Musik November 2002
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Bewertung
1 = total unnötig
2 = schlecht
3 = einigermassen
4 = gut
5 = sehr gut
6 = phänomenal
10 = wegweisend
Aus dem Inhalt
Interview & Portrait
Mark Greaney (JJ72)
Veröffentlichungen (nach Alphabet)
Alpinestars
Avril
Avril Lavigne
Boomtronics
Bright Eyes
Carrera
Chekov
Craig David
Das Ich
Death in Vegas
Deichkind
Der Junge mit der Gitarre
Draven
Elvis Presley
Empyrium
Fehlfarben
Foo Fighters
Fragile State
Holly Valance
Howie B
Ice T presents
JJ72
Leann Rimes
Leiah
Le Peuple De L'Herbe
Mas
(Mastercuts) Bar Life
Morocco
Nena
Nightmares on Wax
Per Gessle
Peter Gabriel
Popium
Saybia
Schneider TM
Smash FX
Sugababes
The Flaming Lips
The International
Pony
The Libertines
The New Deal
The Shining
UB40 present
Wonderwall
Yohimbe Brothers
Konzerte
Alec Empire
Moby & Röyksopp
Noa
Rahzel
Saïan Supa Crew
Tocotronic
Interview & Portrait
Interview & Portait | Mark
Greaney (JJ72)
Der Mann dahinter
Mit ihrem gleichnamigen 2000er Debut-Album
haben JJ72 überrascht und beeindruckt. Zum Release des neuen
Longplayers "I to Sky" haben wir mit Mark Greaney gesprochen.
Folgendes kam dabei raus.
Von rinaldo.kalbermatter plebs.ch.
Mark Greaney (Bild links: Mitte) ist JJ72. Und JJ72 ist Mark
Greaney. Der Frontmann und Sänger mit der zarten Stimme
redet wie er singt: ehrlich, menschlich, freundlich. Und er ist
bei Weitem mehr: Während er auf dem Debut neben dem kompletten
Songwriting (nur) Vocals und Guitars beisteuerte, kam für
den Zweitling noch das Klavier dazu. Ob er zwischen Debut und
Zweitling Klavier zu spielen gelernt hat, fragen wir. Und wirklich:
"Ja, ich hab die Zeit genutzt und Klavier-Spielen geübt.
Jedenfalls soviel, wie man auf dem neuen Album hört. Die
anderen necken mich ständig, ich könne es nicht."
Und lacht dabei. Das passt zu ihm. Er gibt Auskunft und freut
sich. Er zeichnet sich ausserdem auch verantwortlich für
das komplette Cover-Artwork. Darauf gehen wir natürlich
ein. "Ich wolle an die Kunstschule, wenn aus meiner Musik
nichts geworden wäre. Doch draus wir jetzt nichts."
Und lachte wieder. Was er denn vorhabe? "Mir ist es wichtig,
nicht nur Musik als Kunst zu sehen und zu perfektionieren, sondern
z. B. auch das Artwork der Covers und die Musikvideos. Mein Ziel
ist es, bei allem, was ich mache, das beste rauszuholen und künstlerisch
tätig zu sein. Als nächstes möchte ich gute Musikvideos
machen."
JJ72 befinden sich nichtsdestotrotz zur
Zeit auf grosser Tournee, zum Teil auch als Supporting-Act für
Suede. Ausgerechnet mit einer Band, die - wie Greaney sagt -
ihn in jungen Jahren beeinflusst hat. Wie er das Tour-Leben wohl
findet, haben wir uns gefragt. "Es ist schön, aber
hart. Es gehört einfach dazu, live zu spielen. Vorallem
in den USA, wo wir sehr lange auf Tour waren." Und weiter:
"In den USA musst du einfach touren, touren und nochmals
touren, damit du dir einen Namen machen kannst. Du muss wirklich
ausgiebig und lange touren und überall spielen." JJ72
werden auch in der Schweiz an zwei Orten und Daten auftreten.
War Greaney wohl schon in der Schweiz? "Ja, mit 13 oder
so. Am 'Lake Lucerne'."
JJ72 werden also ihr neues Album auch in
der Schweiz live präsentieren. Ein Album, das die hohen
Erwartunen gar noch übertroffen hat. Es spinnt zunächst
das musikalische Material des Erstlings weiter. Und doch sind
Unterschiede zu verzeichnen. Glücklicherweise. Denn die
Band ist gewachsen. Sprich: Mark Greaney ist gewachsen. Darauf
angesprochen meint er: "Es sind halt viel Sachen geschehen
in der Zwischenzeit. Es sind Leute gegangen und gekommen. Leute
sind gestorben. Das waren 2 Jahre Leben, Reife und Erfahrung.
Während ich auf 'JJ72' davon gesungen habe, wie das Leben
mit all seinen Einzelteilen wohl ist, kann ich auf 'I to Sky'
aufgrund der Zeit, die vergangen ist, nicht nur darüber
spekulieren, sondern wirklich vom Leben erzählen."
Wir freuen uns, wenn er uns das vorsingt... (Album: 6)
Tour:
23.11.02, Fri-Son, Fribourg (Supporting Act v. Suede)
01.12.02, Abart, Zürich
Website:
www.jj72.com
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Veröffentlichungen
Rock | Foo Fighters: "One
by One"
Fremdgehen zahlt sich
aus
Nach dem kurzen aber deftigen Intermezzo
mit den Desert-Rockern von "Queens of the Stone Age",
melden sich Dave Grohl und die "Foo Fighters" mit "One
by One" zurück und schalten dabei gleichzeitig einen
Gang höher.
Von mathias.menzl@plebs.ch. Im
Jahr 2002 heisst es bei den vier Mannen aus den USA nunmehr "Learn
to Rock" und nicht mehr "Learn to Fly", in Anlehnung
an ihren letzten Smash-Hit. Die Foo's gehen auf dem neuen Silberling
merklich härter zur Sache als noch drei Jahre zuvor. Da stellt
sich natürlich prompt die Frage nach Daves Gastspiel bei Josh
Homme und Nick Oliveri, bei denen er die Schlagzeug-Parts fürs
neue Album "Songs for the deaf" übernahm. Zumal ja
der Schaffensprozess des neuen Foo-Fighters-Album aufgrund des Queens-Albums
unterbrochen wurde. Vor allem der letzte Song auf "One by One",
"Come Back", wie auch "Low", lassen doch sehr
wohl ein paar Parallelen mit den beiden Recken aus Palm Springs erkennen.
Hinzu kommt noch, dass es viele Mr. Grohl übel nehmen, dass er
die Zeit mit den Queens of the Stone Age als seine kreativste bezeichnete,
die er je erlebt hat, was nicht nur die Foo Fighters in den Schatten
rücken, sondern auch Nirvana.
Nichtsdestotrotz, abgesehen von "Low"
und "Come Back" zelebrieren die Foo Fighters altgewohnte
Tugenden aus "The Colour and the Shape"-Tagen. So findet
sich mit "All my Life" nicht nur einer der besten Songs,
den dieses Quartett je komponierte hat auf "One by One",
sondern mit dem balladesken "Tired of You" nehmen sie
auch gleich das einzig gute von "Nothing left to loose"
mit, jedoch nur in konzentrierter Form, und das ist gut so. Sie
haben sich also keinen Zentimeter vom leichtmütigen, quickfidelen
Pop-Rock-Schema entfernt. So sind mit "Overdrive" und
"Disenchanted Lullaby" auch klassische Foo-Songs vertreten.
Denn wie es Dave Grohl pointiert hat, könnten sie gar keinen
"Anti- Popsong" schreiben. Weil sich irgendwie immer
wieder eine schöne Melodie einschleichen würde, welche
auch die Mädchen mögen.
Die Quintessenz aus dem ganzen ist, dass
sich die Foo Fighters, bis auf ein paar Ausflüge ins Queens
of the Stone Age-Universum, treu geblieben sind und dem guten
alten Rock-Handwerk weiter frönen oder wieder vermehrt frönen,
wenn man "One by One" mit "Nothing left to loose"
vergleicht. So bleibt nur zu hoffen, dass Dave Grohl seine vor
langer Zeit mal geäusserte Ankündigung, dass er nämlich
dieses Rock'n'Roll-Ding sicher nicht noch mit 33 machen wolle,
nicht in die Tat umsetzt, denn dann würden ihm nur noch
schlappe vier Monate bleiben, um abzurocken.
