzerte spielen ist auch nicht leicht. Manche Bands können das eine, andere wiederum das andere. Die Sportfreunde Stiller sind eine Liveband. Sie brauchen ihre Platten zwar nicht zu verstecken, aber auf der Bühne fühlen sie sich am wohlsten. In ihrer 8-jährigen Karriere haben sie eine unglaubliche Bühnenpräsenz entwickelt, die schon fast an die Ärzte erinnert. Sie scherzen untereinander, mit dem Publikum und erzählen von ihrem ersten Schultag und anderen Sachen. Dass macht die Drei sehr sympatisch. Und zwischendurch rocken sie was das Zeug hät.
In Zürich war die Setlist sehr vom aktuellen Album Burli dominiert. Aber auch die Hits der vorherigen Platten würden gespielt. Die heimelige Stimmung im Abart tat ihr übriges. Das inzwischen obligatorische "Auf- die- Verstärker / Schlagzeug- steigen- und- dann- in- Zeitlupe- runterspringen" musste zwar leider aufgrund von Platzmangel und der zu tiefen Decke ausfallen, aber trotzdem hatte die Band ihren Spaß. Genauso wie das Publikum. Ein gelungener Abend für alle Beteiligten. Wer die beiden Konzerte in Basel und Zürich zum Auftakt ihrer großen Tour verpasst hat, braucht sich nicht allzu sehr zu ärgern, kommen die Sportfreunde doch zum Gurten Festival und im Oktober noch mal für zwei weitere Konzerte in die Schweiz.

Web:
www.sportfreunde-stiller.de

Live:
18.07.2004 - Bern - Gurtenfestival
08.10.2004 - Zürich - X-tra
09.10.2004 - Bern - Bierhübeli

Plebs: Also werdet ihr dann irgendwann in Stadien spielen?

Rüde: Das wäre was sehr schönes.

Plebs: Eure Platten waren immer recht erfolgreich. Burli ist in Deutschland auf Platz zwei der Albumcharts eingestiegen. Eure Singles dagegen, sind nicht so erfolgreich. Wie erklärt ihr euch das?

Rüde: Wir machen uns natürlich Gedanken darüber. Es ist ja so, in dieser Hirnschissphase bevor das Album rauskommt, gibt man drei Monate nur Interviews und wird man nur mit der Frage geimpft: Wird es ein Erfolg? Wird es kein Erfolg? Ist es gut? Ist es schlecht? Was ist es? Usw. Und da macht man sich natürlich schon Gedanken wie es wird. Bei bisher jeder Single von uns war es halt so, dass die einfach nie gescheit gelaufen sind. Die meisten Leute kaufen sich halt das Album, das ist ja auch viel besser. Irgendwann kaufen sie sich dann auch mal Singles, wenn sie es wert sind.

Plebs: Andere Bands wie zum Beispiel "Wir sind Helden", haben eine großen Hit und sind auf einen Schlag berühmt und erfolgreich. Fragt ihr euch manchmal, warum das bei euch nicht so gelaufen ist? Oder kommt vielleicht sogar Neid auf?

Rüde: Nee, ich hatte ja bisher viele schöne Jahre mit der Musik und freu mich über die ganze Zeit. Wenn ich stattdessen meine Zeit in der Post gefristet hätte, um dann irgendwann mal innerhalb von kurzer Zeit hochgeschossen wäre, hätte mir das wahrscheinlich nicht so gut gefallen. Ich find das toll, dass die so erfolgreich sind. Es sind ja nicht nur die Helden die so einen Erfolg haben. Es gibt ja auch noch Bands wie Mia oder Tomte. Also einfach viele deutschsprachige Gitarrenbands, die im allgemeinen mehr Gehör finden. Und das finde ich sehr schön, weil wir ja irgendwie auch für dieselbe Sache kämpft. Das man halt Texte in der Sprache schreibt, die die Leute verstehen und somit auch Lieder aus einer Unverbindlichkeit herausholt. Als wir früher unsere ersten Singles herausgebracht haben hieß es immer noch so: Was, deutschsprachigen Gesang und dann noch Gitarrenmusik. Das geht ja gar nicht. Und inzwischen ist es so, dass dafür eine viel größere Offenheit herrscht. Vielleicht auch weil wir so ein bisschen Impulse gegeben haben.

