
Demnächst
Minority Report (Start: 03.10.02)
Bent it like Beckham - Pro (03.10.02)
Bent it like Beckham - Contra (03.10.02)
K-Pax (10.10.02)
The Pianist (10.10.02)
The sweetest Thing (10.10.02Aktuell
Spider (2. Woche)
My big fat Greek Wedding (11.)Portrait
Takeshi Kitano (Jap)
Science-Fiction-Thriller | "Minority Report" von Steven Spielberg | mit Tom Cruise
Schwarz-Weiss-MalereiEin düsterer Thriller über totale Überwachung, die Zukunft unserer Konsumgesellschaft und die Fehlbarkeit von scheinbar perfekten Systemen.
Von monika.wernli
plebs.ch. Der Film basiert auf einer Kurzgeschichte des Science Fiction Autors Philip K. Dick, der auch schon die Vorlage für Blade Runner lieferte. Wir befinden uns in Washington, D.C., im Jahre 2054, wo schon seit Jahren kein Mord mehr stattgefunden hat; dies ist einer experimentellen Verbrechensbekämpfungseinheit namens Pre-Crime zu verdanken, die Verbrechen verhindert, bevor sie geschehen können. Das Herz der Einheit bilden die Pre-Cogs, drei Individuen mit präkognitiven Fähigkeiten, die in einer Art künstlicher Dämmerzustand gehalten werden und die jeweils vor einem Mord Visionen haben. Ihre Visionen werden in Bilder umgesetzt und ausgewertet; daraufhin greift eine Spezialtruppe ein, um den zukünftigen Mörder dingfest zu machen und so die potentielle Straftat zu verhindern. Auf der Oberfläche scheint das System unfehlbar und effektiv und nach 6-jähriger Testphase soll es nun national eingesetzt werden. Doch da geschieht etwas Unerwartetes; die Pre-Cogs identifizieren John Anderton (Tom Cruise), den Leiter der Pre-Crime Abteilung als den Täter in einer ihrer Mordvisionen. Anderton gelingt die Flucht und er macht sich daran herauszufinden, warum er in genau 36 Stunden einen Mann töten wird, den er noch nie gesehen hat. Bei seinen Nachforschungen stösst Anderton auf den sogenannten Minority Report, ein Phänomen das darauf hinweist, dass einer der Pre-Cogs eine von den andern zwei abweichende Vision hatte, wobei aber das System angewiesen wird, diesen Minority Report zu ignorieren und zu löschen. Es gibt nur eine einzige Möglichkeit, trotzdem an den Minority Report heranzukommen...
Der Film wartet mit spannenden Verfolgungsjagden, atemberaubenden Special-Effects und unerwartenden Wendungen auf. Die Bilder sind in kühlen Blautönen gehalten und die Ausstattung vermittelt ein Gefühl der Kälte und Isoliertheit. Steven Spielberg ist trotz einiger kleiner Ungereimtheiten (wie sonst wäre es erklärbar, dass ein stark kurzsichtiger Mann seine Brille zuhause vergessen kann) ein tiefgründiger und zum Nachdenken anregender Film gelungen, der zwar als Sci-Fi-Thriller daherkommt, im Grunde aber grundlegende Fragen unserer Zeit zu beantworten versucht. So beschäftigt sich der Film etwa damit, wie unsere Konsumgesellschaft in 50 Jahren aussehen wird. Spielberg entwickelt ein ziemlich erschreckendes Szenario, wo Werbung noch viel interaktiver ist als heute und darüber hinaus persönlich auf den Empfänger zugeschnitten ist. Ausserdem thematisiert er die totale Überwachung durch den Staat mittels eines Netzhaut-Scans, dem das Individuum beim Passieren des öffentlichen Raumes immer wieder unterworfen ist, und wie diese Überwachung es ermöglicht, jemanden praktisch immer und überall ausfindig zu machen. Der Film argumentiert zudem, dass kein System unfehlbar ist und dass auch das beste System manipuliert werden kann. Eine weitere Frage, die aufgeworfen (und auch beantwortet) wird, ist die, was einen gewöhnlichen Menschen dazu bringen kann, jemanden umzubringen, den er 24 Stunden davor noch nie gesehen hatte.
