Musik November 2002

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Aus dem Inhalt

Interview & Portrait
Mark Greaney (JJ72)

Veröffentlichungen (nach Alphabet)
Alpinestars

Avril
Avril Lavigne
Boomtronics
Bright Eyes
Carrera
Chekov
Craig David
Das Ich
Death in Vegas
Deichkind
Der Junge mit der Gitarre
Draven
Elvis Presley
Empyrium
Fehlfarben
Foo Fighters
Fragile State
Holly Valance
Howie B
Ice T presents
JJ72
Leann Rimes
Leiah
Le Peuple De L'Herbe
Mas
(Mastercuts) Bar Life
Morocco
Nena
Nightmares on Wax
Per Gessle
Peter Gabriel

Popium
Saybia
Schneider TM
Smash FX
Sugababes
The Flaming Lips
The International Pony
The Libertines
The New Deal
The Shining
UB40 present
Wonderwall
Yohimbe Brothers

Konzerte
Alec Empire
Moby & Röyksopp
Noa

Rahzel
Saïan Supa Crew
Tocotronic

 

Interview & Portrait

Interview & Portait | Mark Greaney (JJ72)
Der Mann dahinter

Mit ihrem gleichnamigen 2000er Debut-Album haben JJ72 überrascht und beeindruckt. Zum Release des neuen Longplayers "I to Sky" haben wir mit Mark Greaney gesprochen. Folgendes kam dabei raus.

Von rinaldo.kalbermatterplebs.ch. Mark Greaney (Bild links: Mitte) ist JJ72. Und JJ72 ist Mark Greaney. Der Frontmann und Sänger mit der zarten Stimme redet wie er singt: ehrlich, menschlich, freundlich. Und er ist bei Weitem mehr: Während er auf dem Debut neben dem kompletten Songwriting (nur) Vocals und Guitars beisteuerte, kam für den Zweitling noch das Klavier dazu. Ob er zwischen Debut und Zweitling Klavier zu spielen gelernt hat, fragen wir. Und wirklich: "Ja, ich hab die Zeit genutzt und Klavier-Spielen geübt. Jedenfalls soviel, wie man auf dem neuen Album hört. Die anderen necken mich ständig, ich könne es nicht." Und lacht dabei. Das passt zu ihm. Er gibt Auskunft und freut sich. Er zeichnet sich ausserdem auch verantwortlich für das komplette Cover-Artwork. Darauf gehen wir natürlich ein. "Ich wolle an die Kunstschule, wenn aus meiner Musik nichts geworden wäre. Doch draus wir jetzt nichts." Und lachte wieder. Was er denn vorhabe? "Mir ist es wichtig, nicht nur Musik als Kunst zu sehen und zu perfektionieren, sondern z. B. auch das Artwork der Covers und die Musikvideos. Mein Ziel ist es, bei allem, was ich mache, das beste rauszuholen und künstlerisch tätig zu sein. Als nächstes möchte ich gute Musikvideos machen."

JJ72 befinden sich nichtsdestotrotz zur Zeit auf grosser Tournee, zum Teil auch als Supporting-Act für Suede. Ausgerechnet mit einer Band, die - wie Greaney sagt - ihn in jungen Jahren beeinflusst hat. Wie er das Tour-Leben wohl findet, haben wir uns gefragt. "Es ist schön, aber hart. Es gehört einfach dazu, live zu spielen. Vorallem in den USA, wo wir sehr lange auf Tour waren." Und weiter: "In den USA musst du einfach touren, touren und nochmals touren, damit du dir einen Namen machen kannst. Du muss wirklich ausgiebig und lange touren und überall spielen." JJ72 werden auch in der Schweiz an zwei Orten und Daten auftreten. War Greaney wohl schon in der Schweiz? "Ja, mit 13 oder so. Am 'Lake Lucerne'."

JJ72 werden also ihr neues Album auch in der Schweiz live präsentieren. Ein Album, das die hohen Erwartunen gar noch übertroffen hat. Es spinnt zunächst das musikalische Material des Erstlings weiter. Und doch sind Unterschiede zu verzeichnen. Glücklicherweise. Denn die Band ist gewachsen. Sprich: Mark Greaney ist gewachsen. Darauf angesprochen meint er: "Es sind halt viel Sachen geschehen in der Zwischenzeit. Es sind Leute gegangen und gekommen. Leute sind gestorben. Das waren 2 Jahre Leben, Reife und Erfahrung. Während ich auf 'JJ72' davon gesungen habe, wie das Leben mit all seinen Einzelteilen wohl ist, kann ich auf 'I to Sky' aufgrund der Zeit, die vergangen ist, nicht nur darüber spekulieren, sondern wirklich vom Leben erzählen." Wir freuen uns, wenn er uns das vorsingt... (Album: 6)

Tour:
23.11.02, Fri-Son, Fribourg (Supporting Act v. Suede)
01.12.02, Abart, Zürich

Website:
www.jj72.com

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Veröffentlichungen

Rock | Foo Fighters: "One by One"
Fremdgehen zahlt sich aus

Nach dem kurzen aber deftigen Intermezzo mit den Desert-Rockern von "Queens of the Stone Age", melden sich Dave Grohl und die "Foo Fighters" mit "One by One" zurück und schalten dabei gleichzeitig einen Gang höher.

Von mathias.menzl@plebs.ch. Im Jahr 2002 heisst es bei den vier Mannen aus den USA nunmehr "Learn to Rock" und nicht mehr "Learn to Fly", in Anlehnung an ihren letzten Smash-Hit. Die Foo's gehen auf dem neuen Silberling merklich härter zur Sache als noch drei Jahre zuvor. Da stellt sich natürlich prompt die Frage nach Daves Gastspiel bei Josh Homme und Nick Oliveri, bei denen er die Schlagzeug-Parts fürs neue Album "Songs for the deaf" übernahm. Zumal ja der Schaffensprozess des neuen Foo-Fighters-Album aufgrund des Queens-Albums unterbrochen wurde. Vor allem der letzte Song auf "One by One", "Come Back", wie auch "Low", lassen doch sehr wohl ein paar Parallelen mit den beiden Recken aus Palm Springs erkennen. Hinzu kommt noch, dass es viele Mr. Grohl übel nehmen, dass er die Zeit mit den Queens of the Stone Age als seine kreativste bezeichnete, die er je erlebt hat, was nicht nur die Foo Fighters in den Schatten rücken, sondern auch Nirvana.

Nichtsdestotrotz, abgesehen von "Low" und "Come Back" zelebrieren die Foo Fighters altgewohnte Tugenden aus "The Colour and the Shape"-Tagen. So findet sich mit "All my Life" nicht nur einer der besten Songs, den dieses Quartett je komponierte hat auf "One by One", sondern mit dem balladesken "Tired of You" nehmen sie auch gleich das einzig gute von "Nothing left to loose" mit, jedoch nur in konzentrierter Form, und das ist gut so. Sie haben sich also keinen Zentimeter vom leichtmütigen, quickfidelen Pop-Rock-Schema entfernt. So sind mit "Overdrive" und "Disenchanted Lullaby" auch klassische Foo-Songs vertreten. Denn wie es Dave Grohl pointiert hat, könnten sie gar keinen "Anti- Popsong" schreiben. Weil sich irgendwie immer wieder eine schöne Melodie einschleichen würde, welche auch die Mädchen mögen.

Die Quintessenz aus dem ganzen ist, dass sich die Foo Fighters, bis auf ein paar Ausflüge ins Queens of the Stone Age-Universum, treu geblieben sind und dem guten alten Rock-Handwerk weiter frönen oder wieder vermehrt frönen, wenn man "One by One" mit "Nothing left to loose" vergleicht. So bleibt nur zu hoffen, dass Dave Grohl seine vor langer Zeit mal geäusserte Ankündigung, dass er nämlich dieses Rock'n'Roll-Ding sicher nicht noch mit 33 machen wolle, nicht in die Tat umsetzt, denn dann würden ihm nur noch schlappe vier Monate bleiben, um abzurocken.

