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Kulturmagazin April 2003 (Nr. 60)

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Die besten Konzertlokale der Schweiz
Teil 3

Bisher erschienen:
Bern (Teil 1)
Zürich und Umgebung (Teil 2)

In der nächsten Ausgabe:
Basel (Teil 4)

Tour de Fribourg: mehr als Cardinal und Vacherin

In Fribourg trifft sich die Schweiz. Das ist nicht nur wegen der Multikulturalität so, die ein kleines mikrokosmosähnliches Abbild des gesamthelvetischen Zustandes ist, sondern, weil sich auch regelmässig eingefleischte Konzertgänger aus allen Ecken und Enden dieses Landes im Fri-Son treffen; einige behaupten, das beste Konzertlokal der Schweiz.

Von mathias.menzlplebs.ch. Doch alles schön der Reihe nach und das ging schon früher im Turnunterricht von unten nach oben oder von klein bis gross. Der kleinste Club in Fribourg ist das "XXième" (vingtième). Die "Zwanzigste" ist eigentlich eine Bar, die eher von DJ's frequentiert wird als durch Bands, bis auf ein paar Gelegenheitsauftritte von eher unbekannten Musikern von Pop-Rock bis Jazz. Ansonsten, eine Gemütliche und schmucke Schenke mit Uni-Sex WC's und den Baccardi, Campari etc., für 5.80 Franken das Glas und das Bier spottbillig. Übrigens, für die Deutschschweizer von euch, die sich selten über die eigene Dorf- oder Stadtgrenze hinauswagen: Fischen im eigenen Teich wird mit der Zeit langweilig und man verpasst, wie ihr sehen könnt, die besten Sachen: zum Beispiel einen Campari-Orange-Abend für 5.80 Franken das Stück.

Das nächste Lokal dieser "Tour de Fribourg" nennt sich "Nouveau Monde". Dieses spiegelt den weiter oben schon einmal angedeuteten Kulturpluralismus wieder. In der "Neuen Welt" kann der geneigte Nachtvogel an einem Abend Salsa tanzen, am nächsten an irgend eine "Fachschaft-GV" gehen und am darauf folgenden Tag sich unter die Headbanger mischen und einen Metal-Abend geniessen. Auch World Music steht hoch oben auf der Eventliste. Im "Nouveau Monde" sollten sich vor allem jene Leute wohl fühlen, die sich bevorzugterweise bis vor Kurzem noch in der Dorfdisco oder in irgend einem verstaubten Keller (von der Kirchgemeinde gemietet) mit abgewetzten und vollgekotzten Sofas trafen. Es hat so einen provinziellen Jugendtreff-Charme. Man kann sich also wohl fühlen im "Nouveau Monde".

Gleich um die Ecke vom "Nouveau Monde", vis-à-vis der Cardinal- Brauerei, was übrigens auch ein guter Ausgehtipp ist, man kann dort nämlich wunderbar Besichtigungen machen, mit einer Stunde Gratisausschenke, findet man das "Tosee", was ein sehr lustiger, weil vieldeutiger Name für einen "seriösen" Club ist. Im "Tosee" balzen sich namensgetreu liebend gerne "Herr und Frau Mallorca". Es ist im Grunde genommen kein Konzertlokal, sondern ein sogenanntes Tanzlokal. Unter der Woche bebaggern sich die gelangweilten Studenten und an den Wochenenden versammelt sich dort die hiesige Automobil-House-Szene.

Man mag es kaum glauben, aber nicht unweit von diesem Sündenpfuhl entfernt, befindet sich die Perle der Konzertlokale: das "Fri-Son". Jeder und Jede hat schon dort gespielt, natürlich nur die guten "Jede" und "Jeder". Und jene die "Jede" und "Jeder" werden, werden auch dort spielen. Wer's nicht glaubt geht auf den "History-Link" der "Fri-Son" Homepage. Zum "Fri-Son" gibt es eigentlich nicht viel zu sagen, ausser: Wer nicht dort gewesen ist hat was verpasst und sollte sich was schämen dafür. Im "Fri-Son" gibt's übrigens nicht nur was auf die Ohren, sondern auch auf die Augen und die Kniegelenke. Allmonatlich finden Filmabende statt. Und wer nicht gerne ins "Tosee" geht, um Ausflüge ins Tierreich zu unternehmen und das Balzverhalten gewisser Artgenossen zu studieren, kann prima im "Fri-Son" tanzen gehen und zwar zu Drum&Bass, Elektro und anderen leckeren Tönen.

Wem Fribourg zu hektisch ist, was allerdings sehr unwahrscheinlich ist, dem sollte das "Bad Bonn" wärmstens ans Herz gelegt sein. Dieses befindet sich nicht in der Zähringerstadt selbst, aber im unweit von Fribourg gelegene Vasallengebiet, im bereits deutschsprachigen Düdingen. Einigen wird das "Bad Bonn" durch die "Bad Bonn Kilbi" ein Begriff sein, ein am selben Ort alljährlich kleines aber feines stattfindendes Festival, eingebettet in Bauernhof, Maisfeld, Wald und Stausee. Idyllischer und romantischer als ein Sonnenuntergang am Meer. Das "Bad Bonn" heisst so, weil sich dort früher mal ein Heilbad befunden hat, eben halt das "Bad Bonn". Interessant, interessant. Und dieses kleine Konzertlokal überrascht immer wieder durch sehr innovative und noch nicht so reputierte Künstler, die's dann aber meistens werden. Also ein kleiner Geheimtipp.

Wer also noch nie in Fribourg war, der sollte sich mal die Siebenmeilenstiefel anschnallen und schleunigst eine Reise nach Freibug im Üchtland unternehmen. Aber Achtung an alle liberalen Freidenker unter euch. Fribourg ist stockkatholisch. Hier gibt's noch so etwas wie bigotte Frömmigkeit. Die Lokale schliessen unter der Woche um 23 Uhr 30. Aber nicht abschrecken lassen. Wer mir ein Mail schreibt, bekommt die Namen und Adressen der geheimen illegalen von Protestanten geführten Bars zugeschickt, die ab und an auch mal länger geöffnet haben.

Web:
www.nouveaumonde.ch
www.toseeclub.com
www.fri-son.ch
www.badbonn.ch

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