Wenn man am Film etwas kritisieren wollte, dann ist es die Tendenz zur Schwarz-Weiss-Malerei, der sich Spielberg leider nicht immer erfolgreich zu entziehen vermag. Auch wenn ein System Fehler aufweist und manipulierbar ist, muss das noch nicht unbedingt heissen, dass man es darum ganz verwirft; anstatt nach dem perfekten System zu suchen, gäbe es vielleicht alternative Möglichkeiten ein nicht ganz perfektes System sinnvoll zu nutzen. Auch die Überwachung durch den Staat wird zuwenig kritisch hinterfragt, obwohl dies vielleicht dazu führen würde, Verbrecher schneller ausfindig machen zu können, schränkt es doch gleichzeitig die persönliche Freiheit es Individuums aufs Massivste ein. Bleibt zu hoffen, dass sich diese Zukunftsvisionen so nicht erfüllen werden.
Website: www.minorityreport.de
Komödie | "Bend It Like Beckham" von Gurinder Chadha
Nicht nur für Fussball-FansEine spritzige Multikulti-Komödie über Fussball, das Erwachsenwerden und traditionsbewusste Eltern, die in Grossbritannien die Kinocharts stürmte.
Von monika.wernli
plebs.ch. Jess (Parminder Nagra) ist 18, Inderin und wächst in einer traditionsbewussten indischen Familie auf. Ihre ausgezeichneten schulischen Leistungen veranlassen ihre Mutter dazu, in ihr eine zukünftige Staranwältin zu sehen. Als pflichtbewusste indische Tochter sollte sie jedoch auch lernen "Chapatti" zuzubereiten und sich einen indischen Mann suchen, der ihren Eltern genehm ist, nun da ihre Schwester demnächst heiratet. Doch statt Männer und Kleider hat Jess nur eins im Kopf: Sie spielt lieber Fussball mit den Jungs, statt mit ihnen zu flirten. Ihr grosses Vorbild ist Manchester-United-Star-Kicker David Beckham, dessen Poster über ihrem Bett sie auch all ihre Sorgen anvertraut. Eines Tages wird sie im Park von Jules (Keira Knightley) angesprochen, die sie einlädt, beim örtlichen Frauen-Team, den Hounslow Harriers mitzuspielen. Während ihre Eltern glauben, Jess habe einen Sommer-Job, trainiert sie mit dem Team. Dank Jules und Jess spielt das Team so erfolgreich, dass gar ein Headhunter aus den USA auf sie aufmerksam wird.
"Bend It Like Beckham" nimmt auf spielerische Weise kulturspezifische Traditionen in England lebender Inder aufs Korn. Dabei vernachlässigt der Film es aber nicht auf Probleme einzugehen, die im Zusammenleben in einem multikulturellen Umfeld notwendigerweise entstehen. Während einige der Jungen schon mehr in der englischen Kultur zuhause sind, übt das Vorhandensein einer umfangreichen indischen Gemeinde doch einen ziemlichen Druck auf die älteren Familienmitglieder aus, sich traditionsgemäss zu verhalten. Als Jess gesehen wird, wie sie einen vermeintlichen weissen Jungen (der eigentlich ihre Freundin Jules, die ziemlich kurze Haare hat, ist) umarmt, lösen die Eltern des Verlobten ihrer Schwester die Verlobung. Obwohl diese kulturspezifischen Konflikte angesprochen werden, erweisen sie sich nicht als unüberwindbar. Als Jess Eltern merken, wie wichtig ihr Fussballspielen ist, geben sie nach und erlauben ihr sogar, ein Sportstipendium in Kalifornien anzunehmen. Doch nicht alle Konflikte sind kultureller Natur: Jules Mutter (genial gespielt von Juliet Stevenson), obwohl der weissen Mittelklasse entstammend, ist genauso entsetzt darob, das ihre Tochter nur Fussball im Kopf hat - wie Jess Mutter. Zudem wird sie noch von der Angst geplagt, dass Jules gegenüber Jess lesbische Neigungen entwickelt. Dem ist jedoch nicht so, denn beide Mädchen haben sich in den zurückhaltenden Joe (Jonathan Rhys-Meyers), den irischen Trainer ihres Teams verguckt, was allerlei Komplikationen nach sich zieht, denn, zum einen ist es Joe nicht erlaubt, sich mit einer seiner Spielerinnen einzulassen und zum andern finden es Jess' Eltern unmöglich, dass sie sich mit einem Weissen eingelassen hat.
"Bend It Like Beckham" ist ein richtiges Feelgood-Movie mit erfrischend natürlich agierenden Schauspielern, unterhaltsam, mit einem versöhnlichen Ende - und sicher nicht nur für Fussball-Fans.
