Kulturmagazin April
2003 (Nr. 60)
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CD- und DVD-Neuheiten
Highlights des Monats:
Jesse Malin: "The
Fine Art of Self Destruction"
Placebo: "Sleeping
With Ghosts"
The Throwing Muses: "The
Throwing Muses"
& Kristin Hersh: "The Grotto"
Weitere Neuerscheinungen im Ueberblick
(nach Alphabet):
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Jesse Malin: "The Fine Art
of Self Destruction" (Singer/Songwriter)
Der Soundtrack einer anderen
Welt
Mein herzliches Beileid an Jesse Malin.
Wenn er irgendwann in ein, zwei Jahren sein zweites Album vorzulegen
gedenkt, wird er riesigen Erwartungen stand halten müssen.
Zu gut ist sein Debut "The Fine Art of Self Destruction".
Von david.bauer plebs.ch.
Für einmal sind sich die Kritiker einig: da hat jemand ein
Debutalbum vorgelegt, das schlicht umwerfend ist. Dieser jemand
heisst Jesse Malin, kommt aus New York und ist die derzeit heisseste
Entdeckung seines Genres. Entdeckt hat ihn kein geringerer als
Ryan Adams, der "The Fine Art of Self Destruction"
für Malin produzierte. Es scheint, als habe sich Adams seinen
inskünftig härtesten Konkurrenten gleich selber ausgesucht.
Zweifelsohne eine gute Wahl, Adams kann
nur schwärmen: "His Songs are so good, they hurt my
feelings". Auch andere Berufskollegen sind voll des Lobes
und schon werden Vergleiche mit Ikonen wie Neil Young, Lou Reed
oder Lenny Bruce angestellt. Mich erinnert Malin mit teils starken
Country / Folk Einschlägen stark an die besten Zeiten der
Counting Crows. Andere bemühen sich um gewagtere Vergleiche:
"His music sounds like something Kurt Cobain would have
written if he had a chance to jam with George Harrison"
(Campus Circle). So abwegig ist dieser Gedanke nicht einmal...
Doch nun zum Album selber. "The Fine
Art of Self Destruction" ist ein typisches Singer / Songwriter
Werk und tönt richtig schön nach New York City; aber
nicht nach der alltäglichen Hektik, sondern nach etwas höherem.
Es ist, als reichte Malin einem die Hand um einen in eine andere
Welt zu führen. Und Malin's Musik ist der Soundtrack dieser
Welt. Schwungvoll begleitet die akkustische Gitarre die eher
Folk-mässigen Songs, dynamisch führt die elektrische
durch die Songs, die dem Rock 'n' Roll fröhnen. So richtig
einzigartig macht Malin jedoch erst seine rauhe Stimme. Sie ist
vielfältig und vor allem in allen Lagen unglaublich präsent.
Besonders schön kommt dies bei "Solitaire"
zur Geltung - mein Anspieltip Nummer 1. Eine sanfte Nummer, Malins
leidend schwermütiger Gesang wird bloss von einer akkustischen
Gitarre und Piano begleitet und kommt so besonders gut zur Geltung.
Ebenfalls herausragend sind der Opener
"Queen of the Underworld" und der Titelsong "The
Fine Art of Self Destruction". Was jedoch in keinem Falle
die restlichen Songs geringschätzen soll. Es sind bloss
herausragende Stücke eines insgesamt herausragenden Albums.
Adam Duritz von den Counting Crows bezeichnete
Malins Werk als "das beste Album das jemand im letzten Jahr
gemacht hat". Dem kann ich nur zustimmen.
Web: www.jessemalin.com
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Placebo: "Sleeping with
Ghosts" (Pop-Rock)
"Don't forget to
be the way you are"
Mit "Black Market Music" haben
Placebo vor drei Jahren ihr bis zu diesem Zeitpunkt bestes Album
abgeliefert. Die Erwartungen an "Sleeping with Ghosts"
sind dementsprechend hoch.
Von tamara.frommelt plebs.ch.
Placebo. Cooler Name für eine coole Band die ihren Bekanntheitsgrad
nicht nur ihren extravaganten Shows sondern viel mehr auch ihrem
extravaganten Sänger zu verdanken hat: Brian Molko überrascht
immer wieder mit seinem androgynen Auftreten, noch viel mehr
aber begeistert er die Fans mit seiner aussergewöhnlichen
Stimme. Um diese Stimme arrangierten Placebo seither kraftvolle
aber auch wunderschöne Songs mit teils recht heftigen Texten.
Wer die Jungs letztes Jahr am Open Air St. Gallen bewundern durfte
oder dieses Jahr das Glück hat, sie im Zürcher Volkshaus
zu sehen, der wird wissen, wie einfach es ist, von ihnen in den
Bann gezogen zu werden. Die Musik ist wie eine Droge, nur eben:
Placebo.
Das nun mehr vierte Studioalbum der drei
Barden bietet im Prinzip nicht viel Neues. Dank Produzent Jim
Abbiss (Björk) machen Placebo zwar einen kleinen Ausflug
in die Welt der elektronischen Klänge, im Grossen und Ganzen
aber bleiben sie sich treu. Und das ist auch gut so. Sleeping
with Ghosts mag vielleicht nicht an Black Market Music herankommen
bietet aber mit Songs wie This Picture, Special Needs oder The
Bitter End wieder ein paar melancholisch-bannende Perlen die
man nicht missen möchte. Insgesamt zeigt sich "Sleeping
with Ghosts" sehr bodenständig und reif. Noch mögen
Placebo mit den Geistern der vergangenen Alben schlafen, vielleicht
aber lösen sich diese bald in Luft auf und die drei Briten
wagen sich auf neues Terrain. Und wenn nicht, dann werden es
ihnen die Fans auch nicht übel nehmen denn die Geister die
sie riefen, die sind gut.
Web: www.placeboworld.co.uk
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The Throwing Muses: "The Throwing
Muses" (Indie-Rock)
Kristin Hersh: "The Grotto" (Indie-Pop)
Zwei auf einen Streich
Nach sieben Jahren Pause veröffentlichen
"The throwing muses" wieder einmal ein Album. Doch
damit nicht genug. Ebenfalls am 17. März wurde das neue
Solo-Album von Kristin Hersh, Sängerin und Gitarristin der
"Muses", veröffentlicht.
 Von basil.schneider plebs.ch.
Wer jedoch zwei gleichklingende Alben erwartet, wird hier eines
Besseren belehrt. Was die beiden Alben verbindet ist die leidende
Stimme Kristin Hershs, sowie der melancholische Grundton. Ansonsten
sind sie kaum zu vergleichen. Während "The Grotto"
ruhig und spärlich instrumentiert daher kommt, so wird auf
dem selbstbetitelten Album der "Throwing Muses" richtig
gerockt.
"The Grotto" ist wieder eines
dieser Werke, die man nicht mehr aus dem Player herausnehmen
möchte. Die Songs erzählen vom Leben, lassen einen
an den Weltuntergang denken, lassen einen einfach nicht mehr
los. Oftmals ist ausser der wunderschönen Stimme Kristin
Hershs nur eine akkustische Gitarre zu hören, manchmal gesellen
sich einige andere Instrumente dazu, das Album ist aber komplett
spärlich instrumentiert, oftmals werden sogar Akkorde mit
der Gitarre vermieden.
Kristin Hersh mit Band allerdings weiss
durchaus noch zu rocken. Mit eingängigen Songs erinnern
sie an ihre eigenen Erfolge anfangs der Neunziger. Im Gegensatz
zum Solo-Album sind die Songs nicht ganz so düster, auch
wenn hier der melancholische Grundton weiterhin vorhanden ist.
Welches Album ist nun zu empfehlen? Für
alle die es ganz ruhig mögen, Kristin Hersh. Wer gerne guten
Indie-Rock hört, dem sei das Album der "Throwing Muses"
empfohlen. Und für alle Freunde guter Musik, werden beide
Alben ans Herz gelegt.
Web: www.throwingmusic.com
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Anthrax: "We've Come For
You All", Metal
"We're not changing
our name"
Mit Anthrax hat wohl niemand mehr gerechnet,
ausser vielleicht ein paar in den 1980er Jahren versumpfte Heavy-ianer.
Tja, besser kann man wohl seine Kritiker nicht zum Schweigen
bringen. Und aufgepasst: Nicht von der diskreditierten Affiché
"Metal" täuschen lassen. Alle die was mit harter
Gitarrenmusik am Hut haben, sollten mal ein Ohr voll hiervon
nehmen.
Von mathias.menzl
plebs.ch.
Mit Anthrax hat es ja folgendes auf sich: Sie tragen unverkennbar
einen Namen, mit dem sie heuer wohl nicht umhin kommen, mit vorwurfsvollen
und blöden Sprüchen traktiert zu werden. Anthrax ist
ja auch das ominöse weisse Pulver, das die "bösen
Araber" überall hinschicken um "liebe Christen"
zu schädigen. Dem geben die fünf alten Hasen klipp
und klar die Antwort: "We're not changing our name".
Dieses weltbewegende Statement kann man im Inlay ihrer neuen
CD "We've come for you all" nachsehen. Zurecht, denn
Anthrax als Band gab es ja auch schon, als Georgie-Boy noch an
seiner Jack Daniels Flasche nuckelte.
Nun gut. Zum Glück hat sich dieses
Aufhebens nicht negativ auf die Qualität niedergeschlagen.
Anthrax zaubern einen astreinen Knüller aufs musikalische
Parkett. Seit ihren Glannzzeiten mit "Persistence of Time"
oder "Attack of the Killer B's" haben sie nicht mehr
so energiegeladen musiziert. Sie beweisen das gewisse Händchen
für Melodien und eine ausgeprägte Liebe zum Detail.