Website: www.foofighters.com

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Break-Beat | Complied by Smash FX: "On a Mission" | 5
Break-Beat-Panoptikum

Smash FX sind schon lange bekannt für Ihren Break-Beat. Angefangen bei BigBeat, sind sie nun in Ihrem Genre die Schweizer Nummer eins. Und das merkt man dieser Compilation auch an: wie an ihren Sets alles erstklassige Wahl. Break-Beat vom Feinsten. (muh!)

Website: www.smashfx.ch

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Trip-Rock | Death in Vegas: "Scorpio Rising"
Stillstand

Nach dem sehr überzeugenden "Contino Sessions", besteht bei Death in Vegas der einzige Fortschritt darin, dass sie sich hochkarätige Gäste ins Studio hohlen konnten, wobei dies nur oberflächlich betrachtet eine Verbesserung darstellt.

Von mathias.menzl@plebs.ch. Denn mit Paul Weller und Liam Gallagher engagierten die Briten nicht gerade sehr innovative Gesellen ins Studio. Aber das ganze passt ins Bild, denn Death in Vegas selber entwickelten sich auch nicht gerade weiter und so ist ganze in sich stimmig. Solide Trip-Hop-Rock-Songs gepaart mit zwei Ausflügen ins mittlerweile doch schon ziemlich abgedroschene Brit-Pop-Zeitalter. Für die Höhepunkte dieses Albums zeichnen sich die Songs "23 Lies" und "Help Yourself" aus, untermahlt durch die überragend schönen Organ von Susan Dillane und Hope Sundoval, die damit ebenfalls einen Gastauftritt hat. Auch der Opener "Leather", ein eingängiger Up-Tempo-Pop-Song mit eingängigem Synthi-Refrain, kann man noch zu den Lichtblicken zählen. Die restlichen Lieder wie "Girls" oder "Killing Smile" plätschern so vor sich hin, ohne auch nur in geringster Weise etwas zu bewirken, - unauffällig und in hohem Masse unspektakulär. Doch alles in allem ist es ein solides Album mit einigen wenigen "Highs" und (wenn man so will) vielen etwas besseren "Lows", aber nach dem letzten Album "The Contino Sessions" hätte man bessere Kost erwarten dürfen. Enttäuschend.

Website: www.deathinvegas.net

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Electro-Pop | Alpinestars: "White Noise" | 5-6
Perfekte Mischung

Die Alpinestars wurden ja in den letzten Wochen und Monaten saftig ge-hype-t. Zurecht. Die Schweibe strotzt nur so von genialen Arrangements zwischen Pop und Elektronik. Eine Platte zum Verlieben! (muh!)

Website: www.alpinestarsonline.com

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Pop | The flaming lips: "Yoshimi battles the pink robots"
Zuckersüsser Weltuntergang

Yoshimi rettet uns vor dem Weltuntergang. Im Alleingang soll sie die pinkigen Roboter besiegen. Alles klar?

Von basil.schneider@plebs.ch. Ihr Name war Yoshimi, sie hatte einen schwarzen Gürtel in Karate. Im Auftrag der Stadt disziplinierte sie ihren Körper, und sie wusste, dass diese üblen Maschinen bezwungen werden mussten. Und er wiederum wusste, dass sie es schaffen könnte. "Oh Yoshimi, they don't believe me but you won't let those robots defeat me. Those evil-natured robots, they're programmed to destroy us." Sie wird es schaffen, es wäre tragisch wenn nicht.

Konzeptalben sind heute keineswegs mehr originell. Und die Musik der Flaming Lips klingt auch alles andere als modern. Sieht man darüber hinweg, so präsentieren uns die Amerikaner ein nettes Pop-Album mit schönen Melodien und einer Geschichte um die oben erwähnte Yoshimi. Wieso sie uns vor den ach so bösen pinkigen Robotern retten soll, darf jeder selber nachlesen. Oder besser gesagt reininterpretieren. Wer ist diese Yoshimi? Wieso soll sie uns im Alleingang vor den pinkigen Robotern retten? Und wer sind eigentlich diese Roboter?

"Fight test", der erste Song auf dem Album erinnert ganz stark an "Father and son" von Cat Stevens, und auch der Rest ist in die zeitliche Ära der Siebziger einzuordnen. Verständlich, wenn jetzt einige aufschreien, in der Hoffnung, dass diese Zeit doch vorbei ist. Zu sehr erinnert das Album an eine Aera, die das Musikbusiness hinter sich gelassen hat. Doch wer so schöne Melodien wie bei "Are you a hypnotist??" schreibt, der darf auch ruhig mal den Synthesizer und den Vocoder gleichzeitig auspacken.

Website: www.flaminglips.com

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Electronic | Avril: "That Horse must be starving" | 4
Verspielt & vielseitig

Da lädt uns jemand zu hübschen Elektronik-Spielchen ein: sehr vielseitig und gekonnt, doch leider ein bisschen zu bunt. Anspieltipp: "French Kiss". (muh!)

Website: www.pias.com / www.fcom.fr

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Electronica | Le peuple de l'herbe: "P.H. Test / Two"
Supadope

Frankreich hatte schon immer viel zu bieten, was Hip Hop oder auch Trip Hop anbelangt. ,Le peuple de l'herbe' haben sich da keineswegs zu verstecken, klingen aber eine Prise englischer als ihre Kollegen, - und das ist gut so!

Von basil.schneider@plebs.ch. Nicht mehr ihr eigenes Label Supadope ist für den Vertrieb zuständig, sondern Pias. Aber die Musik ist immer noch unverkennbar Le Peuple de l'herbe: Französischer Hip Hop trifft auf englischen Drum'n'Bass, darüber hinaus noch eine Prise Dub und Electronica. Das heisst konkret: Fette Beats, richtige Drums(!), Bläsersektion und Rap-Gesang vom Feinsten. Das war doch alles schon mal da? Sicherlich, aber wie die vier Franzosen diese Elemente gekonnt einsetzen, ist doch eher selten. An Langeweile oder fehlender Innovation ist da gar nicht zu denken, das Album wird wohl kein Tanzbein unbewegt lassen.

Treibende Basslinien, melodiöse Rhythmen, gekonntes Schlagzeugspiel, Beatboxing und vor allem die doch eher unkonventionelle Trompete lassen einen all die durchschnittlichen Veröffentlichungen vergessen, die eine Zeit lang den Markt überfluteten. Drum'n'Bass, Hip Hop, Ragga, Jungle, Dub, Break-Beat, Funk. In welche Schublade man auch immer die Jungs - welche keinen Hehl aus ihrer Zuneigung zum betäubenden, grünen Kraut machen - stecken will, spätestens einen Song später machen sie einem klar, dass sie nun mal nicht so einfach einzuordnen sind.

Nach einem Intro geht es los mit "Delice", einer Mixtur aus Dub und Jazz, danach gibt es kein Entkommen aus "No escape", wenn die schnellen Drums gepaart mit düsterem Bass ausgepackt werden. Fluchtmöglichkeiten bietet das darauf folgende "Escape dub". Flucht in eine andere Welt, in welcher Jazz und Dub vereint ein genüssliches Leben führen. Bis bei "Blunted" die komplexen Songstrukturen einkehren, und auch der DJ zeigt, dass er keineswegs überflüssig ist in diesem Team. Schlag auf Schlag geht es weiter, ein Durchhänger ist nicht in Sicht.

Ein Album voller Überraschungen, voller Dancefloor-Tauglichkeit und trotzdem nicht leicht gefällig oder gar schnell verleidend. Ein Album, dass Lust macht auf mehr und mehr gibt es live zu sehen, denn Le peuple de l'herbe betrachten sich selber nach wie vor als Live-Band. Kaum zu glauben, wenn man das vorliegende Album hört, aber alle die schon mal Zeuge ihres Live-Spektakels wurden, würden diese Tatsache wohl unterstreichen.