Website: www.kickitlikebeckham.de
Komödie | "Bend It Like Beckham" von Gurinder Chadha
Kick it like BeckhamEndlich ist auch der Fussballgott eine Frau. Aber vielleicht, weil es im Hinduismus nicht nur einen Gott gibt, beginnt ein Kampf zwischen Tradition und individuellen Bedürfnissen.
Von werner.rohner
plebs.ch. Die 18-jährige Jess (Parminder Nagra) ist von der Fussballgöttin reich mit Ballgefühl gesegnet worden. Das bemerkt auch die gleichaltrige Jules (Keira Knightley), die Jess beim Kicken mit ihren Freunden im Park beobachtet hat und zu einem Training bei ihrem Girls-Klub überredet. Jess ist begeistert und wird auch gleich als Leistungsträgerin ins Team integriert. Doch als ihre traditionell indischen Eltern davon erfahren, verbieten sie ihr den Spass. Stattdessen drängen sie Jess zur Heirat mit einem Inder und zu einem Anwaltsdiplom.
Wenn ich sage, dass am Schluss alles gut kommt, verrate ich nichts. Natürlich müssen vorher noch einige Konflikte ausgetragen und überwunden werden. So sind beispielsweise die beiden Mädchen in den gleichen Typ verknallt, der auch noch ihr Trainer ist. Und Jess´ Schwester muss glücklich verheiratet werden, was dem Zuschauer ein paar schöne Bilder beschert, während sich Jules mit ihrer WHAM!-hörenden Mutter rumschlagen muss. Wer aber glaubt, er könne seine Entzugserscheinungen von der WM zum Verschwinden bringen, sieht sich enttäuscht. Beinahe alle Fussballbilder sind Nahaufnahmen und sehen zwar technisch oft gut aus, mehr aber nicht. Und auch wenn der Film wohl den Anspruch hat, gewisse Klischeevorstellungen zu brechen, so erhärtet er doch dafür ein paar andere.
Alles in allem ist es ein angenehmer Film, ohne grosse Höhepunkte, aber auch ohne jede Langeweile. Mit "Billy Elliott", mit dem er oft verglichen wird, kann er es aber an Authentizität und Intensität nicht aufnehmen.
Website: www.kickitlikebeckham.de
Drama | "K-Pax" von Iain Softley | mit Kevin Spacey, Jeff Bridges
Nicht von dieser Welt?Oscarpreisträger Kevin Spacey in einem Film in dem es schwer fällt zwischen Wahrheit und Erfundenem zu unterscheiden.
Von daniel.mitze
plebs.ch. Prot (Kevin Spacey) wird von der Polizei mitgenommen, nachdem er Zeuge eines Überfalls wurde. Als dieser angibt, er käme vom Planeten K-Pax, wird er in psychatrische Behandlung gegeben und gelangt schliesslich in die Hände von Dr. Mark Powell (Jeff Bridges). Dieser hält ihn erst für einen normalen Patienten, doch als Prot ihn mit Wissen über Galaxien konfontiert, die nur eine handvoll Astronome kennt, beginnt dieser sich mehr für die Geschichte Prots zu interessieren. Doch die Zeit drängt, da Prot in absehbarer Zeit die Heimkehr antreten will. Nun kommt es in Dr. Powell zum Konflikt, ob er Prot glauben kann oder ob dieser einfach nur durchgeknallt ist. Die Zeit drängt, dies rauszufinden.
Kevin Spacey überzeugt einmal mehr und verkörpert diesen gutmütigen, ausgegelichenen Menschen, der anders ist als alle anderen. Als Zuschauer weiss man nicht, ob man ihm nun glauben kann oder nicht - und somit ist man während des Films durch einige Überraschungen in der Story hin- und hergerissen. Dies macht den Film spannend und baut eine interessierte Atmosphäre auf, die durch einen Touch an Menschlichkeit und Emotionen verstärkt wird.
Zusammenfassend sehr angenehmer Film für Leute, die auch ein wenig Anspruch im Kino haben.
Website: www.k-pax-film.de
Drama | "The Pianist" von Roman Polanski | mit Adrien Brody, Thomas Kretschmann
Warschau 1939"The Pianist" von Roman Polanski zeigt nochmals die Grausamkeit der Judenverfolgung im Warschau des 2.Weltkrieges, und setzt dieser den wundersamen Ueberlebenskampf des jüdischen Pianisten Wladyslaw Szpilman entgegen. Der Film basiert auf einer wahren Geschichte und ist der Gewinner des diesjährigen Filmfestivals von Cannes.