Vielleicht hat die letzte Konsequenz bei ihren letzten zwei Alben
ein bisschen gefehlt. Denn wenn man diese auf den Punkt gebracht
erklären will, dann liegt man mit dem Wort Katastrophe wohl
ziemlich nahe.
"Schon beim Opener "What doesn't
die" und dem Double-Bass Wirbel wird dem Hörer klar:
Anthrax haben die Kurve gekriegt. Auch "Nobody knows anything"
zeichnet sich durch eine atemberaubende Schlagzeug-Arbeit aus,
bei der sich wahrscheinlich alle Schlagzeug-Heroen von Dave Grohl
bis Lars Ullrich die Augen und Ohren Wund reiben. Mit "Safe
Home" ist den fünf US- Amerikaner zudem eine Metal-
Hymne der Extraklasse gelungen. Was "We've com for you all"
jedoch zu einem wirklich überzeugenden Album macht, ist
die Tatsache, dass die restlichen Songs nicht wirklich weit von
diesen Höhepunkten abfallen. Vielleicht kann man ihnen vorwerfen,
dass sie bezüglich Songwriting in gewissen Phasen immer
noch in ihrem, heutzutage pubertierend anmutenden, Heavy-Metal-Jargon
der 80er Jahre stecken geblieben sind.
Wie bereits erwähnt sollte man Anthrax
nicht in die Metal-Ecke stellen, denn dort würden sie versauern,
obwohl sie ja als die Erfinder von Trash-Metal gelten. Heute
sind sie noch genauso viel Metal wie zum Beispiel Machine Head,
System of a down oder all die New-Rock Bands, die sich gegenseitig
auf den Füssen stehen. Was sie indessen von der großen
Masse unterscheidet ist, dass die wenigsten von diesen dermassen
viel Power generieren können, was sie wohl ihrer Speed-Metal
Vergangenheit zu verdanken haben. Kompliment, wer nach 22 Jahren
Sex, Drugs and Rock`N Roll noch dermassen abgeht, hat unsere
Huldigung verdient.
Web: www.anthrax.com
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Ben Harper: "Diamonds on
the Inside", Funk
Der bessere Lenny
Ben Harper ist natürlich kein unbekannter.
Ein richtig grosser ist er aber auch nicht. Eigentlich unverständlich,
denn nicht erst mit dem aktuellen Album liefert er der Welt den
Funk.
Von david.bauer
plebs.ch.
Wie Recht hat doch die Weltwoche, wenn sie schreibt, dass
Ben Harper im Prinzip die bessere Version von Lenny Kravitz sei.
Seine Stimme ist kräftiger, seine Musik vielfältiger,
sein Auftreten weniger klicheehaft. Kurzum, er macht alles, was
Lenny macht, einfach eine Prise besser und funkiger. Ob er nun
genauso sexy ist wie sein weitaus bekannteres Pendant, ist in
einer Musikkritik müssig zu beurteilen. Schlecht sieht jedenfalls
auch Ben Harper nicht aus.
Musikalisch hält Ben Harper an seinem
bewährten Stil fest. Er kombiniert je nach Gusto Reggae,
Pop und Soul scheinbar spielend mit bestem Funk, seine markante
Stimme passt ohnehin zu jedem Stil. Bei jedem der Songs auf "Diamonds
on the Inside" ist die Mischung etwas anders gemacht, einmal
tönt er ausgesprochen nach Bob Marley, dann wieder sehr
soulig. Trotzdem passen die einzelnen Teile gut zusammen, ergeben
ein stimmiges Gesamtbild.
Ganz kommt er an seine eigenen früheren
Platten nicht heran, es fehlen ein, zwei herausragende Tracks.
Trotzdem muss man sagen, dass es Ben Harper einmal mehr geschafft
hat, den Funk auf eine CD zu bringen und ihn fast wie live klingen
zu lassen.
Web: www.benharper.net
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Bianchi: "Inside",
Rock
Ein Mainstream-Album mit
zahlreichen Facetten
Der Bon Jovi der Schweiz: Bianchi will
mit seinem Debütalbum "Inside" die Schweizer Charts
aufmischen. Dabei setzt er auf seine Stimme und ins Ohr gehende
Rockmelodien.
Von stephan.sigg
plebs.ch.
Bianchi hat bereits im Alter von 14 Jahren begonnen, Musik zu
machen und sich seither ständig weiterentwickelt. Nachdem
der Schweizer Songwriter und Musiker mit verschiedenen Bands
unterwegs war, will er jetzt seine Solo-Karriere starten. "INSIDE"
heisst sein Debütalbum, mit er die Schweizer Charts stürmen
will. Seine Vorabsingle "I'm leaving", eine fetzige
Rocknummer mit Ohrwurmcharakter, klingt vielversprechend. Aber
auch die anderen 12 Songs können sich hören lassen.
Schnelle, partylastige Songs sind ebenso zu finden wie nachdenkliche,
tiefsinnige Balladen, zum Beispiel "Don't you cry".
Sehr ehrlich zeigt sich Bianchi im Song "Daddy", mit
dem er den Suizid seines Vaters verarbeitet. Bianchis rauchige
Stimme hat Ausstrahlung und erinnert an Bon Jovi. Dennoch liefert
er eigenständige Songs und ist weit davon entfernt eine
billige Kopie zu sein.
"Inside" könnte den Sprung
in die Charts schaffen - bleibt zu hoffen, dass sich die Käufer
nicht vom etwas irritierenden CD-Cover ablenken lassen.
Web: www.bianchimusic.ch
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Big Brovaz: "Nu Flow",
Hip-Hop/Soul/R&B
Outkast aus England?
Als ich den Clip zu Nu Flow (der lief
oft) das erste mal sah, dachte ich nur, hat Outkast wieder einen
neuen Clip draussen? Nö, dem war nicht so. Es waren Big
Brovaz aus England.
Von christian.luedi
plebs.ch.
Das Album bestätigte dann aber, dass es sich definitiv nicht
um Outkast handelt. Man kann zwar gewisse ähnlichkeiten
durch das ganze Album hören. Zudem aber sind vermehrt auch
relative langsame und ruhige Tracks vorhanden. Das Album ist
an und für sich doch recht abwechslungsreich. Darum auch
das Genre Hip-Hop und Soul. Die 3 Frauen (Nadia, Cherise und
Dion) in der 6-köpfigen Crew bringen mit ihren Gesangseinlagen
den souligen Beitrag, wobei die 3 Jungs (J-Rock, Randy und Flawless)
sich aufs Rappen konzentrieren. Schade ist, das die Beats ausser
den verschiedenen Rhytmen kaum unterschiedlich klingen, es werden
immer wieder ähnliche Samples verwendet, und dementsprechend
langweilig wird das Album dann zu Ende auch.
Zu den Lyrics. So wie die Tracks heissen
(ok, this music, find a way, summertime, baby boy, i know you
are there,...), ist auch deren Inhalt: normal, unspektakulär
und somit auch ein bisschen langweilig,denn das von den neuen
coolen Musikern, von ihrenChicks, und das mit dem eigenen neuerfundenen
Style kennen wir ja zu genüge, siehe viva swizz...
Eine kurze Anmerkung noch zu Ihrem Namen.
Sie nennen sich so, weil sie gemeinsam ein Haus in South London
bewohnen, und gerne denn Leuten auf der Strasse zuschauen - kann
ich nur sagen, seeeeeehr originell dieser Name, oder doch nicht...?
Mein Fazit, ab und zu ein Track an einer
Party ist durchaus tanzbar (nicht unbedingt der Rock Remix am
Schluss), ich empfehle aber nicht unbedingt, das Album zu kaufen.
Denn dieses Geld lässt sich auch anders ganz gut investieren.
Web: www.bigbrovaz.com
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Celso Fonseca: "Natural",
New Jazz
New jazz do brazil
Die meisten
Musiker Südamerikas, welchen es möglich ist unsere
Ohren zu erreichen, haben alle eines gemeinsam: Ihre Musik ist
zum größten Teil "para bailar la salsa",
temperamentvoll, leidenschaftlich. Celso Fonseca macht die Ausnahme.
Noch.
Von patricia.gavilano
plebs.ch.
Die Leidenschaft ist bei ihm nicht weniger vorhanden, drückt
sie jedoch ein völlig anderes Lebensgefühl aus, das
auch für hier in den eher kälteren Regionen momentan
gut nachvollziehbar ist: Dieses Genießerische am Ende einen
warmen Sommertages, der Duft des Wasser, der noch in der Luft
hängt, Frische, Stimmungen, leises Lachen, und das alles
zum Ausdruck gebracht mit New Jazz, das dem Lounge Sound sehr
nahe kommt, jedoch durch Instrumente und Stimmen viel gefühlsnaher
und melodischer klingt. Und obwohl wir hier nicht wissen können,
was eine carinoca ist, fällt es nicht schwer, die Aussage
zu erkennen: sei, fühle, liebe. Natural. Celso Fonseca hat
auf seinem Debütalbum (international) "Natural"
nicht nur Größen wie Gilberto Gil und Marisa Monte
zusammengebracht, auch hat er Platz für weniger bekannte
Stimmen, wie die von Cybelle, gelassen. Anscheinend die richtige
Mischung!
Web: www.crammed.be
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Diverse Interpreten: "Definitiv
2", Pop/Rock
Alles wird gut
Vor 17 Jahren war es definitiv. "Definitiv",
das Album, welches versuchte die Zürcher Punk-, Wave- und
Rock-Szene zusammenzufassen. Dieses wahrlich schwere Unterfangen
glückte jedoch vollends. So ist nun das zweite Album dieser
Serie am Start.
Von basil.schneider
plebs.ch.
