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"Tristan und Isolde" von Kevin Reynolds
(Romanze / Epos / Drama) | Ascot Elite
Altbekanntes in neuem Gewand
In einem dunklen und unwirtlichen England
im tiefsten Mittelalter ringen die zwei jungen Liebenden Tristan
und Isolde mit ihren Gefühlen füreinander. Im Zeitalter
der Remakes bleibt auch der Legendenklassiker von der unsterblichen
und gleichzeitig unerfüllten Liebe zwischen Tristan und
Isolde vor einer Neuinterpretation nicht verschont. Kevin Reynolds'
Filmspektakel setzt auf Altbewährtes.
Von Basil Böhni.
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Geschmeidig streichelt der Wind die Grashalme,
welche im üppigen Masse die Hügellandschaften des mittelalterlichen
Englands zieren. Immer wieder eintauchend in einzelne Nebelschwaden,
nähern wir uns einem unruhigen Kaninchen. Hinter diesem
erspähen wir einen jungen, hochkonzentrierten und eifrigen
Knaben, der es kaum erwarten kann, sein erstes Tier zu erlegen.
Von der Jagd mit seinem Vater zurückkehrend, wächst
Tristan (Thomas Sangster als junger Tristan) in einem kleinen
Dorf auf. Doch die Idylle trügt. Die untereinander zerstrittenen
englischen Stämme werden während einer Versammlung
von irischen Truppen überrascht und niedergemetzelt. Nur
wenige überleben, darunter auch Tristan. Die dramatische
Konfrontation mit der harten Realität und dem Verlust seiner
Eltern prägen Tristan sehr und wecken in ihm einen ungebrochenen
Kampfgeist. Doch in einer seiner unzähligen Schlachten wird
er schwer verletzt und für tot erklärt. Seinen Körper
wird, in ein Boot gebettet, dem Meer überlassen. Tage später
wird er von Isolde (Sophia Myles) an einem irischen Strand entdeckt
und gesund gepflegt. Es dauert nicht lange und die beiden verlieben
sich ineinander. Doch Tristan (James Franco) wird gezwungen,
Irland und somit auch Isolde wieder zu verlassen, da der irische
König (David Patrick O'Hara), Isoldes Vater, von seiner
Präsenz vernommen hat und nach ihm suchen lässt. Zurück
in England wird Tristan als auferstandener Held gefeiert, doch
er ist nicht mehr derselbe und trauert seiner irischen Liebe
nach. Als er spitz kriegt, dass der irische König den englischen
Stämmen als Friedenszeichen ein Geschenk machen will, reist
er, zusammen mit anderen Stammesmitgliedern, zurück nach
Irland. Aus einer Reihe von Einzelkämpfen tritt er als Sieger
hervor und gewinnt Isolde als Gemahlin für seinen Stiefvater
Lord Marke (Rufus Sewell). Zurück in England ist ihre Liebe
aus gesellschaftlichen Gründen dazu verdammt, im Geheimen
gelebt zu werden.
Atmosphärisch
Kevin Reynolds' neue Verfilmung vom Tristan-und-Isolde-Stoff
kommt aufwändig und üppig ausgestattet daher. Gedreht
wurde teils vor Ort, also in Irland, und teils in der Tschechischen
Republik. Das Produktionsdesign ist auf gelungenem Hollywood-Niveau.
So kommen die Kulissen grösstenteils wirklich unverschönt
dunkel, ruinenhaft (für Irland) nach keltischen Einflüssen
und erhaben, eindrücklich (für England) nach römischen
Einflüssen daher. Die Natur und ihre Stimmungen werden sehr
schön in Weitwinkelaufnahmen eingefangen und dienen nicht
selten auch als Seelenlandschaft. Besonders der in England spielenden
Handlung dient die natürliche Umwelt auf der Gefühlsebene
oft als eine Art Spiegel. Die von den Schauspielern mehr oder
weniger überzeugend gespielten Gefühle werden verstärkt
durch die gelungene Filmmusik Anne Dudleys, einem Neuling in
diesem Genre, welche sich mit ihrer Komposition auf einem, zum
Film passenden, intimeren Level mit vielen leisen und verträumten
Klavierpassagen hält.
