Interview
The Nits (Henk Hofstede)

Neue CDs
Manu Chao: "Radio Bemba Soundsytem"
DJ Shadow: "The private Press"
Ash: "Intergalactic Sonic 7's"
Mark Hart: "Nada Sonata"
Norah Jones: "Come away with me"
Wilt: "My Medicine"

Disturbed: "Believe"
The Get Up Kids: "On a Wire"
Dashboard Confessional: "The Places you have come to fear the most"
Vincent Gallo: "Recordings of Music for Film"
Reel Big Fish: "Cheer up"
Filter: "The Amalgamut"
Counting Crows: "Hard Candy"
Prime sth.: "Underneath the Surface"
Liz Libido: "Freakreation"
Coldplay: "A Rush of Blood to the Head"
Phébus: "Songs for Sirens"
Soulfly: "3"

Konzerte
Goran Bregovic
The Nits

Literatur
Leonard Cohen: Songs of a Life

 

 

 

28.08.02, Basel
Ein Gespräch mit Henk Hofstede von den Nits

Seit nun bald 30 Jahren gelten die Nits als eine der innovativsten Bands der Niederlande. Ende 1974 von vier Kunststudenten in Amsterdam gegründet, fiel die Band um den Sänger und Gitarristen Henk Hofstede durch gefällige radiotaugliche Popmusik in britischer Beattradition auf.

Von roger.zumkellerplebs.ch. In den achtziger Jahren lösten sich die mehrmals umbesetzten Nits von ihrem musikalischen Ausgangspunkt. Sie entfernten sich zunehmend vom eingängigen Radio-Pop und wurden, ähnlich wie XTC oder die Talking Heads, vom zackigen New-Wave zum subtilen Popkammerorchester. Einzig mit dem ironischen "In the Dutch Mountains" gelangen ihnen 1987 Charts-Treffer. Für die Band bedeutete der Erfolg jedoch nicht, die Erwartungen nach ähnlicher Musik zu erfüllen, sondern bot viel mehr eine Einladung, neue Ufer zu erkunden. Eine Einladung, die angenommen wurde und stets wieder neue, bezaubernde Alben zur bereits immensen Discographie hinzukommen lässt. Es ist schwer zu sagen, was die Faszination an dieser Band ausmacht. Die Verspieltheit ist mit Sicherheit ein Grund, aber sicherlich die Atmosphäre, die leichte Melancholie, welche einen durch die perfekt inszenierten Songs begleitet.

Im August traten die Nits gemeinsam mit etlichen Schweizer Musikern an der Expo auf und schoben noch ein paar zusätzliche Konzerte in der Schweiz ein. Bei einem dieser Konzerte hatten wir die Gelegenheit, mit Henk Hofstede zu sprechen.

Plebs: Wieder einmal in der Schweiz unterwegs?
Henk Hofstede: Wir wurden von Leuten aus Luzern angefragt, ob wir Ihnen ein Konzert geben würden. Da wir sowieso in der Schweiz Auftritte geplant hatten, unter anderem an der Expo, dachten wir, wir könnten dies noch ausbauen und noch in anderen Städten spielen. Aber es war nie eine wirklich geplante Tour, wir begannen mit nichts und liessen es einfach rollen.

Spielt ihr deshalb auch in so kleinen Klubs wie dem Atlantis in Basel? Die Nits sind doch sonst bekannt für eher aufwendige Bühnenbilder.
Wir spielten schon sehr häufig hier, eigentlich begannen wir hier und kamen während vieler Jahre immer wieder her. Aber unter den gegebenen Umständen, weil es keine geplante Tour ist, weder mit einem neuen Album noch mit irgendwelcher Werbung, sehen wir das Ganze eher als Besuch verschiedener Städte mit Konzerten in kleineren Klubs.

Ihr habt an der Expo mit Schweizer Musikern zusammen gespielt.
Wir waren die Band, zusammen mit Simon Ho, der gerade sein erstes Album veröffentlicht hat, worauf ich gesungen habe. Das war einer der Gründe für die Zusammenarbeit. Und da wir etliche Schweizer Musiker kennen, dachten wir, wir inszenieren das Ganze als eine Art Feier und luden viele Leute ein um in diesem Projekt zusammen zu spielen und arbeiten.

Du warst vor ein paar Jahren auch einmal mit den Shoppers unterwegs.
Ja, das ist schon einige Jahre her, das war 1996. Ich wurde von ihrem Songschreiber eingeladen als Gastmusiker und -komponist. Ich hatte sehr engen Kontakt mit den Shoppers, so entschieden wir uns für eine kleine Tour und eine Performance in Bern. Das war der Beginn der Kontakte zwischen Bern und unserer Band.

Es war auch einmal eine Tour mit Stiller Has geplant.
Ich mag diese Band sehr gut und Balts spielte mit uns an der Expo in Biel. Wir planten auch ein oder zwei Konzerte in Holland aber das war sehr schwierig, da sie dort niemand kennt. Ich erzählte immer allen, dass sie Stiller Has hören sollten, weil es wirklich eine gute Band ist. Nur versteht sie in Holland keiner.

Hattest Du Zeit die Expo zu besuchen?
Ja, ich hatte ein klein wenig Zeit für einen Besuch, leider waren die meisten Ausstellungen bereits geschlossen. Aber es gefiel mir sehr gut, das Ganze war sehr beeindruckend. Das muss eine Menge Geld gekostet haben.

Darum dreht sich auch die ganze Diskussion: Um die Kosten anstatt die Inhalte.
Das kann ich mir vorstellen. Aber die Dinge, die da auf den Seen errichtet wurden sind wunderbar, die Architektur. Ich verstehe auch, dass man dies dann verkaufen möchte. Das ist schade.

Die Nits gibt es mittlerweile seit fast 30 Jahren. Wird das Ganze nicht irgendwann einfach zur Routine?
Zum Glück nicht. Wir verändern uns ständig. Wir haben unseren Zugang geändert, die Art zu schreiben und aufzunehmen. Es haben auch Leute die Band verlassen und neue sind hinzugestossen, so hat sich auch das Team verändert über die Jahre. Ich denke das ist wichtig für eine Band, wenn sie nicht einfach nur den Erfolg sucht. Wir gehen stets dem nach, was uns musikalisch interessiert. Das ganze kommerzielle System ist nicht wirklich nah dran an unserer Band, nicht mal zu der Zeit, als wir mit ein paar Songs wirklich bekannt waren. Es ist alles mehr ein Abenteuer, wir suchen nicht den American Way, das macht den ganzen Unterschied aus.

Du hast auch einmal gesagt, dass - als Ihr den Erfolg hattet - Ihr gemerkt habt, dass er Euch nicht gefällt.
Sicher mag ich den Erfolg, aber es geht um die Realität des Erfolges. Der finanzielle Erfolg ist nicht sehr schön. Da geht es viel zu sehr darum dumme Dinge zu tun, und dies für eine lange Zeit. Ich denke da an TV-Shows, zu viele Interviews, viel zu viele Dinge. Da gibt es keinen Zusammenhang zu dem was du tust; Konzerte geben, Songs schreiben und Platten produzieren. Ich denke, da kommt dann eine ganze Welt voll Nonsens über einen und die bringt fast jeden um. Weil es nicht interessant ist, dasselbe zwanzig Mal in ganz Europa zu tun und es ist noch viel weniger interessant es mehr als hundert Mal auf der ganzen Welt zu tun. Das ist eine Art Reproduktion und für mich völlig uninteressant. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass dies jemanden wirklich befriedigt. Wenn man darüber nachdenkt ist es viel schöner Konzerte so wie hier zu geben. Da gibt es nicht überall Bodyguards und Freunde können in die Umkleidekabine kommen, ohne dass sie einen Badge dafür benötigen. Es ist sehr einfach und ich habe schon mit vielen Leuten darüber gesprochen, Leute wie Joe Jackson. Und auch die sind damit nicht zufrieden, denn es ist nicht die Art wie sie früher Musik machen konnten.