Website: www.lepeupledelherbe.net

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Pop-Rock | Der Junge mit der Gitarre: "Dagagen" | 4
Der Arzt ohne Band

Warum bloss nimmt eine grosse Plattenfirma einen solchen Jungen unter Vertrag? Wohl wegen seiner musikalischen Qualität und Standhaftigkeit. Keine übergrosse Platte, aber trotzdem vielseitig und eine lockere Abwechslung. Vieleicht hat die grosse Plattenfirma den Arzt ohne Band gerade jetzt veröffentlicht, damit Die-Aerzte-müde Hörer etwas Neues zum Frass vorgeworfen bekommen. Doch wird man müde von der "besten Band der Welt"? (muh!)

Website: www.djmdg.de

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Electronica/Funk | The international pony: "We love music"
Das Werk von Musikliebhabern

Wie soll sich Funk im Jahre 2002 anhören? Der Vorschlag, den uns The International Pony hier unterbreiten, klingt schon mal interessant.

Von basil.schneider@plebs.ch. Funkige, zum Tanzen animierende Songs, mit groovenden Beats und ziemlich viel Kitsch, auf den einen das Cover aber schon genügend vorbereitet haben sollte. Doch je mehr man sich dieses Album anhört, desto mehr kann man an diesem Kitsch gefallen finden.

The International Pony stammt aus Deutschland, was man ihrem Debut-Album aber überhaupt nicht anhört. Vor elektronischen Spielerein, wie zum Beispiel Vocoder, Synthesizer oder dumpfem Bass wird genauso wenig Halt gemacht, wie vor Flöten, Saxophon oder Trompeten. Schön, eine Platte hören zu dürfen, welche sich selbst keine Grenzen setzt.

Herausstechend sind auch die qualitativ hochwertige Produktion und der Mix, welche beide ebenfalls von The International Pony übernommen wurden. Das verwundert nicht, wenn man einmal die Besetzung dieser Band genauer unter die Lupe nimmt: DJ Koze, Cosmic DJ und Erobique bilden dieses ungewöhnliche Trio.

DJ Koze und Cosmic DJ verdienten früher bei Fischmob ihre Brötchen. Dem Hip Hop haben sie jedoch schon seit einiger Zeit den Rücken zugekehrt. Eher Richtung elektronische Musik ging es weiter, bis jetzt die Zusammenarbeit mit Erobique wieder zu einem Stilwechsel führte. Ihre Welt bleibt nicht stehen und das tut gut. Denn die Hip-Hop- und Elektronik-Einflüsse sind auch auf diesem Album zu hören. Und gerade diese Einflüsse lassen das Album so speziell erscheinen, eine Mixtur aus gestern und heute, aus Siebziger-Funk und -Soul und aus Hip-Hop und Electronica.

Die ruhigeren Tracks, wie zum Beispiel "Pony the funk" oder "Meet some friends" wechseln sich mit schnelleren, beatlastigeren Stücken ab und lassen das Album nicht langweilig werden. Im Gegenteil, man wird bei öfterem Hören immer mehr Gefallen an diesem Sound finden.

Website: www.internationalpony.de

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R'n'B | Craig David: "Slicker than your Average" | 3
Seitenwechsel

Schon das Cover sagt voraus, was sich nach einem ersten Reinhören bewahrheiten sollte: Dieser Mann hat die Seiten gewechselt. Er trägt nun fetten Halsschmuck mit seinen diamantenen Initialen, am einen Handgelenk klunkert eine sicherlich nicht ganz billige Uhr und am anderen sonstiger Goldschmuck. Wer nimmts ihm Uebel? Der Mann ist halt reich geworden mit seinem Debut-Megaseller. So erlaubt er sich nun eine seichte R'n'B-/Hip-Hop-Scheibe. Schade, von frischem Stilmix vom Debut ist keine Spur mehr. (muh!)

Website: www.craigdavid.com

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Rock/Britpop | Saybia: "The second you sleep"
Britisch und doch irgendwie nicht

Klingen tun Saybia wie eine ganz normale Britpop-Band, nur dass sie nicht aus England kommen.

Von daniel.mitze@plebs.ch. Und auch an anderen Stellen kann man erhebliche Unterscheide finden, wenn man dann mal genauer hinhört. Hören sich doch bei den meissten Britpop-Alben alle Lieder gleich an (und man kann nie die ganze CD an einem Stück hören), so haben Saybia hier eine sehr abwechslungsreiche Platte vorgelegt.

Einige Stücke entwickeln sich sogar zu wahren Ohrwürmern wie zum Beispiel "The Day after Tomorrow". Allgemein überzeugt die CD mit schönen Melodien und anständigem Gesang, der nicht wie bei vielen Britpop Bands in höhere Tonlagen geht, als der Sänger eigentlich singen kann. Somit ist die CD auch für Leute, die gute Gitarrenmusik mögen, zu empfehlen.

Eine schöne CD mit 11 Songs für kalte Herbsttage, wenn man gemütlich in der Wohnung sitzt und ein warmes Getränk schlürft. Anspieltips sind das oben schon genannte Lied und "The second you sleep". Seichte dänische Rockmusik vom Feinsten!

Website: www.saybia.dk

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Rock | The Libertines: "Up the Bracket" | 3
Radiountauglich?

Die Jungs von den Libertines zierten das Cover des NME und schafften es auf der Insel ganz ohne Airplay (wegen des "radiountauglichen Textes") in die Charts. Das hat sicherlich seinen Grund. Wer auf die momentane LaLaLa-Retro-Rock-Welle steht, dem wirds gefallen. (muh!)

Website: www.thelibertines.com

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Singer/Songwriter | Bright Eyes: "Lifted or The Story is in the Soil, Keep Your Ear to the Ground
Die Trouvaille oder das neue Wunderkind

Jeff Buckley hatte es, Ryan Adams hat es nicht. Billy Corgan hatte es und hat es hoffentlich immer noch. Und The Strokes? Viele sagen sie hättens, doch sicher ist man sich nicht. Connor Oberst alias "Bright Eyes" hat es aber ganz bestimmt, das gewisse etwas, das Potential eines Wunderkindes oder das "je-ne-sais-quoi" wie der Franzose sagen würde.

Von mathias.menzl@plebs.ch. Connor Oberst, anderen vielleicht bekannt als Lead- Schreihals von "Desaparecidos", veröffentlicht unter Bright Eyes mittlerweile schon sein viertes Album und der junge Herr zählt gerademal 22 Lenzen. Oberst hat mit "Lifted..." ein Juwel geschaffen, man darf es getrost als solches bezeichnen. Das Traurige ist, die Welt wird es nie als solches anerkennen. Denn Bright Eyes produziert keine Hits vom Reissbrett, selten sind die Songs unter fünf oder sechs Minuten, und nur schwer könnte man sich vorstellen, sie am Radio - geschweige denn als Videoclip - im Fernsehen zu sehen bekommen. Obwohl Oberst Melodien aus dem Ärmel schüttelt, die durchaus Hits sein könnten. Eine visuelle Umsetzung seiner Stücke durch Videoclips ist auch gar nicht notwendig: Die Musik alleine zaubert durch ihre Magie dem Hörer von selber die Bilder in den Kopf, - ohne jegliche Psychopharmaka. Gott sei Dank, die perfekte legale Droge ist erfunden: Connor Oberst. Der jung US-Amerikaner, dessen Stimme unweigerlich an "The Cure" erinnern lässt, spielt in einer Liga als Geschichtenerzähler, in der vielleicht nur noch der altehrwürdige Neil Young partizipieren darf und kann. Aber halt, die Musik hat wenig mit dem "Godfather of Grunge" zu tun. Bright Eyes sind komplizierter gestrickt und verzackter als die im Vergleich fast schon wie Kinderlieder anmutenden Stücke von Neil Young. Gemeinsam haben sie bloss die Affichen Folk-Rock oder Country-Rock, obwohl diese auf "Lifted..." auch nicht durchgehend zelebriert werden. Connor Oberst ist eher schon der Singer/Songwriter-Ecke zuzuordnen. Doch eigentlich ist bei Bright Eyes jegliche Schubladisierung fragwürdig, denn das Album lässt sich schwer klassifizieren, dafür ist es zu unkonventionell und entzieht sich dadurch dem kommunen Rahmen solcher Bezeichnungen. Das tönt jetzt alles nach Friede, Freude, Eierkuchen. Doch die meisten werden sich Bright Eyes vielleicht mal kurz anhören (wenn überhaupt) und die CD verständnislos ins Regal zurück stellen. Aber einige werden sich diese Lieder nicht genügend zu Gemüte führen können, denn sie machen süchtig, wie jede andere Droge bei übermässigen Konsum halt auch. Doch diese ist glücklicherweise ohne ernsthafte Nebenwirkungen.

