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Kulturmagazin April 2003 (Nr. 60)

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Uebersicht | Vorwort | Leitartikel | Porträt
Neues Kino: Amerika | Europa & Afrika | Asien | DVD

Neue DVDs

Inhalt dieser Seite:
über Priaten: "Peter Pan"
übers Pfeifen: "La vida es silbar"
über heisse Nächte: "Out cold" (Eiskalt)
über Stephen King: "Misery"

 

"Peter Pan 2 - Neue Abenteuer in Nimmerland" | Walt Disney Meisterwerke | Musik: Nena
Feen, Piraten und ewige Jugend

Der Walt Disney Klassiker Peter Pan von 1953 wurde fortgesetzt. Endlich hat man sich in der Traumfabrik an das Sequel herangewagt.

Die Geschichte ist eigentlich immer noch die gleiche. Peter Pan und seine verlorenen Jungs weigern sich standhaft gross oder sonstwie erwachsen zu werden. Immer noch spielen sie auf ihrer Insel, die recht schwierig für Normalssterbliche zu erreichen ist. Die Wegbeschreibung lautet: Am zweiten Stern rechts vorbei und dann immer geradeaus bis zu Morgendämmerung. Diesen Weg kann man freilich nur gehen, wenn man fliegen kann. Jedenfalls sind auch Cäpt'n Hook und seine getreuen (naja, mehr oder weniger jedenfalls) Mannen immer noch auf Nimmerland. Hook sucht noch immer seinen Schatz, den Peter Pan und seine Jungs ihm damals vor der Nase weggeschnappt haben.

Auf Nimmerland ist die Zeit stehen geblieben. Nicht so auf der Erde. Wo Wendy, Peters Freundin, inzwischen erwachsen geworden ist. Sie hat geheiratet und zwei Kinder bekommen: Jane und Danny. Wendy hat sich einen Teil ihrer Kindheit bewahrt. Sie glaubt immer noch fest an Peter Pan und erzählt ihren Kindern von seinen Abenteuern. Doch als der zweite Weltkrieg in Europa ausbricht, der Vater von Jane und Danny eingezogen wird und die Welt ringsherum sich verändert, scheint es für Jane keinen Platz mehr für Peter Pan zu geben. Sie hört auf an ihn zu glauben, in einem Streit mit ihrem kleinen Bruder erzählt sie ihm sogar, dass die Geschichten nur erfunden seien.

Just in der Nacht nach diesem Streit wird sie allerdings von Cäpt'n Hook und auf seinem fliegenden Piratenschiff entführt und ins Nimmerland gebracht. Dort muss sie dann zusammen mit Peter Pan einige Abenteuer erleben, bevor sie sich wieder in unsere Welt aufmacht, um die Botschaft von Peter Pan weiter zu erzählen: dass mit Glaube, Vertrauen und ein wenig Feenstaub alles möglich ist. Schliesslich wurde Jane sogar in die verschworene Truppe der verwunschenen Jungs aufgenommen. Als allererstes Mädchen. Sozusagen die Geburtsstunde einer Petra Pan? Oder Walt Disney's erste Schritte in eine emanzipierte Welt?

Jedenfalls ist die neue Geschichte um Peter Pan kurzweilig, die Figuren sind in Disneyhafter Manier zauberhaft gezeichnet. Alles in allem ein grosser Spass für die Kleinen. Vor allem die Szenen mit dem Riesenkraken, der Jagd auf den bösen Hook macht, sind zum schreien. Aber auch für Erwachsene, die sich einen kleinen Teil von Kindlichkeit erhalten haben, können sich gut mit diesem Film amüsieren...

Erhältlich auf DVD und Video.

Web: disney.go.com/disneypictures/neverland

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"La vida es silbar" von Fernando Pérez | mit Luis Alberto Garcia, Coralia Valoz, Claudia Rojas | Drama
Kuba. Leben. Pfeifen.

Der kubanische Film von Fernando Pérez (Kuba, 1998) ist ein Film über das Pfeifen und ein Film über das Glück. Ein surrealistisches Portrait Kubas und eine ironische Satire über ein marodes System.