Plebs: Habt ihr irgendwelche Ambitionen was nicht deutschsprachiges Ausland angeht?

Rüde: Ja, wir wollen eine spanische Platte aufnehmen. Ein Best-of in Spanisch.

Plebs: Und das dann auch in Spanien veröffentlichen?

Rüde: Genau!

Plebs: Du hast eben erwähnt, dass man in der Interviewphase bevor das Album veröffentlich wird, mit immer denselben Fragen geimpft wird...

Rüde: Nee, es ist natürlich nicht immer das gleiche. Aber es ist halt das Prinzip, dass man immer über seine Sache redet, und über Ideen die man vor einem Jahr hatte, und im Endeffekt geht es immer nur um Lieder. Dieser Prozess ist halt ein bisschen anstrengend. Aber es geht nicht darum ob die Fragen ähnlich sind. Ich find es sehr interessant Interviews zu geben. Es geht halt um die Menge und man redet nur von sich. Das passt mir einfach nicht so.

Plebs: Darum zum Abschluss noch diese letzte Frage: Was für eine Frage würdest du denn mal gerne gestellt bekommen?

Rüde: Boah fies. Ähemmm. Fällt mir im Moment keine ein.

Hinter uns am Catering bedient sich gerade Sänger Peter (Bild) und wird von Rüde spontan ins Interview miteinbezogen.

Rüde: Peter, welche Frage hättest du immer gern gestellt bekommen?

Peter: Ob wir zum Beispiel mit den charakterlichen Verhaltensweisen der anderen Bandmitglieder einverstanden sind.

Plebs: Und seid ihr?

Peter: Nein. (Gelächter)

Plebs: Inwiefern?

Peter: Ja, die nehmen sich zuviel raus und nehmen sich zu wichtig. Und sie sind sich ihrer Bedeutung als einfache Rhythmusgruppe nicht bewusst.

Plebs: Also du bist eigentlich der Chef, aber sie akzeptieren das nicht?

Peter: Ja...

Rüde: Also die nächste Frage lautet: Warum akzeptieren sie das nicht? Weil der Typ, der sich für den Chef der Band hält, von seinen charakterlichen Eigenschaften und von der allgemeinen Haltung her ein sehr labiler Kerl ist. Hochintelligent und das weiss er auch. Aber trotzdem komisch.

Peter: Aber trotzdem dumm wie Brot!

Rüde: Genau. Dumm wie Brot. Dumm wie Bohnenstroh!!!

Plebs: Sehr interessant. Das war es dann auch von meiner Seite. Es hat mich sehr gefreut.

Rüde: Vielen Dank.

Sportfreunde Stiller: "Burli", Indierock (Universal)
Das letzte Quäntchen fehlt

Der Albumtitel Burli ist auf jeden Fall auf der Liste der beklopptesten Namen für eine CD. Der Inhalt ist ähnlich unterhaltsam. Allerdings fehlt das gewisse Etwas.

Von Stephan Knepper.

Das gewisse Etwas waren auf den vorherigen Platten Lieder wie Heimatlied, Ein Kompliment und Wellenreiten. Solche Lieder, die einen sofort mitreißen wenn man sie hört. Diese Lieder fehlen auf dem Burli. Die Platte entfaltet ihre Schönheit erst nach mehrmaligem hören. Die ein oder andere Perle ist natürlich auf dem Album zu finden. Die erste Single "Siehst du das genauso" überzeugt durch ihre individuelle Melodie und den einfühlsamen Gesang. Genau das Gegenteil ist die nächste Single "Ich, Roque". Die Hommage an Bayern-Spieler Roque Santa Cruz überrascht mit Metalriffs und einem prominenten Gastsänger. Die restlichen Songs spiegeln das ganze Spektrum des Sportfreunde-Universums wieder. Mal hart, mal soft. Es ist alles vorhanden.
Wie nicht anders erwartet, sind die Texte wieder sehr ausgefeilt. Es geht um Freunde, Liebe, Frühling, Existenzrechtfertigungen und Größenwahn. Die Texte sind gut durchdacht, lustig und zum Glück nicht immer in Reimform. Es fällt leicht, den Strophen zu folgen. Insgesamt ein schöne Platte, die den Weg der Sportfreunde fortsetzt, aber nicht herausragt.