Website: www.saddle-creek.com

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Hard Rock | Draven: "Desire" | 6
International

Die Heavy-Band mit den Britney-Spears- und Backstreet-Boys-Coverversionen. Doch nur keine falschen Gedanken: Der Zweitling der Berner Draven hat echtes Potential! Die Platte hört sich wie geschmiert an. Manch einer wird da wohl das Register NuMetal zücken. Wohl oder übel. Doch die Band hat ihren ureigenen Stil gefunden: mit dem kanadischen Sänger ist die Band nun auf ihren Weg gekommen, konnte aber viele postivie Aspekte aus ihrer Gothic-Vergangenheit (z.B. die perfekt sitzenden Elektronik-Spielereien) mit in die Gegenwart nehmen. Und die ist beileibe nicht übel. Und die Zukunft scheint erst zu beginnen. (muh!)

Tour: 16.11.02, Wasserwerk, Bern
Website: www.draven.ch

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Pop | Wonderwall: "Witchcraft"
Danke Deutschland

Teenager: diese CD ist der absolute Partyknüller. Alle anderen: bleibt von diesen Parties fern.

Von david.bauer@plebs.ch. Und wieder einmal eine CD, die jedes Teenagerherz höher schlagen lässt. Und alle anderen bluten lässt. Wonderwall machen genau diese Art von Musik, die die Welt nicht braucht.

Die Geschichte ist leicht erzählt und auch nicht gerade neu: Drei Mädchen aus Deutschland bilden die x-te Girlgroup, werden gut vermarktet, machen einfachste Popmusik und haben zu allem Überfluss auch noch Erfolg. Erstaunen kann dies indes niemanden mehr: Sie sehen alle nett aus, singen jeder 14-jährigen aus der Seele und sind wie geschaffen für die Viva- und Bravo-mässige mediale Ausschlachtung. Ein längst bewährtes Konzept wird scheinbar inflationär weitergenutzt ­ erfolgreich zwar, himmeltraurig ist es dennoch.

Nun, was gibt es über das Album zu berichten. "Witchcraft" heisst es. Zwölf Liedchen hat es drauf. Einige davon kommen uns sogar bekannt vor. Das Radio hat uns schon damit belästigt. Und irgendwie werden wir auch das Gefühl nicht los, die anderen Songs schon gehört zu haben. Zu sehr gleichen sie sich. "Witchcraft" bietet weder Abwechslung, noch eine klar erkennbare Linie. Das Gütesiegel Schmalspurpop zieht sich zwar durch das ganze Album, von einer Linie oder gar einem eigenen Stil zu sprechen wäre ein Verbrechen an sich.

Wonderwall haben also kurz gesagt rein gar nichts neu erfunden. Fast gar nichts. Die englische Sprache haben sie definitiv neu erfunden. Eigentlich müsste man den Gebrauch der deutschen Sprache strengstens empfehlen, doch sorgt die sehr eigene Aussprache gewisser Wörter durchaus noch für einen Spassfaktor. So gesehen ist "Witchcraft" gleichsam zum Heulen wie zum Lachen. Welch eine Vielfalt.

Website: www.wonderwall.de

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Elektronik/NuJazz | The New Deal: "The news Deal" | 4-5
Etwas leblos

Elektronik oder NuJazz, das will nicht heissen, dass die Kanadier von The New Deal nicht am Schlagzeug sitzen und die Saiten des Basses selber züpfen. Genau, kein Elektronik-Akt im herkömmlichen Sinne. Das macht diese Scheibe auch interessant. Doch leider scheinen die Stücke etwas zu leblos und monoton. Ein Stück hebt sich jedoch ab: "Technobeam". Der Name verrät viel... (muh!)

Website: www.thenewdeal.ca

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Britpop | The Shining: "True Skies"
Rockiger Britpop

Und schon wieder Nachschub in der Sparte Britpop. The Shining sind Altbekannte und Newcomer zugleich und ihr Debut "True Skies" kann sich wirklich sehen lassen.

Von david.bauer@plebs.ch. Eine ganze Weile ist es her, seit es um The Verve still geworden ist. Und während Mastermind Richard Ashcroft fleissig an Soloprojekten arbeitete, war vom Rest der Band nichts mehr zu hören.

Dies ändert sich nun, nämlich mit The Shining. Bassist Simon Jones und Gitarrist Simon Tong haben sich drei neue Bandmitglieder gesucht und The Shining gegründet. Mit "True Skies" legen diese nun ihr Debutalbum vor. Mit The Verve hat dieses nur noch entfernt zu tun, das Rebellische scheint mit Ashcroft mehrheitlich gewichen zu sein. Eher kommt einem der Vergleich mit Coldplay in den Sinn. Ganz können sich The Shining sicherlich nicht mit den neuen Riesen des Britpops messen. Doch sind die Songs ähnlich energiegeladen und gleichsam melodiös, wie man das von Coldplay kennt. Dazu eine Stimme, die jeden einzelnen Song zu leiten scheint und dem Album das gewisse Etwas verleiht. Mal besänftigt Sänger Duncan Baxter mit seiner sanften Stimme die rauhen Gitarrenriffs, mal lässt er sie über die melodiösen Klänge gleiten. Für Gänsehaut ist auf jeden Fall gesorgt und so ist Baxter quasi die Entdeckung von "The Shining".

Anspieltips sind der Opener "Quicksilver", der gleich sehr rockig daherkommt, und das eher balladeske "Young Again". Das Highlight ist jedoch die wunderschöne Ballade "What You See", wo Baxters Stimme optimal zur Geltung kommt. Alles in allem ist "True Skies" ein gelungenes Debutalbum. Man darf gespannt sein, was von "The Shining" noch kommen wird.

Website: www.theshiningarehere.com

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Pop-Rock | Morocco: "Indigo" | 1
Warum?

Warum braucht die Welt diese Musik? Warum? Warum braucht die Welt diese Warum-Lieder? Warum-hast-du-das-getan-Lieder. Warum-hast-du-mich-verlassen-Lieder. Und immer im gleichen Stakkato. Ja, warum? (muh!)

Website: www.moroccomusic.com

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R'n'B/Pop | Sugababes: "Angels with Dirty Faces"
Auf den Spuren des Schicksalskindes

Die Welt haben die Sugababes mit ihrem zweiten Album "Angels with Dirty Faces" nicht neu erfunden. Schlecht ist es aber deshalb nicht.

Von david.bauer@plebs.ch. Noch keine der drei Engländerinnen von den Sugababes ist volljährig, dennoch warten sie nun schon mit dem zweiten Longplayer auf. Ein Bandmitglied wurde in der Zwischenzeit ausgetauscht, ansonsten hat sich nicht allzu viel verändert.

"Angels with Dirty Faces" bietet elf gut produzierte Songs, allesamt gut kommerzverträglich und genügend poppig, um Erfolg zu garantieren. Trotzdem heben sich die Sugababes ­ wenn auch nicht massiv ­ von der breiten Masse der zusammengecasteten Kommerzmusikwelt ab. Nicht dass sie nicht auch gecastet wären, doch ist ihre Musik recht abwechslungsreich und von verschiedenen Einflüssen geprägt. Dominierend dabei sicherlich die R'n'B-Note à la Destiny's Child ­ mal eher balladesk, mal etwas fetziger. Dabei spielen dann jeweils Remix-Beats eine gewichtige Rolle, die stark an Trip-Hop oder UK Garage erinnern. So zum Beispiel beim Titeltrack "Angels with Dirty Faces" oder "Round Round", der ersten Singleauskopplung. Mein Anspieltipp ist jedoch "Shape", ein durchaus gelungenes Cover des Sting-Songs "Shape of my Heart".