Von reto.draeger
plebs.ch. Als die deutschen Truppen 1939 in Warschau einmarschieren, beginnt für Szpilman und seine Familie eine Zeit des Schreckens. Nach der Umsiedlung ins Warschauer Ghetto spielt er Piano in einem Café, um die Familie notdürftig über Wasser zu halten. Als seine Familie 1942 ins Konzentrationslager kommt, kann er sich dank einem jüdischen Polizisten, der für die Deutschen arbeitet, verstecken. Ein jüdischer Freund vermittelt ihm eine "Arbeit" auf einer deutschen Baustelle ausserhalb des Ghettos. Als Gegenleistung hilft er, Waffen ins Ghetto zu schmuggeln. Eines Tages sieht er eine ehemalige polnische Bekannte, darf sie jedoch nicht ansprechen. Er beschliesst zu fliehen und wird von polnischen Freunden versteckt. Die folgenden Jahre verbringt er versteckt in leerstehenden Wohnungen und wird von polnischen Untergrundkämpfern versorgt. Als das Haus, in dem er sich versteckt, von den Deutschen zerstört wird, weil sie Untergrundkämpfer darin vermuten, muss er erneut fliehen. Er irrt durch das zerstörte Warschau (wobei man sich fragt, wie diese echten Aufnahmen entstanden sind!), versteckt sich schliesslich in einem noch halbwegs intakten Haus und wird von einem deutschen Offizier entdeckt. Dieser fragt ihn aus, erfährt, dass er Jude und Pianist ist und verlangt von ihm, etwas zu spielen auf dem Klavier, das im selben Raum steht. Szpilman spielt, zum ersten Mal seit Jahren und wird vom Deutschen verschont. Er muss dem Deutschen sein Versteck zeigen und wird während der letzten Kriegstage von ihm mit Nahrung versorgt. Schliesslich kommen die Russen, Szpilman hat überlebt. Doch nun gerät der deutsche Offizier in Gefangenschaft und muss um sein Leben kämpfen. Er weiss, Szpilman ist seine einzige Chance.
Der Film basiert auf dem Buch, das Szpilman 1946 über seinen Ueberlebenskampf geschrieben hat. Regisseur Roman Polanski kennt die Judenverfolgung und das Ghetto aus eigener Erfahrung, seine Mutter wurde in Auschwitz umgebracht. Mit "The Pianist" hat er aber mehr als bloss einen weiteren Film über die Judenverfolgung gemacht. Während dieser im ersten Drittel des Films in äusserst derben Bildern gezeigt wird, ist der Rest des Films mehr ein Thriller, in dem man mit Szpilman (beeindruckend von Adrien Brody gespielt) mitleidet und kämpft. Die Tatsache, dass er überlebt, ohne zu zerbrechen, macht den Film auch zu einem Plädoyer, für den Willen zu kämpfen, den Mut zu helfen und die Kraft der Musik. Ein überwältigender Film, den man nicht so schnell vergisst.
Komödie | "The sweetest Thing" von Roger Kumble | mit Cameron Diaz, Christina Applegate, Selma Blair
Viel Sex und FrauentratschDie Geschichte dreier verrückter Frauen mitten in San Fransisco, die sich verschiedene Männer um die Ohren schlagen und eine ganze Menge Chaos veranstalten.
Von fabienne.glardon
plebs.ch. Sie (Cameron Diaz, Cristina Applegate und Selma Blair) führen ein angenehmes Leben in der prickelenden Stadt San Fransisco und nehmen das Leben auf die leichte Schulter. Beziehungen haben sie schon lange abgeschrieben und sich geschworen, sich von Männern nie wieder das Herz brechen zu lassen, stattdessen brechen sie Männern das Herz. Ihre Lebenslust beschert dem Trio schon mal ein paar peinliche Sexpannen. Doch natürlich lauert die Liebe auch ihnen auf (auch Macho-Frauen haben schliesslich einen weichen Kern) und da wird es dann gleich noch 'ne Runde chaotischer und wilder für dieses eingefleischte Trio. Christina Walker (Diaz) findet ihren Traummann, sie reisen ihm zur angeblichen Hochzeit seines durchgeknallten Bruders nach, die sich aber als seine eigene herausstellt. Doch die Liebe zwischen den beiden findet dann doch noch ihren Weg. Was wäre ein solcher Film schon ohne Happy End?!