Was läuft neben der Band? Verbringt ihr viel Zeit zusammen, oder trefft ihr euch mehrheitlich zum Arbeiten?
Sicher verbringen wir Zeit zusammen. Aber es wäre verrückt die ganze Zeit nur mit der Band zu verbringen. Wir haben unsere eigenen Leben und Interessen. Ich bin sehr am Filmen interessiert, schon seit längerer Zeit. Ich mache Dokumentationen und Videoclips und bewege mich auch immer mehr in Richtung Videokunst. Letztes Jahr habe ich für die Biennale eine Video-Installation gemacht. Ich versuche je länger je mehr mich einfach als Künstler zu sehen, ohne mich klar einem Medium unterzuordnen. Aber ich liebe es aufzutreten. Gestern sah ich Elvis Costello in Zürich. Er ist ja auch nicht mehr der jüngste, gibt aber trotzdem sehr gute Konzerte. Ich glaube nicht, dass dies etwas mit dem Alter zu tun hat, es hängt viel mehr von der Einstellung ab. Du kannst 60 sein und eine wunderbare Einstellung haben in Bezug auf deine Musik, auf dein Leben und auch auf das kommerzielle System und du kannst erst 21 sein und bereits verloren in der Welt des Kommerzes.

Wie geht das Songschreiben vor sich? Kommen da erst die Texte und dann die Musik oder wie läuft das ab?
Ich schreibe die Texte und meist auch die Musik, aber ich beginne immer aus dem Nichts. Ich werfe die Maschine an, spiele und warte was passiert. Ich bin nicht der Typ, der zuerst die Texte schreibt. Ich warte auf den Moment, in dem ich eine Idee davon habe, wie der Song, die Musik, sein wird. Die Texte können in einer Woche stehen oder erst nach drei Monaten, es ist kein durchgeplanter Prozess. Es ist mehr eine Art Desaster-Projekt.

Durch viele Eurer Alben zieht sich eine sehr melancholische Stimmung.
Das gibt es, ja. Aber nicht immer. Die Alben bestehen aus vielen verschiedenen Songs und es ist schwer zu sagen, welches die Atmosphäre eines Stücks ist. Aber es gibt eine Art grundlegenden melancholischen Touch, aber das liegt in der Musik und geschieht da immer. Wenn man einen Song spielt ist das meistens irgendwie mit Melancholie gekoppelt, darum spielen die Leute Musik. Nicht immer aber oft.

Welche Musik hat Euch beeinflusst?
Das sind zu viele. Wenn man mit Musik aufwächst - ich wuchs in den 60ern auf, als jeder damit anfing. Dann sind da die Beatles, die Byrds, Bob Dylan und so weiter. Ein ganzer Berg von Musik, der dich auf irgend eine Art beeinflusst. Es ist darum viel zu schwer zu sagen, "Dies ist die Band, die mich beeinflusst hat." Ich höre seit meiner Kindheit Musik und hörte alles, seit Beginn der Popmusik und damit spiele ich. Ich könnte jetzt über Alben wie "Pet Sounds" von den Beach Boys, "Revolver" von den Beatles oder ein Nick Drake-Album aus den Sechzigern, das kaum jemand kennt reden. Ich denke, das hat alles etwas sehr persönliches und es gibt ein so grosses Sortiment, aus dem man sich etwas aussuchen kann. Darum ist es viel zu schwierig zu sagen, was denn der Haupteinfluss ist, es ist nahezu unmöglich. Es gibt stets wieder etwas sehr persönliches, berührendes, das mich wie aufweckt, aber das passiert ständig, wenn man Musik hört.

Gibt es Musiker mit denen Du gerne einmal zusammenarbeiten würdest?
Da gibt es viele. Ich würde noch immer gerne mit Leonard Cohen zusammenarbeiten, da ich diesen Mann wirklich mag. Aber er ist ziemlich alt. Da gibt es auch ziemlich viele "neue" Musiker mit denen ich gerne arbeiten würde. Die Eels zum Beispiel, die sind grossartig. Ich weiss nicht. Ich würde gerne mit Pipilotti Rist zusammenarbeiten, wirklich. Ich sah vor zwei Tagen eine wundervolle Installation von ihr in Luzern für die Ausstellung über das Schlafen. Ich weiss nicht, aber ich denke, dass war ihre Stimme und ich dachte "Wow, ich würde gerne mit ihr arbeiten.".

Welches ist dein liebstes Nits-Album?
Vielleicht "In the Dutch Mountains", immer noch. Aber mein liebstes Album ist ein kleines, es heisst "Hat". Es ist ein Mini-Album mit sechs Songs drauf, sehr farbig. Es wurde im Herbst aufgenommen, in nur vier bis fünf Tagen. Ich denke die Auswahl hat irgendwie die selbe Farbe, dieselbe Stimmung. Ich mag solche Alben.

Warum dauerte es fast zwanzig Jahre bis die Nits ihr erstes "Best-of-Album" veröffentlichten?
Ich war Anfangs gar nicht daran interessiert. Und natürlich haben wir dieses Live-Album, "Urk", produziert, welches als so eine Art Zwischending gedacht war. Und als wir dann Sony oder CBS verliessen, veröffentlichten diese dann das "Best-of-Album". Sicher hatten wir eine gewisse Kontrolle darüber, aber es war nicht unser Ding. Ich denke nach wie vor, dass es sehr schwierig ist ein "Best-of-Album" zu produzieren. Du vergisst immer wieder Akzente. Bei meinen Lieblingsbands finde ich nie eine interessante "Best-of". Da sind immer vier bis fünf, manchmal sogar mehr Songs, wo ich denke "Die habt ihr vergessen. Das ist doch die Essenz der Band".

Du hast Kunst studiert, oder?
Mehr oder weniger. Ich habe gemalt.

Wie wirkt sich das auf Deine Musik aus?
Da habe ich keine Ahnung.

Ich meine, die Songs haben etwas sehr visuelles an sich. Die ganze Geschichte, die sie vermitteln kommt auch irgendwie in Bildern daher.
Das ist vielleicht wahr. Ich kann das verstehen, habe jedoch noch nie wirklich darüber nachgedacht. Aber das gehört wohl dazu, wenn man mit Bildern arbeitet, es ist, als wäre man ein Regisseur. Ich denke viele Songs werden geschrieben wie ein Film. Es sind Szenen die man beschreibt. Es ist demnach nicht überraschend, dass jemand, der von der visuellen Seite kommt, Lieder schreibt, denn es geht ja um Bilder. Und dann übersetzt du die in Musik, oder bannst sie auf Zelluloid. Es ist mehr oder weniger dasselbe. Du kannst es auch einfach aufschreiben, als Buch. Wenn du visuell ein bisschen trainiert bist, kann dir das helfen, die Bilder umzusetzen und ich denke, dass viele Songschreiber einen ausgeprägten Sinn für das Visuelle haben. Es geht dabei nicht nur darum, mit Worten zu spielen, sondern auch darum zu zeigen wie ein Ort aussieht, wie das Licht in den Raum fällt. Und das ist wichtig: der Umgang mit den Details, mit den schönen Dingen. Es ist das Schreiben einer Geschichte und diese dann zu spielen und alle die es hören und sehen sind irgendwie verbunden damit, aber jeder auf eine andere Art, weil jeder ein anderes Bild davon kriegt. Das ist das Verrückte an der Musik, denn als Regisseur ist man da ein wenig limitiert.

Website: www.nits.nl

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World Music | Manu Chao: "Radio Bemba Soundsystem"
Auch Altes kann schön sein

Bereits von Manu Chaos zweiter CD war man nicht mehr so überzeugt wie noch von seinem Solo-Debut. Zu sehr klang da alles wie beim vorherigen Album.

Von roger.zumkellerplebs.ch. Irgendwie bekam man das Gefühl, die Ideen gingen dem Weltbürger aus. Und nun noch eine Live-CD, das deutlichste Zeichen für Ideenmangel, schon nahe an einer Best-Of. Aber genau da unterscheidet sich Chao vom Gros der Musikschaffenden. Erfrischend neu klingt das was er da Live von sich gibt. Feuer unterm Hintern bis zur Ekstase, wild und lebendig; irgendwie ausgeflippt. Da stört es kaum mehr, dass das Ganze erstaunlich ähnlich wie die grandiose Live-CD von Mano Negra klingt. Sicherlich auch weil ein grosser Teil der 29 Songs noch aus dieser Zeit stammt und das Thema "Radio Bemba" nicht neu, sondern die Neuauflage des Klassikers "Mano Negra" ist. Doch wer will ihm das verübeln? Niemand, denn so haben wir doch alle unseren Manu Chao gerne und hoffen insgeheim auf ein Mano Negra-Comeback.

