Sehen
Uebersicht | Vorwort
| Leitartikel | Porträt
Neues Kino: Amerika | Europa | Asien | DVD
Neue Kinofilme aus
Nord- und Südamerika
Inhalt dieser Seite:
Michael Moore: "Fahrenheit 911"
Spiderman 2: "Daredevil"
Hollywood-Kitsch: How to lose a man in
10 days
Brazil: Cidade des deus
"Fahrenheit 911" von
Michael Moore
Michael Moores nächster
Streich
Michael Moore's nächstes Projekt
Fahrenheit 911 wird mindestens soviel hitzige Diskussionen anregen
wie sein Oscar prämierter Dokumentarfilm Bowling for Columbine
und sein Bestseller Buch Stupid White Men.
Von michael.gysin
plebs.ch.
In Fahrenheit 911 untersucht Moore das Geschehen in den USA seit
dem 11. September und wie die Bush Regierung dieses tragische
Ereignis für ihre politischen Interessen ausnutzte. In diesem
Zusammenhang wird auch die Frage gestellt, wieso die Regierung
Unmengen an Filmmaterial über den Flugzeugabsturz aufs Pentagon
vom 11.9. unter Verschluss hält.
Ein weiterer pikanter Punkt in dieser Dokumentation
sind die privaten und geschäftlichen Verbindungen des Bush
Clans mit der bin Laden Familie. George W. Bush Senior hielt
seit seiner Amtszeit Kontakt mit Mohammed bin Laden, dem saudischen
Baumogul und Vater von Osama bin Laden. Bush Senior brach diese
Beziehungen erst zwei Monate nach den Terroranschlägen vom
11.9. ab.
Fahrenheit 911 wird von Mel Gibson's Firma
Icon Productions mit 10 Million Dollar vorfinanziert. Gibson,
ein konservativer Republikaner und Kriegsbefürworter, dürfte
die Aussicht auf einen Kassenschlager seinen politischen Gesinnungen
vergessen haben lassen. Spielte doch Bowling for Columbine, bei
Produktionskosten von 3 Millionen Dollar, weltweit 40 Millionen
Dollar ein.
Seit über einem Jahr recherchiert
Moore schon für Fahrenheit 911, welcher an den Cannes Filmfestspielen
im Frühjahr 2004 eingereicht werden soll. Im Vorfeld der
Präsidentschaftswahlen im November 2004 soll er dann in
die Kinos kommen.
Kinostart nicht
vor Frühjahr 2004.
Web: www.michaelmoore.com

"Daredevil" von Mark
Steven Johnson| mit Ben Affleck, Jennifer Garner | Comic-Adaption
/ Action
Was wäre, wenn Justizia
einen Radarsinn hätte?
Eine weitere Filmadaption eines Superhelden-Comics.
Nach Spider-Man schafft sein etwas finsterer Nachbar den Sprung
auf die Leinwand. Ben Affleck spielt Daredevil, der nachts in
rotem Lederkostüm den Verbrechern das Fürchten lehrt.
Sehr überzeugend wirkt er aber nicht.
Von giovanni.peduto@plebs.ch.
Rechtsanwalt Matt Murdock (Ben Affleck) erleidet als kleiner Junge
einen Unfall, der ihm das Augenlicht kostet. Dafür entwickeln
sich seine anderen vier Sinne auf übernatürliche Weise:
Er entwickelt einen aussergewöhnlichen Hör- und Tastsinn,
und eine Art Radarsinn, der ihm ermöglicht, durch Schallwellen
verursachte Vibrationen zu "sehen" und somit seine Umgebung
wahrzunehmen. Wie auch sein Vater ist Matt ein Kämpfer, der in
seiner Freizeit die neu erlangten Fähigkeiten, seinen Körper
und seinen Geist zur Perfektion trainiert. Nach dem brutalen Mord
an seinem Vater entschliesst er, sein Leben der Gerechtigkeit zu widmen
und er eröffnet mit seinem Freund Franklin "Foggy"
Nelson (Jon Favreau) eine Anwaltskanzlei, in der sie Schwachen und
Unterdrückten zu helfen versuchen. Doch in einer von Korruption
und Verbrechen beherrschten Stadt können legale Mittel wenig
bewirken und der frustrierte Anwalt muss zusehen, wie Verbrecher vor
Gericht freigesprochen werden. Von Vergeltungssucht getrieben, versucht
er darum als maskierter Rächer im Teufelskostüm den unschuldigen
Opfern zu helfen. Wer der Justiz entgeht, entgeht nicht seinem Alter
Ego Daredevil, das sich nachts über die Strassen von Hell's Kitchen
schwingt und Kriminelle mit Hilfe seiner Fähigkeiten aufspürt
und verprügelt. Doch sogar für einen Superhelden ist das
in einem fiktiven New York herrschende Verbrechen zu viel und es scheint
als hätte Kingpin (Michael Clarke Duncan), der König der
Unterwelt, die Stadt fest in seiner Gewalt. Als Matt Murdock Elektra
Natchios (Jennifer Garner) kennenlernt, die Tochter eines mächtigen
griechischen Wirtschafts-Tycoons, scheint ein Hoffnungsschimmer in
sein bisher düsteres Leben zu dringen, privat wie auch beruflich.