"The Sweetest Thing" von Regisseur Roger Kumble hat etwas von einem Roadmovie, etwas von einer Lovestory und vorallem viel Sex und Frauentratsch. Ein Spass für alle, die "Verrückt nach Mary" mochten, aber sicher auch eine witzige Unterhaltung für alle anderen: Für Frauen, die ihrem Männerfrust Luft machen wollen, und für Männer sicher einen Augenschmaus.
Website: www.super-suess-und-super-sexy.de
Drama | "Spider" von David Cronenberg | mit Ralph Fiennes, Gabriel Byrne
Schauspielerische GlanzleistungSchlimmer als das Gedächtnis zu verlieren,
ist es wieder zu finden.Von fabienne.glardon
plebs.ch. Spider (Ralph Fiennes) kehrt nach jahrelangem Aufenthalt in einer psychiatrischen Klinik ins Londoner Est-End zurück, wo er seine Jugend verbracht hat. Im dortigen Rehabilitationszentrum muss er das Leben neu erlernen. Parallel zu seiner Wiedereingliederung versucht er, die Geschehnisse seiner Kindheit zu rekonstruieren und setzt ein Stück nach dem anderen wie ein Puzzle wieder zusammen.
Er versucht das Trauma des Verlusts seiner Mutter (Miranda Richardson) zu verarbeiten, für dessen Tod er die Prostituierte Yvonne (ebenfalls gespielt von Miranda Richardson) und seinen Vater (Gabriel Byrne) verantwortlich macht. Durch seine Wiederherstellung der Vergangenheit gerät er an die Grenzen seiner gebrechlichen psychischen Verfassung. Es geht so weit, dass er anfängt in der Heimleiterin die Prostituierte Yvonne zu sehen. Schliesslich gelingt es ihm das Puzzle zu vervollständigen und die verdrängte Wahrheit über seine Kindheit aus seinem tiefsten Inneren hervorzubringen. Doch diese Wahrheit ist für seinen Verstand schwer erträglich.
David Cronenbergs Filme sind bekannt für ihre Spannung, sein Talent für atmosphärisch dichte Filme ist unumstritten. Mit "Spider" ist ihm ein Film gelungen, der gleichzeitig verwirrend und kompliziert ist und eine knisternde Spannung enthält. Die Glanzleistung von Ralph Fiennes in der Rolle des verstörten Spiders und Miranda Richardson in einer Tripelrolle geben diesem Film über die menschliche Psyche eine ganz besondere Wirkung. Den ganzen Film durch herrscht ein bedrückende Atmosphäre und gibt uns einen Einblick in die Welt psychisch geschädigter Menschen. Ausserdem beweist uns Cronenberg, wie verzwickt die menschliche Psyche ist und wie uns harmlos scheinende Menschen sich als Mörder herausstellen können.
"Spider" ist ein von Emotionen und Konflikten geladener Film. Die schwere Atmosphäre, die sich durch den ganzen Film zieht, lässt ihn am Anfang etwas schwerfällig und langatmig wirken. Gegen Ende des Films spitz sich die Handlung zu und diese Schwere gibt ihm dann eine knisternde Spannung.
Website: www.spiderthemovie.com
Komödie | "My big fat Greek Wedding" von Joel Zwick
Respektlos?Der Titel erinnert natürlich an Monsoon Wedding, einen langen, bunten, fröhlichen und sehr begeisternden Film aus Indien.
Von tamara.frommelt
plebs.ch. Es geht zwar in beiden Filmen um Heirat, Liebe und Familienleben in einer anderen Kultur, jedoch sieht man schon bei der Reklame für die beiden Filme, dass nun mal "...Greek Wedding" aus der amerikanischen Massenproduktion stammt und deshalb kulturell eher nicht so wertvoll und vielleicht sogar respektlos ist.
Doch so schlimm ist es gar nicht. Aber mit Klischees wird das Publikum dennoch noch und nöcher konfrontiert: Voula lebt mit ihrer Sippe schon seit Kindesbeinen in New York, arbeitet im Familienrestaurant "Dancing Zorbas" und wird, mit ihrem Alter jenseits der 25, von allen Angehörigen terrorisiert. Wieso? Weil sie noch keinen reichen, gutaussehenden Ur-Griechen an der Angel hat, mit dem sie wie ihre grosse Schwester, drei griechische kleine Kindlein produzieren könnte.