Von daniel.kulleplebs.ch. "In meiner Klasse ist es nicht erlaubt zu pfeifen", sagt uns unmissverständlich die Lehrerin zu Beginn des Filmes. Und wie sind wir froh, dass wir sie den ganzen Film über nicht wiedersehen werden. Denn das Pfeifen, das ist die Lust am Leben, die Lust zu tanzen und Fische zu fangen an der Promenade von Habana, das ist die Lust, Männer mit Blicken auszuziehen und Schnecken- wettrennen zu veranstalten.

Von drei Menschen erzählt uns der Film und von der Suche nach Glück im Kuba der neunziger Jahre: Da ist der Fischer Elpidio (Luis Alberto García), den seine Mutter Cuba (!) verlassen hat, da er nicht ihren Vorstellungen entsprach. Und nun kniet er täglich vor seiner Santeria-Götze und wartet auf ein Zeichen seiner Mutter. Erst die Biologin aus den fernen USA, die mit einem Greenpeace-Ballon direkt vor seinen Füßen landet, und in die er sich verliebt, lässt ihn langsam Abschied nehmen von einer Mutter, die nicht zurückkommen wird.

Und da ist Julia (Coralia Veloz), Pflegerin in einem Altersheim, die von plötzlichen Gähnattacken heimgesucht wird und jedes Mal in Ohnmacht fällt, wenn sie das Wort "Sex" hört. Ein Psychiater wird ihr schließlich helfen, eine schreckliche Vergangenheit aufzuarbeiten, die sie verdrängt. Und in einer der amüsantesten Szenen des Films wird er ihr zeigen, dass sie mit dieser Verdrängung nicht allein ist: Er wird über die Strasse rennen und Worte schreien wie "Freiheit", "Opportunismus" oder "Doppelmoral", während um ihn herum die Leute scharenweise in Ohnmacht fallen.

Und schließlich ist da noch die hübsche Tänzerin Mariana (Claudia Rojas), die den Männern nicht abgeneigt ist und ihr Leben und das Ballett genießt. Doch um die Hauptrolle in einem neuen Stück spielen zu können, legt sie ein lebenslanges Keuschheitsgelübte ab. Natürlich wird sie sich kurz darauf unsterblich verlieben.

Der Film lebt von geradezu typisch kubanischer Musikalität - die der Klischeelastigkeit eines ,Buena Vista Social Club' gekonnt ausweicht - und einer meisterhaften, surrealistischen Fotografie. Nicht zuletzt ist Magritte hier ganz bewusst Vorbild gewesen. Doch die überbordende Symbolik, die den Film durchzieht, mag manchem Zuschauer sicherlich zu viel erscheinen: Nichts in diesem Film steht einfach nur für sich, alles ist Anspielung, Allegorie oder verschmitzte Ironie. Die gute Fee (Bebé Pérez), die ihre Zuschauer an die Hand nimmt und durch den Film führt, die ihre Figuren genauso bevormundet und ihnen per Dekret Glückseligkeit verordnet, wirkt genauso: aufgesetzt und doch sympathisch. Ihre Bevormundung mag stören, doch das ist Programm: Die Fee, das ist Kuba, genauso wie Elpidio, Julia und Mariana. Und sie alle machen den Film zu dem was er ist: ein surrealistisches, beizeiten holpriges, beizeiten überfrachtetes, aber immer wieder amüsantes, schönes Werk. Ein Film über Kuba. Ein Film über das Leben. Das Leben, ein einziges Pfeifen.

Erhältlich auf DVD und Video.

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"Out cold" (Eis kalt) von Brendan und Emmett Malloy | Komödie
Snowboard-Komödie

Die Sportkomödie handelt nicht nur vom Snowboarden, von Alaska oder wilden Eisbären. Es geht auch um (heisse und kalte) Nächte, Liebe und Geld, viel Geld. Eine Gruppe Chaoten angeführt vom verhältnismässig "normalen" Rick (Jason London) führt zusammen einen kleinen Snow-Resort in Alaska, Bull Mountain. Der verträumte Ort wurde vor vielen Jahren von einer Ski-Ikone (Papa Muntz) gegründet.