Web:
www.sportfreunde-stiller.de

Reinhören:
www.sportfreunde-stiller.de/netzgut.php

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Es geht auch ohne Music Star. Und es geht vor allem besser: Mañana zeigen wie.
Mañana: die Stars von morgen?

Von David Bauer.

Mañana spielen britisch angelehnten Indie-Rock. Sie klingen etwa so, als hätte man Coldplay etwas nachgewürzt. Dies ist durchaus als Kompliment zu verstehen - für Mañana, wohlgemerkt. Noch vor wenigen Monaten waren Mañana indes nicht viel mehr als ein Insidertip. Mittlerweile haben die fünf jungen Herren aus dem Baselbiet die Lovebugs auf ihrer CH-Tour supported, an der Demotape Clinic am M4music den zweiten Platz abgeräumt und sich damit einen Platz auf dem weltweit erscheinenden Diesel Sampler gesichert. Als bisherige Krönung des raschen Aufstiegs gab es im April zuerst einen Auftritt im ISC Bern als Vorband von I Am Kloot und danach im Abart als Support für Keane. Wir haben Mañana an beide Konzerte begleitet und vergleichen sie im Plebs Städte-Battle. Und natürlich haben wir uns auch mit Mañana unterhalten.

KONZERT - BATTLE BERN VS. ZÜRICH

Bern:
6. April im ISC als Support von I Am Kloot

I am Kloot waren angesagt im ISC, vorher allerdings noch eine viel versprechende junge Band vom Rhein- Knie: Mañana. Mit Mañana lässt es sich am Morgen gut aufstehen, weil sie so schön entzücken können mit ihren manchmal zuckersüssen Melodien, getragen von anmutigem Klavierspiel, als auch am Abend gut abrocken, weil sie den Power- Rock à la Muse äusserst professionell drauf haben. Zu Beginn wirkte ihr Set ein wenig verhalten, aber ist ja klar, wer bekäme keine weichen Knie im Vorprogramm von I am Kloot. Zum Ende hin, vermochten ihre Songs oben angetönte Stärken besonders zu akzentuieren, was auch das Publikum im ISC entzückte. (maz)

Zürich:
18. April im Abart Club als Support von Keane

Knappe zwei Wochen später folgt der zweite prominente Support. Das Abart ist bereits ganz ordentlich gefüllt als Mañana die Bühne betreten. Und das frühe Kommen hat sich für die Anwesenden gelohnt. Mañana überzeugen mit grossen Melodien wie mit ausgefeilter Technik und schaffen es gleichsam druckvoll und gefühlvoll zu spielen. Gegenüber dem Auftritt im ISC wirken Mañana selbstsicherer (wenngleich die Bühnenpräsenz vielleicht noch am ehesten als Schwachpunkt dieser noch jungen Band genannt werden kann), was man nicht nur sieht, sondern auch hört. Es ist das Quentchen mehr an Präzision und Energie, welches das Konzert im Abart noch eindrücklicher macht als dasjenige im ISC. Ihr Potential haben Mañana zweifellos gezeigt, mit etwas mehr Routine und entsprechenden Fortschritten steht ihnen für die Zukunft einiges offen...
Vorerst haben die fünf jungen Basler dafür gesorgt, dass Zürich für einmal - nämlich hier bei uns - nicht die Loser-Stadt ist. (dba)

Plebs: Die CH-Tour mit den Lovebugs, euer Song auf dem internationalen Sampler von diesel-u-music, jetzt Supports für I Am Kloot und Keane. Das ist ja fast schon ein Aufstieg im Music Star Tempo. Wie erlebt ihr das, was derzeit passiert?

Mañana (Stevie, Manu, Jan, Lori, Samuel): Es ist schon schnell gegangen, das stimmt. Wir müssen Gas geben, um mit der Entwicklung Schritt halten zu können. Wir sind aber unterdessen doch noch einmal ein Stück konstanter geworden als am Anfang der Lovebugs-Tour. Da haben wir auch mal einen Gig versaut, wo wir jetzt ein sattes Set durchziehen können. Wir freuen uns einfach wahnsinnig über das, was da passiert und auf uns zu kommt. Wir versuchen aber einen Aufstieg hinzukriegen, der etwas nachhaltiger ist als beiden Music Stars...