Alles in allem ist "Angels with Dirty Faces" ein ansprechendes Album mit eingängigen Melodien und tanzbaren Beats. Kommerzmusik mit einer dezent speziellen Note.

Website: www.sugababes.com

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Elektro | Yohimbe Brothers: "Front End Lifter" | 6
Wild, dreckig und verspielt

Big Beat, Elektronik, Reggae, Funk, Jazz, Rock'n'Roll - die Liste der hier vermengten Musikstile ist schier endlos. Die Yohime Brothers nehmen uns auf einen wilde Musikalische Reise mit. Tipp fürs allererste Reinhören: Kopfhörer, genügend Zeit und vollste Konzentration. Ein absolutes Abenteuer! (muh!)

Website: www.ropeadope.com/yohimbe.html

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Reggae | UB40 present: "The Fathers of Reggae"
Ein bisschen Sonne

Schon der Titel erinnert nicht an meinen ersten und einzigen Tanz mit meinem damaligen Schulschwarm. Und auch als ich mir die ersten Töne des Albums zu Gemüte führe, stimmt etwas nicht.

Von tamara.frommelt@plebs.ch. Das sind nicht die UB40, die mir mit "I Can't Help Falling In Love With You" Herzklopfen und weiche Knie bereiteten. Der Song, bei dem sich jedes Liebespaar im siebten Himmel fühlte. Nach über 20 Jahren Bandgeschichte kennen die meisten Leute ausser diesem Song vielleicht gerade noch "Red Red Wine". Eine andere Hymne, die sich wie Honig in die Gehörgänge legte. Nein, auf diesem Album schlagen UB40 noch wärmere Töne an. Die der Südsee. Wer die CD spielen lässt und die Augen schliesst ,weilt nicht mehr in der bitterkalten Schweiz, sondern liegt am Strand von Jamaica, einen Cocktail in der einen, einen Joint in der anderen Hand (oder so ähnlich). Die Sonne taucht langsam ins glitzernde Meer und Baströckchen und Rastas wippen an der Bar zu, ja, genau diesem Sound. Denn UB40 haben sich mit nicht wenigen Reggae-Grössen zusammengetan und 14 ihrer Songs, darunter sowohl populäre als auch eher unbekannte, unter einem etwas anderen Aspekt nachgespielt. Jedem Künstler wurde wohlbedacht ein passender Titel zugeteilt und dieser wurde dann zusammen mit der Band quasi neu interpretiert. Ganze drei Jahre beschäftigte das aussergewöhnliche Projekt die Band. Und sie haben es genossen. Das Resultat lässt sich bei den Fans sicher sehen und vor allem hören. Es erinnert etwas an ein ähnliches Unternehmen der Gorillaz (Spacemonkeyz vs. Gorillaz: "Laika come home"; Plebs berichtete). Mag Reggae auch für viele Geschmacksache sein, so bringt das Album doch sicher ein bisschen Sonne ins Gemüte.

Website: www.ub40-dep.com

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Pop-Hop | Nightmares on Wax: "Mind Elevation" | 2-3
Was führt das hin?

Es gibt Leute, die haben den Jahren Nummer 2001 und 2002 mit grossen Erwartungen entgegengefiebert. Dann nämlich standen irgenwanneinmal neue Scheiben von Elektronik-Gurus wie z. B. von Fatboy Slim oder den Chemical Brothers an. Und allesamt waren sie ein bisschen enttäuschen (ausser vielleicht für Dancefloor-Fetischisten). Und nun das: Nightmares on Abwegen. Fehlt nur noch Massive Attack... (muh!)

Website: www.nightmaresonwax.com

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Pop | Avril Lavigne: "Let Go"
Kleines Mädchen ganz gross

Wer bei Avril Lavigne denkt, dass nach Britney Spears, Mandy Moore und anderen Zuckerpüppchen ein weiteres Girlie mit flacher Stimme und Bauchnabelpiercing die Charts erobern will, der täuscht sich in ihr.

Von tamara.frommelt@plebs.ch. Denn bei Avril steht eindeutig die Musik im Vordergrund und nicht ihr Aussehen. Ausserdem schreibt sie ihre Songs selbst: kleine Episoden aus dem Alltag einer 17-Jährigen, die an die eigene Jugend erinnern. Ganz unverbraucht und fröhlich wirbelt Avril durch ihre Video-Clips. Musik muss Spass machen. Das Debutalbum der Kanadierin klingt vielversprechend: Mal lässt sie es krachen, kann aber auch ruhigere Töne anschlagen. Ein abwechslungsreicher, erfrischender Mix. Dabei finden sich auch Melodien, die denen von älteren Sängerinnen wie Natalie Imbruglia oder vielleicht sogar Alannis Morissette in nichts nachstehen. "Naked" ist zum Beispiel so ein Song. Ansonsten werden sich wahrscheinlich vor allem "Complicated" und "Skater Boi" im Gehörgang einbrennen. Einer meiner persönlichen Favoriten ist "Losing Grip". Sicher hat es noch mehr Titel mit Hitpotential, allerdings aber fehlt den restlichen Songs meist das gewisse Etwas. Gegen Ende der CD gibt es eigentlich nicht mehr viel, das die Aufmerksamkeit des Hörers allzu sehr erregt. Dennoch kann man "Let go" als sehr guten Start eines noch recht jungen Mädchens ansehen, das sicher in naher Zukunft bald wieder von sich hören lässt. Bis dahin hat sie Zeit zum Üben. Und da die Musik so etwas wie ihr Lebenstraum ist, wird sie sich diese Zeit auch nehmen und uns beim nächsten Mal mit einem ausgereiften Album überraschen. "Let go" wird (oder hat bereits) eine grosse Fangemeinde anziehen: Die natürlichen Gute-Laune-Songs müssten nicht nur Teenies ansprechen, sondern jeden, der die bunten Herbsttage mit einem passenden, warmen Soundtrack verschönern will.

Website: www.avrillavigne.com

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Pop | Nena: "20 Jahre - Nena feat. Nena" | 3
Leidenschaft weggeputzt

19 Jahre nach dem damaligen Megahit "99 Lufballons" bringt Nena mit Gästen ihre neu eingespielte alte Stücke auf den Markt. Doch leider - bei allem Respekt - wurden die Stück so produziert, dass viel von Ihrer Leidenschaft weggeschnitten wurde. Ein klitzekleines Plädoyer dafür, die Hände von Altem zu lassen. (muh!)

Website: www.nena.de

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Rock'n'Roll | Elvis Presley: "Elvis 30 No.1 Hits"
Der King ist nicht totzukriegen

Nachdem 2000 bereits von den Beatles ein Album mit Nummer-1-Hits erschienen ist, kriegt auch Elvis seine Hommage.

Von tamara.frommelt@plebs.ch. Am 16. August jährte sich sein Todestag zum 25. Mal und wie immer widmeten sich die Medien dem King, der immer irgendwie aktuell sein wird, weil ja auch die 70er- und 80er-Jahre sowohl modisch als auch musikalisch immer irgendwie irgendwo Anklang finden.

Aber ist Elvis aktuell genug, um die CD zu kaufen? 30 digital überarbeitete Nummer-1-Hits sprechen für sich. Chronologisch angeordnet von "Heartbreak Hotel" bis zu "Way down" plus dem zur Zeit aktuellen Hit "A little less conversation" (Elvis Presley vs. JXL), der auf keiner In-Party mehr fehlen darf, bietet das Album viel fürs Geld. Das Booklet mit Kurzbeschreibungen und Details zu jedem Song tut sein Übriges zum begehrten Sammlerobjekt. Das Album ist somit nicht nur etwas für nostalgische Mütter die früher gerne in Reihe 1 umgefallen wären, sondern auch für deren Söhne und Töchter, die für die eingängigen Melodien des Kings mehr als ein Ohr übrig haben.