Website: www.foofighters.com
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Break-Beat | Complied by Smash
FX: "On a Mission" | 5
Break-Beat-Panoptikum
Smash FX sind schon lange bekannt für
Ihren Break-Beat. Angefangen bei BigBeat, sind sie nun in Ihrem
Genre die Schweizer Nummer eins. Und das merkt man dieser Compilation
auch an: wie an ihren Sets alles erstklassige Wahl. Break-Beat
vom Feinsten. (muh!)
Website:
www.smashfx.ch
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Trip-Rock | Death in Vegas: "Scorpio
Rising"
Stillstand
Nach dem sehr überzeugenden "Contino
Sessions", besteht bei Death in Vegas der einzige Fortschritt
darin, dass sie sich hochkarätige Gäste ins Studio
hohlen konnten, wobei dies nur oberflächlich betrachtet
eine Verbesserung darstellt.
Von mathias.menzl@plebs.ch. Denn
mit Paul Weller und Liam Gallagher engagierten die Briten nicht gerade
sehr innovative Gesellen ins Studio. Aber das ganze passt ins Bild,
denn Death in Vegas selber entwickelten sich auch nicht gerade weiter
und so ist ganze in sich stimmig. Solide Trip-Hop-Rock-Songs gepaart
mit zwei Ausflügen ins mittlerweile doch schon ziemlich abgedroschene
Brit-Pop-Zeitalter. Für die Höhepunkte dieses Albums zeichnen
sich die Songs "23 Lies" und "Help Yourself" aus,
untermahlt durch die überragend schönen Organ von Susan
Dillane und Hope Sundoval, die damit ebenfalls einen Gastauftritt
hat. Auch der Opener "Leather", ein eingängiger Up-Tempo-Pop-Song
mit eingängigem Synthi-Refrain, kann man noch zu den Lichtblicken
zählen. Die restlichen Lieder wie "Girls" oder "Killing
Smile" plätschern so vor sich hin, ohne auch nur in geringster
Weise etwas zu bewirken, - unauffällig und in hohem Masse unspektakulär.
Doch alles in allem ist es ein solides Album mit einigen wenigen "Highs"
und (wenn man so will) vielen etwas besseren "Lows", aber
nach dem letzten Album "The Contino Sessions" hätte
man bessere Kost erwarten dürfen. Enttäuschend.
Website:
www.deathinvegas.net
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Electro-Pop | Alpinestars: "White
Noise" | 5-6
Perfekte Mischung
Die Alpinestars wurden ja in den letzten
Wochen und Monaten saftig ge-hype-t. Zurecht. Die Schweibe strotzt
nur so von genialen Arrangements zwischen Pop und Elektronik.
Eine Platte zum Verlieben! (muh!)
Website:
www.alpinestarsonline.com
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Pop | The flaming lips: "Yoshimi
battles the pink robots"
Zuckersüsser Weltuntergang
Yoshimi rettet uns vor dem Weltuntergang.
Im Alleingang soll sie die pinkigen Roboter besiegen. Alles klar?
Von basil.schneider@plebs.ch.
Ihr Name war Yoshimi, sie hatte einen schwarzen Gürtel in Karate.
Im Auftrag der Stadt disziplinierte sie ihren Körper, und sie
wusste, dass diese üblen Maschinen bezwungen werden mussten.
Und er wiederum wusste, dass sie es schaffen könnte. "Oh
Yoshimi, they don't believe me but you won't let those robots defeat
me. Those evil-natured robots, they're programmed to destroy us."
Sie wird es schaffen, es wäre tragisch wenn nicht.
Konzeptalben sind heute keineswegs mehr
originell. Und die Musik der Flaming Lips klingt auch alles andere
als modern. Sieht man darüber hinweg, so präsentieren
uns die Amerikaner ein nettes Pop-Album mit schönen Melodien
und einer Geschichte um die oben erwähnte Yoshimi. Wieso
sie uns vor den ach so bösen pinkigen Robotern retten soll,
darf jeder selber nachlesen. Oder besser gesagt reininterpretieren.
Wer ist diese Yoshimi? Wieso soll sie uns im Alleingang vor den
pinkigen Robotern retten? Und wer sind eigentlich diese Roboter?
"Fight test", der erste Song
auf dem Album erinnert ganz stark an "Father and son"
von Cat Stevens, und auch der Rest ist in die zeitliche Ära
der Siebziger einzuordnen. Verständlich, wenn jetzt einige
aufschreien, in der Hoffnung, dass diese Zeit doch vorbei ist.
Zu sehr erinnert das Album an eine Aera, die das Musikbusiness
hinter sich gelassen hat. Doch wer so schöne Melodien wie
bei "Are you a hypnotist??" schreibt, der darf auch
ruhig mal den Synthesizer und den Vocoder gleichzeitig auspacken.
Website:
www.flaminglips.com
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Electronic | Avril: "That
Horse must be starving" | 4
Verspielt & vielseitig
Da lädt uns jemand zu hübschen
Elektronik-Spielchen ein: sehr vielseitig und gekonnt, doch leider
ein bisschen zu bunt. Anspieltipp: "French Kiss". (muh!)
Website:
www.pias.com
/ www.fcom.fr
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Electronica | Le peuple de l'herbe:
"P.H. Test / Two"
Supadope
Frankreich hatte schon immer viel zu
bieten, was Hip Hop oder auch Trip Hop anbelangt. ,Le peuple
de l'herbe' haben sich da keineswegs zu verstecken, klingen aber
eine Prise englischer als ihre Kollegen, - und das ist gut so!
Von basil.schneider@plebs.ch.
Nicht mehr ihr eigenes Label Supadope ist für den Vertrieb zuständig,
sondern Pias. Aber die Musik ist immer noch unverkennbar Le Peuple
de l'herbe: Französischer Hip Hop trifft auf englischen Drum'n'Bass,
darüber hinaus noch eine Prise Dub und Electronica. Das heisst
konkret: Fette Beats, richtige Drums(!), Bläsersektion und Rap-Gesang
vom Feinsten. Das war doch alles schon mal da? Sicherlich, aber wie
die vier Franzosen diese Elemente gekonnt einsetzen, ist doch eher
selten. An Langeweile oder fehlender Innovation ist da gar nicht zu
denken, das Album wird wohl kein Tanzbein unbewegt lassen.
Treibende Basslinien, melodiöse Rhythmen,
gekonntes Schlagzeugspiel, Beatboxing und vor allem die doch
eher unkonventionelle Trompete lassen einen all die durchschnittlichen
Veröffentlichungen vergessen, die eine Zeit lang den Markt
überfluteten. Drum'n'Bass, Hip Hop, Ragga, Jungle, Dub,
Break-Beat, Funk. In welche Schublade man auch immer die Jungs
- welche keinen Hehl aus ihrer Zuneigung zum betäubenden,
grünen Kraut machen - stecken will, spätestens einen
Song später machen sie einem klar, dass sie nun mal nicht
so einfach einzuordnen sind.
Nach einem Intro geht es los mit "Delice",
einer Mixtur aus Dub und Jazz, danach gibt es kein Entkommen
aus "No escape", wenn die schnellen Drums gepaart mit
düsterem Bass ausgepackt werden. Fluchtmöglichkeiten
bietet das darauf folgende "Escape dub". Flucht in
eine andere Welt, in welcher Jazz und Dub vereint ein genüssliches
Leben führen. Bis bei "Blunted" die komplexen
Songstrukturen einkehren, und auch der DJ zeigt, dass er keineswegs
überflüssig ist in diesem Team. Schlag auf Schlag geht
es weiter, ein Durchhänger ist nicht in Sicht.
Ein Album voller Überraschungen, voller
Dancefloor-Tauglichkeit und trotzdem nicht leicht gefällig
oder gar schnell verleidend. Ein Album, dass Lust macht auf mehr
und mehr gibt es live zu sehen, denn Le peuple de l'herbe betrachten
sich selber nach wie vor als Live-Band. Kaum zu glauben, wenn
man das vorliegende Album hört, aber alle die schon mal
Zeuge ihres Live-Spektakels wurden, würden diese Tatsache
wohl unterstreichen.
