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Kulturmagazin April 2003 (Nr. 60)

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Uebersicht | Vorwort | Leitartikel | Porträt
Neues Kino: Amerika | Europa | Asien | DVD

Neue Kinofilme aus Nord- und Südamerika

Inhalt dieser Seite:
Michael Moore: "Fahrenheit 911"
Spiderman 2: "Daredevil"
Hollywood-Kitsch: How to lose a man in 10 days
Brazil: Cidade des deus

"Fahrenheit 911" von Michael Moore
Michael Moores nächster Streich

Michael Moore's nächstes Projekt Fahrenheit 911 wird mindestens soviel hitzige Diskussionen anregen wie sein Oscar prämierter Dokumentarfilm Bowling for Columbine und sein Bestseller Buch Stupid White Men.

Von michael.gysinplebs.ch. In Fahrenheit 911 untersucht Moore das Geschehen in den USA seit dem 11. September und wie die Bush Regierung dieses tragische Ereignis für ihre politischen Interessen ausnutzte. In diesem Zusammenhang wird auch die Frage gestellt, wieso die Regierung Unmengen an Filmmaterial über den Flugzeugabsturz aufs Pentagon vom 11.9. unter Verschluss hält.

Ein weiterer pikanter Punkt in dieser Dokumentation sind die privaten und geschäftlichen Verbindungen des Bush Clans mit der bin Laden Familie. George W. Bush Senior hielt seit seiner Amtszeit Kontakt mit Mohammed bin Laden, dem saudischen Baumogul und Vater von Osama bin Laden. Bush Senior brach diese Beziehungen erst zwei Monate nach den Terroranschlägen vom 11.9. ab.

Fahrenheit 911 wird von Mel Gibson's Firma Icon Productions mit 10 Million Dollar vorfinanziert. Gibson, ein konservativer Republikaner und Kriegsbefürworter, dürfte die Aussicht auf einen Kassenschlager seinen politischen Gesinnungen vergessen haben lassen. Spielte doch Bowling for Columbine, bei Produktionskosten von 3 Millionen Dollar, weltweit 40 Millionen Dollar ein.

Seit über einem Jahr recherchiert Moore schon für Fahrenheit 911, welcher an den Cannes Filmfestspielen im Frühjahr 2004 eingereicht werden soll. Im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen im November 2004 soll er dann in die Kinos kommen.

Kinostart nicht vor Frühjahr 2004.

Web: www.michaelmoore.com

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"Daredevil" von Mark Steven Johnson| mit Ben Affleck, Jennifer Garner | Comic-Adaption / Action
Was wäre, wenn Justizia einen Radarsinn hätte?

Eine weitere Filmadaption eines Superhelden-Comics. Nach Spider-Man schafft sein etwas finsterer Nachbar den Sprung auf die Leinwand. Ben Affleck spielt Daredevil, der nachts in rotem Lederkostüm den Verbrechern das Fürchten lehrt. Sehr überzeugend wirkt er aber nicht.

Von giovanni.peduto@plebs.ch. Rechtsanwalt Matt Murdock (Ben Affleck) erleidet als kleiner Junge einen Unfall, der ihm das Augenlicht kostet. Dafür entwickeln sich seine anderen vier Sinne auf übernatürliche Weise: Er entwickelt einen aussergewöhnlichen Hör- und Tastsinn, und eine Art Radarsinn, der ihm ermöglicht, durch Schallwellen verursachte Vibrationen zu "sehen" und somit seine Umgebung wahrzunehmen. Wie auch sein Vater ist Matt ein Kämpfer, der in seiner Freizeit die neu erlangten Fähigkeiten, seinen Körper und seinen Geist zur Perfektion trainiert. Nach dem brutalen Mord an seinem Vater entschliesst er, sein Leben der Gerechtigkeit zu widmen und er eröffnet mit seinem Freund Franklin "Foggy" Nelson (Jon Favreau) eine Anwaltskanzlei, in der sie Schwachen und Unterdrückten zu helfen versuchen. Doch in einer von Korruption und Verbrechen beherrschten Stadt können legale Mittel wenig bewirken und der frustrierte Anwalt muss zusehen, wie Verbrecher vor Gericht freigesprochen werden. Von Vergeltungssucht getrieben, versucht er darum als maskierter Rächer im Teufelskostüm den unschuldigen Opfern zu helfen. Wer der Justiz entgeht, entgeht nicht seinem Alter Ego Daredevil, das sich nachts über die Strassen von Hell's Kitchen schwingt und Kriminelle mit Hilfe seiner Fähigkeiten aufspürt und verprügelt. Doch sogar für einen Superhelden ist das in einem fiktiven New York herrschende Verbrechen zu viel und es scheint als hätte Kingpin (Michael Clarke Duncan), der König der Unterwelt, die Stadt fest in seiner Gewalt. Als Matt Murdock Elektra Natchios (Jennifer Garner) kennenlernt, die Tochter eines mächtigen griechischen Wirtschafts-Tycoons, scheint ein Hoffnungsschimmer in sein bisher düsteres Leben zu dringen, privat wie auch beruflich. Denn wie sich herausstellt, ist Elektra eine Kampfsportexpertin und wie geschaffen, um an Daredevils Seite gegen das Verbrechen zu kämpfen. Doch als der von Kingpin angeheuerte Killer Bullseye (Colin Farrel) ihren Vater ermordet, und Elektra Daredevil für den vermeintlichen Mörder hält, kommt es zur erwarteten Eskalation.