Website: www.elvisnumberones.com

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Elektronik | Schneider TM: "Zoomer" | 5
Abstrakter Pop

Herrlich: Pop meets abstrakte Elektronik! Nichts für ungeduldige Ohren und etwas gewöhnungsbedürftig. Oder: Pop-Perlen ohne 2-Minuten-Effekt. Ein gutes Beispiel, wie Pop hübsch mit allerhand Loops und Tönen verziert werden kann. Viel Spass! (muh!)

Website: www.schneidertm.com

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Instrumental Rock | Carrera "Carrera"
Stumme Rockperlen

Rock ohne Gesang? Wie das gut gehen kann, zeigen Carrera auf ihrem gleichnamigen Album.

Von david.bauer@plebs.ch. Instrumentalbands im Bereich Rock sind sehr selten. Mit gutem Grund: lebt dieses Genre doch oft von der Energie und den Emotionen des Gesangs. Dass es aber auch ohne geht, zeigen Carrera aus München auf eindrückliche Art und Weise.

Ihre Songs (die ja so eigentlich nicht heissen dürften) beginnen wie jeder andere Rocksong. Spannung wird aufgebaut, die Melodie fesselt den Zuhörer, aber irgendwie wartet man darauf, dass der Gesang nun einsetzt. Doch genau dies passiert nicht. Die Spannung bleibt und mit ihrer sehr abwechslungsreichen Musik gelingt es Carrera auch, diesen Spannungsbogen über jedes einzelne Stück und das gesamte Album aufrecht zu erhalten. Es sind die Originalität und der Abwechslungsreichtum, welche Carrera zu einem Erlebnis machen, und trotz nicht vorhandenem Gesang nie Langeweile aufkommen lassen. Mit "reduce to the max" könnte man die Musik des deutschen Quartetts charakterisieren: Die zwei Gitarren, der Bass und das Schlagzeug werden in Abwesenheit des Gesangs umso bewusster und präziser eingesetzt. Ein wahrer Gewinn.

Vergleiche anzustellen fällt nicht leicht, hin und wieder ("Epic" und "Be There!") erinnern stark an die Briten von "Placebo", ein anderes Mal sind sie schwermütig wie "Live" aus den USA. Trotz möglichen Vergleichen sind Carrera vor allem eines: speziell und nur schwer einzuordnen. Optimal eingepasst ins Gesamtbild sind schliesslich die Stimmen der Gastsänger. Ganz ohne Gesang kommen also auch Carrera nicht aus. Aber wenn schon Gesang, haben sich die Münchener gedacht, dann etwas Richtiges: also hat man prominente Verstärkung von The Notwist, Slut und Blackmail geholt. Die Mischung aus Instrumentalband, die allen Fokus auf das präzise Zusammenspiel der Instrumente legt, und professionellem Gastsänger ist eine ausgezeichnete.

"Carrera" ist ein von Anfang bis Ende ein fesselndes Album, wobei kein einziges Stück abfällt. Schmuckstücke des Albums sind zweifellos die schwermütig melancholischen "Ashamed" und "Broken Horse".

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Pop | Holly Valance: "Footprints" | 4
Respektabel

Da will jemand in Britney Spears Fussstapfen treten. OK, die Platte geht ganz passabel und respektabel durch. Vorallem die Coverversion von Tarkans 98er-Hit "Simarik" ist gelungen. Und mutig. Oder ist es nur eiskaltes Pop-Kalkül? Vielleicht, vorallem wenn sie völlig nackt durchs dazugehörige Video tänzelt. Sobald die ersten drei Songs durch sind, zeigt sich: Britney Spears ist überall! (muh!)

Website: www.hollyvalance.net

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Pop | Peter Gabriel: "Up"
Selbst gewählte Melancholie

Bei Genesis war er der Querdenker wie Lennon bei den Beatles. Nach dem grossen Krawall in der Kultgruppe zog sich Gabriel auf seinen Landsitz zurück, gründete die "Real World" und schrieb fortan nur noch für sich und befreundete Musiker.

Von peter.doeberl@plebs.ch. Die Erinnerung an "Shaking the tree" taucht sofort wieder auf, wenn ich die neue CD mit dem Titel "Up" höre ­ die sanfte Wehmut in vielen Liedern, ein Abgesang auf den Erdball, in "Sky Blue" die hörbare Sehnsucht nach Zeiten, wie sie sein könnten, aber nicht sind. Es sei vorweg genommen: Für mich ist die neue Gabriel eine der besten Scheiben dieses denkwürdigen Jahres. Nicht nur, weil Gabriel schon immer der Dichter und Komponist war, der mir seit vielen Jahren in vielen Ländern immer wieder die Gänsehaut auf dem ganzen Körper weckte. Auch nicht, weil ich etwa grundsätzlich negativ eingestellt und unter Novemberdepressionen leiden würde ­ nein, sondern einfach weil Gabriel es immer wieder schafft, mich in seinen Bann zu ziehen wie in ein tiefes schwarzes Loch. Gabriel hat trotz seines Alters den Bezug zur Realität nie verloren, im Gegenteil, seine neuen Songs führen diese Wirklichkeit manchmal in die surreale Welt des Unterbewusstsein, immer mit einem kleinen Wink versehen, dass das Leben kurz, zu kurz ist, um nur dahin zu vegetieren. Gabriel sagt das nicht so, er deutet an, setzt kleine Wegweiser, schmeichelt sich ein, etwa bei "I grieve", wo er ganz nahe bei "Shaking the tree" angelangt ist.

"Up" kann ich sehr leise bei einer Kerze im Schlafzimmer hören, aber auch sehr laut im Wohnzimmer. Jeder Beat sitzt, dafür sorgen verschiedene Mitmusiker aus der Real-World-Gemeinschaft ­ Namen wie etwa Peter Green, Manu Katche, Richie Evans sind die tragenden Säulen, zwischen denen sich Gabriels Stimme wie ein Schatten bewegt, mal den Drums folgend, mal hinter dem Bass versteckt. Mal flüsternd, dann schreiend, meist aber wie in stillem Gebet versunken. Das kommt in "My Head sounds like that" zum Ausdruck: Hier fleht Gabriel nahezu, scheint auf den Knien zu rutschen, wird dann abrupt von teuflischen Riffs gestoppt, rappelt sich auf und versinkt wieder in die selbst gewählte Melancholie.

Nun gibt es Musikkritiker angesehener Magazine, die Gabriels neue Scheibe bereits abgeschrieben haben ­ Tadel über Tadel, Verriss nach Verriss. Ich vermute, diese Leute haben nicht in die Texte rein gehört, sonst hätten sie den Peter Gabriel wohl auf das Schild gehoben und ihm eine goldene Krone verpasst. Dieses "Nicht zu hören" ist aber auch verständlich: Gabriel liefert für einmal keine Texte in seinem Booklet mit, und es braucht schon einige Englischkenntnisse, um seine Aussagen zu verstehen, mehr noch, um sie auch zu deuten. "Nichts sehen" ist aber noch schlimmer: Gabriels "Up" enthält einen interaktiven Multimedia-Part, der dann eben auch die Texte offen legt, jede Menge Bilder aus den Real-World-Studios zeigt, die Musiker listet, die Organisationen, die Gabriel unterstützt und deren Ziele zum Studium anbietet. Alleine mit diesem Teil auf der CD könnte schon jeder harschen Kritik der Nachhall genommen werden, aber eben, man muss das sehen...

Nochmals das bereits vorweggenommene Fazit: Genau das richtige Album für diese Nebeltage, für den Übergang in die kalte Zeit. Du kannst Dich auf der Musik tragen lassen, im Nebel schwimmen. Nur lachen kannst Du nicht ­ dafür stimmt die CD zu traurig.