Website:
www.lepeupledelherbe.net
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Pop-Rock | Der Junge mit der
Gitarre: "Dagagen" | 4
Der Arzt ohne Band
Warum bloss nimmt eine grosse Plattenfirma
einen solchen Jungen unter Vertrag? Wohl wegen seiner musikalischen
Qualität und Standhaftigkeit. Keine übergrosse Platte,
aber trotzdem vielseitig und eine lockere Abwechslung. Vieleicht
hat die grosse Plattenfirma den Arzt ohne Band gerade jetzt veröffentlicht,
damit Die-Aerzte-müde Hörer etwas Neues zum Frass vorgeworfen
bekommen. Doch wird man müde von der "besten Band der
Welt"? (muh!)
Website: www.djmdg.de
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Electronica/Funk | The international
pony: "We love music"
Das Werk von Musikliebhabern
Wie soll sich Funk im Jahre 2002 anhören?
Der Vorschlag, den uns The International Pony hier unterbreiten,
klingt schon mal interessant.
Von basil.schneider@plebs.ch.
Funkige, zum Tanzen animierende Songs, mit groovenden Beats und ziemlich
viel Kitsch, auf den einen das Cover aber schon genügend vorbereitet
haben sollte. Doch je mehr man sich dieses Album anhört, desto
mehr kann man an diesem Kitsch gefallen finden.
The International Pony stammt aus Deutschland,
was man ihrem Debut-Album aber überhaupt nicht anhört.
Vor elektronischen Spielerein, wie zum Beispiel Vocoder, Synthesizer
oder dumpfem Bass wird genauso wenig Halt gemacht, wie vor Flöten,
Saxophon oder Trompeten. Schön, eine Platte hören zu
dürfen, welche sich selbst keine Grenzen setzt.
Herausstechend sind auch die qualitativ
hochwertige Produktion und der Mix, welche beide ebenfalls von
The International Pony übernommen wurden. Das verwundert
nicht, wenn man einmal die Besetzung dieser Band genauer unter
die Lupe nimmt: DJ Koze, Cosmic DJ und Erobique bilden dieses
ungewöhnliche Trio.
DJ Koze und Cosmic DJ verdienten früher
bei Fischmob ihre Brötchen. Dem Hip Hop haben sie jedoch
schon seit einiger Zeit den Rücken zugekehrt. Eher Richtung
elektronische Musik ging es weiter, bis jetzt die Zusammenarbeit
mit Erobique wieder zu einem Stilwechsel führte. Ihre Welt
bleibt nicht stehen und das tut gut. Denn die Hip-Hop- und Elektronik-Einflüsse
sind auch auf diesem Album zu hören. Und gerade diese Einflüsse
lassen das Album so speziell erscheinen, eine Mixtur aus gestern
und heute, aus Siebziger-Funk und -Soul und aus Hip-Hop und Electronica.
Die ruhigeren Tracks, wie zum Beispiel
"Pony the funk" oder "Meet some friends"
wechseln sich mit schnelleren, beatlastigeren Stücken ab
und lassen das Album nicht langweilig werden. Im Gegenteil, man
wird bei öfterem Hören immer mehr Gefallen an diesem
Sound finden.
Website:
www.internationalpony.de
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R'n'B | Craig David: "Slicker
than your Average" | 3
Seitenwechsel
Schon das Cover sagt voraus, was sich nach
einem ersten Reinhören bewahrheiten sollte: Dieser Mann
hat die Seiten gewechselt. Er trägt nun fetten Halsschmuck
mit seinen diamantenen Initialen, am einen Handgelenk klunkert
eine sicherlich nicht ganz billige Uhr und am anderen sonstiger
Goldschmuck. Wer nimmts ihm Uebel? Der Mann ist halt reich geworden
mit seinem Debut-Megaseller. So erlaubt er sich nun eine seichte
R'n'B-/Hip-Hop-Scheibe. Schade, von frischem Stilmix vom Debut
ist keine Spur mehr. (muh!)
Website:
www.craigdavid.com
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Rock/Britpop | Saybia: "The
second you sleep"
Britisch und doch irgendwie
nicht
Klingen tun Saybia wie eine ganz normale
Britpop-Band, nur dass sie nicht aus England kommen.
Von daniel.mitze@plebs.ch. Und
auch an anderen Stellen kann man erhebliche Unterscheide finden, wenn
man dann mal genauer hinhört. Hören sich doch bei den meissten
Britpop-Alben alle Lieder gleich an (und man kann nie die ganze CD
an einem Stück hören), so haben Saybia hier eine sehr abwechslungsreiche
Platte vorgelegt.
Einige Stücke entwickeln sich sogar
zu wahren Ohrwürmern wie zum Beispiel "The Day after
Tomorrow". Allgemein überzeugt die CD mit schönen
Melodien und anständigem Gesang, der nicht wie bei vielen
Britpop Bands in höhere Tonlagen geht, als der Sänger
eigentlich singen kann. Somit ist die CD auch für Leute,
die gute Gitarrenmusik mögen, zu empfehlen.
Eine schöne CD mit 11 Songs für
kalte Herbsttage, wenn man gemütlich in der Wohnung sitzt
und ein warmes Getränk schlürft. Anspieltips sind das
oben schon genannte Lied und "The second you sleep".
Seichte dänische Rockmusik vom Feinsten!
Website:
www.saybia.dk
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Rock | The Libertines: "Up
the Bracket" | 3
Radiountauglich?
Die Jungs von den Libertines zierten das Cover
des NME und schafften es auf der Insel ganz ohne Airplay (wegen des
"radiountauglichen Textes") in die Charts. Das hat sicherlich
seinen Grund. Wer auf die momentane LaLaLa-Retro-Rock-Welle steht,
dem wirds gefallen. (muh!)
Website:
www.thelibertines.com
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Singer/Songwriter | Bright Eyes:
"Lifted or The Story is in the Soil, Keep Your Ear to the
Ground
Die Trouvaille oder das
neue Wunderkind
Jeff Buckley hatte es, Ryan Adams hat
es nicht. Billy Corgan hatte es und hat es hoffentlich immer
noch. Und The Strokes? Viele sagen sie hättens, doch sicher
ist man sich nicht. Connor Oberst alias "Bright Eyes"
hat es aber ganz bestimmt, das gewisse etwas, das Potential eines
Wunderkindes oder das "je-ne-sais-quoi" wie der Franzose
sagen würde.
Von mathias.menzl@plebs.ch. Connor
Oberst, anderen vielleicht bekannt als Lead- Schreihals von "Desaparecidos",
veröffentlicht unter Bright Eyes mittlerweile schon sein viertes
Album und der junge Herr zählt gerademal 22 Lenzen. Oberst hat
mit "Lifted..." ein Juwel geschaffen, man darf es getrost
als solches bezeichnen. Das Traurige ist, die Welt wird es nie als
solches anerkennen. Denn Bright Eyes produziert keine Hits vom Reissbrett,
selten sind die Songs unter fünf oder sechs Minuten, und nur
schwer könnte man sich vorstellen, sie am Radio - geschweige
denn als Videoclip - im Fernsehen zu sehen bekommen. Obwohl Oberst
Melodien aus dem Ärmel schüttelt, die durchaus Hits sein
könnten. Eine visuelle Umsetzung seiner Stücke durch Videoclips
ist auch gar nicht notwendig: Die Musik alleine zaubert durch ihre
Magie dem Hörer von selber die Bilder in den Kopf, - ohne jegliche
Psychopharmaka. Gott sei Dank, die perfekte legale Droge ist erfunden:
Connor Oberst. Der jung US-Amerikaner, dessen Stimme unweigerlich
an "The Cure" erinnern lässt, spielt in einer Liga
als Geschichtenerzähler, in der vielleicht nur noch der altehrwürdige
Neil Young partizipieren darf und kann. Aber halt, die Musik hat wenig
mit dem "Godfather of Grunge" zu tun. Bright Eyes sind komplizierter
gestrickt und verzackter als die im Vergleich fast schon wie Kinderlieder
anmutenden Stücke von Neil Young. Gemeinsam haben sie bloss die
Affichen Folk-Rock oder Country-Rock, obwohl diese auf "Lifted..."
auch nicht durchgehend zelebriert werden. Connor Oberst ist eher schon
der Singer/Songwriter-Ecke zuzuordnen. Doch eigentlich ist bei Bright
Eyes jegliche Schubladisierung fragwürdig, denn das Album lässt
sich schwer klassifizieren, dafür ist es zu unkonventionell und
entzieht sich dadurch dem kommunen Rahmen solcher Bezeichnungen. Das
tönt jetzt alles nach Friede, Freude, Eierkuchen. Doch die meisten
werden sich Bright Eyes vielleicht mal kurz anhören (wenn überhaupt)
und die CD verständnislos ins Regal zurück stellen. Aber
einige werden sich diese Lieder nicht genügend zu Gemüte
führen können, denn sie machen süchtig, wie jede andere
Droge bei übermässigen Konsum halt auch. Doch diese ist
glücklicherweise ohne ernsthafte Nebenwirkungen.