Wieder mit beinahe vierzig Songs gibt es zwei volle CDs welche
die Jahre 1987 - 1997 umfasst. Mit vertreten sind bekannte Namen
wie Yello oder Stephan Eicher, ebenso wie Insider-Bands. Ein
derart liebevoll gestaltetes Booklet findet man ausserdem selten.
Nebst diversen Bildern und Texten zu allen Interpreten wird auch
das gesellschaftliche Leben in dieser Zeitspanne ins Rampenlicht
gestellt.
"Definitiv 2 - Alles wird gut - Zürich
1987 - 1997" ist die ideale Scheibe um mit all den Vorurteilen
über Schweizer Musik aufzuräumen. Da wäre zum
Beispiel die Meinung, das Musik aus der Schweiz nicht mit der
ausländischen Konkurrenz mithalten könne. Was für
ein Schwachsinn. Man höre sich nur einmal die 150 minütige
Doppel-CD an und werde eines Besseren belehrt. Auch das Vorurteil,
es gäbe in Zürich keine Mundart-Musik wird weggeräumt
- teilweise zumindest. Im Gegensatz zu den Berner Kollegen meiden
die Zürcher das Schweizerdeutsche und weichen oft auf Englisch
aus. Doch nicht erst der Hip Hop hat Mundart-Songs in Zürich
populär gemacht.
Natürlich findet bei der Auswahl von
einigen Songs aus 10 Jahren Musikgeschichte eine starke Selektion
statt. So wurde zum Beispiel der Techno-Bewegung in Zürich
nicht Rechnung getragen, die Hip-Hop-Bewegung wurde da schon
mehr berücksichtigt, Fokus liegt aber auf dem Pop-/Rock-Bereich.
Um aber auch die Bands zu berücksichtigen, welche auf dem
Doppelalbum keinen Platz gefunden haben, gibt es unter www.definitiv-zh.ch
eine interessante Webseite. Da sind Geschichten von Bands und
von Konzertlokalen ebenso zu finden, wie eine Bandliste und einige
Songs zum Anhören. Die optimale Ergänzung zur CD.
Web: www.definitiv-zh.ch
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Easyworld: "This Is Where
I Stand", Brit-Rock
Genau so muss Brit-Rock
klingen
Einmal mehr eine junge Band aus Grossbritannien,
die ein beeindruckendes Debutalbum vorlegt. Easyworld zeigen
mit "This Is Where I Stand", dass man sich um die Zukunft
des Brit-Rock weissgott keine Sorgen machen muss.
Von david.bauer
plebs.ch.
Was im Intro musikalisch noch an Oasis in frühen Zeiten
erinnert, tönt danach musikalisch wie stimmlich vor allem
stark nach JJ72. Tatsächlich machen Easyworld erfrischenden,
direkten Brit-Rock mit vielen Finessen und verspielten Melodien,
wie man es eben von JJ72 kennt. Dies mit denselben einfachen
Mitteln: Sänger mit Gitarre plus Bassist und Drummerin -
mehr als drei Personen braucht es für guten Brit-Rock nicht.
Die Stimme von Frontsänger Dav Ford ist nicht ganz so hoch
und ausufernd wie diejenige seines Pendants Mark Greaney - die
einen mag das enttäuschen, andere werden erleichtert aufatmen
-, dafür sind Easyworld doch noch eine Spur druckvoller
als JJ72.
Von spezieller Güte ist der Titelsong
"This Is Where I Stand", der ganz auf Fords Stimme
ausgelegt ist und ähnlich eindrücklich daherkommt wie
Gavin Rossdales "Glycerine" (Bush). Ebenfalls hörenswert
sind "A Stain to Never Fade", eine druckvolle, melodiöse
Nummer mit guten Tempowechseln und "You & Me",
einer rockig schönen Ballade.
Unbedingt reinhören!
Web: www.easyworldinfo.co.uk
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Eric Clapton: "Live on Tour
2001 - One More Car, One More Rider" (DVD), Rock/Pop
Aufwärmübungen
Einige Jahre nach seinem vielgelobten
Unplugged-Album beglückt uns Eric Clapton mit einem gemässigten
Live-Spaziergang durch seine Hits. Schon das Cover macht den
Eindruck einer halbherzigen Imitation, was sich als symptomatisch
erweist für das Album.
Von oswald.iten
plebs.ch.
"One More Car, One More Rider" ist beileibe nicht das
erste Live-Album von Eric Clapton und wohl auch nicht das letzte.
Es ist meiner Meinung nach jedoch das mittelmässigste. Und
das ist in der ganzen Härte dieses Begriffs gemeint.
Der Abend des 18. Augusts 2001 im Staples
Center in Los Angeles ist in drei Sets und zwei Zugaben aufgeteilt.
Solo mit akustischer Gitarre legt Clapton mit "Key to the
Highway" einen recht verheissungsvollen Auftakt hin. Doch
bereits in diesem Stück macht sich eine gewisse Zurückhaltung
bemerkbar, die für diesen ersten halbakustischen Teil und
eigentlich das ganze Konzert symptomatisch ist. Der saubere geschliffene
Sound wird sich für den Rest des Abends nicht mehr gross
verändern, vom ehemaligen Bluesrock ist nur noch Pop übriggeblieben.
Nach sechs Songs greift der Meister dann
zur (leider ziemlich farbigen) Stratocaster, um ein paar aktuellere
Stücke zum besten zu geben. Dabei fällt er auf seine
alte Vorliebe zurück, die Songs mit ausladenden Soli endlos
zu dehnen.
Im letzten Drittel nimmt er sich dann doch
noch die alten Blues und Rockstücke vor, die zu hören
das Publikum gekommen ist. Sie werden zwar nicht einfach heruntergeleiert,
doch über die gepflegte Wiedergabe kommt selbst ein Stück
wie "Have You Ever Loved a Woman?" nicht hinaus. "Layla"
wird nun wieder in der alten elektrischen Version gespielt, allerdings
reichlich uninspiriert.
Bei aller Spielfreude und technischen Perfektion,
fehlt es der Band immer am zündenden Funken. Bei den Zugaben
darf dann Billy Preston hinter seiner Hammondorgan hervortreten
und endlich auch ein Lied singen. Zum Schluss versucht sich Clapton
noch mit einer alten Jazzgitarre an "Over the Rainbow",
seinem Beitrag zur "Great-American-Songbook"-Welle
des beginnenden Jahrzehnts.
Alles in allem ein gleichförmiges,
routiniertes Konzert, das bestenfalls alte Glanzlichter aufwärmt.
Von beinahe jedem Song hat Clapton aber schon druckvollere und
überzeugendere Versionen aufgenommen, sowohl live als auch
im Studio.
Die Ausstattung der DVD ist mässig
bis mangelhaft. Zwar sind Bild- und Ton tadellos in Ordnung,
ausser Untertiteln zu den Songs sind aber keine special features
vorhanden.
Wie es sich für eine DVD gehört,
wurden die akustischen Möglichkeiten des Formats voll ausgeschöpft.
Neben der 2-Kanal-Stereo- und der 6-Kanal-Dolby-Digital-Fassung
ist erfreulicherweise auch eine unkomprimierte dts-Spur vorhanden.
Es öffnet sich ein grosser Klangraum, die Atmosphäre
einer riesigen Halle wird deutlich spürbar. Der Hörer
befindet sich etwa in der Mitte der Halle, so dass das Publikum
von rundherum zu hören ist. Der Klang ist sehr klar, die
Stimme gut verständlich und doch ohne aus dem Klangbild
herausgelöst zu wirken.
Bei der Bildspur handelt es sich um einen
konventionellen Konzertmitschnitt nach TV-Standards ohne schnelle
Schnitte oder sonstige Extravaganzen. Das Bildformat ist 16:9
anamorph, wobei der Kontrast beleuchtungsbedingt etwas zu hoch
ist, so dass helle Flächen ausbluten und dunkle Details
im schwarz ertrinken.
Alles ist mehr oder weniger gut, nichts
aber grossartig. Eine DVD also, die höchstens für Neulinge
im Clapton-Universum als Best of - Zusammenstellung interessant
sein mag.
Web: www.claptononline.com
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Good Charlotte: "The Young
and the Hopeless", Pop-Punk
MTV war gestern
Wer erinnert
sich noch an Green Day? Damals bekräftigten die "wahren
Punks": Viel tiefer kann Punk-Musik nicht mehr sinken. Schuld
war MTV. Zehn Jahre später trauen sich die wahren Punks
wohl gar nicht mehr zu einer äusserung: Kein Wunder, wenn
Good Charlotte damit assoziiert werden. Schuld ist VIVA.
Ganz kurz: Good Charlotte sind unnötig,
Verschwendung pur. Attitüde wird grösser geschrieben
als musikalische Qualität. Punk-Boy-Group à la Blink
182. Diese waren indessen noch annähernd witzig und brachten
ihr lächerliches Produkt mit viel Selbsironie an den Mann.
Good Charlotte wollen dasselbe ernsthaft vertreten. Da lacht
ja ein Pferd. Lifestyle-Punker mit Glimmer im Haar, die sich
ihre Irokesen-Frisur beim gerade angesagtesten Hairstyler erstehen
und mittlerweile wahrscheinlich eine eigene Visagisten auf Tour
mitnehmen müssen; das braucht die Welt nun wirklich nicht.
Das dürfen nur "Kiss", aber die spielen in einer
anderen Liga. (maz)
Web: www.goodcharlotte.com
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Gotthard: "Human Zoo",
Rock
Rocker mit Herz
Wie aus dem viel zitierten Pressetext
zu erfahren war, scheinen die Musiker von Gotthard sich über
die Welt Gedanken zu machen. Diese Gedanken haben sie in dieses
Album gepackt.