Website: www.manuchao.net

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Trip-/Hip-Hop | DJ Shadow: "The private Press"
Ausserhalb der kommerziellen Schiene

Einerseits legte DJ Shadow im Programm der Lethargy, einer After-Streetparade-Party in der Roten Fabrik, auf, andererseits ist er bekannt für seine Zusammenarbeit mit diversen Künstlern aus der Hip-Hop-Szene. Gleichzeitig wird er in mehreren Pop/Rock-Magazinen portraitiert und in höchsten Tönen gelobt.

Von basil.schneiderplebs.ch. DJ Shadow in eine Schublade zu stecken, ist wohl ein Ding der Unmöglichkeit. Denn schon seit jeher wurde er von allen Seiten des modernen Pop-Business gelobt, und trotzdem gelang ihm der kommerzielle Durchbruch nur in sehr kleinem Rahmen. Doch das scheint ohnehin nicht seine Intention zu sein. Statt dessen arbeitet er fleissig an seinen Projekten und ist auch rund ums Musikgeschäft sehr fleissig. "This is a Story about... being free!" wie es in "You can't go Home again" so schön heisst.

Platten-Veröffentlichungen sind wohl auch deshalb eher Mangelware. Sein zweiter Longplayer seit seinem Debut "Endtroducing..." aus dem Jahre 1996 lässt dafür umso weniger Wünsche offen. Wie gewohnt, lässt DJ Shadow diverse Stilrichtungen miteinfliessen. Im einen Moment nachdenklich verträumt, im anderen wild aufbrausend und immer für eine Überraschung gut. Auch DJ Shadow erfindet nicht wirklich Neues, aber die gekonnte Art, wie er diverse Musikrichtungen zu seinem Stil hinzufügt, ist dafür einzigartig. Doch für den Kalifornier scheint das kein Problem zu sein, er schüttelt Songs aus dem Ärmel, als gäbe es nichts Einfacheres auf dieser Welt.

Wieso der Rummel und Hype um DJ Shadow dermassen gering ist, bleibt eigentlich unverständlich. "The private Press" ist so was wie die Quintessenz moderner, integerer Popmusik, natürlich ausserhalb der kommerziellen Schiene. Wer keine Vorurteile gegenüber anderen Musikstilen pflegt, dem wird dieses Meisterwerk ohne Einschränkungen empfohlen.

Website: www.djshadow.com

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Rock | Ash: "Intergalactic Sonic 7's"
Für wahre Fans

Brauchen wir eine Single-Collection von Ash? Ja, wegen den B-Sides.

Von tumasch.claluenaplebs.ch. Es ist schon erstaunlich: Wenn man sich diese Sammlung aller Ash-Singles anhört, kommt einem jedes Stück verdammt bekannt vor, gerade so, als wären Ash die grösste Rockband der letzten 5 Jahre. Es mag Leute geben, die absolut dieser Meinung sind, - ich war es auch nach dem Anhören der ersten CD dieser Sammlung nicht, die doch immerhin Songs wie "Burn Baby Burn", "Girl from Mars" und "Sometimes" beinhaltet. Um diese Songs noch mal zu hören, hätten Ash wirklich keine neue CD pressen müssen, auch wenn es den einen oder anderen freut, der noch nicht alle CDs von Ash besitzt. Tatsache ist, dass der ganze Charme dieser wirklich grossartigen Band auf einer solchen Sammlung einfach verloren geht.

Die zweite CD nennt sich "Cosmic Debris" und ist so unauffällig auf dem Back vermerkt, dass mich die Vermutung beschleicht, dieser Bonus-CD sei ein Streit zwischen Plattenfirma und Band vorangegangen. Jedenfalls finden sich auf dieser zweiten CD alle B-Sides der Singles. Stücke also, die man teilweise noch nie zu hören gekriegt hat, ausser man besitzt die entsprechenden Singles. Diese B-Sides sind ganz im Gegensatz zu den "echten" Singles eine Offenbahrung. Was die Single-Collection nicht hat, hat erstaunlicherweise die B-Side-Collection, und zwar en masse. Nämlich Witz, spitzbübisches und abgefahrenes Zeug, das jenseits der kommerziellen Zensur angesiedelt ist. Beispielsweise "Astral Conversations with Toulouse Lautrec", in dem der gesamte Gesang, abgesehen von einigen Robotsamples, aus rhythmischem Gestöhne besteht. Hier kommt der Aspekt zum Tragen, der Ash auch live zu einem Erlebnis macht: die Unverfrorenheit und der Wagemut, dem Publikum Scheisse als Gold zu verkaufen. Damit meine ich nicht, dass die Songs qualitativ schlecht wären, vielmehr sind sie eigentlich keine Songs im klassischen Stil mehr, eher Sound aus der Dose.

Jedenfalls soll sich jeder, der Ash mag, diese CD kaufen. Die einen wegen der ersten, die anderen wegen der zweiten CD. Immerhin bekommt man gut 31 originale Ash-Songs zu hören, die man zwar zur Hälfte schon kennt, zur anderen Hälfte aber grösstenteil noch nicht.
Ausserdem gibt es auf der Rückseite eine sehr unterhaltsame Bandbiografie.

Website: www.ash-official.com

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Pop | Mark Hart: "Nada Sonata"
Nur für Pop-Fetischisten

Das extravagante Soloalbum des Supertramp Keyboarders ist etwas für Pop-Fetischisten.

Von tumasch.claluenaplebs.ch. Wir alle kennen Mark Hart. Wenn nicht mit Namen, dann zumindest als den Keyboarder von Crowded House ("Woodface", "Together alone") und Supertramp ("Free as a Bird", "Some Things never change"). Daneben schreibt er Filmmusik ("The World Greatest Gunfighter") und betätigt sich als Produzent, beispielsweise beim neuen Supertramp-Album "Slow Motion". Ein anerkannter und geschätzter Hansdampf in allen Gassen also, auf dessen Solodebüt man zu recht sehr gespannt sein konnte.

Wie es sich für so ein Multitalent gehört, hat er auf diesem Album alles selbst gemacht. Von den Songs über das Einspielen derselben und das Produzieren der Platte ist alles Mark Hart und das merkt man auch. Er zeigt auf "Nada Sonata" wirklich alle Facetten seines Könnens: Industrial-Anleihen bei "Around Again", pure Melodie bei "Lullaby for a Channing" und treibende Melancholie bei "Drowning in the Air". "Nada Sonata" ist abwechslungsreich, schräg und eingängig. Oder kurz: künstlicher Kunstpop. Bisweilen fragt man sich, ob es wirklich nötig ist, die wunderschönen Melodien mit einer verzerrten Gitarre zu entfremden.

Natürlich unterstreichen solche Kapriolen die Einzigartigkeit des Songmaterials, lassen aufhorchen und fordern den Hörer heraus, aber braucht es das wirklich? Mittlerweile kann ich sagen, es ist nötig, es ist Konzept, ein roter Faden in der Vielfalt der Musik. Die Platte ist charmant, so charmant, dass man sie ohne diese Zwischenrufe "Ich bin ein Popkünstler" wohl nicht ernst nehmen würde. Dabei ist sie auch abgesehen von diesen Einwürfen ein brillantes Werk, das vom demnächst erscheinenden Supertramp-Album viel erwarten lässt.
Beschreiben lässt sich Mark Harts Musik nur schwer. Es scheint fast, als habe er diese Songs über einen sehr langen Zeitraum geschrieben, so sehr unterscheiden sie sich voneinander.

Wer sich schon immer gefragt hat, was Pop genau ist, der soll sich diese Platte anhören, sie ist moderner Pop und wäre dieser Begriff nicht schon so ausgelutscht und sinnentleert, würde ich "Nada Sonata" gar als Meilenstein bezeichenen, der etwas von der Unbekümmertheit des Musikers zurück in die heimatliche Wohnstube zu hauchen vermag. Wer die CD findet, - was nicht ganz einfach werden könnte: kaufen und reinhören.