Was haltet ihr persönlich von I Am Kloot und Keane?


Stehen ganz und gar nicht im Walde: Mañana
Das Konzert mit I Am Kloot war ein absoluter Höhepunkt. Nicht nur durften wir mit einer Hammerband spielen, die bei dreien von uns sowieso in der Heavy Rotation läuft, nein, noch viel besser, wir hatten auch einen, sagen wir mal, sehr unterhaltsamen Abend mit den Jungs. Ihr Auftritt war schon sehr beeindruckend, stimmlich, rhythmisch, die Texte, die Atmosphäre - also eigentlich: alles. Keane kennen wir noch nicht so gut. (Das Interview fand vor dem Keane Konzert statt, Anm. d. Verf.)

Ihr kommt ja nicht aus der Stadt Basel selber, was ihr auch betont haben möchtet. Was unterscheidet euch denn von einer typischen Basler Band?

Es geht ja hier nicht darum, die Basler zu dissen. Bands wie Whysome oder Sensibelle sind klasse, auch andere. Es gibt einfach eine ganze reihe cooler, eigenständiger Bands aus dem Landkanton: Sepia, Cloudride, Generic, oder auch die starke Hip-Hop-Bewegung. Es existiert eine innovative Baselbieter Musikszene, die nicht einfach ein Teil der Basler Szene ist. Da fühlen wir uns zugehörig, und das ist uns auch den einen oder anderen Hinweis wert. Unser persönliches Ziel ist es aber, einen eigenständigen Sound zu entwickeln, der uns von jeder anderen band, aus Basel, Genf oder Texas, unterscheidet. Klar, das kann dauern...

Nichtsdestotrotz fühlt ihr euch wahrscheinlich dem Basler "Musikkuchen" zugehörig. Wie ist die Stimmung zwischen den einzelnen Bands? Spürt ihr Neid von anderen Bands, weil ihr bereits schweizweit unterwegs seid?

Wir gehören eben nicht zum Basler Musikkuchen. Wir haben unseren eigenen Filz...Man trifft sich aber trotzdem, tauscht sich aus, die Stimmung ist eigentlich absolut locker. Andere hätten sicher auch gerne mit den Kloots gespielt, aber wir haben da keine negativen Vibes gespürt.

Wie schätzt ihr generell die Musikszene und den Musikstandort Basel ein?

Die Banddichte ist vielleicht nirgends so hoch wie hier. Zum Auftreten gibt's auch eher wieder mehr Möglichkeiten als noch vor kurzem. Nach der Carambar startet jetzt soeben auch das Sudhaus Warteck eine neue Konzertreihe. Etwas mehr Geld für die Populärkultur von der öffentlichen Hand wäre natürlich nicht zu verachten. Coole Institutionen wie der Rockförderverein haben einfach zu wenig kohle. Am Jugendkulturfestival (www.jkf.ch) oder der "BScene" (www.bscene.ch) ahnt man, was möglich wäre.

Die Debutplatte
von Mañana:

Fast Days EP
(Eigenvertrieb)


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Verfolgt ihr auch das Geschehen in anderen Schweizer Musikszenen? Gibt es welche, die euch aus einem speziellen Grund faszinieren oder solche, die euch gar nicht gefallen?

Lausanne ist sicher die Gitarrenhochburg, da gibt es einen konstruktiven "Kuchen" mit Bands, die sich gegenseitig hochpushen. In und um Luzern soll auch einiges los sein, auch hinter den "grossen". Im Prinzip ist es immer cool, wenn Leute Musik machen und Konzerte veranstalten.

Ein Blick in die Zukunft: welche weiteren Ziele und Wünsche habt ihr?

Eine zweite E.P. und eine eigene kleine Schweizer Tournee sind schon hohe Ziele, die wir aber zu erreichen hoffen, wenn wir unseren eigenen Stil finden und festigen können. Dann beisst ein Label an und wir erobern die Welt...

Web: www.optimistic.ch

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