Wie auch schon Spider-Man und X-Men stammt Daredevil aus dem Marvel Verlagshaus und wurde 1964 von Stan Lee erfunden. Obwohl eine weit aus spannendere Figur als Spider-Man, fällt diese Adaption um einiges schlechter aus. Schon das aus rotem Leder genähte Kostüm, dessen kitschiger Glanz den Superhelden als Karrikatur seiner selbst erscheinen lässt, missfällt mindestens jedem Comicliebhaber. Die grosse Anzahl Cuts in den Kampfszenen lässt meistens nicht mehr als einen herumwirbelnden roten Fleck erkennen, und der Film kommt nur dann zu einem erträglichen Tempo, wenn Affleck für kurze Momente in (Super)Heldenposen verweilt. Bei den Specialeffects handelt es sich zwar wie bei Spider-Man um offensichtliche Computeranimationen, doch fallen sie bei dieser Figur negativer auf. Daredevil kauft man die Kletterkünste beim erklimmen der Gebäude irgendwie nicht ab und er wirkt mehr unbeholfen als heldenhaft. Gut umgesetzt wirkt hingegen seine Radarsicht, in die der Zuschauer öfters Einblick hatm und die die Welt wie ein animiertes Röntgenbild erscheinen lässt. Schauspielerisch überzeugen die Hauptfiguren wenig oder gar nicht. Ben Affleck ist für die Rolle eines Helden einfach nicht geeignet und wirkt nur echt, wenn er als cooler Normalsterblicher versucht, Elektras Telefonnummer zu kriegen. Jennifer Garner ist kurz gesagt langweilig, was vielleicht aber auch daran liegt, das ihr Charakter nur oberflächlich behandelt wird. Farrels Charakter Bullseye ist schlicht zu überdreht und bewirkt statt der erwünschten Komik nur Kopfschütteln. Einzig Murdocks Partner Nelson schafft es, durch einige witzige Einlagen die ohnehin schon überspitzte Ernsthaftigkeit des Films zu lockern.

Der Film scheitert vor allem am Versuch, den Charakter eines Comics beizubehalten, was aber dazu führt, - wie bei allen schlechten Comic Adaptionen - dass der Film langweilig und grotesk wirkt.

Läuft seit dem 20. März 2003.

Web: www.daredevil.de

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"How to lose a man in ten days" von Donald Petrie | Liebeskomödie
Hat es(/r) kein Ende?!

Erfolgreich und schön trifft auf schön und erfolgreich, tough sind beide, aufgeben will niemand, doch am Schluss siegt die...........wir wollens ja nicht verraten nur soviel: es ist wie immer. Leider!

Von patricia.gavilanoplebs.ch. Andie Anderson hätte eigentlich keinen Grund sich zu beklagen: Beruflichen Erfolg als Kolumnisten eines beliebten tennie-mags, gutes Aussehen und viele freunde erleichtern ihr Dasein doch ungemein, jedoch fühlt sie sich in ihrem unterfordert und eingeschränkt, da ihre Kolumnen sich jeweils nur um Schuhe, Make-up und Liebesangelegenheiten handeln dürfen. Deshalb zögert sie nicht lange, als ihre Vorgesetzte ihr einen Deal vorschlägt: sollte es ihr gelingen innerhalb von 10 Tagen irgendeinen Mann kennen zu lernen um ihn dann mit den üblichen kleinen Fehlern, die Frauen in der ersten Verliebtheit manchmal machen, zu vergraulen, so würden ihr alle journalistischen Freiheiten zugesprochen. "Leichtes Spiel", denkt sie sich und geht am noch selben Abend auf die Suche nach dem geeigneten Opfer.