Website: www.petergabriel.com

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Hip-Hop | Deichkind: "Noch fünf Minuten Mutti" | 4-5
Noch 59 Minuten und 55 Sekunden Mutti

Da lohnt sich jedes Stück: Mal schlüpfen die 4 Jungs in die Rolle eines deutschen Schnulzen-Stadion-Rockers, mal spielen sie verblödete Hip-Hopper, mal dies Mal das. Und erzählen ("rappen") können sie auch noch. Na dann mal los Mutti! (muh!)

Website: www.deichkind.de

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Elektro | Howie B: "Fabriclive.05" | 5
Weiter in Reih und Glied

Compilation Fabriclive Nummero 5. Diesmal an der Reihe: Howie B.s Big- und Break-Beats. Galante Auswahl - der Mann muss es ja wissen. Und übrigens: Für was zahlen wir hier - die Verpackung oder für die Musik? (muh!)

Website: www.fabriclive.com / www.howieb.com

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Pop | Leann Rimes: "Twisted Angel" | 4
Die neue Celine Dion?

Manchamal erinnert Miss Rimes stimmlich und qualitativ an Alanis Morissette. Das ist durchaus als Kompliment zu verstehen. Manchmal aber erinnert sie auffällig an Celine Dion. Und das ist eher kein Kompliment, wenn man so sieht, was Dion so aus sich macht. Da hilft wohl auch nicht, im Cover in sexy Posen rumzusteh, rumzusitzen und rumzuliegen. (muh!)

Website: www.rimestimes.com

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Und sonst?

Das Ich: "anti'christ"
Emopop mit brachialen Texten. Ein Heidenspass. Gut insziniert. 4-5.

Fragile State: "The facts and the dremas"
Das ist wohl Klassik des neuen Jahrtausends. Grossartig. Aber nur für Sonntag Morgen. 5.

Per Gessle: "I wanna be your Boyfriend" (Maxi-Single)
Roxett-Workaholic covert The Ramones in altbewährter Roxette-Manier. 5.

Ice T presents: "Westside" (2 CD)
Von MC Hammer über Dr. Dre bis zu Jurassic 5 sind sie auf dieser repräsentativen Westside-Hip-Hop-Show alle vertreten. 5.

Fehlfarben: "Knietief im Dispo"
Nur für Fans: Das Comeback des Jahres. Für die, dies noch werden wollen: im Frühjahr 2003 auf Tournee. 5.

Diverse: "(Mastercuts) Bar Life"
Eine Chill-Out-Compilation mehr: Stevie Wonder, Mantronix, Jacson Sisters, ... 4.

Diverse: "Boomtronics" (2 CD)
Funkyprogressivenuskoolelectrotechbreaks. Alles klar? 6.

Leiah: "Sound an Diversity"
Solider, dichter und leicht melancholischer Rock aus Schweden. 4.

Popium: "Permanently High"
Diesmal Norweger: Der Bandname verrät viel, der Album-Titel vielleicht noch mehr. 3.

Empyrium: "Weiland"
Das ist akustische "Gothik": gefühlvoll, sensibel, wunderschön. Unterschätzt! 7.

Mas: "Mas Confusion"
Konfus. Allerdings. Eine breite Auswahl guter, abstrakter Elektronik. Wers mag... 4.

Chekov: "Burn Baby, Burn"
Heissblütige Elektronik. Let's rock on another level! 5.

Teilweise zu kaufen bei CeDe.ch.

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Konzerte

Saïan Supa Crew | Live: 20. Oktober 2002 (X-TRA Limmathaus, Zürich)
Live noch besser

Saïan Supa Crew ­ diese französische Band steht für eine einzigartige, unantastbare Umsetzung des Hip Hop. Für ironische und witzige, wie auch politische und ernste Texte, für lockere und beflügelnde, wie auch melodiöse und nachdenkliche Beats.

Von gregor.frei@plebs.ch. Jedenfalls auf der Platte. Wer sich von den Live-Qualitäten überzeugen wollte, hatte nun bereits das zweite Mal in diesem Jahr die Gelegenheit, "Saïan Supaaa" live zu erleben. Der Beginn des Konzerts: Es ist dunkel. Dunkel und still. Das Publikum steht so eng wie nur möglich, Vordrängler haben keine Chance. Dann plötzlich ertönt der erste Beat ­ jeder scheint ihn zu kennen, und als in der Dunkelheit sechs mit dem Rhythmus abgestimmt tanzende Gestalten sichtbar werden, ist man sich für kurze Zeit gar nicht mehr sicher, ob man fälschlicherweise an einem Boygroup-Konzert gelandet ist, scheint doch das Publikum fast in Ohnmacht zu fallen.

Dies ist jedoch absolut verständlich, bieten doch die Pariser Jungs eine absolut perfekte Show, die an Abwechslung und Dynamik kaum zu überbieten ist. Dabei verzichtet die Crew auch nicht darauf, das Publikum immer wieder mit "Make some noise!" oder "Just be crazy!" so aufzufordern, dass jeder, der noch still steht, sich sehr dumm vorkommen muss. Der Höhepunkt dieses kollektiven Verrücktseins ist das gemeinsame Verschieben des Publikums um einige Meter nach hinten, um beim Beginn des nächsten Stückes wieder so schnell wie möglich in Richtung Bühne zu rennen. Dass dies an einem Hip-Hop-Konzert möglich ist, hätte man sich kaum gedacht. Doch die Saïan-Show machte es möglich. Ob Beatboxing der Extraklasse gezeigt, über Rassismus gerappt oder zu Raggabeats getanzt wurde ­ das Publikum war sich einig: Saïan Supa Crew ist live noch besser als auf der Platte.

Website: www.saiansupacrew.com

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Tocotronic | Live: 4. Oktober 2002 (Sommercasino, Basel)
These Boys are Tocotronic!

Schwierig, sich im Vorfeld Gedanken darüber zu machen, was einen am Tocotronic-Konzert erwartet. Haben sie doch mit ihrem neuesten Album einen weiteren Schritt in Richtung Ernsthaftigkeit und Ruhe gemacht.

Von roger.zumkeller@plebs.ch. Reifer geworden sind sie und auch ein wenig leiser. Auf der Bühne bilden die ruhigen Töne dann aber eher die Ausnahme. Es wird vornehmlich gerockt. Stark ist, dass sie live zu viert antreten, verstärkt durch einen Keyboarder, der, wenn keine Arrangements gefragt sind, zur Gitarre greift und den Sound noch voller macht. Die Stimmung ist vom ersten Akkord an spitze und bleibt dies auch während des gesamten Gigs. Sicher trägt auch die ausgewogene Tracklist dazu bei. Von alten Krachern bis hin zu neuen Stücken ist für alle etwas dabei, um sich wohlzufühlen, rumzuhüpfen oder einfach nur zuzuhören und nachzudenken. Einzig die Tatsache, dass das Konzert im Basler Sommercasino stattfindet stört ein wenig. Zu klein und ungemütlich ist der Raum, da wäre die Kaserne die bessere Wahl gewesen. Auch die Akkustik ist nicht gerade die beste, wenigstens werden die anfänglichen Probleme mit der korrekten Abmischung schnell behoben. Aber eben, das Konzert war erstklassig und da treten die räumlichen Bedürfnisse in den Hintergrund, schliesslich sind diese Jungs Tocotronic.

Website: www.tocotronic.de

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Alec Empire: "Supreme Psychedelic Underground" | Live: 26. September 2002 (Abart, Zürich)
Nicht ausverkauft?

Für einmal ist das Abart nicht ausverkauft. Das heisst ausnahmsweise gibt es ein wenig Platz für die Zuschauer. Der Platz vor der Bühne ist dann aber doch schnell gefüllt, und auch der einzige Ort, an dem man etwas von der Vorband mitbekommt.