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Mit Ausnahme von ein paar Kleinigkeiten
haben sich die Macher konsequent an die literarische Vorlage
gehalten. So muss in der hiesigen Version kein "Zaubertrunk"
helfen, die Liebesfunken zwischen Tristan und Isolde zu einem
prasselnden Feuer zu entfachen und auch das dramatische Ende
der Legende wird dem Zuschauer erspart. Der Legende nach stirbt
am Schluss Isolde vor Kummer am Totenbett von Tristan. Was manche
wahrscheinlich etwas enttäuschen wird, ist, dass sich die
Macher auch bezüglich dem zeitlichen Rahmen, in dem die
Geschichte spielt, nicht auf Neuland begeben haben (wie dies
etwa in der populären "Romeo und Julia"-Verfilmung
von Baz Luhrmann von 1996 erfolgreich gemacht wurde).
In der Tatsache, dass sich die Macher so konsequent an die Vorlage
gehalten haben, liegt gleichzeitig auch die eigentliche Schwäche
des Films: man vermisst Originalität und kann dabei unzählige
Parallelen ziehen zu ähnlichen Genre-Vorgängern. Ob
dies nun daran liegt, dass sich die Macher von "Tristan
and Isolde" die einen oder anderen Tricks und Effekte bei
den Vorgängern abgeguckt haben, oder ob die Vorgänger
sich vom literarischen All-Rounder zu ihren jeweiligen Werken
haben inspirieren lassen, ist indes nicht klar ersichtlich. Wahrscheinlich
macht es wie immer der Mix!
Altbekanntes
Wie im vorherigen Abschnitt angesprochen, trifft der mehr oder
weniger passionierte Kinogänger während des gesamten
Films immer wieder auf Selbstzitate des Regisseurs aus früheren
eigenen Werken, namentlich "Robin Hood: Prince of Thieves"
(1991), oder aber auch auf Altbekanntes aus Filmen wie "Gladiator"
(2000) und "Braveheart" (1995). Besonders die etlichen
im Wald spielenden Szenen erinnern stark an Reynolds' äusserst
erfolgreiches Robin Hood-Spektakel. Parallelen zu "Braveheart"
drängen sich allein schon wegen der gemeinsamen Szenerien
von Irland und England auf. Dass die beiden Filme in einem ähnlichen
Zeitfenster spielen, es auch bei "Braveheart", wenn
auch nur in einer Nebenhandlung, zwischen zwei Parteien funkt,
deren Liebe ebenfalls nicht öffentlich gelebt werden kann,
und beide Filme einen ähnlichen dramaturgischen Storyaufbau
vorweisen (Beginn in der Kindszeit des "Helden", dramatisches
Ereignis durch Verlust der Eltern etc.) verstärkt die Parallelen
zusätzlich. Auch Erinnerungen an das erfolgreiche "Gladiator"-Sandalenepos
von Ridley Scott werden wach, wenn Tristan in Irland Einzelkämpfe
austrägt, um Isolde zu gewinnen (was nicht allzu stark überrascht,
da Ridley und sein Bruder, Tony Scott, dem Film als ausführende
Produzenten zur Seite standen). Die Kämpfe strahlen eine
ähnlich raue, primitive Austragungsart aus.
Dieses Suchen und Finden von Anleihen an vorangegangene Werke
des Genres mögen für den einen interessant sein und
einen zusätzlichen Unterhaltungswert dem Kinobesuch hinzufügen,
für den anderen kann es jedoch auch eine kleine Enttäuschung
oder gar ein Ärgernis sein.
Fazit
"Tristan and Isolde" ist
solide gemachtes, stimmiges und atmosphärisch stellenweise
packendes Unterhaltungskino für einen kurzweiligen Abend
(zu zweit). Für wahre Cineasten jedoch wird der Film wahrscheinlich
mit der nächsten Flut in den unendlichen Meeren des Genres
als Durchschnittsware versinken. Denn zu mehr fehlt dem Film
ganz einfach das gewisse Etwas, welches seine berühmteren
Vorgänger mitbrachten.
Seit dem 18. Mai 2006 im Kino.
Originaltitel: Tristan and Isolde (UK
/ USA 2006)
Regie: Kevin Reynolds
Darsteller: James Franco, Sophia Myles, Rufus Sewell, David Patrick
O'Hara
Dauer: 123 Minuten
CH-Verleih: Ascot Elite
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