Eines Tages erscheint Mr. Majors (glänzend gespielt durch Lee Majors, auch bekannt als Sechs Millionen Dollar Mann) und kauft zusammen mit seinen Investoren das ganze Gebiet. Was zuvor ein verträumter, ruhiger und abgelegener Ort war, soll zum Mekka der Reichen und Schönen werden. Majors Plan ist es, die verstaubte Landschaft zum Starbucks und Tofu-Resort umzubauen. Majors kam nicht alleine. Er brachte seine zwei Töchter mit. Inga, die heisse Schweizerin (Victoria Silvstedt) und die alte Liebe von Rick, Anna.

Der Hummer-Cowboy Majors ernennt Rick zum neuen Manager und will am Jahresfest den Ort seinen Partnern und Investoren vorstellen. Doch Rick ist inzwischen nicht mehr überzeugt, ob es richtig ist, Bull Mountain völlig umzubauen und zum Jet-Set-Ort zu machen, denn nach dem Drogentest wurden alle seine Freunde entlassen und beschliessen, dem neuen Snownook den Rücken zu kehren. Rick kann die Situation gerade noch im letzten Moment retten. Zusammen mit Anthony, Pig Penn, Lance, Luke und Jenny machen sie sich zum entscheidenden Ride auf den Berg - let's do this Papa Muntz style.

Eine heimelige Schnee-Komödie in eine Liebesgeschichte gepackt mit wunderbaren Snowboardszenen und herrlichem Humor.

Erhältlich auf DVD und Video.
Sehr zu empfehlen ist auch der Soundtrack u.a. mit Eve 6, Sum 41 und den Foo Fighters.

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"Misery" (DVD Special Edition) von Rob Reiner | mit James Kaan, Kathy Bates | Thriller

Der Bestsellerautor Paul Sheldon gerät nach einem Autounfall in einer verschneiten Einöde Amerikas, die er willentlich als Exil fernab urbaner Zivilisation aufgesucht hat, um sein neustes Werk fertigzustellen, in die behutsamen Fänge einer zu geistigen "Epilepsieanfälle" neigenden Krankenschwester, die sich dazu auch noch als sein grösster Fan entpuppt...

So präsentiert sich die asketische, kammerspielartige Ausgangslage des anfangs 90er von Rob Reiner nach dem gleichnamigen Roman von Stephen King adaptierten Psychothrillers. Die filmische Umsetzung des literarischen Stoffes besticht nicht nur durch die gelungene und konstante Erzeugung klaustrophobischer Atmosphäre, dem raffiniert angelegten Handlungsbogen und der den Werken des Grossmeisters Hitchcock entlehnten Suspense, sondern vorallem durch die doppelte Lesart, die dem Zuschauer angeboten wird (was in Anbetracht der hollywoodianischen Mainstreamfilmtradition gar als exotische Qualität gwertet werden darf): Nebst dem konventionell vorgetragenen Duell zweier ungleicher Kontrahenten, kann der Film auch als Parabel auf den qualvollen Prozess der Kreativitätsgebärung seitens einer Autorenperson (als "pars pro toto") und der Exorzierung seiner eigenen existentiellen, künstlerischen Selbstzweifel durch die komplette Loslösung von jeglichen Leserschaftserwartungen verstanden werden. Aeusserst sehenswert sind auch die in einem kontrapunktischen, wie auch komplementären Wechselspiel zueinander stehenden Darbietungen der beiden Protagonisten, die stets sich neu definierende Abhängigkeits-und Machtverhältnisse entstehen lassen, welche durch eine bemerkenswert suggestive Kameraführung vortrefflich visualisiert werden.

In technischer Hinsicht weist die DVD von MGM einen makellosen Bildtransfer und einen ebenso herausragenden Audiosound auf und darf sich zweifelsohne, bestückt mit vielseitigem Bonusmaterial, das unteranderem nebst einer Dokumentation, die als Reflektion über den Film und die zentralen Charaktere gedacht ist, auch noch einen aufschlussreichen Audiokommentar des Regisseurs zu bieten hat, zurecht als "Special Edition" bezeichnen.

Dies bedeutet für den potentiellen Konsumenten: Hoher Kaufpflichtsfaktor. (bob)

Erhältlich auf DVD.

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