Von basil.schneider@plebs.ch. Das Problem an Konzerten von Künstlern, welche ihre Musik mehrheitlich mit Computern, Effekten und Samples produzieren, ist ja altbekannt. Wie soll das ganze live performt werden? Supreme Psychedelic Underground versuchen gar nicht erst vorzutäuschen, dass sie live spielen würden. Statt dessen sitzen die vier mit grossen Silberhüten auf dem Kopf in der Mitte und lassen ihre Sounds erklingen. Erinnert mehr an ein DJ-Set, ist aber ganz interessant, und vorallem eine Abwechslung. Nur dumm für diejenigen die etwas weiter hinten stehen, und nicht viel von der Vorführung mitbekommen, ausser den Silberhüten. Aber die Musik kann trotzdem ein paar Leute mitreissen, die zu den abwechslungs reichen Jungle-Beats tanzen.

Alec Empire geht dann die Sache schon weit herkömmlicher an, mit Gitarre, Schlagzeug, Laptop und Gesang. Doch herkömmlich ist höchstens die Formation. Mit seinem unverkennbaren Sound heizt er gleich dem Publikum ein, welches von der ersten Minute weg voll mitgeht. Mehrheitlich aktuelle Songs von "Intelligence & Sacrifice" (2CD) - allerdings nur von der ersten CD - werden gespielt. Das heisst konkret, dass es hart zur Sache geht, und die ruhigen Songs live nicht performt werden. Alec Empire weiss als Stimmungsmacher zu überzeugen, dampft dem Publikum gehörig ein, lässt die Gitarren Krachen, den Bass wummern und sich selbst gehen.

Der Schluss bildet "New world order", welches ziemlich in die Länge gezogen wird. Doch als das Konzert sich scheinbar dem Ende zuneigt, die ersten auf die Uhr gucken, um zu sehen, wie spät es eigentlich ist, springt Alec Empire ins Publikum und lässt sich von den Zuschauern durchreichen. Als der Gute zum Schluss noch die Absperrung um das Mischpult besteigt und das Geschehen an ein ganz anderen Punkt verlagert, ist die Show perfekt. Kurz darauf ist das Konzert fertig, die Erde wieder rund und beim Verlassen des Abart Music Clubs dämmert einem langsam, dass die "New world order"doch nur ein Hirngespinst eines Musikers ist.

Website: www.alecempire.com

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Moby & Röyksopp | Live: 17. Oktober 2002 (Hallenstadion, Zürich) | 6
Kleine ganz gross

Es gab nicht wenige, die das Hallenstadion an diesem Abend nur wegen der Vorgruppe betraten. Röyksopp, die mit ihrem Debut "Melody A.M." mehr als Aufsehen erregten, boten eine kurze, aber intensive klassische Synthie-Show. Und wie soll es anders sein: Moby unterhielt das beinahe volle Haus mit seiner breiten Palette an Musik volle 2 Stunden lang. Dankeschön! (muh!)

Website: www.moby.com / www.wallofsound.net

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Noa | Live: 31. Oktober 2002 (Vokshaus, Zürich)
Authentisch

Die einen füllen ein Hallenstadion und begeistern die Massen, andere gewinnen ein Herzenspublikum, und man fragt sich aufgrund der Einzigartigkeit von Noa, wie es möglich ist, sich der fröhlichen Ausgelassenheit, der überschäumenden Herzlichkeit und der verspielten Stimme dieser israelischen Sängerin nicht aussetzen zu wollen ­ so gut tut ein Abend mit Noa!

Von matthias.ackermann-gfellerplebs.ch. Ihre neueste CD lässt die Besonderheit von Noa ­ Ihr Flair, durch percussiv betonte und jazzige Popsongs orientalische Linien durchleuchten zu lassen und die ganze Breite ihrer Stimme von zerbrechlich bis zu virtuosen und improvisierten Ausbrüchen dargeboten zu erhalten ­ zwar eher missen. Manche Songs sind überproduziert und unnötigerweise überlastet mit Stilmittel der Pop- und Dancemusic. Im Falle Noa wird aber deutlich, was grundsätzlich auf alle Musiksparten zutrifft: Musik ist auch zum Sehen da! Noa erreicht durch ihre Persönlichkeit und in der ganzen Gestaltung ihres Auftrittes weit mehr als ein gelungener Abend voll guter Musik. Sie berührt durch ihre Echtheit und strahlt etwas aus, das sonst im Popgeschäft vermisst oder vermeintlich fehl am Platz ist: Wertschätzung, Dankbarkeit. Dem Publikum, ihren MitmusikerInnen gegenüber, aber auch den Technikern, den Organisatoren und ihren Tour-BegleiterInnen. Im Gegensatz zu manchem Pop-Gehabe kommt es nicht billig und floskelhaft daher, sondern authentisch.

Doch noch ein paar Worte zur Musik? Neben einem soliden Pianisten (mit Flügelhorn), einem gestandenen, ein bisschen ausdruckslosen Drummer und einer schelmischen, sehr jungen Bassistin dominiert der harte Kern: Zohar Fresco, der "Fingerzauberer", wie ihn Noa liebevoll nennt, der mit Tamburin, Maracas und seinem Hocker alles rhythmisiert und dem Sound eine abendländische Note verpasst. Ferner Gil Dor, der für das Projekt Noa mindestens ebenso verantwortlich ist wie sie selbst. Er ist Gitarrist, durch und durch, und begnadeter Songwriter, Arrangeur und Produzent. Diese zwei Musiker begeistern mit einem Instrumentalteil in der Mitte des Konzertes.

Wir sehen Noa über die Bühne wirbeln, Blumen und andere Liebesbekundungen vom Publikum entgegennehmen, wir hören sie viel über ihr Muttersein erzählen, sehen sie an den Kongas mit Zohar um die Wette trommeln und lassen die Band noch für ein paar Zugaben auf die Bühne kommen. Dann lassen wir sie ziehen, und sind ­ glücklich und dankbar.

Website: www.noasmusic.com

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Rahzel | Live: 3. Oktober 2002 (Supermarket, Zürich)
90 Minuten Staunen

Zürich, Sonntag Abend, 22.30 Uhr ­ Auf der Suche nach dem Ort, wo Rahzel "The Godfather of Noise" heute auftreten soll. Inmitten von Industrie und Abgasen wird man fündig: Ein altes Häuschen, das sich "Supermarket" nennt.

Von gregor.freiplebs.ch. Doch nach Warteschlangen sucht man vergeblich. Nun gut, die Hip-Hop-begeisterten Zürcher werden wohl alle schon drinnen sein. Also auch mal rein. Doch weit gefehlt: Von einem angemessenen Aufmarsch für den wohl bekanntesten Beatbox-Meister der Welt ist keine Spur. Wäre nur die komplette Gästeliste anwesend, so wäre das kleine Lokal wohl doppelt so gut besucht.

23.30 Uhr ­ Rahzel sollte längst begonnen haben. Zuerst lässt uns aber DJ JS-1 dem Tod Jam Master Jays gedenken und lässt einige Old School Beats laufen. Sein Begleiter versucht, ein bisschen Stimmung zu machen ­ doch hier ist selbst der Journalist noch einer der Aktiveren. Inzwischen staunt man über die kleine Bühne. Hier soll der grosse Rahzel aus NYC auftreten?

24.30 Uhr ­ Plötzlich beginnt sich der stämmige Schwarze mit den breiten Hosen, der vor mir steht, sich in Richtung Bühne zu bewegen. Aha, das ist jetzt also Rahzel. Er will uns in die 5 Elemente des Hip Hop einführen. Zuerst präsentiert er aber einmal alle seine bekannten Tracks seiner CD. Die wenigen Zuschauer sind begeistert. Man hat den Eindruck, da stehe ein Mann, der präsentiere die ganze Palette aller möglichen Soundeffekte. Und das auch immer noch in einem mitreissenden Beat, dem er gleichzeitig auch noch einen Gesang dazufügen kann. Nur mit Zunge und Lippe, versteht sich. Da bleibt mir die Spucke weg. Nach 90 Minuten Staunen erkenne ich, dass es sich gelohnt hat, die Show vom "Godfather of Noise" nicht zu verpassen ­ trotz dem Warten, trotz den fehlenden Zuschauern.

Website: www.rahzel2000.com

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