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"Offside" von Jafar Panahi (Komödie/Drama)ÑÝFilmcoopi
Fussballfieber bei Frauen - eine Diagnose im Abseits
Wir befinden uns im Jahre 2005 während
der WM-Qualifikation zwischen Iran und Bahrain. Die Vorfreude
peitscht durch die Teheraner Strassen. Die ganze Stadt scheint
ins Stadion zu stürmen. Es ist der Anpfiff für die
Unterdrückung der Frau, der fussballbegeisterten Frau, die
draussen bleiben muss. Jafar Panahi dribbelt dieses verletzte
Frauenrecht in einem gewitzten, leichtfüssigen Schuh durch
90 (Spiel-)Filmminuten.
Von Denise Liebchen.
Kein Kinostreifen ist zurzeit so aktuell wie
dieser. Wir befinden uns im Jahre 2006. Wir stecken im WM-Countdown
und die ganze Welt scheint sich mit einer Paninisammlung auf
das Grossereignis vorzubereiten. Nicht weniger geeignet für
die Vorfreude erscheint mir dieser Film. Zusätzlich zeigt
er neben der sportlichen auch eine politische Aktualität:
Das im Film thematisierte, verletzte Frauenrecht in Iran beginnt
heute Kontroversen aufzuwerfen. Am 24. April diesen Jahres erlaubte
der iranische Präsident Ahmadinejad Frauenaugen im Fussballstadion
- seit 1979 eine Premiere. Den Sportchefs teilte er sogar
mit, dass den Zuschauerinnen die bestmöglichen Plätze
zustehen. Doch schon wenige Tage später zeigten die Ayatollahs,
führende Geistliche in Iran, dem Präsidenten die rote
Karte. Diese forderte eine Revision seiner Entscheidung, da es
gemäss dem iranischen Recht für Frauen nicht schicklich
ist, nackte Männerfüsse zu beäugen.
Im Stadion muss MAN(N) sein
Ist Fussball nun auch Frauensache?
Egal wie diese Debatte in Iran zukünftig ausgehen wird,
gemäss unserer Gegenwart, ist den iranischen Frauen der
Zutritt ins Stadion verboten.
Panahi argumentiert in diesem Streitgespräch filmisch. Die
Darsteller spielen in einer Welt, in der nicht alle Stadionbesucher
die Väter, Brüder und Männer einer Frau sind.
Ausserdem fluchen sie und das ist nicht für Frauenohren
bestimmt. Dennoch steigt die Anzahl der Fussballanhängerinnen
im Fernen Osten. Einige von ihnen beweisen sogar mehr Knowhow,
wenn es sich um das runde Ding dreht, als ihre männlichen
Gegenspieler. Genau diesen Frauen ist ein Stadionbesuch in Adonisverkleidung
es wert, möglicherweise ins soziale "Abseits"
gedrängt zu werden. Sie wollen nicht daheim, gesittet vor
dem Fernseher, das entscheidende Spiel verfolgen. Wir sprechen
hier von Massenhysterie und von Stars zum Anfassen, von denen
sie sich in ihren Bann ziehen lassen wollen. Stattdessen werden
sie aus den unterschiedlichsten Gründen im und um das Stadion
ertappt. Den witzigsten Fehler will ich an dieser Stelle verraten:
Ein ganz ausgekochtes Mädchen besorgt sich eine Soldatenuniform,
schafft es auf die Ehrentribüne und kuschelt sich dreist
in den Chefstuhl der Soldaten. Dummerweise fehlen ihr zwei Streifen
auf der (Tarn-)Uniform, um als Chefoffizier durchzugehen. Ihr
Traum zerplatzt. Das gleiche Schicksal ereilt 5 weitere verkleidete
Mädchen. Allesamt werden sie hinter dem Stadion eingesperrt
und von Soldaten bewacht, deren Mitgefühl im Takt des Films
heranwächst. Kleine Gesten der anfänglich befehlshörigen
Soldaten versprühen ihre Wärme in dem Geschlechterduell.
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Gut zu wissen
Der neorealistische Film ist wie ein
Fussballspiel. Spannung und Entspannung reichen sich die Hände.
In der "Halbzeit" steckt der Film kurzweilig in ermüdenden
Szenen fest - dennoch besitzt das Gesamtwerk einen höchst
aufweckenden, frischen Charakter. Wobei die originelle Umsetzung
der Widersprüche in der iranischen Gesellschaft einen grossen
Anteil daran hat. Interessant erscheint mir bezüglich des
Fussballrahmens ein Zitat des Regisseurs: "Hätte Iran
gegen Bahrain verloren, hätte ich den Film nicht zu Ende
gedreht." Auch ein grosses Lob soll Panahi gewährt
sein, wenn man es an sein Gespür für die Schauspielerselektion
knüpft. An dieser Stelle eine tiefe Verbeugung vor der Damenriege,
die es versteht auf der Leinwand ohne grossen Schnickschnack
zu beeindrucken. Ihnen steht mindestens der rechte Arm des Silbernen
Bären zu, dem grossen Preis der Jury, den "Offside"
dieses Jahr an der Berlinale gewonnen hat.
Und am Ende verliert immer einer! Ob es die
Mädchen im Trikot oder die Männer in Uniform sind,
die neben die Bahrainer Fussballer auf die Verliererbank verwiesen
werden, erfahren wir erst nach einem emotionalen Überraschungsmoment
kurz vor "Spielschluss". Sicher ist nur die iranische
WM-Qualifikation.
Seit dem 11. Mai 2006 im Kino.
Originaltitel: Offside (Iran 2005)
Regie: Jafar Panahi
Darsteller: Sima Mobarak Shani, Safar Samandar, Shayesteh Irani,
M. Kheyrabadi, Ida Sadeghi, Golnaz FarmaniMasood Ghiasvand
Dauer: 88 min.
CH-Verleih: Filmcoopi
www.imdb.com/title/tt0499537/
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