Website:
www.saddle-creek.com
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Hard Rock | Draven: "Desire"
| 6
International
Die Heavy-Band mit den Britney-Spears-
und Backstreet-Boys-Coverversionen. Doch nur keine falschen Gedanken:
Der Zweitling der Berner Draven hat echtes Potential! Die Platte
hört sich wie geschmiert an. Manch einer wird da wohl das
Register NuMetal zücken. Wohl oder übel. Doch die Band
hat ihren ureigenen Stil gefunden: mit dem kanadischen Sänger
ist die Band nun auf ihren Weg gekommen, konnte aber viele postivie
Aspekte aus ihrer Gothic-Vergangenheit (z.B. die perfekt sitzenden
Elektronik-Spielereien) mit in die Gegenwart nehmen. Und die
ist beileibe nicht übel. Und die Zukunft scheint erst zu
beginnen. (muh!)
Tour:
16.11.02, Wasserwerk, Bern
Website: www.draven.ch
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Pop | Wonderwall: "Witchcraft"
Danke Deutschland
Teenager: diese CD ist der absolute
Partyknüller. Alle anderen: bleibt von diesen Parties fern.
Von david.bauer@plebs.ch. Und
wieder einmal eine CD, die jedes Teenagerherz höher schlagen
lässt. Und alle anderen bluten lässt. Wonderwall machen
genau diese Art von Musik, die die Welt nicht braucht.
Die Geschichte ist leicht erzählt
und auch nicht gerade neu: Drei Mädchen aus Deutschland
bilden die x-te Girlgroup, werden gut vermarktet, machen einfachste
Popmusik und haben zu allem Überfluss auch noch Erfolg.
Erstaunen kann dies indes niemanden mehr: Sie sehen alle nett
aus, singen jeder 14-jährigen aus der Seele und sind wie
geschaffen für die Viva- und Bravo-mässige mediale
Ausschlachtung. Ein längst bewährtes Konzept wird scheinbar
inflationär weitergenutzt erfolgreich zwar, himmeltraurig
ist es dennoch.
Nun, was gibt es über das Album zu
berichten. "Witchcraft" heisst es. Zwölf Liedchen
hat es drauf. Einige davon kommen uns sogar bekannt vor. Das
Radio hat uns schon damit belästigt. Und irgendwie werden
wir auch das Gefühl nicht los, die anderen Songs schon gehört
zu haben. Zu sehr gleichen sie sich. "Witchcraft" bietet
weder Abwechslung, noch eine klar erkennbare Linie. Das Gütesiegel
Schmalspurpop zieht sich zwar durch das ganze Album, von einer
Linie oder gar einem eigenen Stil zu sprechen wäre ein Verbrechen
an sich.
Wonderwall haben also kurz gesagt rein
gar nichts neu erfunden. Fast gar nichts. Die englische Sprache
haben sie definitiv neu erfunden. Eigentlich müsste man
den Gebrauch der deutschen Sprache strengstens empfehlen, doch
sorgt die sehr eigene Aussprache gewisser Wörter durchaus
noch für einen Spassfaktor. So gesehen ist "Witchcraft"
gleichsam zum Heulen wie zum Lachen. Welch eine Vielfalt.
Website:
www.wonderwall.de
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Elektronik/NuJazz | The New Deal:
"The news Deal" | 4-5
Etwas leblos
Elektronik oder NuJazz, das will nicht
heissen, dass die Kanadier von The New Deal nicht am Schlagzeug
sitzen und die Saiten des Basses selber züpfen. Genau, kein
Elektronik-Akt im herkömmlichen Sinne. Das macht diese Scheibe
auch interessant. Doch leider scheinen die Stücke etwas
zu leblos und monoton. Ein Stück hebt sich jedoch ab: "Technobeam".
Der Name verrät viel... (muh!)
Website:
www.thenewdeal.ca
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Britpop | The Shining: "True
Skies"
Rockiger Britpop
Und schon wieder Nachschub in der Sparte
Britpop. The Shining sind Altbekannte und Newcomer zugleich und
ihr Debut "True Skies" kann sich wirklich sehen lassen.
Von david.bauer@plebs.ch. Eine
ganze Weile ist es her, seit es um The Verve still geworden ist. Und
während Mastermind Richard Ashcroft fleissig an Soloprojekten
arbeitete, war vom Rest der Band nichts mehr zu hören.
Dies ändert sich nun, nämlich
mit The Shining. Bassist Simon Jones und Gitarrist Simon Tong
haben sich drei neue Bandmitglieder gesucht und The Shining gegründet.
Mit "True Skies" legen diese nun ihr Debutalbum vor.
Mit The Verve hat dieses nur noch entfernt zu tun, das Rebellische
scheint mit Ashcroft mehrheitlich gewichen zu sein. Eher kommt
einem der Vergleich mit Coldplay in den Sinn. Ganz können
sich The Shining sicherlich nicht mit den neuen Riesen des Britpops
messen. Doch sind die Songs ähnlich energiegeladen und gleichsam
melodiös, wie man das von Coldplay kennt. Dazu eine Stimme,
die jeden einzelnen Song zu leiten scheint und dem Album das
gewisse Etwas verleiht. Mal besänftigt Sänger Duncan
Baxter mit seiner sanften Stimme die rauhen Gitarrenriffs, mal
lässt er sie über die melodiösen Klänge gleiten.
Für Gänsehaut ist auf jeden Fall gesorgt und so ist
Baxter quasi die Entdeckung von "The Shining".
Anspieltips sind der Opener "Quicksilver",
der gleich sehr rockig daherkommt, und das eher balladeske "Young
Again". Das Highlight ist jedoch die wunderschöne Ballade
"What You See", wo Baxters Stimme optimal zur Geltung
kommt. Alles in allem ist "True Skies" ein gelungenes
Debutalbum. Man darf gespannt sein, was von "The Shining"
noch kommen wird.
Website:
www.theshiningarehere.com
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Pop-Rock | Morocco: "Indigo"
| 1
Warum?
Warum braucht die Welt diese Musik? Warum?
Warum braucht die Welt diese Warum-Lieder? Warum-hast-du-das-getan-Lieder.
Warum-hast-du-mich-verlassen-Lieder. Und immer im gleichen Stakkato.
Ja, warum? (muh!)
Website:
www.moroccomusic.com
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R'n'B/Pop | Sugababes: "Angels
with Dirty Faces"
Auf den Spuren des Schicksalskindes
Die Welt haben die Sugababes mit ihrem
zweiten Album "Angels with Dirty Faces" nicht neu erfunden.
Schlecht ist es aber deshalb nicht.
Von david.bauer@plebs.ch. Noch
keine der drei Engländerinnen von den Sugababes ist volljährig,
dennoch warten sie nun schon mit dem zweiten Longplayer auf. Ein Bandmitglied
wurde in der Zwischenzeit ausgetauscht, ansonsten hat sich nicht allzu
viel verändert.
"Angels with Dirty Faces" bietet
elf gut produzierte Songs, allesamt gut kommerzverträglich
und genügend poppig, um Erfolg zu garantieren. Trotzdem
heben sich die Sugababes wenn auch nicht massiv von
der breiten Masse der zusammengecasteten Kommerzmusikwelt ab.
Nicht dass sie nicht auch gecastet wären, doch ist ihre
Musik recht abwechslungsreich und von verschiedenen Einflüssen
geprägt. Dominierend dabei sicherlich die R'n'B-Note à
la Destiny's Child mal eher balladesk, mal etwas fetziger.