Denn wie sich herausstellt, ist Elektra eine Kampfsportexpertin und
wie geschaffen, um an Daredevils Seite gegen das Verbrechen zu kämpfen.
Doch als der von Kingpin angeheuerte Killer Bullseye (Colin Farrel)
ihren Vater ermordet, und Elektra Daredevil für den vermeintlichen
Mörder hält, kommt es zur erwarteten Eskalation.
Wie auch schon Spider-Man und X-Men stammt
Daredevil aus dem Marvel Verlagshaus und wurde 1964 von Stan
Lee erfunden. Obwohl eine weit aus spannendere Figur als Spider-Man,
fällt diese Adaption um einiges schlechter aus. Schon das
aus rotem Leder genähte Kostüm, dessen kitschiger Glanz
den Superhelden als Karrikatur seiner selbst erscheinen lässt,
missfällt mindestens jedem Comicliebhaber. Die grosse Anzahl
Cuts in den Kampfszenen lässt meistens nicht mehr als einen
herumwirbelnden roten Fleck erkennen, und der Film kommt nur
dann zu einem erträglichen Tempo, wenn Affleck für
kurze Momente in (Super)Heldenposen verweilt. Bei den Specialeffects
handelt es sich zwar wie bei Spider-Man um offensichtliche Computeranimationen,
doch fallen sie bei dieser Figur negativer auf. Daredevil kauft
man die Kletterkünste beim erklimmen der Gebäude irgendwie
nicht ab und er wirkt mehr unbeholfen als heldenhaft. Gut umgesetzt
wirkt hingegen seine Radarsicht, in die der Zuschauer öfters
Einblick hatm und die die Welt wie ein animiertes Röntgenbild
erscheinen lässt. Schauspielerisch überzeugen die Hauptfiguren
wenig oder gar nicht. Ben Affleck ist für die Rolle eines
Helden einfach nicht geeignet und wirkt nur echt, wenn er als
cooler Normalsterblicher versucht, Elektras Telefonnummer zu
kriegen. Jennifer Garner ist kurz gesagt langweilig, was vielleicht
aber auch daran liegt, das ihr Charakter nur oberflächlich
behandelt wird. Farrels Charakter Bullseye ist schlicht zu überdreht
und bewirkt statt der erwünschten Komik nur Kopfschütteln.
Einzig Murdocks Partner Nelson schafft es, durch einige witzige
Einlagen die ohnehin schon überspitzte Ernsthaftigkeit des
Films zu lockern.
Der Film scheitert vor allem am Versuch,
den Charakter eines Comics beizubehalten, was aber dazu führt,
- wie bei allen schlechten Comic Adaptionen - dass der Film langweilig
und grotesk wirkt.
Läuft
seit dem 20. März 2003.
Web: www.daredevil.de

"How to lose a man in ten
days" von Donald Petrie | Liebeskomödie
Hat es(/r) kein Ende?!
Erfolgreich und schön trifft auf
schön und erfolgreich, tough sind beide, aufgeben will niemand,
doch am Schluss siegt die...........wir wollens ja nicht verraten
nur soviel: es ist wie immer. Leider!
Von patricia.gavilano
plebs.ch.
Andie Anderson hätte eigentlich keinen Grund sich zu beklagen:
Beruflichen Erfolg als Kolumnisten eines beliebten tennie-mags,
gutes Aussehen und viele freunde erleichtern ihr Dasein doch
ungemein, jedoch fühlt sie sich in ihrem unterfordert und
eingeschränkt, da ihre Kolumnen sich jeweils nur um Schuhe,
Make-up und Liebesangelegenheiten handeln dürfen. Deshalb
zögert sie nicht lange, als ihre Vorgesetzte ihr einen Deal
vorschlägt: sollte es ihr gelingen innerhalb von 10 Tagen
irgendeinen Mann kennen zu lernen um ihn dann mit den üblichen
kleinen Fehlern, die Frauen in der ersten Verliebtheit manchmal
machen, zu vergraulen, so würden ihr alle journalistischen
Freiheiten zugesprochen. "Leichtes Spiel", denkt sie
sich und geht am noch selben Abend auf die Suche nach dem geeigneten
Opfer.
