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Nr. 144 / Juni 2006

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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"Hwal - The Bow" von Kim Ki-Duk (Kammerspiel) | Filmcoopi
Ein koreanisches Kammerspiel

Nach "Samaria" und "Bin-Jip" inszeniert der Koreaner Kim Ki-Duk eine Dreiecksbeziehung im Mikrokosmos eines Fischerbootes, ohne dass je Land in Sicht ist.

Von Oswald Iten.

Das verlebte Gesicht des wortkargen 60-jährigen Fischers erinnert sofort an Hemingways Novelle "The Old Man and the Sea". Doch "Hwal - The Bow" erzählt nicht vom Kampf mit einem Fisch, sondern von der Beziehung des Fischers zu einem gut 16-jährigen Mädchen, das er vor zehn Jahren auf sein Boot geholt und seither nie mehr an Land gelassen hat. An ihrem 17. Geburtstag will er sie heiraten.

Eine heikle Harmonie
Es gelingt Kim Ki-Duk, die wortlose Vertrautheit des ungleichen Paares zu zeigen, ohne den alten Mann zum Lüstling zu degradieren. Während das Mädchen einzig mit Blicken kommuniziert, dient dem Alten zusätzlich der titelgebende Pfeilbogen als Ausdrucksmittel seiner Gefühle. In fragmentarischen Nahaufnahmen zeigt uns Kim Ki-Duk gleich zu Beginn, wie der Alte aus dem Bogen ein fiddle-ähnliches Musikinstrument bastelt.
Mit Hilfe des gleichen Bogens wehrt er sich mit Warnpfeilen und Drohgebärden gegen jene Passagiere seines Fischerbootes, die ihr Augenmerk nicht nur auf die Fische richten. Der Bogen als ständiger Begleiter scheint über die Jahre zu einem Teil des alten Mannes selbst geworden zu sein. So sagt er den übrigen Fischern in einem Wilhelm-Tell-artigen Schiessritual mit Hilfe des Mädchens deren Zukunft voraus.

Die unvermeidliche Störung
Erst als in Gestalt eines angelnden Studenten die Aussenwelt zum ersten Mal das Interesse des Mädchens weckt, wird die Harmonie ernsthaft gestört. Aus väterlicher Liebe wird Eifersucht, und der alte Mann sieht ein, dass die Zeit gegen ihn arbeitet. In der Verzweiflung versucht er, dieser Tatsache auf seine Art entgegenzuwirken, während das Mädchen provokativ einen seiner Pfeile zerbricht. Schlussendlich fordert der Student, der die junge Frau aus der Abhängigkeit befreien möchte, das Schicksal heraus, indem er den alten Mann dazubringt, zu prophezeihen, wer von beiden die junge Frau bekommen wird.

Bis zu diesem Zeitpunkt überzeugt "Hwal - The Bow" dank des subtil herausgearbeiteten Beziehungswandels des Paares vor allem als naturalistisches Kammerspiel (das Setting des Bootes wird nie verlassen). Doch zunehmend tritt die mystische Dimension stärker in den Vordergrund. Auf den ersten Blick erscheint es (man verzeihe mir den Kalauer), als ob Kim Ki-Duk den Bogen etwas überspanne. Doch bei genauerer Betrachtung legt der Film von Anfang an eine metaphorische Lesart nahe.

Übernatürliche Schönheit
Während die starken Farben von Fahnen und Gewändern organisch in die sonst kargen Bilder einfliessen, macht vor allem die schwelgerische Musik vom ersten Ton an unmissverständlich klar, dass die Melodien der koreanischen Fiddle unmöglich dem im Bild gezeigten Instrument des Alten entstammen können. Trotz der irritierenden Asynchronität vermittelt sie aber die Emotionen und die Schönheit, die diese einfache Musik in Spieler und Zuhörerin in diesem Moment hervorruft.
Besonders deutlich wird dies, als gleichartige Musik eine Szene untermalt, in der das Mädchen die Kopfhörer des Studenten trägt und damit für kurze Zeit in eine neue Welt abtaucht. Obwohl die Kopfhörer gar nicht eingesteckt sind, ist das wehmütige Musikstück an das Bild gekoppelt, denn der Ton bricht ab, als der alte Mann ihr die Hörer vom Kopf reisst.
Neben kleinen Unnötigkeiten (der Student bringt die Eltern des Mädchens ins Spiel) ist vor allem zu bemäkeln, dass "Hwal - The Bow" bei aller Schönheit keinen wirklich bleibenden Eindruck hinterlässt. Oder metaphorisch gesprochen: Was zuerst in leuchtenden Farben im Wind flattert, verschwindet bald im Meer von Eindrücken.

Ab dem 8. Juni 2006 im Kino.

Originaltitel: Hwal - The Bow (Südkorea/Japan 2005)
Regie: Kim Ki-Duk
Darsteller: Jeo-reum Han, Seong-hwang Jeon etc.
Dauer: 90 Minuten
CH-Verleih: Filmcoopi

www.tfmdistribution.com/larc/accueil.htm


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