Von tamara.frommelt
plebs.ch.
Der grösste Schweizer Rockmusik-Export hat mit der ersten
Single-Auskopplung "What I like", die man fast schon
Bon Jovi zugeordnet hätte, nicht nur die Fans überzeugt.
Ein rockiger Ohrwurm mit viel Gefühl. Was bietet das neue
Album noch? Der Opener "Human Zoo" weist die Richtung
des nun schon achten Studioalbums von Gotthard: Es wird wieder
etwas rockig. Dennoch dürfen auch Balladen nicht fehlen,
denn, wie Gotthard auf ihrem letzten Album gezeigt haben, gehört
auch dies zu ihren Stärken.
Als neuen Produzenten konnten Gotthard
übrigens Mark Tanner dazugewinnen, der sich unter anderem
für den Soundtrack des Films "Armageddon" auszeichnete
und, so Steve Lee, "frischen Wind" ins Bandlager brachte.
Wo wir schon bei der Band sind, Gotthard sind übrigens eine
Seltenheit, was Zusammenhalt und Konstanz betrifft: Die Gruppe
spielt seit ihren Anfängen in der gleichen Zusammensetzung.
Dass diese Kombination funktioniert, zeigt
auch der Erfolg der Band: Weltweit mehr als eine Million verkaufter
Platten, sechs Mal Gold und Platin, zwei Mal Doppel-, ein Mal
Tripelplatin und die vergoldete Single "Heaven". "Human
Zoo" wird nicht weniger gut ankommen denn mit Songs wie
"Have a little faith" oder "One in a million"
spricht das Album nicht nur Fans an sondern auch jeden der auf
den natürlichen und bodenständigen, nie übertriebenen
Rock steht den Gotthard seit Jahren erfolgreich pflegen.
Web: www.gotthard.com
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Hell is for Heroes: "The
Neon Handshake", Emo-Rock
Die Hölle steht ihnen
gut
Aus England kommen Brit-Pop Bands, Trip-Hop
Bands, gute DJ's, Boy Groups und Punk Bands. Als Herkunftsland
von emotionalem Hardcore war England bis anhin genauso bekannt
wie Grönland für Cricket. Das könnte sich ändern.
Von mathias.menzl
plebs.ch.
Hell is for Heroes ist zugegebenermassen ein ziemlich beschissener
Name. Doch Nomen ist in diesem Fall zum Glück nicht Omen.
Die fünf Engländer angelten sich mit den Produzenten
Pelle Henricsson und Eskil Lövström zwei Koryphäen
auf ihrem Gebiet. Die beiden Schweden haben schon mit Refused
zusammengearbeitet, eine der wohl massgebendsten Post-Hardcore
Bands in der Geschichte dieses Genres. Hell is for heroes ist
jedoch nicht vergleichbar mit Post-Hardcore geschweige denn mit
Refused. Eher könnte man sie in eine Reihe mit ihren Landsmännern
Biffy Clyro mit Rival Schools oder prä-Elite-Fireside stellen.
Hell is for Heroes schaffen es auf ihrem
Debut das Level konstant hoch zu halten. Das Album erreicht sogar
fast jene Qualität die man sonst nur bei ganz aussergewöhnlichen
Bands erleben kann: Man hört sich die CD zwar regelmässig
an, die Melodien laufen einem aber nie nach, trotzdem glaubt
man beim Hören, dass es sich doch eigentlich um unglaubliche
Ohrwürmer handelt. Aber wenn man im Nachhinein sich daran
zu erinnern versucht, fällt einem keine einzige Melodie
mehr ein. Tönt doch alles "bene"? Ist es aber
nicht.
Die ersten beiden Songs "Five Kids
go" und "Out of sight" überzeugen durch Emo-lastige
Atmosphäre. Im weiteren Verlauf schalten die fünf Engländer
ein, zwei Gänge zurück, die Power geht aber nicht verloren.
Trotzdem beschleicht einem ein mulmiges Gefühl, irgendwas
scheint zu fehlen, das Salz in der Suppe, die Confiture auf dem
Butterbrot, die Zigarette zum Bier. Mehr und mehr klingen die
Songs immer klinischer und steriler. Das Schlagzeug tönt
zu sehr nach Drum-Computer, die Rauheit schwindet dahin. Die
Englische Noblesse halt, könnte man denken. Das dreckige
und punkige Element geht mehr und mehr verloren und damit auch
das Rebellische und damit faszinierende "Je-ne-sais-quoi".
Nichtsdestotrotz haben Hell is for Heroes mit "The neon
handshake" ein überzeugendes Rock-Album zustande gebracht
- aber das grösste Ding in Sachen Rock-Musik seit langem,
wie uns die englische Musikpresse weiss machen will sind sie
mitnichten. Aber ein gutes Fundament wäre gelegt. Wir lassen
uns gerne überraschen.
Web: www.hellisforheroes.net
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Hertz: "Eine Auswahl",
CH-Pop
Die beste Schweizer Schallplatte?!
Die Biographie eine SP-Bundesrates (Willy
Ritschard) als Pop-Song? Das konnte nur eine Band, nämlich
"Hertz" und die legen mit "Eine Auswahl"
eine spannende Zusammenfassung ihres kurzen aber intensiven musikalischen
Schaffens vor.
Von roger.zumkeller
plebs.ch.
Es ist ja nicht so, dass früher partout alles besser war,
aber was die Musik anbelangt trifft diese Binsenwahrheit leider
häufig ins Schwarze. Im speziellen wenn es dabei um schweizerisches
Musikschaffen geht, wie hier im Falle der neuen Hertz-CD. Schon
das Cover lässt es einem heiss und kalt den Rücken
herunterlaufen. In Riesenpixeln prangt der weisse Hertz-Schriftzug
auf dem Schwarzen Grund. Die Achtziger sind zurück. Das
Vorwort im Booklet, aus der Feder vom brillianten Weltwoche-Schreiberling
Albert Kuhn, setzt die Messlatte gefährlich hoch indem behauptet
wird, es handle sich hierbei um die beste Schweizer Schallplatte(!).
Das klingt aufs Erste ein wenig anmassend, ist es aber nicht.
Hertz waren nicht einfach eine Schweizer Band, Hertz war ein
Spiegel dieses kleinen Landes. Mit viel Humor zeichneten sie
ein musikalisches Bild der Schweiz, wie es danach niemandem mehr
gelang. Musikalisch und zeitlich irgendwo zwischen Post-Punk,
New-Wave und Neuer Deutscher Welle angesiedelt, sind Hertz ein
wichtiges Stück Musikgeschichte. Dazu ihr irrer Witz, das
Liebäugeln mit dem Dadaismus und das freche und kantige
der New-Wave Bewegung und es entsteht ein wahnsinniger Mix, der
seinesgleichen sucht. Diese Mischung aus Kabarett und Musical
zieht sich wie ein roter Faden durch die gesamte CD. Der Schweizer
Alltag, das bürgerliche und biedere, aber auch das Vergnügen
findet alles Platz auf dieser Scheibe. So schmunzelt man sich
während 23 Songs durch die Schweiz, lacht über die
Enge, die ach so häufig in Engstirnigkeit mündet, um
bei Track 24 die Absolution zu erlangen. Mit dem Blick vom "Berge"
herab entlassen uns Hertz zurück in den soeben besungenen
Alltag, der mit einem Male um einiges freundlicher und lockerer
scheint. "Eine Auswahl" ist nicht bloss eine "Best
of" unter vielen, sondern ein Stück Schweizer Geschichte
und Gegenwart.
Web: www.csr-records.ch
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HIM: "Love Metal",
Gothic-Rock
Komm auf die dunkle Seite
der Liebe
Die düsteren Finnen um den melancholisch
wirkenden Sänger Ville Valo präsentieren ihr viertes
Album.
Von tamara.frommelt
plebs.ch.
Mit dem Song "Join me" haben His Infernal Majesty,
so der ganze Name der Band, vor 4 Jahren eine riesige Fangemeinde
erschaffen. Die Fangemeinde besteht wahrscheinlich vor allem
aus kreischenden jungen Mädels die an Konzerten BHs auf
die Bühne werfen und dann umfallen wenn Ville ihnen ein
Lächeln schenkt. "Richtig" harte Jungs nämlich
lachen mehrheitlich über HIM weil ihre Songs zwar mit den
Instrumenten des Heavy Metal gespielt, aber mit den Texten und
der sehnsüchtigen Stimme eines äusserst attraktiven
und mystisch-geheimnisvollen Schnulzensängers kombiniert
werden, gemischt mit einer nicht zu kleinen Prise schwarzer Magie.
Die Mischung aber funktioniert. HIM sind die neuen Meister der
musikalischen Alchemie. Sie haben sogar ihr eigenes Symbol entwickelt:
Das sogenannte "heartagram" das auch auf dem
neuen Album zu sehen ist und den Stil von HIM, Love Metal, passend
verkörpert.
Wer schon die früheren Alben von HIM
gekauft und geliebt hat, der wird auf Love Metal nicht verzichten
können. Plebs konnte sich bereits ein paar Kostproben anhören.
An eingängigen Melodien fehlt es nicht. Schon die Titel
zeigen fast schon etwas zu klischeehaft, worüber HIM singen.