Website: www.markhart.net

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Soul | Norah Jones: "Come away with me"
Zwischen Jazz, Soul und Folk

Zu Beginn ein Geständnis: Ich bin ein Gegner sanfter Belanglosigkeiten.

Von tumasch.claluenaplebs.ch. Norah Jones erzählt auf ihrem Debüt Geschichten. Geschichten, die ans Herz gehen, Geschichten, die auf die Tränendrüsen drücken und doch selten kitschig sind.
Ihre rauchige Stimme entführt den Hörer in eine Sphäre zwischen Jazz, Soul und Folk, in der Gewöhnliches sich mit Überraschendem paart, ein kurzes Aufschrecken, um danach wieder in den Schoss jener Ruhe zurückzusinken, die das ganze Album prägt.

Die Songs sind toll, allerdings bleibt die Grundstimmung immer etwa dieselbe. "Turn me on" und "Lonestar" heben kurzzeitig die Stimmung etwas an, "I've got to see you again" fällt dann jedoch wieder in denselben Trott. Ich sage nicht, dass das unbedingt schlecht sein muss, aber es verdammt dieses wunderschöne Album leider in den Hintergrund, als Backgroundmusik, vor der es sich wunderbar unterhalten lässt.

Die heimatliche Wohnstube scheint plötzlich auf einen Punkt zusammenzusinken, wenn die Sängerin in den äusserst dezent instrumentierten Liedern ihre Seele ausbreitet. "Come away with me": Das setzt eine Bereitschaft voraus, der Sängerin zu folgen, sie auf ihrer Reise zu begleiten und vielleicht zu verstehen. Man muss schon ganz genau Hinhören, um zu bemerken, dass sich hinter dieser Fassade von Schnulz eine musikalische Qualität erster Güte verbirgt. Es sind einzelne Passagen, die diese CD zu etwas besonderem machen, aber diese einzelnen Passagen sind es eindeutig wert, ein Ohr zu riskieren.

Schade bloss, dass das Album bei kurzem Reinhören wirklich sehr belanglos wirkt, gerade so, als hätte der Produzent Angst gehabt, die Scheu und die Verletzlichkeit der Stimme sehr zum Nachdenken anregen zu können. Es tönt wie seichte Unterhaltung, ist aber viel mehr. Der alles entscheidende Grund, warum dieses Album nicht belanglos ist, ist der, dass man ihr glaubt, was sie erzählt. Diese Glaubwürdigkeit entspringt in diesem Fall jedoch nicht wie so oft einer aufgesetzten Ernsthaftigkeit, sondern ist überaus natürlich und warm.
Gerade für die Herbsttage und Winterabende, die uns bald bevorstehen, ist diese CD genau das Richtige.

Website: www.norahjones.com

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Emo-Rock | Wilt: "My Medicine"
Sprung aufs Festland

Vor zwei Jahren hatten sie mit Mühe und Not noch ihr Debüt "Bastinado" aus älteren EPs zusammengeschnippselt, ein Stück sogar mit Drummcomputer unterlegt, weil der Schlagzeuger auf der Arbeit war. Mittlerweile haben sich die Zeiten geändert. Der Emo-Rock-Hype, rübergeschwappt aus den guten alten USA, sorgt dafür, dass plötzlich auch Wilt einem grösseren Publikum ein Begriff sind. Und das zu recht.

Von tumasch.claluenaplebs.ch. Selbst bezeichnet Frontmann Cormac Battle die Band als Emo-REM; an Selbstvertrauen scheint es ihnen also nicht zu fehlen. Es wäre jedoch zu einfach, Wilt in die Emo-Rock-Schublade zu schieben und sie dort versauern zu lassen.
Zwar tönt der Sound ganz nach Emotions. Im Unterschied zu anderen Rockbands der jüngeren Generation, die schon mal ihre Aussagen auf eine Zeile reduzieren, wollen Wilt ihre Emotionen, so wiedergeben, wie sie sind: ziemlich kompliziert. (Im Grunde genommen will das ja jede Emo Band, nur gelingt es nicht allen.) Sie tun dies mit einer bemerkenswerten Tiefe, die in ihrer Komplexität das zu verarbeiten sucht, was sie tagtäglich erleben.

Auf musikalischer Ebene sind sie im Vergleich zu "Bastinado" etwas schlanker geworden, die Melodien gehen noch direkter ins Ohr, verlieren stellenweise jedoch an Intensität. Berauschend wird es, wenn sie in guter alter Foo-Fighters-Manier losbrettern. Die Stimme Cormacs kommt in diesen röhrenden Passagen ganz einfach am besten zur Geltung. Dazwischen muss man sich bewusst machen, dass eben der Text genauso wichtig ist, wie die Musik und auch transportiert werden will. Eigentlich eine sehr positive Sache, unter welcher allerdings die Intensität leidet. Das Album tönt wie aus einem Guss. Am Ende war ich erstaunt, dass ich schon elf Songs gehört hatte, ob das aber in diesem Masse nötig ist, muss jeder für sich entscheiden.

Leider droht "My Medicine" allzu schnell im Hintergrund zu verschwinden, nur selten sticht eine Passage wirklich prägnant hervor. Wirkliches Hitpotential hat keiner der Songs. Nicht dass das unbedingt sein müsste, aber, um in der Flut der Emo-Rockbands nicht unterzugehen, braucht es nun mal einen Song, der aufhorchen lässt. Sonst werden Wilt wahrscheinlich bald wieder in der Versenkung verschwinden und das wäre wirklich schade für eine Band, die an sich und das Publikum so hohe Ansprüche stellt.

Also: Unbedingt reinhören, dieses Album trifft den Nerv der Zeit und jeden, der sich die Zeit nimmt, genau hinzuhören.

Website: www.wilt.ie

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Hardcore/Heavy Metal | Disturbed: "Believe"
Energie und Oberflächlichkeit

Ihr Debutalbum aus dem Jahre 2000 war ein Riesenerfolg. Nun legen Disturbed mit "Believe" nach.

Von david.bauerplebs.ch. Was Disturbed von musikalischen Kompromissen halten, wird schnell klar: gar nichts nämlich. Von Beginn weg, überrollen Disturbed den Zuhörer mit energiegeladenem Sound ­ trocken, einfach, hart. Brachiale Gitarrenriffs treiben die Musik voran, den nötigen Druck erzeugt Sänger David Draiman mit kräftigen, auf den Punkt gebrachten Vocals.

Die beeindruckende Wucht, mit der der Sound daherkommt kann allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass die vier Amerikaner neben einfachen und harten Klängen nicht allzu viel zu bieten haben. Gewiss sind auch melodiodiösere Parts auszumachen, die für eine gewisse Abwechslung sorgen, doch fehlt im Grossen und Ganzen der Tiefgang. Etwas mehr Ideenvielfalt hätte dem Album sicherlich sehr gut getan. Das soundmässige Potential jedenfalls würde Besseres zulassen.

Gegenüber dem Vorgänger indes zeigen sich Disturbed nur wenig verändert, vom Erfolg bestätigt sind sie ihrer Linie zwischen Hardcore und Heavy Metal treu geblieben. Daher wird sicherlich jeder, der "The Sickness" mochte, in "Believe" einen würdigen Nachfolger finden.

Dennoch bleibt zu hoffen, dass sich Disturbed für einen allfälligen dritten Streich nicht bloss mit den gewohnten Stärken begnügen.

Website: www.disturbed1.com

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Rock | The Get up Kids: "On a Wire"
Beschauliche Beschallung

Die Get Up Kids aus Amiland schalten einen Gang zurück auf dem Emo-Highway und machen einen Pit-Stop im Popshop.