Dabei spielen dann jeweils Remix-Beats eine gewichtige Rolle,
die stark an Trip-Hop oder UK Garage erinnern. So zum Beispiel
beim Titeltrack "Angels with Dirty Faces" oder "Round
Round", der ersten Singleauskopplung. Mein Anspieltipp ist
jedoch "Shape", ein durchaus gelungenes Cover des Sting-Songs
"Shape of my Heart".
Alles in allem ist "Angels with Dirty
Faces" ein ansprechendes Album mit eingängigen Melodien
und tanzbaren Beats. Kommerzmusik mit einer dezent speziellen
Note.
Website: www.sugababes.com
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Elektro | Yohimbe Brothers: "Front
End Lifter" | 6
Wild, dreckig und verspielt
Big Beat, Elektronik, Reggae, Funk, Jazz,
Rock'n'Roll - die Liste der hier vermengten Musikstile ist schier
endlos. Die Yohime Brothers nehmen uns auf einen wilde Musikalische
Reise mit. Tipp fürs allererste Reinhören: Kopfhörer,
genügend Zeit und vollste Konzentration. Ein absolutes Abenteuer!
(muh!)
Website: www.ropeadope.com/yohimbe.html
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Reggae | UB40 present: "The
Fathers of Reggae"
Ein bisschen Sonne
Schon der Titel erinnert nicht an meinen
ersten und einzigen Tanz mit meinem damaligen Schulschwarm. Und
auch als ich mir die ersten Töne des Albums zu Gemüte
führe, stimmt etwas nicht.
Von tamara.frommelt@plebs.ch.
Das sind nicht die UB40, die mir mit "I Can't Help Falling In
Love With You" Herzklopfen und weiche Knie bereiteten. Der Song,
bei dem sich jedes Liebespaar im siebten Himmel fühlte. Nach
über 20 Jahren Bandgeschichte kennen die meisten Leute ausser
diesem Song vielleicht gerade noch "Red Red Wine". Eine
andere Hymne, die sich wie Honig in die Gehörgänge legte.
Nein, auf diesem Album schlagen UB40 noch wärmere Töne an.
Die der Südsee. Wer die CD spielen lässt und die Augen schliesst
,weilt nicht mehr in der bitterkalten Schweiz, sondern liegt am Strand
von Jamaica, einen Cocktail in der einen, einen Joint in der anderen
Hand (oder so ähnlich). Die Sonne taucht langsam ins glitzernde
Meer und Baströckchen und Rastas wippen an der Bar zu, ja, genau
diesem Sound. Denn UB40 haben sich mit nicht wenigen Reggae-Grössen
zusammengetan und 14 ihrer Songs, darunter sowohl populäre als
auch eher unbekannte, unter einem etwas anderen Aspekt nachgespielt.
Jedem Künstler wurde wohlbedacht ein passender Titel zugeteilt
und dieser wurde dann zusammen mit der Band quasi neu interpretiert.
Ganze drei Jahre beschäftigte das aussergewöhnliche Projekt
die Band. Und sie haben es genossen. Das Resultat lässt sich
bei den Fans sicher sehen und vor allem hören. Es erinnert etwas
an ein ähnliches Unternehmen der Gorillaz (Spacemonkeyz vs. Gorillaz:
"Laika come home"; Plebs berichtete). Mag Reggae auch für
viele Geschmacksache sein, so bringt das Album doch sicher ein bisschen
Sonne ins Gemüte.
Website:
www.ub40-dep.com
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Pop-Hop | Nightmares on Wax:
"Mind Elevation" | 2-3
Was führt das hin?
Es gibt Leute, die haben den Jahren Nummer
2001 und 2002 mit grossen Erwartungen entgegengefiebert. Dann
nämlich standen irgenwanneinmal neue Scheiben von Elektronik-Gurus
wie z. B. von Fatboy Slim oder den Chemical Brothers an. Und
allesamt waren sie ein bisschen enttäuschen (ausser vielleicht
für Dancefloor-Fetischisten). Und nun das: Nightmares on
Abwegen. Fehlt nur noch Massive Attack... (muh!)
Website:
www.nightmaresonwax.com
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Pop | Avril Lavigne: "Let
Go"
Kleines Mädchen ganz
gross
Wer bei Avril Lavigne denkt, dass nach
Britney Spears, Mandy Moore und anderen Zuckerpüppchen ein
weiteres Girlie mit flacher Stimme und Bauchnabelpiercing die
Charts erobern will, der täuscht sich in ihr.
Von tamara.frommelt@plebs.ch.
Denn bei Avril steht eindeutig die Musik im Vordergrund und nicht
ihr Aussehen. Ausserdem schreibt sie ihre Songs selbst: kleine Episoden
aus dem Alltag einer 17-Jährigen, die an die eigene Jugend erinnern.
Ganz unverbraucht und fröhlich wirbelt Avril durch ihre Video-Clips.
Musik muss Spass machen. Das Debutalbum der Kanadierin klingt vielversprechend:
Mal lässt sie es krachen, kann aber auch ruhigere Töne anschlagen.
Ein abwechslungsreicher, erfrischender Mix. Dabei finden sich auch
Melodien, die denen von älteren Sängerinnen wie Natalie
Imbruglia oder vielleicht sogar Alannis Morissette in nichts nachstehen.
"Naked" ist zum Beispiel so ein Song. Ansonsten werden sich
wahrscheinlich vor allem "Complicated" und "Skater
Boi" im Gehörgang einbrennen. Einer meiner persönlichen
Favoriten ist "Losing Grip". Sicher hat es noch mehr Titel
mit Hitpotential, allerdings aber fehlt den restlichen Songs meist
das gewisse Etwas. Gegen Ende der CD gibt es eigentlich nicht mehr
viel, das die Aufmerksamkeit des Hörers allzu sehr erregt. Dennoch
kann man "Let go" als sehr guten Start eines noch recht
jungen Mädchens ansehen, das sicher in naher Zukunft bald wieder
von sich hören lässt. Bis dahin hat sie Zeit zum Üben.
Und da die Musik so etwas wie ihr Lebenstraum ist, wird sie sich diese
Zeit auch nehmen und uns beim nächsten Mal mit einem ausgereiften
Album überraschen. "Let go" wird (oder hat bereits)
eine grosse Fangemeinde anziehen: Die natürlichen Gute-Laune-Songs
müssten nicht nur Teenies ansprechen, sondern jeden, der die
bunten Herbsttage mit einem passenden, warmen Soundtrack verschönern
will.
Website:
www.avrillavigne.com
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Pop | Nena: "20 Jahre -
Nena feat. Nena" | 3
Leidenschaft weggeputzt
19 Jahre nach dem damaligen Megahit "99
Lufballons" bringt Nena mit Gästen ihre neu eingespielte
alte Stücke auf den Markt. Doch leider - bei allem Respekt
- wurden die Stück so produziert, dass viel von Ihrer Leidenschaft
weggeschnitten wurde. Ein klitzekleines Plädoyer dafür,
die Hände von Altem zu lassen. (muh!)
Website: www.nena.de
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Rock'n'Roll | Elvis Presley:
"Elvis 30 No.1 Hits"
Der King ist nicht totzukriegen
Nachdem 2000 bereits von den Beatles
ein Album mit Nummer-1-Hits erschienen ist, kriegt auch Elvis
seine Hommage.
Von tamara.frommelt@plebs.ch.
Am 16. August jährte sich sein Todestag zum 25. Mal und wie immer
widmeten sich die Medien dem King, der immer irgendwie aktuell sein
wird, weil ja auch die 70er- und 80er-Jahre sowohl modisch als auch
musikalisch immer irgendwie irgendwo Anklang finden.
Aber ist Elvis aktuell genug, um die CD
zu kaufen? 30 digital überarbeitete Nummer-1-Hits sprechen
für sich. Chronologisch angeordnet von "Heartbreak
Hotel" bis zu "Way down" plus dem zur Zeit
aktuellen Hit "A little less conversation" (Elvis Presley
vs. JXL), der auf keiner In-Party mehr fehlen darf, bietet das
Album viel fürs Geld. Das Booklet mit Kurzbeschreibungen
und Details zu jedem Song tut sein Übriges zum begehrten
Sammlerobjekt. Das Album ist somit nicht nur etwas für nostalgische
Mütter die früher gerne in Reihe 1 umgefallen wären,
sondern auch für deren Söhne und Töchter, die
für die eingängigen Melodien des Kings mehr als ein
Ohr übrig haben.