Keinem Song fehlt es an Gefühl oder pathetischen Gitarrenklängen
- Love Metal zeigt HIM in ihrer reinsten Form. Was einzig fehlt,
ist das Quäntchen Pep das in den früheren Alben immer
zwei, drei Songs besonders heraushob, einen Song den man auswendig
können wird, ein Kracher. Love Metal ist nicht mehr so auffällig,
aber deshalb nicht schlechter als seine Vorgänger. Im Gegenteil:
"Buried alive by love" oder "The funeral of hearts"
sind nur zwei Beispiele für perfekt arrangierte gotisch
angehauchte Liebeshymnen. Ein Album das man immer wieder gerne
hören wird, besonders Nachts, wenn alles dunkel ist und
man sich richtig vorstellen kann wie Ville Valo aus seinem Sarg
auf die Bühne steigt und dem Seelenschmerz mit klagender
Stimme Ausdruck verleiht.
Web: www.heartagram.com
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Ibrahim Ferrer: "Buenos
Hermanos", Son-Musik
Nostalgisches Sahnehäubchen
Der Uralt-Kubaner Ibrahim Ferrer, durch
Wim Wenders Film "Bueno Vista Social Club" auch hierzulande
ein Begriff geworden, darf nun endlich einmal seine Solostücke
einbringen. Die handeln von Lebensfreude und Alltagsgeschehen,
sind manchmal leicht verschwommen; und aus dem Schaukelstuhl
betrachtet, lieb gewonnene Perspektiven - ideal für den
Traditionalisten Ferrer.
Von peter.doeberl
plebs.ch.
Zugegeben - Hardrocker schreien auf, wenn kubanische Guarachas
oder Boleros gespielt werden. Pop-Puristen wähnen sich irgendwo
in den 50er Jahren, verwechseln sehr schnell mal Tangos mit den
Sones und ächzen ob ihrer Unfähigkeit, Lebensfreude
auch mal in kubanischer Urform zu geniessen. Ferrer greift auf
seiner neuen CD in die Vollen: Freund Ry Cooder spielt auch mit
und viele der Kollegen aus dem Bueno Vista Club helfen musikalisch
aus - dabei entstand zwar keineswegs ein Meisterwerk, aber gute,
handwerklich perfekte, in die Beine düsende Unterhaltungsmusik,
die bewusst den Tiefgang vermissen lässt, weil der eben
nicht zur Unterhaltung gehört. Eine durchaus gefällige
Scheibe eines alten Mannes, die sich aufgrund der Originalität
von all den "Machen wir auf Kuba"-Songs abhebt, die
dieser Tage wieder angekündigt werden und uns den Sommer
auf den Balearen schmackhaft machen sollen.
Verstehen muss man Ferrer nicht - zuhören
reicht. Zuhören, das Zucken in den Beinen spüren, tanzen.
Viel mehr will die Platte nicht - und das sie bereits in allen
Charts aufgetaucht ist, muss nicht heissen, dass die Musik Schrott
ist: es ist derzeit halt eben "in" Na denn, Spass macht
es alleweil, etwa auch im Zürcher Volkshaus am 12. Mai -
Ferrer live.
Web: www.afrocubaweb.com/ibrahimferrer.html
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James Taylor: "October Road",
Singer - Songwriter
Die Ikone kann es nicht
lassen
James Taylor meldet sich zurück
und tönt nicht viel anders als vor 35 Jahren: Er besingt
immer noch die gleiche Thematik von Liebe und Glück und
vermisst den Frieden in Glasgow und auf der Welt. So gesehen
eher eine weitere Wiederholung.
Von peter.doeberl
plebs.ch.
Als grosser Fan des Songwriters war ich zuerst einmal enttäuscht:
Das Doppelalbum mit ein paar Minuten Videocut und der bekannt
gläsernen Gitarre, Taylors ungewolltes Näseln, Songaufbau
und Songfinale, nichts Neues eigentlich, und vom Text her eher
ein bisschen sehr brav. Da war der Taylor der Siebzigerjahre
noch frecher.
Taylor legt eine Doppel-CD vor, die nicht
unbedingt in meine Sammlung gehört, aber: Dreimal, viermal
reingehört und schon sieht die Sache anders aus. James T.
scheut keine Experimente, er nimmt sich frech auch Ry Cooder
in den Titelsong als Gitarrenpartner, ahmt auf der zweiten CD
selbst Mark Knopfler nach. Trotzdem scheint Taylor immer noch
die gleichen musikalischen Schuhe zu tragen wie vor zehn, zwanzig
und dreissig Jahren - er lamentiert gegen eine scheinbar böse
Welt ohne zu erklären, was denn diese Welt so böse
macht. Er beweint und beklagt und er hat selbst so wenig Freude
an der ganzen Sache, dass man die Platte eigentlich doch wegstecken
sollte, wären da nicht Lieder wie "Whenever You're
Ready", wo Taylor in den typischen brasilianischen Sambasound
versinkt und sich sogar Mühe gibt, den Bläsern auf
der Gitarre Paroli zu bieten. So bleibt nur: Nochmals hören
und vielleicht, ja vielleicht, findet sich eine Perle unter Balladen,
Liebesgeflüster und sanftem Protest. Die Doppel-CD samt
Video muss man nicht haben - aber sie macht sich gut, wenn mal
wieder Besuch aus der guten, alten Zeit angesagt ist.
Web: www.james-taylor.com
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Joni Mitchell: "Travelogue",
Singer - Songwriter
Vom Folk zum Jazz und
wieder zurück
Die Stimme ist unverkennbar geblieben,
die Liedtexte ebenfalls. Joni Mitchell, dieses Jahr schon 60
Jahre jung, blickt mit einem Doppelalbum zurück, zieht Bilanz
und stellt irgendwo fest, dass sich nichts, auch gar nichts geändert
seit damals, als ihr Name neben Joan Baez, Janis Joplins genannt
wurde. "Travelogue" ist eine Art Vermächtnis,
auf Büttenpapier geschrieben, mit orchestralem Umschlag
versehen und auf zwei Silberscheiben dem Nachlassverwalter zu
Füssen gelegt.
Von peter.doeberl
plebs.ch.
Es gibt Lieder, die vergisst man nicht: So etwa "Cherokee
Louise", ein beinahe uralter Song, oder "Woodstock",
ebenfalls bereits in den höheren Sphären des Rockhimmels
geparkt. Joni Mitchell hat diesen und weiteren 20 Liedern neue
Kleider verliehen, Sonntagskleider, könnte man meinen, mal
leicht luftig und jazzig, mal dick vermummende Soundmäntel
aus dem Orchestergraben. Man mische sich also seinen eigenen
Cocktail und zünde das Kaminfeuer an, lege die neue Mitchell
auf, und schwelge dahin.
Die Mitchell hat sich nie in den Mittelpunkt
gedrängt, war auch nie scharf auf einen Grammy oder einen
anderen Generalsorden der Musikbranche; trotzdem wird sie wohl
als eine von ganz wenigen Powerfrauen im Rockolymp ihren Platz
finden und den Geschichtsbüchern erhalten bleiben. Mitchell
mied den gemanagten Rock- und Pop-Zirkus ebenso wie die grossen
Tourneen zwecks Promotion der jeweils neuen Platten: Mitchell
will gehört und gelesen werden. Sie ist Musikerin, aber
auch Dichterin, sie strahlt eine zerbrechliche Gelassenheit aus,
ohne daran zu verzweifeln. Ihre Stimme, nicht die einer Rockröhre,
haucht "The last time I saw Richard " immer noch filigran
ins Mikrofon, jazzt sich in "Be Cool" in die Nähe
von Patti Smith und spielt in "Borderline" auf der
Tränendrüsen-Leier.
Das 60 Jahre auch an einer an sich solide
lebenden Lady nicht spurlos vorbei gehen, merkt man der CD-Box
nicht an, im Gegenteil - ich hätte die Mitchell eigentlich
lieber ohne das ganze Begleitspektakel gehört, ohne die
breiten Streicher im Hintergrund, die manchmal an Moody Blues
erinnern, ohne die prallen Bläser, die da zwischendurch
schnell zu einem Kurzsolo ansetzen. Die Stimme macht es, der
Text macht es auch, und natürlich auch die Vertrautheit,
all das macht es aus, dass ich diese Box empfehlen möchte.
Mitchell hat sich damit wohl ihr ureigenes Denkmal gleich selbst
gebaut - Neuerscheinungen werden sich an diesem Doppelalbum messen
lassen müssen. Zu beachten ist auch das beigelegte Songbook
- für alle, die lieber lesen denn hören
Web: www.jonimitchell.com
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Lorien: "Under The Waves",
Island Pop
Isländisch und doch
zugänglich...
Wenn man an Isländische Musik denkt,
dann kommt einem als erstes Sigur Ros oder Björk in den
Sinn. Das ist richtig so und darf ruhig so bleiben. Doch gibt
es da noch eine weitere Band, die Beachtung redlich verdient.
Für
koninentaleuropäische Verhältnisse tönen Lorien
- wie (fast) alle Bands aus dem höchsten Norden - gespenstisch
und spärisch. Für Isländische Verhältnisse
jedoch sind Lorien ausserordentlich bodenständig, ja die
Musik könnte gar leicht zugänglich genannt werden.
So gesehen müsste "Under The Waves" eigentlich
alle ansprechen, die an Sigur Ros gescheitert sind oder an deren
Verworrenheit keinen Gefallen finden können. Doch als einer,
der Sigur Ros liebt, meine ich, dass Lorien mehr als nur eine
abgeschwächte Variante von ebendiesen sind.