Von mathias.menzlplebs.ch. Einige werden sich jetzt fragen, was diese Kritik soll, denn "On a wire" gibts eigentlich schon eine ganze lange Weile zu kaufen. Denen sei gesagt, dass die Kids nun nicht mehr über Vagrant erscheinen, sondern über Universal. Aber was solls, die Musik ist dieselbe und über diese werden einzelne wohl nicht so erfreut sein. Die Stehaufkinder zelebrieren gefälligen Emo-Pop. Die Melodien sind wie gewohnt einzigartig und die Stimme unverkennbar, nur der schrummlige Pép, den normalerweise eine oder auch zwei krachende Gitarren stiften vermisst, man zuerst einmal sehnsüchtig. Wer wie die Get Up Kids eines derjenigen Alben gemacht hat, das ein ganzes Genre definiert, könnte mit so einer Veröffentlichung schnell in Ungnade fallen. Doch "On a wire" vermag trotzdem überzeugen und trumpft phasenweise sogar mächtig auf, fällt aber genauso einige Male etwas ab. Die Songs wachsen jedoch von Durchgang zu Durchgang, und Melodiebögen, die vorher im Verborgenen zu liegen schienen, stechen plötzlich hervor.

"On A Wire" geriert sich reif, geruhsam mit viel Liebe zum Detail und macht beinahe schon einen sehr gesetzten, abgeklärten Eindruck. Obwohl das Album punkto Härte ein ziemliches Aussenseiterdasein geniesst. Im Vergleich mit "Something to write home about" und "Four minute mile" rockt das Album halt doch irgendwie. Einige werden wohl nach dem ersten Hördurchgang sagen, was das für ein elendes Pop-Album geworden ist. Doch was ist schlecht daran? Muss man sich für Pop rechtfertigen oder sich gar genieren, wenn sie hoher Qualität und einem ebensolchen Anspruch gerecht wird? Diese CD kann man auch bei den Eltern im Auto hören, ohne dass sie rausfliegt, aber auch ohne dass man sich schämen müsste. Und so schaffen es die Get Up Kids auch mit einem bis dato für sie etwas untypischen Album, nicht auf dem Pannenstreifen zu landen.

Website: www.thegetupkids.net

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Emo-Rock | Dashboard Confessional: "The Places you have come to fear the most"
Herbstalbum für den Spätsommer

Langer Name, langer Titel, kurze Albumlänge, grosser Hörgenuss. 4 Dinge auf einmal, da klassiert sich sogar die Kinderüberraschung unter Ferner Liefen.

Von mathias.menzlplebs.ch. Anscheinend ist es in Mode für Emo-Rock-Protagonisten, sich von ihrer Hauptband abzukapseln und ein Album in Eigenregie aufzunehmen, das süsser tönt als es Schneewittchen, die Sieben Zwerge und Aschenputtel zusammen je sein können. Tja, so auch die drei Jungs Jonah Matranga (Ex-The Far, New End Original) mit Onelinedrawing, Conor Oberst (Desaparecidos) mit Bright Eyes (wird demnächst hier auch rezensiert) und jetzt mit "The Places you have come..." Ex-Further Seems Forever-Sänger Chriss Carrabba. Viel gibt es zu dieser CD eigentlich nicht zu sagen. Die Arrangemenst überzeugen, die Melodien zwitschern im Ohr und der Gesang rockt, im Gegensatz zum Rest. Emo in der Wirkung, aber nicht im Geschmack. Zuweilen wenn der geneigte Hörer so etwa bei Song Nummer 9, vielleicht auch schön früher, ankommt und sich doch fragt, wieso man sich diese depressive Mucke antut. Vielleicht weils gut tut und wärmt. Einige werden jetzt wie bei den Get Up Kids sagen, was für ein Weicheier-Album. Da kann man nur entgegnen, dass man für so ein Album echte Eier braucht man, um nicht die Credibility zu verlieren, auch wenn die Emo-Szene wenig Machohaftes an sich hat. Dashboard Confessional ist Herzschmerz pur, und zwar sehr guter Herzschmerz. Also, alle die hie und da mal ihre sensible Seite in der Musik ausdrücken und wiederfinden wollen: dieses Album müsst ihr haben. Schreien tut so gut!

Website: www.dashboardconfessional.com

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Filmmusik, Singer/Songwriter | Vincent Gallo: "Recordings of Music for Film"
Ungewöhnliches

Vincent Gallo veröffentlicht mit "Recordings of Music for Film" eine Compilation aus Songs aus vier seiner Filme.

Von david.bauerplebs.ch. Mit Filmmusik ist es ja so eine Sache. Sie ist dazu da, Bildern zusätzliche Ausdrucksstärke zu verleihen, Stimmungen zu beschreiben, Atmosphäre zu generieren. Was nun, wenn das ganze auf einer CD daherkommt ­ ohne Bilder? Oft haben es Soundtracks schwer, es sei denn, sie werden am Rande des zugehörigen Films gut vermarktet oder sind eben wirklich gut genug, um auch ohne Bilder zu wirken.

"Recordings of Music for Film" ist nicht ein Soundtrack im gewöhnlichen Sinne. 29 Songs aus insgesamt vier Filmen bilden so etwas wie einen Überblick über das kreative Schaffen von Vincent Gallo: Schauspieler, Regisseur, Kameramann, Kabelträger, Beleuchtungsassistent, Casting-Coordinator und Promoter in einem ­ und eben auch Musiker. Vincent Gallo ist eine bizarre Persönlichkeit. Genauso sind seine Filme und genauso ist "Recordings of Music for Film". Pianoklänge, Streicherelemente und eine von Zeit zu Zeit auftauchende Krächzstimme scheinen willkürlich in der Gegend zu schweben und vereinen sich zu einem höchst bizarren Klangbrei.
Gewiss, Gallos Filme sind aus dem Alternativbereich, daher darf eine etwas alternativere Filmmusik nicht erstaunen. Doch was uns mit dieser CD zugemutet wird, ist gerade etwas gar viel. So sehr man sich bemühen mag, es fällt sogar schwer, sich passende Bilder zu den einzelnen Songs vorzustellen. Wo die Vorstellungskraft versagt, kann die Videothek nachhelfen: "Buffalo '66", einer der enthaltenen Filme, ist sogar noch sehenswert. Ebendieser liefert mit "A cold and gray Summer Day" einen der wenigen hörenswerten Titel auf der CD ­ bezeichnenderweise muss sich der geneigte Zuhörer dafür allerdings bis zu Track 23 gedulden.

Ironisch-tragisch dann auch der Titel des letzten Songs: "I think the Sun is coming out now".

"Recordings of Music for Film" ­ höchstens zur Verifizierung dieser Kritik oder absolut unverbesserlichen Vincent-Gallo-Verehrern zu empfehlen.

Website: www.vincentgallo.com

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Ska | Reel Big Fish: "Cheer up"
Misslungener College-Ball?

Was erwartet man von einer Band, die sich selbst als nicht definierbar bezeichnet? Einer Band, die auf dem Cover einen Clown abbildet, der einen jungen Schnösel unsanft zum Fröhlichsein auffordert? Die auf dem Back ein Gruppenfoto präsentiert, das von einem misslungenen Collegeball stammen könnte? Nicht viel? Das ist eben genau falsch.

Von tumasch.claluenaplebs.ch. Beim ersten Song "Good Thing" fragt man sich noch, ob es wohl ein schlechter Goldfinger-Verschnitt sein könnte, den man da eingelegt hat. Der Eindruck scheint sich über "Somebody loved me" und "Ban the Tube Top" zu bestätigen und das Ohr beginnt schon abzuschweifen, als plötzlich das eingängige "Where have you been" erklingt und die gepriesene Vielfältigkeit plötzlich Gestalt annimmt. Hat man sich an den Klang dieser Band gewöhnt, eröffnen sich je länger je mehr liebevolle Details, die, im Gegensatz zu mancher anderer Band, auch ein genaues Hinhören erfordern.

Höhepunkte sind sicherlich das klassische "Rock'n'Roll is bitchin' " oder das tolle Frank-Sinatra-A-Capella-Cover "New York, New York".
Am Schluss der CD häufen sich die Überraschungen, ertönt doch plötzlich eine Ballade "Drunk again", und natürlich der Bonustrack "Kiss me deadly", welches man immer gerne hört, auch wenn es von zahlreichen Bands aus derselben Sparte schon gecovert wurde. Jetzt sind wir doch wieder bei einer Sparte. Ja, nach mehrmaligem hören der Platte stellt sich nicht nur heraus, dass die ersten paar Songs gar nicht so übel sind, sondern auch, dass der Ausdruck "Ska " irgendwie angebracht scheint. Schon allein die Instrumentierung lässt auf eine solche Ausrichtung schliessen. Jedenfalls verbreiten "Reel Big Fish" tatsächlich uneingeschränkt gute Laune, speziell die Texte sind ein zweites Hinhören wert.

