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Die besten Konzertlokale
der Schweiz
Teil 3
Bisher erschienen:
Bern (Teil 1)
Zürich und Umgebung (Teil 2)
In der nächsten Ausgabe:
Basel (Teil 4)
Tour de Fribourg: mehr als
Cardinal und Vacherin
In Fribourg trifft sich die Schweiz.
Das ist nicht nur wegen der Multikulturalität so, die ein
kleines mikrokosmosähnliches Abbild des gesamthelvetischen
Zustandes ist, sondern, weil sich auch regelmässig eingefleischte
Konzertgänger aus allen Ecken und Enden dieses Landes im
Fri-Son treffen; einige behaupten, das beste Konzertlokal der
Schweiz.
Von mathias.menzl
plebs.ch.
Doch alles schön der Reihe nach und das ging schon früher
im Turnunterricht von unten nach oben oder von klein bis gross.
Der kleinste Club in Fribourg ist das "XXième"
(vingtième). Die "Zwanzigste" ist eigentlich
eine Bar, die eher von DJ's frequentiert wird als durch Bands,
bis auf ein paar Gelegenheitsauftritte von eher unbekannten Musikern
von Pop-Rock bis Jazz. Ansonsten, eine Gemütliche und schmucke
Schenke mit Uni-Sex WC's und den Baccardi, Campari etc., für
5.80 Franken das Glas und das Bier spottbillig. Übrigens,
für die Deutschschweizer von euch, die sich selten über
die eigene Dorf- oder Stadtgrenze hinauswagen: Fischen im eigenen
Teich wird mit der Zeit langweilig und man verpasst, wie ihr
sehen könnt, die besten Sachen: zum Beispiel einen Campari-Orange-Abend
für 5.80 Franken das Stück.
Das nächste Lokal dieser
"Tour de Fribourg" nennt sich "Nouveau Monde".
Dieses spiegelt den weiter oben schon einmal angedeuteten Kulturpluralismus
wieder. In der "Neuen Welt" kann der geneigte Nachtvogel
an einem Abend Salsa tanzen, am nächsten an irgend eine
"Fachschaft-GV" gehen und am darauf folgenden Tag sich
unter die Headbanger mischen und einen Metal-Abend geniessen.
Auch World Music steht hoch oben auf der Eventliste. Im "Nouveau
Monde" sollten sich vor allem jene Leute wohl fühlen,
die sich bevorzugterweise bis vor Kurzem noch in der Dorfdisco
oder in irgend einem verstaubten Keller (von der Kirchgemeinde
gemietet) mit abgewetzten und vollgekotzten Sofas trafen. Es
hat so einen provinziellen Jugendtreff-Charme. Man kann sich
also wohl fühlen im "Nouveau Monde".
Gleich
um die Ecke vom "Nouveau Monde", vis-à-vis der
Cardinal- Brauerei, was übrigens auch ein guter Ausgehtipp
ist, man kann dort nämlich wunderbar Besichtigungen machen,
mit einer Stunde Gratisausschenke, findet man das "Tosee",
was ein sehr lustiger, weil vieldeutiger Name für einen
"seriösen" Club ist. Im "Tosee" balzen
sich namensgetreu liebend gerne "Herr und Frau Mallorca".
Es ist im Grunde genommen kein Konzertlokal, sondern ein sogenanntes
Tanzlokal. Unter der Woche bebaggern sich die gelangweilten Studenten
und an den Wochenenden versammelt sich dort die hiesige Automobil-House-Szene.
Man mag
es kaum glauben, aber nicht unweit von diesem Sündenpfuhl
entfernt, befindet sich die Perle der Konzertlokale: das "Fri-Son".
Jeder und Jede hat schon dort gespielt, natürlich nur die
guten "Jede" und "Jeder". Und jene die "Jede"
und "Jeder" werden, werden auch dort spielen. Wer's
nicht glaubt geht auf den "History-Link" der "Fri-Son"
Homepage. Zum "Fri-Son" gibt es eigentlich nicht viel
zu sagen, ausser: Wer nicht dort gewesen ist hat was verpasst
und sollte sich was schämen dafür. Im "Fri-Son"
gibt's übrigens nicht nur was auf die Ohren, sondern auch
auf die Augen und die Kniegelenke. Allmonatlich finden Filmabende
statt. Und wer nicht gerne ins "Tosee" geht, um Ausflüge
ins Tierreich zu unternehmen und das Balzverhalten gewisser Artgenossen
zu studieren, kann prima im "Fri-Son" tanzen gehen
und zwar zu Drum&Bass, Elektro und anderen leckeren Tönen.
Wem
Fribourg zu hektisch ist, was allerdings sehr unwahrscheinlich
ist, dem sollte das "Bad Bonn" wärmstens ans Herz
gelegt sein. Dieses befindet sich nicht in der Zähringerstadt
selbst, aber im unweit von Fribourg gelegene Vasallengebiet,
im bereits deutschsprachigen Düdingen. Einigen wird das
"Bad Bonn" durch die "Bad Bonn Kilbi" ein
Begriff sein, ein am selben Ort alljährlich kleines aber
feines stattfindendes Festival, eingebettet in Bauernhof, Maisfeld,
Wald und Stausee. Idyllischer und romantischer als ein Sonnenuntergang
am Meer. Das "Bad Bonn" heisst so, weil sich dort früher
mal ein Heilbad befunden hat, eben halt das "Bad Bonn".
Interessant, interessant. Und dieses kleine Konzertlokal überrascht
immer wieder durch sehr innovative und noch nicht so reputierte
Künstler, die's dann aber meistens werden. Also ein kleiner
Geheimtipp.
Wer also noch nie in Fribourg war, der
sollte sich mal die Siebenmeilenstiefel anschnallen und schleunigst
eine Reise nach Freibug im Üchtland unternehmen. Aber Achtung
an alle liberalen Freidenker unter euch. Fribourg ist stockkatholisch.
Hier gibt's noch so etwas wie bigotte Frömmigkeit. Die Lokale
schliessen unter der Woche um 23 Uhr 30. Aber nicht abschrecken
lassen. Wer mir ein Mail schreibt, bekommt die Namen und Adressen
der geheimen illegalen von Protestanten geführten Bars zugeschickt,
die ab und an auch mal länger geöffnet haben.
Web:
www.nouveaumonde.ch
www.toseeclub.com
www.fri-son.ch
www.badbonn.ch