Die Balladen der Isländer klingen
nach Herzschmerz und Sehnsucht und vermögen wohl dennoch
jedes unterkühlte Herz zu erwärmen. Schöne Melodien,
weiche Rhythmen und eine zauberhafte Stimme sorgen für eine
ausgesprochen angenehme, freundliche Atmosphäre, in die
man sich nur zu gerne verliert. Für alle Liebhaber Skandinavischer
Musik ist diese CD ein absolutes Must, für alle anderen
lohnt es sich bestimmt, einmal Probe zu hören. (dba)
Web: www.lorien-music.com
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Lou Reed: "The Raven",
Underground
Alter Meister auf dem
E.A.P Trip
Wer Lou sagt, muss Reed denken - das
war schon immer so. Egozentrisch, schräg, geprägt durch
Exzesse, Abstürze, und nie in den Hitparadencharts - so
ein Typ halt, den sich keine Mutter als Schwiegersohn wünschen
würde - auch heute nicht, mehr als 30 Jahre nach Reeds erstem
Angriff auf die kommerziellen Bastionen der Radiostationen. "The
Raven" ist eine logische Fortsetzung.
Von peter.doeberl
plebs.ch.
Edgar Allan Poe, der amerikanische Meister des surrealen Grauens,
schrieb vor mehr als 150 Jahre sein Rabengedicht, horrorschwanger,
selbstzerstörend, verwirrt und zugedröhnt von Alkohol
in all seinen gebräuchlichen und ungebräuchlichen Formen.
Die Fragen nach dem Leben, nach dem Sein, nach der eigenen Existenz
stehen im Mittelpunkt von Poes Werken - irgendwelche Parallelen
zu Lou Reed möge der Leser selbst ausmachen.
Otto Normalhörer wird um die neue
Doppel-CD, die wunderschön gruftig gemacht daher kommt,
einen ebenso grossen Bogen schlagen, wie um Reeds frühere
Werke - den meisten Lesern sagt der Begriff "Lou Reed"
schon mal gar nichts. Oder vielleicht erinnert sich jemand an
"Cocain"? So ganz weit hinten? Vielleicht als Coverversion
wenigstens? Von Halbgott Clapton? Oder erinnert der Kunstbegriff
"Lou Reed" vielleicht an Laurie Anderson? Das ist Reeds
Lebenspartnerin, eine ebenso schräge Persönlichkeit,
die nicht auf den normalen Plattenteller passt und auch nur sehr
selten in den Musiktauschbörsen als MP3-File auftaucht.
Und auch sie mischt bei der Raben-Platte mit.
Reed ist auch mit seiner Adaption des Poe-Gedichtes
sich selbst geblieben, er nuschelt, schreit, kotzt raus, was
ihn und Poe plagt. Das wunderschöne Lied "The Bed",
gefolgt von einem fantastischen "Perfect Day", das
geht unter die Haut, andere Passagen auf den Scheiben erinnern
eher an morbide Untergangslust. Reed ist weiterhin der Meister
der überraschungen, er hat sich kaum geändert, ist
einfach älter geworden und die Musik noch reifer. Reed hat
sich neben Laurie Anderson auch David Bowie, The Blind Boys of
Alabama und Ornette Coleman (Altsax) ins Rabenboot geholt. Die
Platte ist sehr wohl gewöhnungsbedürftig und sicher
völlig ungeeignet für ein Waldhüttenfest oder
ein Openair. Aber es gibt immer wieder Stunden im Leben zum reinen
Hören - ein Gefühl in uns, das meist schon abgestorben
ist und nur noch eine unbewusste Wahrnehmung ist. So wird Lou
Reed auch mit seinem neuesten Werk nie in den Hitparaden auftauchen.
Das ist weiter nicht sehr schlimm - man werfe keine Perlen vor
die Säue
Web:
www.loureed.org/new/index_lou.html
www.edgarallanpoe.de/flash.html
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Magic Malik: "00-237",
Modern France Jazz mit New Age Anlehnung
Gas geben und weg
Einmal
mehr auf de Autobahn - der Franzose Malik im Wechsler, recht
aggressiv, recht heavy, ich drücke aufs Gas, überhole
da ein paar Schleicher, schlängle mich der Musik folgend
wieder ein, krieche dahin, lauschend, und zähle die Mittelstreifen,
die so schön regelmässig unterbrochen sind.
Bisschen arabisch tönt Herr Malik,
und bisschen Mingus-ähnlich auch. Bisschen was von gestern
ist dabei, bisschen was von heute auch, schön jazzig, wild
jazzig, manchmal fremd auch. Wird sicher nie unter den Kuschelrocks
auftauchen, auch nicht bei mir neben Miles gestellt, wird schön
brav noch ein paar Wochen luftgetrocknet im CD-Wechsler liegen
bleiben, tief hinten im Auto, und wenn dann mal einer mitfährt,
den ich gerne loswerden möchte, lasse ich den Malik laufen
- laut, bei offenem Schiebedach. (doe)
Web: www.label-bleu.com/artist.php?artist_id=30
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Matchbox 20: "More Than
You Think You Are", Pop-Rock
Wenig überraschendes
von Rob Thomas und Co.
Aller
guten Dinge sind drei - genau dabei ist die Band um Rob Thomas
mittlerweile angelangt. Mit beschwingtem Pop-Rock kommen sie
nach wie vor gut an, etwas Innovation würde allerdings nicht
schaden...
Die Single "Disease" läuft
seit Wochen auf allen Radiostationen und der farbenfrohe Clip
dazu auf den Musiksendern im TV. Es ist ein mehr als typischer
Matchbox20 Song: man erkennt die Musik der beiden Vorgängeralben
"Yourself Or Someone Like You" und "Mad Season"
sofort wieder und auch als Repräsentant für das neuste
Werk "More Than You Think You Are" taugt er hervorragend.
Matchbox20 machen Pop-Rock der angenehmeren und auch anspruchsvolleren
Art, wenngleich die wirklich spezielle Note fehlt. Dafür
sind auch die Texte schlicht zu wenig aussagekräftig. Dennoch
werden Matchbox20 weiter ihren bereits jetzt sehr erfolgreichen
Weg gehen, bloss muss man sich eben auch in Erinnerung rufen,
dass Erfolg kein zuverlässiger Massstab für Qualität
ist. (dba)
Web: www.matchboxtwenty.com
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Moonbuggy: "Plant Lupo",
Hip-Trance a la Française
So ziemlich neben den
Schuhen
Vangelis
ist ein Begriff. Kitaro wohl auch. Moonbuggy hingegen wird nie
in diese Höhen aufsteigen - der simple Synthie, das dumpfe
Bum, bum, bum und die wenigen Versuche, dem Hörer wenigstens
ein Highlight zu gönnen, das dann leider auch schon wieder
mit der kreischenden Synthie-Stimme ein Ende findet - das macht
noch lange keinen Sphärenklang, der mich liebevoll in den
Schlaf wiegt. Ob die Musik für den Fahrstuhl zwischen der
Foodetage im Tiefgeschoss und der Elektronikabteilung im 48.
Stock meines Lieblingswarenhauses geeignet ist, bleibt auch abzuwarten:
Derzeit sind dort noch keine Behälter angebracht, die Beutel
für eventuelle übelkeit spendieren könnten.
Tatsächlich - ich bin einmal mehr
enttäuscht: Was Moonbuggy da mit 68er Cover auf den Markt
schmeissen will, ist, weder Can, noch Weather Report, ist, kein
Gandalf und hat nichts mit Django Reinhard zu tun, auch wenn
die Anlehnungsversuche derart penetrant sind, dass mir das mein
Gymnasiallehrer auf die Finger geklopft hätte: "Abschreiben
gilt nicht". Aber eben - andere spielen solche Sachen seit
Jahren in den übungslokalen und haben selbst gemerkt, dass
damit noch keine verkaufsfähige CD entstehen kann. Moonbuggy
ist, so ziemlich das Schlimmste, was da auf den Konsumenten losgelassen
werden kann - ein Sampler von Clayderman wäre vielleicht
damit noch zu vergleichen. Mehr gibt es nicht zu schreiben -
13 Stücke Langeweile pur. (doe)
Web: www.doxa.de/moonbuggy_press.htm
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Nick Cave and the Bad Seeds:
"Nocturama", Pop Noir - Songwriter
Hör mir zu und schweige
Einmal mehr verdanke ich eine Platte
meinem uralten Freund CHE von den BRO-Records in Olten. Er kennt
mein Feeling, weiss meist, was mir genau auf den Brain geschrieben
ist, und: Der Mann weiss mehr über Musik (damit meine ich
nicht die Hitparade) als sonst einer in der Schweiz. Hier also
mein Danke für eine der besten Platten, die in den letzten
Monaten erschienen sind.
Von peter.doeberl
plebs.ch.
Musik ist, auch die Lehre des Hörens, des Ertastens, des
Fühlens. Nick Cave ist, darin ein Meister - er wagt sich
auf Gefühlsrichtungen vor, läst den Zuhörer ins
Grübeln versinken, spielt sich frei und singt sich den Frust
aus der Brust. Das tut gut. Der "Dunkle Prinz ", wie
Nick Cave bei Amazon genannt wird - und für einmal haben
die Freunde von Amazon sogar richtig getippt und nicht nur abgeschrieben,
was die Plattenfirma schon vorgekaut hat. Denn da kommt Weltanschauung
ebenso in den Text wie das persönliche Feeling, da sind
"Still in Love" rein zufällig Liebesballaden vorhanden,
da ist, Musik zum Hören da, nicht zum Stampfen, nicht zum
Schweigen. Aussagen statt Phrasen, Denkmusik, Denkanstösse,
das Allerlei des Tages wird geschüttelt und geprüft,
so etwa in "Rock of Gibraltar" - neben dem "She
passed by my window" so ziemlich all das in einem Song,
was Cave über die Dekaden retten will. Nahe am Kommerz,
dieses Stück, vielleicht zu schmusevoll wegen der Streicher,
vielleicht zu brutal wegen des verschleierten Textes, vielleicht
einfach Cave, der nicht einfach Musik machen will. Nick Cave
und seine wunderschöne Begleitgruppe, die Bad Seeds, die
sich dem Sänger, Komponisten und Texter anpassen, ihn sanft
untermalen. Und dann der lange, typische Cave-Song: "Babe,
I'm on fire" - da kribbelt die Haut. Ein absolutes Muss
- aber für DRS 3 Hörer und Viva-Teens wohl eher schon
klassisch. Mir gefällt Cave, sehr gut sogar.