Website:
www.elvisnumberones.com
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Elektronik | Schneider TM: "Zoomer"
| 5
Abstrakter Pop
Herrlich: Pop meets abstrakte Elektronik!
Nichts für ungeduldige Ohren und etwas gewöhnungsbedürftig.
Oder: Pop-Perlen ohne 2-Minuten-Effekt. Ein gutes Beispiel, wie
Pop hübsch mit allerhand Loops und Tönen verziert werden
kann. Viel Spass! (muh!)
Website:
www.schneidertm.com
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Instrumental Rock | Carrera "Carrera"
Stumme Rockperlen
Rock ohne Gesang? Wie das gut gehen
kann, zeigen Carrera auf ihrem gleichnamigen Album.
Von david.bauer@plebs.ch. Instrumentalbands
im Bereich Rock sind sehr selten. Mit gutem Grund: lebt dieses Genre
doch oft von der Energie und den Emotionen des Gesangs. Dass es aber
auch ohne geht, zeigen Carrera aus München auf eindrückliche
Art und Weise.
Ihre Songs (die ja so eigentlich nicht
heissen dürften) beginnen wie jeder andere Rocksong. Spannung
wird aufgebaut, die Melodie fesselt den Zuhörer, aber irgendwie
wartet man darauf, dass der Gesang nun einsetzt. Doch genau dies
passiert nicht. Die Spannung bleibt und mit ihrer sehr abwechslungsreichen
Musik gelingt es Carrera auch, diesen Spannungsbogen über
jedes einzelne Stück und das gesamte Album aufrecht zu erhalten.
Es sind die Originalität und der Abwechslungsreichtum, welche
Carrera zu einem Erlebnis machen, und trotz nicht vorhandenem
Gesang nie Langeweile aufkommen lassen. Mit "reduce to the
max" könnte man die Musik des deutschen Quartetts charakterisieren:
Die zwei Gitarren, der Bass und das Schlagzeug werden in Abwesenheit
des Gesangs umso bewusster und präziser eingesetzt. Ein
wahrer Gewinn.
Vergleiche anzustellen fällt nicht
leicht, hin und wieder ("Epic" und "Be There!")
erinnern stark an die Briten von "Placebo", ein anderes
Mal sind sie schwermütig wie "Live" aus den USA.
Trotz möglichen Vergleichen sind Carrera vor allem eines:
speziell und nur schwer einzuordnen. Optimal eingepasst ins Gesamtbild
sind schliesslich die Stimmen der Gastsänger. Ganz ohne
Gesang kommen also auch Carrera nicht aus. Aber wenn schon Gesang,
haben sich die Münchener gedacht, dann etwas Richtiges:
also hat man prominente Verstärkung von The Notwist, Slut
und Blackmail geholt. Die Mischung aus Instrumentalband, die
allen Fokus auf das präzise Zusammenspiel der Instrumente
legt, und professionellem Gastsänger ist eine ausgezeichnete.
"Carrera" ist ein von Anfang
bis Ende ein fesselndes Album, wobei kein einziges Stück
abfällt. Schmuckstücke des Albums sind zweifellos die
schwermütig melancholischen "Ashamed" und "Broken
Horse".
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Pop | Holly Valance: "Footprints"
| 4
Respektabel
Da will jemand in Britney Spears Fussstapfen
treten. OK, die Platte geht ganz passabel und respektabel durch.
Vorallem die Coverversion von Tarkans 98er-Hit "Simarik"
ist gelungen. Und mutig. Oder ist es nur eiskaltes Pop-Kalkül?
Vielleicht, vorallem wenn sie völlig nackt durchs dazugehörige
Video tänzelt. Sobald die ersten drei Songs durch sind,
zeigt sich: Britney Spears ist überall! (muh!)
Website:
www.hollyvalance.net
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Pop | Peter Gabriel: "Up"
Selbst gewählte Melancholie
Bei Genesis war er der Querdenker wie
Lennon bei den Beatles. Nach dem grossen Krawall in der Kultgruppe
zog sich Gabriel auf seinen Landsitz zurück, gründete
die "Real World" und schrieb fortan nur noch für
sich und befreundete Musiker.
Von peter.doeberl@plebs.ch. Die
Erinnerung an "Shaking the tree" taucht sofort wieder auf,
wenn ich die neue CD mit dem Titel "Up" höre
die sanfte Wehmut in vielen Liedern, ein Abgesang auf den Erdball,
in "Sky Blue" die hörbare Sehnsucht nach Zeiten, wie
sie sein könnten, aber nicht sind. Es sei vorweg genommen: Für
mich ist die neue Gabriel eine der besten Scheiben dieses denkwürdigen
Jahres. Nicht nur, weil Gabriel schon immer der Dichter und Komponist
war, der mir seit vielen Jahren in vielen Ländern immer wieder
die Gänsehaut auf dem ganzen Körper weckte. Auch nicht,
weil ich etwa grundsätzlich negativ eingestellt und unter Novemberdepressionen
leiden würde nein, sondern einfach weil Gabriel es immer
wieder schafft, mich in seinen Bann zu ziehen wie in ein tiefes schwarzes
Loch. Gabriel hat trotz seines Alters den Bezug zur Realität
nie verloren, im Gegenteil, seine neuen Songs führen diese Wirklichkeit
manchmal in die surreale Welt des Unterbewusstsein, immer mit einem
kleinen Wink versehen, dass das Leben kurz, zu kurz ist, um nur dahin
zu vegetieren. Gabriel sagt das nicht so, er deutet an, setzt kleine
Wegweiser, schmeichelt sich ein, etwa bei "I grieve", wo
er ganz nahe bei "Shaking the tree" angelangt ist.
"Up" kann ich sehr leise bei
einer Kerze im Schlafzimmer hören, aber auch sehr laut im
Wohnzimmer. Jeder Beat sitzt, dafür sorgen verschiedene
Mitmusiker aus der Real-World-Gemeinschaft Namen wie etwa
Peter Green, Manu Katche, Richie Evans sind die tragenden Säulen,
zwischen denen sich Gabriels Stimme wie ein Schatten bewegt,
mal den Drums folgend, mal hinter dem Bass versteckt. Mal flüsternd,
dann schreiend, meist aber wie in stillem Gebet versunken. Das
kommt in "My Head sounds like that" zum Ausdruck: Hier
fleht Gabriel nahezu, scheint auf den Knien zu rutschen, wird
dann abrupt von teuflischen Riffs gestoppt, rappelt sich auf
und versinkt wieder in die selbst gewählte Melancholie.
Nun gibt es Musikkritiker angesehener Magazine,
die Gabriels neue Scheibe bereits abgeschrieben haben Tadel
über Tadel, Verriss nach Verriss. Ich vermute, diese Leute
haben nicht in die Texte rein gehört, sonst hätten
sie den Peter Gabriel wohl auf das Schild gehoben und ihm eine
goldene Krone verpasst. Dieses "Nicht zu hören"
ist aber auch verständlich: Gabriel liefert für einmal
keine Texte in seinem Booklet mit, und es braucht schon einige
Englischkenntnisse, um seine Aussagen zu verstehen, mehr noch,
um sie auch zu deuten. "Nichts sehen" ist aber noch
schlimmer: Gabriels "Up" enthält einen interaktiven
Multimedia-Part, der dann eben auch die Texte offen legt, jede
Menge Bilder aus den Real-World-Studios zeigt, die Musiker listet,
die Organisationen, die Gabriel unterstützt und deren Ziele
zum Studium anbietet. Alleine mit diesem Teil auf der CD könnte
schon jeder harschen Kritik der Nachhall genommen werden, aber
eben, man muss das sehen...
Nochmals das bereits vorweggenommene Fazit:
Genau das richtige Album für diese Nebeltage, für den
Übergang in die kalte Zeit. Du kannst Dich auf der Musik
tragen lassen, im Nebel schwimmen. Nur lachen kannst Du nicht
dafür stimmt die CD zu traurig.