Jedem, der einen verregneten Sommer hinter sich zu haben glaubt, kann ich diese CD nur empfehlen, eine gewisse Gewöhnungszeit muss man allerdings einberechnen.

Website: www.reelbigfish.com

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Rock | Filter: "The Amalgamut"
Wuchtig

Filter haben sich mit den beiden Vorgängeralben ein ordentliches Renommee im Rockbereich verschafft. Nun folgt mit "The Amalgamut" der dritte Streich.

Von david.bauerplebs.ch. Beim ersten Durchhören tönen Filter gewohnt eindrucksvoll. Mit schier unbändiger Energie, rasendem Tempo und einer enormen Gitarrenwand drückt einen bereits der Opener "You Walk Away" an die Wand. Von der gewaltigen Schreistimme Richard Patricks noch ganz abgesehen. Was folgt, sind eine Fülle von nahezu perfekt produzierten Rocksongs, teils sehr stark an Metal oder Industrial orientiert. Filter lassen in ihrem unvergleichlichen Stil die Gitarren schmettern, die Drums krachen und die Wände beben. Von Zeit zu Zeit gönnen Filter dem Zuhörer kurze Verschnaufpausen in Form von melodiöseren Songs wie "Where do we go from here" oder "God damn me" ­ beide markant geführt von akustischen Gitarrenklägen.

Schnell wird man allerdings wieder aus allfälligen Träumereien gerissen ­ ein Brachialwerk wie "So i quit" wirkt da sehr prompt. Generell fällt auf, dass viele Songs auf "The Amalgamut" Pendants auf dem Vorgänger "Title of Record" haben ­ von grossen Veränderungen zu sprechen, wäre sicherlich verfehlt. Allerdings muss man Filter zu Gute halten, dass solche in Anbetracht des Riesenerfolgs der letzten Veröffentlichung auch nicht angezeigt waren. Mit "The Missing", der einzigen richtigen Überraschung des Albums, legen Filter eine Ballade mit eingängiger Melodie vor und beweisen damit, dass sie auch in der Lage sind, leisere Töne kunstvoll anzuschlagen. Man mag sich fast fragen, weshalb nicht mehr Songs dieser Art auf der CD zu finden sind.

"The Amalgamut" ist alles in allem ein abwechslungsreiches, energiegeladenes Drittwerk von Filter, das diese mit all ihren Facetten zeigt. Das bisher beste Album des Quartetts, wenngleich dem Vorgänger sehr ähnlich. Im Prinzip haben sie diesen einfach perfektioniert.

Website: www.officialfiter.com

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Country-Rock | Counting Crows: "Hard Candy"
Alles wie gehabt

Einmal mehr überzeugen die Counting Crows mit ihrer Mischung aus Country und Rock. Allerdings bringt "Hard Candy" auch nicht viel neues.

Von david.bauerplebs.ch. Wie der Name schon vermuten lässt, haben sich die Counting Crows mit ihrem neuesten Werk den Süssigkeiten zugewandt. Das CD-Cover kommt denn auch als schmucke Candy-Dose daher ­ "13 fresh new flavours" werden angepriesen.

Passend dazu die Tracklist auf der Rückseite, übertitelt mit 'Ingredients'. Diese sind allesamt zucker- bis bittersüss und in einem Guss, doch leider entpuppt sich das "fresh new" als leeres Versprechen. "Hard Candy" ist zweifelsohne ein sehr gutes Album, absolut hörenswert. Darüber besteht zumindest für mich kein Zweifel.
Einmal mehr beweisen die sieben Amerikaner auf einzigartige Weise, dass man die in unseren Landen eher verpönte Country-Musik so mit rockigen Elementen versehen kann, dass daraus eine wunderbare Synthese entsteht. Eine Vielzahl von Instrumenten und eine sehr gefühlvolle, sehnsüchtige Stimme geben dem Album einen sehr angenehmen, gemütlichen Charakter. Die Energie liegt in der Ruhe, nicht im Tempo.

Wer noch keine CD der Counting Crows besitzt und mit Gitarrenmusik im weitesten Sinne etwas anfangen kann, ist sicherlich gut beraten, diese Investition ins Auge zu fassen. Finden sich in der hauseigenen Plattensammlung allerdings schon einige Vorgängerwerke der Band, so ist der Kauf von "Hard Candy" nicht zwingend nötig. Ebensogut kann man ein älteres Werk wieder hervorkramen und sich zu Gemüte führen ­ mit den einzigen Unterschied, dass die Songs nicht neu sind. Sehr, sehr ähnlich tönen sie allemal...

Website: www.countingcrows.com

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Rock | Prime sth.: "Underneath the Surface"
Schwedenrock ­ Schweden rockt!

Dass sich Skandinavien zu einer Topadresse für gute Musik gemausert hat, ist mittlerweile kein Insidertip mehr. Prime Sth. machen da keine Ausnahme ­ auch wenn sie sich eher an transatlantischen Idealen orientieren

Von david.bauerplebs.ch. Das Cover der CD gleicht einer Mischung aus Boygroup und Möchtegern-Alternativrockern, die Tracklist mit zwei Bonussongs und zusätzlichen Videos lässt ebenfalls nichts Gutes erahnen. Doch wer diese erste Hürde genommen hat ­ sprich die CD trotz abschreckendem Äusseren probegehört oder, was nicht unrealistisch ist, auf die Musik nicht via Plattenladen gestossen ist ­ wird Erstaunliches vorfinden.

"Underneath the Surface" bietet soliden Rock mit eingängigen Melodien, speziell zu erwähnen sind dabei der Titelsong des Albums und die erste Singleauskopplung "I'm stupid". Keine Ecken und Kanten, wie man es von anderen Skandinaviern kennt, doch auf einem Debutalbum ist dies eher als plus, denn als minus zu werten. Wären sie zu kantig, so hätten sie den Sprung aus Schweden hinaus in die europäischen Charts wohl nicht geschafft. Elche anstatt Millionenpublikum. Ein anerkennendes Lächeln anstatt Millonengage. Nun gut, ganz so weit haben es Prime Sth. noch nicht gebracht.
Entsprechend heisst das grosse Ziel Amerika. Sehr amerikanisch tönen sie jedenfalls schon. Dies lässt sie zwar in der grossen Masse der Auf-der-Ami-Rock-Welle-Schwimmer untergehen, doch ist mir persönlich amerikanisch tönender Dreikronenrock wesentlicher sympathischer als die meisten amerikanischen "Vorbilder".

Website: www.primesth.com

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Rock | Liz Libido: "Freakreation"
Das kommt mir doch bekannt vor...

Eingängigen Rock mit vielen Facetten bieten Liz Libido aus Winterthur auf ihren neuen Platte "Freakreation"

Von david.bauerplebs.ch. Der Sänger sieht aus wie Lenny Kravitz. Dies ist wohl einer der schmeichelhafteren Vergleiche, die auf die Winterthurer Band Liz Libido zutreffen. Hört man sich ihren neuen Longplayer "freakreation" an, so kommen einem noch viele andere Vergleiche in den Sinn. Praktisch jeder Song scheint einem von irgendwo bekannt vorzukommen ­ mal tönen sie fröhlich beschwingt wie Sugar Ray, mal im Stile der Bloodhound Gang, dann wieder rockig nach amerikanischem Vorbild oder discomässig ­ einige werden sich noch an ihren Ohrwurm "Disco" erinnern. Am besten trifft es wohl der Vergleich mit den amerikanischen Rockbands mit Country-Einflüssen wie die Counting Crows, Wallflowers oder Train. Einen wirklich eigenen Stil haben Liz Libido noch nicht gefunden, die CD wirkt eher wie eine Ansammlung von imitierten Stilrichtungen. Doch eins muss man den jungen Herren von Liz Libido lassen: was sie imitieren, imitieren sie gut. So fällt es denn auch schwer, die Platte als schlecht zu bezeichnen. Wer sich an dem nicht sehr eigenen Stil der Band nicht stört, findet in "Freakreation" eine äusserst abwechslungsreiche CD mit vielen eingängigen Songs auf hohem musikalischen Niveau. Und manchmal macht es ja auch Spass, sich mit Fragen wie "Das tönt doch wie...?" auseinanderzusetzen.