Web: www.nick-cave.com
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Ry Cooder/Manuel Galban: "Mambo
Sinuendo", Retro-Mambo
Mit Reizen nicht geizen
Der Mambo der Fünfzigerjahre erlebt
eine unerahnte Renaissance. Ry Cooder, derzeit an allen Fronten
aktiv, hat sich mit dem Kubaner Manuel Galban (Bueno Vista) den
idealen Companero genagelt und legt eine Platte auf, die entweder
in den siebten Himmel gelobt werden kann oder zumindest als prunkvolles
"So klang es auch mal" abgehalftert werden darf.
Von peter.doeberl
plebs.ch.
Mambo mal anders: Ry Cooder, wer kennt ihn nicht, zieht Register
aus den 50er Jahren, schummelt die Noten aus seiner Improvisation
hervor, holt sich ein paar neue, extrem schlagkräftige Perkussionisten,
nimmt sich mit Manuel Galban einen Oldie der Son-Szene dazu und
schon steht eine Platte, die vor vierzig, fünfzig Jahren
zum Repertoire einer gehobenen Tanzschule für lateinamerikanische
Beinverdrehungen gehört hätte. Fetziger Sound quer
durch alle rillen, kein musikalisches AHA, sondern einfach das
Nicken mit dem Kopf, das Klicken mit Daumen und Finger, das Stampfen
auf dem Boden - Mambo und einfach Mambo. Cooder in Hochform,
Galban als Vollblutmusiker, die Zutaten gehören dazu, auch
wenn sie meist nur als Hintergrund funktionieren.
Die beiden Vollblutmusiker sorgen für
Stimmung - trotz der Tatsache, dass sich reine Instrumentals
heute eher schlecht denn recht verkaufen lassen. So trifft sich
hier vertrauter Sound mit recht ungewöhnlicher Perkussion,
die nicht frei improvisiert, sondern jenen harten Beat schlägt
und trommelt und zaubert, der bei Santana immer wieder mal den
Schweiss auf die Stirne trieb. Kultgitarrist Cooder schiebt die
Tradition für einmal in den Hintergrund und experimentiert
wohlgefällig im Rahmen seiner Trommelfreunde, bordet nicht
über und verhilft so sogar der Oma zu einem Tänzchen,
bisschen neben dem Takt, aber was soll es - die Musik fährt
ein. Freund Eugen Bänziger, der verstorbene Maler und zu
Lebzeiten absoluter Fan aller Klänge, die nicht nach westlichem
Kommerz tönten, würde sagen: "Avoid hangover.
Stay drunken". Und ich erlaube mir den Meister der Stahlfeder
zu ergänzen: Zuhören, wegschmelzen, mittanzen. Denn
das Gefühl ist, urplötzlich wieder da und die Beine
wollen wieder. Nichts zum Nachdenken, nur zum Tanzen, hören,
flirten. Durchaus jugendfrei.
Web: www.rylanders.free-online.co.uk
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Skolvan: "Cheñchet'n
eus an amzer", Bretonen-Celtic
Neues Liedgut aus der Bretagne
Manchmal wundere ich mich ob der technokratischen
Arroganz der deutschsprachigen Musiksender: Da wird die Hitparade
rauf und runter gejodelt und dabei ganz vergessen, dass es auch
gute Musik gibt. Musik, die aus dem Bauch kommt und nicht im
Synthesizer gezeugt wurde. Skolvan ist eine Gruppe, die bretonisch-keltische
Musik der ersten Güte macht. Im Radio wird man sie bei uns
wohl nie hören.
Von
peter.doeberl
plebs.ch.
Die Bretonen sind geschichtlich mit den Kelten verbunden - kein
Wunder, tönt bretonische Musik häufig wie jene aus
Irland, deren Sound hierzulande als "Celtic" bekannt
ist. Skolvan hat sich in mehr als 16 Jahren zu dieser "Heimatmusik"
bekannt, hat aus traditionellem Liedgut neue Melodien geschaffen,
die nicht nur, aber speziell, das Tanzbein herausfordern - lüpfig,
interessant, neu und doch uralt und vertraut. Skolvan darf nun
aber nicht mit einem "Hansi Hinterseer" oder den "Urchigen
Lederhosen aus der Steiermark" verglichen werden - die bretonische
Gruppe hat die Heimatmusik revolutioniert, hat ihr neue Impulse
eingehaucht und bewirkt, dass nun auch wieder die Jugend an die
"Fest-Noz" kommt.
Was ist ein Fest-Noz? Fest-Noz bedeutet
auf Bretonisch Nacht-Fest (Fest=Fest, Noz=Nacht). Das Fest-Noz
- so sagt mir das Internet - ist das traditionelle bretonische
Tanzfest. Zum Tanz aufgespielt wird von einer oder mehreren Bands,
sowie Musiker- und/oder Sänger-Duos, die abwechselnd auftreten.
Charakteristisch für die heutigen Fest-Noz ist, dass das
Durchschnittsalter der Teilnehmer immer weiter gesunken ist.
Tatsächlich findet in der Bretagne nach vielen Jahren der
Schmähung von allem, was auch nur entfernt an bretonische
Traditionen grenzte, eine Rückbesinnung auf die Wurzeln
statt.
Daran sind auch Gruppen wie "Skolvan"
mitschuldig: Sie lösen sich nur bedingt aus der Verankerung
der bretonischen Musik, behalten Rhythmus und die alten Instrumente
bei oder erfinden einfach neue Klangkörper dazu. Der Rhythmus
ist vielleicht ein bisschen schneller geworden, das Schlagzeug
ersetzt die Pauke, die Klampfe wurde durch E-Gitarren ersetzt.
Und die Feste sind besser besucht denn je zu vor.
Skolvan stellt auf der neuen CD 19 recht
kurze Stücke vor, teils Eigenkompositionen, teils modernisierte
Fassungen alter bretonischer Lieder. Und wer dazu die Augen schliessen
kann, der wird mitgerissen in weite, vom Sturm gepeitschte Ebenen,
an brodelnde Strände, lässt die Seele baumeln und verspürt
die Lust zu tanzen. Sei es ein Tanz der Dankbarkeit, der Trauer,
des Lächelns - oder auch nur der Freude. Für mich ist
Skolvan Pflichtmusik an der Aare; immer dann, wenn meine Würmer
baden statt Fische zu locken, immer dann, wenn sich der Kopf
aus dem Alltagszwangsdenken befreien möchte, und auch immer
dann, wenn mich Wehmut befällt und ich diese gar nicht wahrnehmen
möchte. Wer nicht gerne hitparadenlautstark in eine Ecke
gedröhnt werden will, sollte sich die neue Platte einmal
anhören. Leise, sanft, vielleicht alleine. Und plötzlich
sieht das Leben wieder anders aus
Web: www.arbedkeltiek.com/saozneg/music/skolvan.htm#band
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Sonny Landreth: "The road
we are on", Bluesrock
Slide-Guitar und der Bluesman
Reinhören.
Reinkriechen. Reinschmelzen. Landreth neustes Werk, das schon
ein paar Wochen im CD-Player liegt und etwa gleich lang zu den
Favoriten der Facts-Redaktion (vielleicht auch noch beim Erscheinen
dieses Plebs) zählte, ist, genau das, was einst John Mayall
versuchte: Den Blues als die Wurzel aller späteren Musikströmungen
zu verstehen.
Von peter.doeberl
plebs.ch.
Blues, Regale voll, Biografien, Tonbänder, Raritäten,
Bootlegs, Zeitungsausschnitte, Konzertmitschnitte, einfach Blues,
und die Erinnerung an eine Hütte bei Ascona, vor 40 Jahren,
Jugendlager, Blues ist, die Musik der Unterdrückten. Deshalb
ist, Blues aber nicht nur, obwohl meist, traurig, deshalb ist,
Sonny Landreth aber nicht nur, aber oft, traurig in seinen Liedern.
Der passende Sound für eine Autobahnfahrt von Zaragossa
nach Lissabon. Oder ins Verzasca-Tal, im Spätherbst, touristenfrei,
serpentinenreich, statt Bomben fallen Kastanien aufs Autodach,
die Heimat liegt irgendwo zwischen den Bergen, der Weinkrug auf
dem Hintersitz, je härter die Riffs, desto länger die
Schluchten. Und es zieht und zieht und zieht sich - der Blues.
Landreth reiht sich ein in die Liste der wahren Blueskings. Richtig,
viele gibt es ja nicht mehr. Diesen Landreth muss man haben -
kommt ja auch vom CHE...
Web: www.sonnylandreth.com/sonnyframes.html
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The Go-Betweens: "Bright
Yellow Bright Orange", Pop
Mit einfachen Mitteln
zu schöner Musik
"Da
war doch mal was" war mein erster Gedanke, als ich den Namen
dieser Band las und mir das Album zur Rezension empfohlen wurde.
Von tamara.frommelt
plebs.ch.