Website:
www.petergabriel.com
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Hip-Hop | Deichkind: "Noch
fünf Minuten Mutti" | 4-5
Noch 59 Minuten und 55 Sekunden
Mutti
Da lohnt sich jedes Stück: Mal schlüpfen
die 4 Jungs in die Rolle eines deutschen Schnulzen-Stadion-Rockers,
mal spielen sie verblödete Hip-Hopper, mal dies Mal das.
Und erzählen ("rappen") können sie auch noch.
Na dann mal los Mutti! (muh!)
Website: www.deichkind.de
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Elektro | Howie B: "Fabriclive.05"
| 5
Weiter in Reih und Glied
Compilation Fabriclive Nummero 5. Diesmal
an der Reihe: Howie B.s Big- und Break-Beats. Galante Auswahl
- der Mann muss es ja wissen. Und übrigens: Für was
zahlen wir hier - die Verpackung oder für die Musik? (muh!)
Website:
www.fabriclive.com
/ www.howieb.com
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Pop | Leann Rimes: "Twisted
Angel" | 4
Die neue Celine Dion?
Manchamal erinnert Miss Rimes stimmlich
und qualitativ an Alanis Morissette. Das ist durchaus als Kompliment
zu verstehen. Manchmal aber erinnert sie auffällig an Celine
Dion. Und das ist eher kein Kompliment, wenn man so sieht, was
Dion so aus sich macht. Da hilft wohl auch nicht, im Cover in
sexy Posen rumzusteh, rumzusitzen und rumzuliegen. (muh!)
Website:
www.rimestimes.com
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Und sonst?
Das Ich: "anti'christ"
Emopop mit brachialen Texten. Ein Heidenspass. Gut insziniert.
4-5.
Fragile State: "The facts and the
dremas"
Das ist wohl Klassik des neuen Jahrtausends. Grossartig. Aber
nur für Sonntag Morgen. 5.
Per Gessle: "I wanna be your Boyfriend"
(Maxi-Single)
Roxett-Workaholic covert The Ramones in altbewährter Roxette-Manier.
5.
Ice T presents: "Westside"
(2 CD)
Von MC Hammer über Dr. Dre bis zu Jurassic 5 sind sie auf
dieser repräsentativen Westside-Hip-Hop-Show alle vertreten.
5.
Fehlfarben: "Knietief im Dispo"
Nur für Fans: Das Comeback des Jahres. Für die, dies
noch werden wollen: im Frühjahr 2003 auf Tournee. 5.
Diverse: "(Mastercuts) Bar Life"
Eine Chill-Out-Compilation mehr: Stevie Wonder, Mantronix, Jacson
Sisters, ... 4.
Diverse: "Boomtronics" (2
CD)
Funkyprogressivenuskoolelectrotechbreaks. Alles klar? 6.
Leiah: "Sound an Diversity"
Solider, dichter und leicht melancholischer Rock aus Schweden.
4.
Popium: "Permanently High"
Diesmal Norweger: Der Bandname verrät viel, der Album-Titel
vielleicht noch mehr. 3.
Empyrium: "Weiland"
Das ist akustische "Gothik": gefühlvoll, sensibel,
wunderschön. Unterschätzt! 7.
Mas: "Mas Confusion"
Konfus. Allerdings. Eine breite Auswahl guter, abstrakter Elektronik.
Wers mag... 4.
Chekov: "Burn Baby, Burn"
Heissblütige Elektronik. Let's rock on another level! 5.
Teilweise zu kaufen bei CeDe.ch.
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Konzerte
Saïan Supa Crew | Live:
20. Oktober 2002 (X-TRA Limmathaus, Zürich)
Live noch besser
Saïan Supa Crew diese französische
Band steht für eine einzigartige, unantastbare Umsetzung
des Hip Hop. Für ironische und witzige, wie auch politische
und ernste Texte, für lockere und beflügelnde, wie
auch melodiöse und nachdenkliche Beats.
Von gregor.frei@plebs.ch.
Jedenfalls auf der Platte. Wer sich von den Live-Qualitäten
überzeugen wollte, hatte nun bereits das zweite Mal in diesem
Jahr die Gelegenheit, "Saïan Supaaa" live zu erleben.
Der Beginn des Konzerts: Es ist dunkel. Dunkel und still. Das
Publikum steht so eng wie nur möglich, Vordrängler
haben keine Chance. Dann plötzlich ertönt der erste
Beat jeder scheint ihn zu kennen, und als in der Dunkelheit
sechs mit dem Rhythmus abgestimmt tanzende Gestalten sichtbar
werden, ist man sich für kurze Zeit gar nicht mehr sicher,
ob man fälschlicherweise an einem Boygroup-Konzert gelandet
ist, scheint doch das Publikum fast in Ohnmacht zu fallen.
Dies ist jedoch absolut verständlich,
bieten doch die Pariser Jungs eine absolut perfekte Show, die
an Abwechslung und Dynamik kaum zu überbieten ist. Dabei
verzichtet die Crew auch nicht darauf, das Publikum immer wieder
mit "Make some noise!" oder "Just be crazy!"
so aufzufordern, dass jeder, der noch still steht, sich sehr
dumm vorkommen muss. Der Höhepunkt dieses kollektiven Verrücktseins
ist das gemeinsame Verschieben des Publikums um einige Meter
nach hinten, um beim Beginn des nächsten Stückes wieder
so schnell wie möglich in Richtung Bühne zu rennen.
Dass dies an einem Hip-Hop-Konzert möglich ist, hätte
man sich kaum gedacht. Doch die Saïan-Show machte es möglich.
Ob Beatboxing der Extraklasse gezeigt, über Rassismus gerappt
oder zu Raggabeats getanzt wurde das Publikum war sich
einig: Saïan Supa Crew ist live noch besser als auf der
Platte.
Website:
www.saiansupacrew.com
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Tocotronic | Live: 4. Oktober
2002 (Sommercasino, Basel)
These Boys are Tocotronic!
Schwierig, sich im Vorfeld Gedanken
darüber zu machen, was einen am Tocotronic-Konzert erwartet.
Haben sie doch mit ihrem neuesten Album einen weiteren Schritt
in Richtung Ernsthaftigkeit und Ruhe gemacht.
Von roger.zumkeller@plebs.ch.
Reifer geworden sind sie und auch ein wenig leiser. Auf der Bühne
bilden die ruhigen Töne dann aber eher die Ausnahme. Es wird
vornehmlich gerockt. Stark ist, dass sie live zu viert antreten, verstärkt
durch einen Keyboarder, der, wenn keine Arrangements gefragt sind,
zur Gitarre greift und den Sound noch voller macht. Die Stimmung ist
vom ersten Akkord an spitze und bleibt dies auch während des
gesamten Gigs. Sicher trägt auch die ausgewogene Tracklist dazu
bei. Von alten Krachern bis hin zu neuen Stücken ist für
alle etwas dabei, um sich wohlzufühlen, rumzuhüpfen oder
einfach nur zuzuhören und nachzudenken. Einzig die Tatsache,
dass das Konzert im Basler Sommercasino stattfindet stört ein
wenig. Zu klein und ungemütlich ist der Raum, da wäre die
Kaserne die bessere Wahl gewesen. Auch die Akkustik ist nicht gerade
die beste, wenigstens werden die anfänglichen Probleme mit der
korrekten Abmischung schnell behoben. Aber eben, das Konzert war erstklassig
und da treten die räumlichen Bedürfnisse in den Hintergrund,
schliesslich sind diese Jungs Tocotronic.
Website: www.tocotronic.de
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Alec Empire: "Supreme Psychedelic
Underground" | Live: 26. September 2002 (Abart, Zürich)
Nicht ausverkauft?
Für einmal ist das Abart nicht
ausverkauft. Das heisst ausnahmsweise gibt es ein wenig Platz
für die Zuschauer. Der Platz vor der Bühne ist dann
aber doch schnell gefüllt, und auch der einzige Ort, an
dem man etwas von der Vorband mitbekommt.
Von basil.schneider@plebs.ch.
Das Problem an Konzerten von Künstlern, welche ihre Musik mehrheitlich
mit Computern, Effekten und Samples produzieren, ist ja altbekannt.