Reinhören auf jeden Fall empfohlen.

Website: www.lizlibido.com

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Brit-Pop | Coldplay: "A Rush of Blood to the Head"
Nachgedoppelt

Coldplay lassen ihrem ersten Überraschunserfolg mit "A Rush of Blood to the Head" ein zweites Meisterwerk folgen.

Von david.bauerplebs.ch. Das Warten hat ein Ende. Coldplay sind mit einem neuen Album zurück ­ und nach dem grandiosen Debüt mit "Parachutes" durfte man von den jungen Briten einiges erwarten. Ihr Erstlingswerk brachte vor mittlerweile knapp zwei Jahren einen kometenhaften Aufstieg in den Olymp des Britpop. Entsprechend hoch waren nun die Erwartungen an das Nachfolgewerk. Um es vorweg zu nehmen: "A Rush of Blood to the Head" wird diesen voll und ganz gerecht. Coldplay beweisen eindrücklich, dass sie sich mit den Grossen der Insel messen können. Gegenüber dem Vorgänger zeigen sie sich wenig verändert, dies allerdings ohne dabei langweilig oder zu wenig innovativ zu wirken ­ solid ist das richtige Wort. Auch hätte es wenig Anlass zu Veränderungen gegeben.

Sanfter Britpop ohne grosse Attitüden im Stile von Oasis, ganz auf die Musik focussiert ­ das war und ist Coldplay. Songs die zum Träumen verleiten, geprägt von Gitarren- und Pianoklängen. Dazu ein Gesang, der einen im einen Moment ins Paradies zu geleiten scheint, um gleich darauf wieder düstere Stimmung zu verbreiten. Es gibt wenig, was man Coldplay bei diesem Werk vorwerfen könnte. Dass sie nicht sonderlich abwechslungsreich sind, macht die CD zu einem Gesamtkunstwerk und entpuppt sich beim genaueren Hinhören auch als bloss bedingt wahr. Die Leadstimme ist bestimmt nicht jedermanns und ­fraus Sache, doch wer sie mag, ist stark gefährdet, sich in sie zu verlieben.

Einen speziellen Anspieltipp zu geben, fällt ausgesprochen schwer, zu fliessend gehen die einzelnen Songs ineinander über. Mein Tip für "A Rush of Blood to the Head": ein gemütliches, ruhiges Plätzchen, ein Glas Rotwein und den Repeat-Modus aktivieren.

Website: www.coldplay.com

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Pop-Rock | Phébus: "Songs for Sirens"
Phébus zum Dritten

Mit ihrem dritten Album Songs for Sirens zeigen sich die fünf Basler gereift und wie es scheint, soll ihnen damit der grosse Sprung vergönnt sein.

Von david.bauerplebs.ch. Wer die beiden Vorgängeralben von Phébus kennt und die Band schon live gesehen hat, der weiss, dass stets eine zu grosse Diskrepanz zwischen brillanten, energiegeladenen Live-Auftritten und guten, aber zu flachen Studioaufnahmen bestand. Dem Rest sei es gesagt.

Mit Songs for Sirens ist es Phébus im dritten Anlauf gelungen, ihre live-Qualitäten auch im Studio umzusetzen. Und so bieten sie uns nun eine CD, welche Phébus widerspiegeln, wie sie viele schon immer geliebt haben. Die CD fesselt einen vom ersten bis zum zwölften und letzten Song. Spürbare Emotionen, eine erstaunliche Energie und eine enorme Vielfalt an Ideen machen Songs for Sirens zu einer richtig guten Platte. Das Cello auf zwei Songs und die kaum vergleichbare Stimme von Giusy (Bono wäre da noch der einzige, der mir in den Sinn käme) geben dem ganzen noch eine spezielle Note. Die Musik von Phébus einer Stilrichtung zuzuordnen fällt entsprechend schwer. Pop-Rock wäre wohl eine nicht allzu schlechte Annäherung, doch wird dies Phébus nicht gerecht. Ihre Musik war stets mehr als ein Gemisch aus zwei populären Musikstilen und ist es trotz des aufkeimenden kommerziellen Erfolgs auch geblieben.

Trotz des hohen Levels über die ganze CD hinweg mit keinem Song, der wirklich abfällt, gibt es einige Highlights: "Orion Belt" und "Sydney Harbour", zwei fliessende Balladen und Rats, ein düster-melancholischer Song in bester Phébus-Manier ­ für mich der beste für die Sirenen.

Zur Zeit sind Phébus ganz gross in der kleinen Schweiz. Diverse Fernsehsender haben Gefallen an ihnen gefunden, diverse Konzerte in der ganzen Schweiz, dazu das Engagement als Vorband von Lenny Kravitz im Hallenstadion Zürich. Phébus haben sich zweifelsohne von einem Insidertip zu einer der Grössen der Schweizer Musikszene entwickelt. Nichtsdestotrotz sind sie sich und ihrer Musik treu geblieben ­ wie sie es immer gewesen sind. Nicht zuletzt dank grosser Beharrlichkeit, Bescheidenheit und einer eigenen Linie haben Phébus es dahin gebracht, wo sie nun sind. Freuen wir uns mit ihnen ­ und danken ihnen vor allem für dieses grossartige dritte Album.

Website: www.phebus.info

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Heavy Metal | Soulfly: "3"
Ein paar Jährchen zu spät

Schon in den ersten Sekunden machen Soulfly klar, wie sich ihr aktuelles Album anhört. Und zwar gleich, wie die ersten beiden. Noch immer versucht Max Cavalera an die Klasse der alten Sepultura-Veröffentlichungen ranzukommen.

Von basil.schneiderplebs.ch. Und ähnlich wie seine ehemaligen Kollegen von Sepultura scheitern er und seine drei Mitstreiter an der zu hoch gesteckten Messlatte. Auch wenn Soulfly teilweise eine angenehme Abwechslung neben all den NuMetal-Veröffentlichungen bieten kann, so wird auch hier schnell Langeweile breit und man hat Mühe, die einzelnen Tracks voneinander zu unterscheiden.

Abwechslung bietet das Album aber doch. "One" hört sich nach NuMetal an, wie er zur Zeit trotz aller Härte im Radio zu hören ist. "Brasil" oder "Call to Arms" wiederum klingen wie Sepultura zu ihren besseren Zeiten. Diese beiden Songs hätten wohl perfekt auf den Sepultura-Klassiker "Roots" gepasst. Eine Klasse, die Sepultura selbst während ihren letzten zwei Veröffentlichungen nicht mehr erreichten. Auch sonst gibt es viel schnelle Gitarrenparts zu hören, abwechselnd mit World-Music-Perkussion und viel gekonntem Geschrei. Max Cavalera zeigt hier einmal mehr, dass Schrei-Gesang betreffend durchaus qualitative Unterschiede existieren.

Aber das Album leidet einfach unter den Vorgängern. Denn hatten jene noch Mitsing-Hymnen, wie beispielsweise "Back to the Primitive" zu bieten, so sind diese scheinbar verloren gegangen. Erwähnenswert dafür ist das Artwork, welches sehr liebevoll gestaltet wurde. Und auch informativ. So findet man zum Beispiel neben allen Lyrics auch eine Tabelle, auf welcher ersichtlich ist, wer wann was spielt, und welche Effekte gebraucht wurden. Ehrlich ist die Musik allemal, nur nicht mehr sonderlich innovativ. Dafür ist es jetzt doch ein paar Jährchen zu spät.

Website: www.soulflytribe.com

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Live | Goran Bregovic, 24.09.02, Burghof, Lörrach
Wo sich Freude und Trauer treffen

Nachdem Goran Bregovic und sein Ensemble bereits am Stimmenfestival mit der Auftragsarbeit "Coeur de Tolerance" (Plebs Magazin berichtete) begeisterte, nun ein Konzert mit der Stammbesetzung und fernab irgendwelcher Konzepte.