Und tatsächlich: Schon beim ersten Reinhören fühle
ich mich wie zuhause, als ob ich mit dieser Musik aufgewachsen
wäre. Der Name kommt mir auch so bekannt vor, vielleicht
weil ich ihn im Zusammenhang mit dem vielleicht einzigen Lied
das all die Hit-Radios von ihnen ins Repertoire nahmen, gehört
habe: Streets of your town. "Bright Yellow Bright Orange"
klingt aber anders. Es klingt nach Ohrensessel, heisser Schokolade
und Geborgenheit. Dabei kommt es nicht drauf an ob es draussen
regnet, so wie auf dem Cover, oder ob eine Familie am Sonntag
am Baggersee trivialisiert. Die schlichten, unaufdringlichen
aber eingängigen Melodien graben sich sogleich in die Gehörgänge
und lassen einen nicht mehr los. Anspieltipps? 1,2,3,4,5,...
jeder einzelne Song ist empfehlenswert.
Web: www.go-betweens.net
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The Minus 5: "Down with
Wilco", Alternative Pop
Es war einmal...
Man nehme
die Beatles, die frühen REM, addiere Wilco und man erhält:
Das neunte Album "Down with Wilco" von The Minus 5,
ein süffiger Mix.
Von tamara.frommelt
plebs.ch.
The Minus 5? Wer ist das. Minus 5 sind keine Band im herkömmlichen
Sinne, es ist ein 1993 gegründetes Bandprojekt mit Jeff
Tweedy (Wilco), Peter Buck (R.E.M.) und Scott McCaughey (Young
Fresh Fellows). Auf diesem Album finden sich dann auch nicht
13 Tracks sondern 3 Akte mit seltsamen Titeln. Und genauso seltsam
muss man wohl selbst sein um den teilweise recht entrückten
Sound (besonders im zweiten Akt) zu mögen. Dabei fängt
es ganz gut an. Szene I, "The Days of Wine and Booze"
wurde vielleicht tatsächlich nach einem dionysischen Gelage
geschrieben, es kommt ruhig und etwas beschwipst daher, hat aber
Stil. Szene 2, "Retrieval of you"; könnte ein
richtiger Sommerklassiker werden, passt auf jeden Fall zum langsam
ansteigenden Frühlingsgefühl, klingt nach Picknick
mit Freunden und fröhlichen Blumenkindern aus den frühen
70ern. Mein Liebling. Im dritten Akt wird es wieder ruhiger,
das Album geht zu Ende. Hier noch mal ein Anspieltipp: "I'm
not bitter".
Fazit: Das 2003 hinten auf der CD ist irgendwie
fehl am Platz. Auch die CD überhaupt, denn eigentlich müsste
ich hier eine Vinyl-Scheibe in Händen halten. Irgendwie
muss sie durch die Zeit gereist sein. Ein Glück dass sie
uns in die Hände fiel.
Web: www.minus5.com
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Tom McRae: "Just Like Blood",
Singer/Songwriter
Geschichtenerzähler
Singer/Songwriter
konnten in letzter Zeit wieder etwas Aufwind gewinnen. Gab es
sie in den 60ern noch wie Sand am Meer, verschwanden sie zeitweise
fast komplett von der kommerziell erfolgreichen Musikszene. Natürlich
lebte aber auch dieses Genre weiter.
Tom McRae veröffentlichte im Jahre
2000 sein selbstbetiteltes Debut-Album, wurde hierzulande aber
kaum beachtet. Nun ist sein Zweitling draussen, und dieser dürfte
angesichts des anhaltenden Trends mehr Beachtung finden. Zumindest
versteht er es, ruhige, melancholische Songs zu schreiben. Was
ihn aber von der Masse der Songwriter abhebt, ist die Instrumentierung.
So scheut er sich nicht, im gleichen Song Sitar, Cello, Percussion
oder Banjo einzusetzen. "Falling feels like flying, until
you hit the ground." Natürlich muss sich Tom McRae
als Geschichtenerzähler auch an seinen Texten messen lassen.
Da dürfte er aber anderen Songwritern in nichts hinterherhinken.
Die bitterbösen Texte hat er auf jeden Fall drauf: "Pull
me close, look into my eyes, smile at me, when you stick in the
knife." (bas)
Web: www.tommcrae.com
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Tracy Chapman: "Let it rain",
Soul
Müde Kämpferin
Dass
Tracy Chapman als eine der stärksten Sängerinnen, stimmlich
wie auch ausdrucksstark, unserer Zeit gilt, bezweifelt niemand.
Trotzdem scheint sie sich entschieden zu haben nur noch für
die schon eingefleischten Fans zu singen.
Von patricia.gavilano
plebs.ch.
Vorbei sind die Tage, als sie noch "Revolution" sang,
voller Tatendrang die Welt zu verändern, zu verbessern,
gegen die Unrechte zu kämpfen. Die Zeit hat sie eingeholt,
und mit ihr ihre Kreativität. Ihr neustes Album " Let
it rain" ist kaum von seinen Vorgängern unterscheidbar,
ein bisschen unbeschwerter, doch scheint die Sängerin hoffnungsloser,
trauriger. Nichtsdestotrotz ist es ein gelungenes Album, wieder
einmal zeigt uns Chapman was alles allein durch die Stimme vermittelbar
ist, und sie spielt damit, erreicht, dass wir ihr glauben. Liebe
und Politik sind immer noch die entscheidenden Themen, doch wenn
man Tracy Chapman nicht schon kennt oder aber vernarrt ist in
ihre Musik, wird der inhaltliche Wert ihrer Lyriks leider durch
das Gefühl einer alten Begegnung abgewertet.
Web:
www.tracychapman.com
www.elektra.com/tracychapman
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Turin Brakes: "Ether Song",
Acoustic-Pop
Dieselben wunderschönen
Klänge
Zwei Gitarren, eine Stimme - das tönt
nicht sonderlich spektakluär. In der Tat sind Turin Brakes
alles andere als spektakulär.Vielmehr liegt bei ihnen in
der Ruhe und Bescheidenheit die Kraft.
Von david.bauer
plebs.ch.
Um es gleich vorweg zu nehmen: die Stimme von Olly Knights, der
singenden Hälfte von Turin Brakes, ist gewöhnungsbedürftig.
Und wem sie nicht gefällt, der sollte vielleicht am besten
gleich die Finger und Ohren von der CD lassen. Wer sich jedoch
daran gewöhnt hat oder sich gleich zu Beginn in sie verliebt
hat - die Gefahr besteht! - dem öffnet sich die zauberhafte
Welt von Turin Brakes.
Die beiden Briten haben im Jahre 2001 mit
ihrem Debutalbum "The Optimist Lp" einen rasanten Einstieg
in die New Acoustic Bewegung der Insel geschafft und sich dort
als Neulinge schnell etabliert. Folglich wird von "Ether
Song" einiges erwartet. Turin Brakes knüpfen quasi
nahtlos an den Vorgänger an und stützen sich auf bewährtes:
die beiden Akkustischen Gitarren bringen wunderschöne Balladenmelodien
hervor, von einem Schlagzeug dezent unterstützt, teils durch
Pianoklänge ergänzt.
Fast zwangsweise tönen die beiden
Briten daher nicht besonders neu, jeder der neuen Songs hätte
ebenso gut auf die alten Platte gepasst. Es ist also ein Abwägen,
ob man den Kauf als lohnenswert einstuft. Wer "The Optimist
Lp" nicht besitzt und die Musik von Turin Brakes mag, der
kann nicht viel falsch machen. Wer das Debutalbum jedoch bereits
besitzt, muss sich überlegen, ob er gerne weitere zwölf
Songs in ähnlichem Stil möchte, oder ob er sich mit
einem Album zufrieden gibt. Aber am einfachsten haben es natürlich
diejenigen, welche Turin Brakes gar nicht erst mögen. Wobei
dies nicht allzu viele sein dürften...
Web: www.turinbrakes.com
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Zwan: "Mary Star of the
Sea", Rock
Friede, Freude, Eierkuchen
Eine Mischung zwischen "Yellow
Submarine" und 70ies- Glamour-Pomp wird uns auf dem Cover
des Zwan- Debuts präsentiert. Der Inhalt geriert sich als
leichtfüssiger vorgetragener, melodischer Rock, für
Corgansche Verhältnisse völlig unmelancholisch.
Von mathias.menzl
plebs.ch.
Schon beim Opener Lyric wird dem Hörer bewusst: Billy will
nicht mehr traurig sein. Als "Arena-Folk-Metal-Punk"
bezeichnet die Plattenfirma Billy's jüngstes Baby. Selbstverständlich
ist das Ganze relative zu sehen. Für gewisse Leute tönt
"Mary star of the sea" womöglich immer noch nach
mächtig viel Schwermut. Aber eine Abkehr von Pumpkinschem
Seelenkatarrh ist nicht von der Hand zu weisen, sonst würde
Mastermind Corgan wohl auch nicht mit Namen Billy Burke im Booklet
auftauchen. Es hat sich also was getan. Allerdings nichts wodurch
die Welt anders erscheint. Ein Vergleich mit einer anderen kürzlich
neu-konzipierten Super- Band, Audioslave, bietet sich an. Genauso
wie Audioslave bestehen Zwan aus durchaus renommierten Künstlern;
Paz Lenchantin (A Perfect Circle), Matt Sweeney (Chavez) Jimmy
Chamberlain (Ehemal Smashing Pumpkins) und David Pajo (Wilco).
Doch genauso wie Audioslave können auch Zwan keine Bäume
ausreissen. Corgan allerdings, hat sich zu einem Team-Musiker
entwickelt. Geradezu demokratische Strukturen scheinen sich etabliert
zu haben. So war nicht mehr er alleine für alle Kompositionen
zuständig, sondern "Mary star of the sea" ist
ein Produkt der ganzen Band.
Kurzum, wer "Smashing Pumpkins light"
mag, also ungezuckert und vielleicht ab und zu sogar ohne Koffein,
dem wird Zwan zusagen. Zum Schluss wir eines klar: Billy ist
glücklich. Freuen wir uns doch mit.
Web: www.zwan.com
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