Wie soll das ganze live performt werden? Supreme Psychedelic Underground
versuchen gar nicht erst vorzutäuschen, dass sie live spielen
würden. Statt dessen sitzen die vier mit grossen Silberhüten
auf dem Kopf in der Mitte und lassen ihre Sounds erklingen. Erinnert
mehr an ein DJ-Set, ist aber ganz interessant, und vorallem eine Abwechslung.
Nur dumm für diejenigen die etwas weiter hinten stehen, und nicht
viel von der Vorführung mitbekommen, ausser den Silberhüten.
Aber die Musik kann trotzdem ein paar Leute mitreissen, die zu den
abwechslungs reichen Jungle-Beats tanzen.
Alec Empire geht dann die Sache schon weit
herkömmlicher an, mit Gitarre, Schlagzeug, Laptop und Gesang.
Doch herkömmlich ist höchstens die Formation. Mit seinem
unverkennbaren Sound heizt er gleich dem Publikum ein, welches
von der ersten Minute weg voll mitgeht. Mehrheitlich aktuelle
Songs von "Intelligence & Sacrifice" (2CD) - allerdings
nur von der ersten CD - werden gespielt. Das heisst konkret,
dass es hart zur Sache geht, und die ruhigen Songs live nicht
performt werden. Alec Empire weiss als Stimmungsmacher zu überzeugen,
dampft dem Publikum gehörig ein, lässt die Gitarren
Krachen, den Bass wummern und sich selbst gehen.
Der Schluss bildet "New world order",
welches ziemlich in die Länge gezogen wird. Doch als das
Konzert sich scheinbar dem Ende zuneigt, die ersten auf die Uhr
gucken, um zu sehen, wie spät es eigentlich ist, springt
Alec Empire ins Publikum und lässt sich von den Zuschauern
durchreichen. Als der Gute zum Schluss noch die Absperrung um
das Mischpult besteigt und das Geschehen an ein ganz anderen
Punkt verlagert, ist die Show perfekt. Kurz darauf ist das Konzert
fertig, die Erde wieder rund und beim Verlassen des Abart Music
Clubs dämmert einem langsam, dass die "New world order"doch
nur ein Hirngespinst eines Musikers ist.
Website: www.alecempire.com
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Moby & Röyksopp | Live:
17. Oktober 2002 (Hallenstadion, Zürich) | 6
Kleine ganz gross
Es gab nicht wenige, die das Hallenstadion
an diesem Abend nur wegen der Vorgruppe betraten. Röyksopp,
die mit ihrem Debut "Melody A.M." mehr als Aufsehen
erregten, boten eine kurze, aber intensive klassische Synthie-Show.
Und wie soll es anders sein: Moby unterhielt das beinahe volle
Haus mit seiner breiten Palette an Musik volle 2 Stunden lang.
Dankeschön! (muh!)
Website:
www.moby.com
/ www.wallofsound.net
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Noa | Live: 31. Oktober 2002
(Vokshaus, Zürich)
Authentisch
Die einen füllen ein Hallenstadion
und begeistern die Massen, andere gewinnen ein Herzenspublikum,
und man fragt sich aufgrund der Einzigartigkeit von Noa, wie
es möglich ist, sich der fröhlichen Ausgelassenheit,
der überschäumenden Herzlichkeit und der verspielten
Stimme dieser israelischen Sängerin nicht aussetzen zu wollen
so gut tut ein Abend mit Noa!
Von matthias.ackermann-gfeller plebs.ch.
Ihre neueste CD lässt die Besonderheit von Noa Ihr
Flair, durch percussiv betonte und jazzige Popsongs orientalische
Linien durchleuchten zu lassen und die ganze Breite ihrer Stimme
von zerbrechlich bis zu virtuosen und improvisierten Ausbrüchen
dargeboten zu erhalten zwar eher missen. Manche Songs sind
überproduziert und unnötigerweise überlastet mit
Stilmittel der Pop- und Dancemusic. Im Falle Noa wird aber deutlich,
was grundsätzlich auf alle Musiksparten zutrifft: Musik
ist auch zum Sehen da! Noa erreicht durch ihre Persönlichkeit
und in der ganzen Gestaltung ihres Auftrittes weit mehr als ein
gelungener Abend voll guter Musik. Sie berührt durch ihre
Echtheit und strahlt etwas aus, das sonst im Popgeschäft
vermisst oder vermeintlich fehl am Platz ist: Wertschätzung,
Dankbarkeit. Dem Publikum, ihren MitmusikerInnen gegenüber,
aber auch den Technikern, den Organisatoren und ihren Tour-BegleiterInnen.
Im Gegensatz zu manchem Pop-Gehabe kommt es nicht billig und
floskelhaft daher, sondern authentisch.
Doch noch ein paar Worte zur Musik? Neben
einem soliden Pianisten (mit Flügelhorn), einem gestandenen,
ein bisschen ausdruckslosen Drummer und einer schelmischen, sehr
jungen Bassistin dominiert der harte Kern: Zohar Fresco, der
"Fingerzauberer", wie ihn Noa liebevoll nennt, der
mit Tamburin, Maracas und seinem Hocker alles rhythmisiert und
dem Sound eine abendländische Note verpasst. Ferner Gil
Dor, der für das Projekt Noa mindestens ebenso verantwortlich
ist wie sie selbst. Er ist Gitarrist, durch und durch, und begnadeter
Songwriter, Arrangeur und Produzent. Diese zwei Musiker begeistern
mit einem Instrumentalteil in der Mitte des Konzertes.
Wir sehen Noa über die Bühne
wirbeln, Blumen und andere Liebesbekundungen vom Publikum entgegennehmen,
wir hören sie viel über ihr Muttersein erzählen,
sehen sie an den Kongas mit Zohar um die Wette trommeln und lassen
die Band noch für ein paar Zugaben auf die Bühne kommen.
Dann lassen wir sie ziehen, und sind glücklich und
dankbar.
Website: www.noasmusic.com
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Rahzel | Live: 3. Oktober 2002
(Supermarket, Zürich)
90 Minuten Staunen
Zürich, Sonntag Abend, 22.30 Uhr
Auf der Suche nach dem Ort, wo Rahzel "The Godfather
of Noise" heute auftreten soll. Inmitten von Industrie und
Abgasen wird man fündig: Ein altes Häuschen, das sich
"Supermarket" nennt.
Von gregor.frei plebs.ch.
Doch nach Warteschlangen sucht man vergeblich. Nun gut, die Hip-Hop-begeisterten
Zürcher werden wohl alle schon drinnen sein. Also auch mal
rein. Doch weit gefehlt: Von einem angemessenen Aufmarsch für
den wohl bekanntesten Beatbox-Meister der Welt ist keine Spur.
Wäre nur die komplette Gästeliste anwesend, so wäre
das kleine Lokal wohl doppelt so gut besucht.
23.30 Uhr Rahzel sollte längst
begonnen haben. Zuerst lässt uns aber DJ JS-1 dem Tod Jam
Master Jays gedenken und lässt einige Old School Beats laufen.
Sein Begleiter versucht, ein bisschen Stimmung zu machen
doch hier ist selbst der Journalist noch einer der Aktiveren.
Inzwischen staunt man über die kleine Bühne. Hier soll
der grosse Rahzel aus NYC auftreten?
24.30 Uhr Plötzlich beginnt
sich der stämmige Schwarze mit den breiten Hosen, der vor
mir steht, sich in Richtung Bühne zu bewegen. Aha, das ist
jetzt also Rahzel. Er will uns in die 5 Elemente des Hip Hop
einführen. Zuerst präsentiert er aber einmal alle seine
bekannten Tracks seiner CD. Die wenigen Zuschauer sind begeistert.
Man hat den Eindruck, da stehe ein Mann, der präsentiere
die ganze Palette aller möglichen Soundeffekte. Und das
auch immer noch in einem mitreissenden Beat, dem er gleichzeitig
auch noch einen Gesang dazufügen kann. Nur mit Zunge und
Lippe, versteht sich. Da bleibt mir die Spucke weg. Nach 90 Minuten
Staunen erkenne ich, dass es sich gelohnt hat, die Show vom "Godfather
of Noise" nicht zu verpassen trotz dem Warten, trotz
den fehlenden Zuschauern.
Website:
www.rahzel2000.com
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