Von roger.zumkellerplebs.ch. Wer sich im Juli auf dem Arlesheimer Domplatz begeistern liess, kam auch dieses Mal nicht zu kurz. Im Gegenteil: Das Orchester wirkte freier, ungestümer und lebhafter als am Festival. Bregovic, einmal mehr ganz in weiss gekleidet, nahm die Menge mit seiner schüchtern wirkenden Art in seinen Bann, und der charismatische Chorleiter Ogi Radivojevic schien in Bestform, so wie alle auf der Bühne versammelten Musikerinnen und Musiker.

Das Programm liess keine Wünsche offen. In erster Linie wurde die neue CD "Tales and Songs from Weddings and Funerals" vorgestellt. Dazwischen ein bisschen etwas vom "Coeur de Tolerance" und natürlich Filmmusik von "Reine Margot" über "Arizona Dream" bis "Time of the Gypsies" und "Underground". Wunderbar, wie man eben noch in süss-bitterer Melancholie mit der Musik mitschwebt und im nächsten Augenblick in einen Freudentaumel sondergleichen eintaucht. Gerade diese Stimmungswechsel sind es, die die Musik von Goran Bregovic so einzigartig machen und ein Konzert zu einem unvergesslichen Gefühlserlebnis machen. Umso schöner, dass dieses Erlebnis über zweieinhalb Stunden andauerte und man den Lörracher Burghof mit einer Träne und einem zufriedenen Lächeln verlassen durfte. Auch mit der Vorfreude, sich am nächsten Tag die phantastische neue CD von Goran Bregovic kaufen und stets wieder geniessen zu können.

Website: www.goranbregovic.co.yu

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Live | Nits, 28.08.02, Atlantis, Basel
Ein Abend in heiterer Melancholie

Es ist schon schön, dass die Nits mit einem Projekt mit Schweizer Bands an der Expo auftreten. Noch schöner ist, dass sie zwischen diesen Auftritten die Zeit finden, im kleinen Rahmen, zusätzliche Konzerte in der Schweiz zu geben. So zum Beispiel im Atlantis in Basel.

Von roger.zumkellerplebs.ch. Es herrscht lockere Klub-Atmosphäre und die Nits, allen voran Frontmann Henk Hofstede, scheinen in Partylaune. Da wird viel gelacht und auch ein wenig getanzt auf der engen Bühne. Vom ersten Takt an steht das Publikum im gut gefüllten Atlantis voll und ganz im Bann der Holländer, welche es äusserst gut verstehen, mit dieser Bindung umzugehen, damit zu spielen. Mit viel Humor und spürbarer Freude am Spielen wird die Stimmungsgrundlage gelegt und dann dem dadurch entstehenden Hochgefühl die für die Nits typische Prise Melancholie beigefügt. Es entsteht ein wunderbares Gemisch aus Gefühlen. Träume flackern auf und werden von der Musik und der Atmosphäre untermalt, begleitet und irgendwie weitergetragen. Die Wahl der Songs lässt kaum Wünsche offen. Sicher: Man findet immer einen Song der fehlt - den man sich noch wünschen würde - aber bei der immensen Discographie der Nits ist dies vorprogrammiert. Und dennoch, die Setlist deckt alles ab. Viel "Wool", eine Prise "Alankomaat" und viele Klassiker, vor allem "In the Dutch Mountains" - der Song, der wohl an keinem Konzert fehlen darf. Dazwischen immer wieder Stücke von Simon Ho, einem jungen Schweizer Musiker, der soeben sein Debutalbum veröffentlicht hat und als Gastmusiker mit von der Partie war. Ein Austauschprogramm sozusagen, denn auf dessen CD fungiert Henk Hofstede bei etlichen Liedern als Sänger. Die Songs des Schweizers sorgen für ein wenig Abwechslung. Es klingt neu, anders und doch nicht so weit entfernt von den Nits. Oder ist das bloss, weil die Stücke von ihnen gespielt werden? Egal, jedenfalls empfiehlt sich dieser Simon Ho und wird empfohlen, vor allem von Hofstede, der nur in den besten Tönen über den jungen Schweizer spricht.

Nach zweieinhalb Stunden lassen die Nits die Zuhörer dann sanft aus ihren Träumen erwachen und entlassen sie in die Nacht, begleitet von einem seltsam melancholisch-fröhlichen Hochgefühl, welches noch lange anhält.

Website: www.nits.nl

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Literatur/Songtexte | Leonard Cohen: "Songs of a Life"
Der Poet, der zur Klampfe griff, um gehört zu werden

Endlich. Der Deutsche Taschenbuch Verlag (dtv) hat es gewagt, alle Songs von Leonard Cohen, in englischer und in deutscher Sprache zu veröffentlichen.

Von peter.doeberlplebs.ch. Die Texte eines Mannes, der seit seinen Alben «Songs of Leonard Cohen», «Songs from a Room» und «Songs of Love and Hate» von 1968 bis 1971 im gleichen Atemzug wie Cat Stevens, Donovan oder Dylan genannt wurde, sind immer noch brandaktuell, bewegend, tief greifend. Auch wenn man sich zuerst an die deutsche Übersetzung gewöhnen muss. Diese drei ersten Alben haben den Grundstein für Cohens, er lebt zumeist in Kanada, Beliebtheit in der 60er und 70er Jugend gelegt ­ und diese Jugend ist heute bereits gegen 60 Jahre alt. Und kauft das Cohen Buch wie wild, als wäre es ein Lebenselixier, eine neue Offenbarung. Vielleicht eben, um den tieferen Sinn der Texte von damals zu ergründen, der früher zwar gefühlt, aber nie richtig verstanden worden ist. Vielleicht auch, um sich nochmals, ein letztes Mal, an die «Gute, alte Zeit» zu erinnern, an das Aufbäumen. An die Tage, als der Horizont noch frei war, die Gedanken auch. Aus der ersten Platte blieb damals der Spruch: «Ich vergesse für die Engel zu beten und dann vergessen die Engel für uns zu beten». Das war eines der Rätsel im Lied «So long, Marianne», das wie «Susanne» und «Hey, das ist keine Art Lebewohl zu sagen» am Morgen auf dem Plattenteller lief, im Auto aus dem alten Philips-Tonband, das auf dem Beifahrersitz lag, und zu dem dann abends geschwoft worden ist. Oder der Song über die Lehrer (Teacher), wo Cohen eine der starken, immer bleibenden Zeilen schrieb: «Ich ging in ein Krankenhaus/wo keiner krank und keiner gesund war/als nachts die Schwestern nach Hause gingen/konnte ich überhaupt nicht mehr laufen».

Das alles, 15 Alben in 34 Jahren, findet sich im neuen Taschenbuch. Alle Originaltexte mit allen Übersetzungen, eine komplette Discografie, viele liebe Vorworte als Entdeckungsreise in die Welt des Leonard Cohen getarnt, Interviews, viele Bilder des Poeten, der Sänger wurde, um seine Worte unter die Menschen zu bringen, und Anekdoten, wie sie noch nicht bekannt sind, auch dem Cohen-Freak nicht, sind auf gut 350 Seiten untergebracht. Auch Wolfgang Niedecken (BAP) äussert sich zu seinem Vorbild: "Ein solches Buch hat gefehlt". Recht hat er, der Wolfgang.

Mein Tipp an ältere und jüngere Leser gleichermassen: Schaut Euch das Buch im Laden an. Überlegt dann mal (die Älteren unter Euch), ob da nicht irgendwo auf dem Estrich noch ein paar alte Cohenplatten oder Kassetten rumlümmeln. Holt die runter, kauft Euch das Buch, lest das Buch und lasst die Platten laufen. Kerze dazu, einen feinen Tee, und Eintauchen ins Bildermeer ­ wow, das war eine gute Zeit, die alte Zeit. Auch dank Cohen. Die jüngeren können das auch machen. Einfach bei den Eltern nachfragen, wo denn die Cohen-Platten von früher seien. Irgendwo tauchen die dann schon auf. Und sonst gibt es gute Sampler in den Geschäften.

Was ich mir, eben aus dem Grund, dass Leonard Cohen doch eher die Mittfünfziger anspricht, noch gewünscht hätte. Einen Sampler mit den grossen Hits des Meisters als Beigabe zum DTV-Band. Das wäre ein Service. Aber alles darf mensch ja nicht verlangen.

Website: www.leonardcohen.com

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