Sie sieht schon ihren Triumph als der potenzielle Freund anbeisst, jedoch kann sie nicht ahnen, dass eben dieser charmante, schöne Mann namens Benjamin Barry ebenfalls eine Wette zu gewinnen versucht: er muss innerhalb von 10 Tagen eine Frau finden, welche sich aufgrund seiner vorgespielten Zuneigung ihr gegenüber in ihn verliebt, denn nur so kann er seinem Chef beweisen, dass er der beste Werbeagent überhaupt ist. Katastrophe natürlich vorprogrammiert.

"Wie werde ich ihn in 10 Tagen los?" ist ein Film der wegen Mangels an Originalität nicht zu überzeugen vermag, trotz den eingestreuten Lachern, dem Sexappeal der Hauptdarsteller und der glamourös perfekten Welt in welche die ganze Handlung gesetzt wird. Zu berechenbar der Ausgang, zu krampfhaft der Versuch, sich von den übrigen Liebeskomödien abzuheben ( etwa mit der Erfindung des Spiels "Bullshit"). Einzig Kate Hudson, die schon in "Almost Famos" hervorstach, mimt die Liebeskranke auf eine so ........Art, dass sie dem gelangweilten Zuschauer doch noch ein Schmunzeln abringen kann. Schade nur, dass sie sich für so einen Film hergibt!

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"Cidade de deus" von Fernado Meirelles
Gott?

Der etwas andere Film über die Feriendestination Nr. 1, Brazil, fast ganz ohne Fußball und Strände, dafür bewusstmachend, schockierend, autentisch. Asi es la vida.

Von patricia.gavilanoplebs.ch. Mit seinen 17 Jahren hat Buscape schon viel erlebt, besser wäre wohl überlebt: Die Entstehung seiner Favela, Cidade de deus, einem Ghetto in Rio, das Verschwinden seines Bruders und das Beobachten der immer größer werdenden Kriminalität und Skrupellosigkeit, welche unter seinen Kollegen grassiert. Drogendeals, Bandenkriege und Mord gehören zur Tagesordnung, und wenn die Jungs eines wissen, dann, dass wenn sie nicht dabei sind, sie sowieso mit dem Tod rechnen müssen. Die besten Freunde könnten diejenigen sein, welche irgendwann die Waffe auf sie richten, Loyalität ist sehr relativ, wenn man so mit seinem leben spielt, zu spielen gezwungen wird und so intensiv damit beschäftigt ist, sich zu retten, dass man seine erbärmliche Lage gar nicht zu erkennen vermag. Einzig Buscape selbst, der Erzähler, welcher die Zuschauer scheinbar wahllos durch verschiedene Ereignisse und Zeitabschnitte führt, sehnt sich nach der Freiheit erkennt, dass das Gettoleben nicht die einzige Wirklichkeit ist. Ob diese Einsicht jedoch reicht um "rauszukommen" bleibt auch am Schluss des Films offen.

Mit "Cidade de Deus" hat der brasilianische Regisseur Fernando Meirelles eines der Überzeugendsten Filme über das Leben eines Favelas-Kind geschaffen. Schockierend, jedoch nie Realititätsfremd führt er den Zuschauer in eine neue Welt ein, lässt ihn erfahren, was es heißt, Gewalt als Spiel ansehen zu müssen um zu überleben. Besonders die "Dokumentation" des kleinen Dadhinho zu ekelhaften und skrupellosen Badenführer "Ze Pequeno" ist beängstigend. Man erlebt mit, wie ein unschuldiges Kind durch die äußeren Umstände zum Monster mutiert, all die menschlichen Gefühle ablegt, immer von der Macht des "Erfolges" getrieben. Sein Ende jedoch ist ein Tragisches, doch irgendwie gerecht............

Geniale Kameraführung und überzeugende Darsteller zeichnen den Film weiter aus und lassen nicht zu, dass man ihn als fiktiv betrachtet. Was er leider auch nicht ist (basierend auf autobiographisches Buch von Paulo Lin).

Web: www.frenetic.ch

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