Sie sieht schon ihren Triumph als der potenzielle
Freund anbeisst, jedoch kann sie nicht ahnen, dass eben dieser
charmante, schöne Mann namens Benjamin Barry ebenfalls eine
Wette zu gewinnen versucht: er muss innerhalb von 10 Tagen eine
Frau finden, welche sich aufgrund seiner vorgespielten Zuneigung
ihr gegenüber in ihn verliebt, denn nur so kann er seinem
Chef beweisen, dass er der beste Werbeagent überhaupt ist.
Katastrophe natürlich vorprogrammiert.
"Wie werde ich ihn in 10 Tagen los?"
ist ein Film der wegen Mangels an Originalität nicht zu
überzeugen vermag, trotz den eingestreuten Lachern, dem
Sexappeal der Hauptdarsteller und der glamourös perfekten
Welt in welche die ganze Handlung gesetzt wird. Zu berechenbar
der Ausgang, zu krampfhaft der Versuch, sich von den übrigen
Liebeskomödien abzuheben ( etwa mit der Erfindung des Spiels
"Bullshit"). Einzig Kate Hudson, die schon in "Almost
Famos" hervorstach, mimt die Liebeskranke auf eine so ........Art,
dass sie dem gelangweilten Zuschauer doch noch ein Schmunzeln
abringen kann. Schade nur, dass sie sich für so einen Film
hergibt!

"Cidade de deus" von
Fernado Meirelles
Gott?
Der etwas andere Film über die
Feriendestination Nr. 1, Brazil, fast ganz ohne Fußball
und Strände, dafür bewusstmachend, schockierend, autentisch.
Asi es la vida.
Von patricia.gavilano
plebs.ch.
Mit seinen 17 Jahren hat Buscape schon viel erlebt, besser wäre
wohl überlebt: Die Entstehung seiner Favela, Cidade de deus,
einem Ghetto in Rio, das Verschwinden seines Bruders und das
Beobachten der immer größer werdenden Kriminalität
und Skrupellosigkeit, welche unter seinen Kollegen grassiert.
Drogendeals, Bandenkriege und Mord gehören zur Tagesordnung,
und wenn die Jungs eines wissen, dann, dass wenn sie nicht dabei
sind, sie sowieso mit dem Tod rechnen müssen. Die besten
Freunde könnten diejenigen sein, welche irgendwann die Waffe
auf sie richten, Loyalität ist sehr relativ, wenn man so
mit seinem leben spielt, zu spielen gezwungen wird und so intensiv
damit beschäftigt ist, sich zu retten, dass man seine erbärmliche
Lage gar nicht zu erkennen vermag. Einzig Buscape selbst, der
Erzähler, welcher die Zuschauer scheinbar wahllos durch
verschiedene Ereignisse und Zeitabschnitte führt, sehnt
sich nach der Freiheit erkennt, dass das Gettoleben nicht die
einzige Wirklichkeit ist. Ob diese Einsicht jedoch reicht um
"rauszukommen" bleibt auch am Schluss des Films offen.
Mit "Cidade de Deus" hat der
brasilianische Regisseur Fernando Meirelles eines der Überzeugendsten
Filme über das Leben eines Favelas-Kind geschaffen. Schockierend,
jedoch nie Realititätsfremd führt er den Zuschauer
in eine neue Welt ein, lässt ihn erfahren, was es heißt,
Gewalt als Spiel ansehen zu müssen um zu überleben.
Besonders die "Dokumentation" des kleinen Dadhinho
zu ekelhaften und skrupellosen Badenführer "Ze Pequeno"
ist beängstigend. Man erlebt mit, wie ein unschuldiges Kind
durch die äußeren Umstände zum Monster mutiert,
all die menschlichen Gefühle ablegt, immer von der Macht
des "Erfolges" getrieben. Sein Ende jedoch ist ein
Tragisches, doch irgendwie gerecht............
Geniale Kameraführung und überzeugende
Darsteller zeichnen den Film weiter aus und lassen nicht zu,
dass man ihn als fiktiv betrachtet. Was er leider auch nicht
ist (basierend auf autobiographisches Buch von Paulo Lin).
Web: www.frenetic.ch