Es kommt wie es kommen muss: Die deprimierte junge Frau hat schon immer alles gemacht, was sie nicht sollte, und lernt deshalb einen Amerikaner kennen und lieben. Für ihren Vater ist dies noch schlimmer, als wenn ganz Griechenland im Meer versinken würde. Und somit darf der Kinobesucher mit dem Paar bald über diverse Hindernisse schreiten.
Website: www.ascot-elite.ch/mybigfatgreekwedding
Porträt | Das Multitalent Takeshi Kitano
Wunderkind KitanoSeit seinem neusten Filmprojekt "Brother" ist der Japaner Takeshi Kitano wahrscheinlich nicht mehr nur ein Geheimtipp unter Cineasten und Japan-Freaks beziehungsweise seriösen Japanologen. Was der 55-Jährige schon alles erschaffen hat, ist äusserst bewundernswert.
Von tamara.frommelt
plebs.ch. Der Allrounder Kitano war bisher an rund 17 Filmprojekten beteiligt, sei es als Schauspieler, Regisseur und Autor oder gar beides. Nicht zu vergessen die Gameshow "Takeshi's Castle", die zumindest in Deutschland recht erfolgreich war.
Seine Karriere begann nach einem abgebrochenen Studium an der Meiji Universität (1967) und etlichen Gelegenheitsjobs im Showbiz als Standup-Komiker auf der Bühne eines obskuren Strip-Lokals in Asakusa. Bald war klar, dass sich der Mann in der Haut des Entertainers am wohlsten fühlte. Er rief mit einem Freund das Komikerduo "The Two Beats" ins Leben - daher sein Künstlername "Beat Takeshi", den er noch heute für alle Auftritte vor der Kamera verwendet. Anfang 80er Jahre jedoch brach das Duo auseinander, was aber Kitanos Erfolg nicht bremste. Im Gegenteil: Bis 1994 war er mit neun verschiedenen Sendungen im japanischen TV vertreten.
Ein Motorradunfall in diesem Jahr unterbrach diese Omnipräsenz kurz, aber auch dadurch liess sich der arbeitswütige Mensch trotz halbseitiger Lähmung des Gesichtsnervs nicht unterkriegen.
Bei all dem müsste man meinen, Takeshi sei stets totemo isogashii, doch er selbst bestreitet das. Für ihn gibt es keine Arbeit, für ihn ist das Ganze purer Spass.Widersprüchlicher Charakter? Spass bereitet auch das Verfolgen der Sendung "Takeshi's Castle" in der die Kandidaten in verschiedenen Geschicklichkeitsprüfungen versuchen, bis zum Schloss Takeshis vorzudringen, um den "Regenten" im Panzer schliesslich in einem spannenden Showdown mit der Wasserpistole zu treffen. Dass das alles in einem auffallenden Gegensatz zu Kitanos Filmprojekten steht, fällt einem als erstes auf wenn, man sich mit dem Japaner etwas näher befasst. Im sensiblen Film "Hana-Bi", der Kitano 1997 nicht nur den Goldenen Löwen in Venedig, sondern auch den europäischen Filmpreis einbrachte, sieht man Kitano nicht mehr als lächelnden Fürsten, sondern als fürsorglichen Ehemann einer todkranken Frau und schweigsamen und stillen Polizisten Nishi. Nichts Besonderes, wären da nicht die brutalen (- weil realistischen) Gewaltszenen, in denen die Hauptfigur wie ausgewechselt erscheint. Doch in ihrem Gesicht sucht man vergeblich nach Anzeichen der Veränderung. Nachdem also Nishi ohne jegliche Bedenken ein paar Gangster ins Jenseits geschickt und eine Bank in Polizeiuniform ausgeraubt hat, fährt er mit seiner Frau ans Meer und zum Fuji-san.
Preisgekrönt. Die Gewalt und die meditative Ruhe scheinen sich durch Kitanos Filme wie ein roter Faden zu ziehen. Ohne Unterbrechung konfrontiert er den Zuschauer mit dem Tod. Aber keiner bleibt dabei so "cool" wie Kitano, der sich in seinem neusten und erstmals amerikanisch-koproduzierten Werk ("Brother", 2000) gelassen dem Kugelhagel stellt. Doch hinter der ganzen Gewalt steckt etwas viel Tieferes. Es geht nicht einfach nur ums Töten. Am besten sieht man sich einfach seine allesamt herausragenden Werke an, um sich ein Bild zu machen. Zu meinen Lieblingsschauspielern- und Regisseuren zählt Takeshi natürlich schon lange. Freuen wir uns auf kommende Taten des Filmkünstlers.