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Nr. 144 / Juni 2006

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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"Free Zone" von Amos Gitai (Roadmovie) | Filmcoopi
Intifada und Krieg als einzig sichere Werte

Ein stark agierendes Frauentrio macht sich in Amos Gitais neustem Film per Taxi auf den Weg von Jerusalem in eine Freihandelszone im Grenzgebiet von Jordanien zum Irak. Gut gemeint ist der Film, man hätte den Darstellerinnen aber doch ein besseres Drehbuch gewünscht.

Von Christoph Aebi.

Minutenlang verharrt die Kamera auf dem Gesicht der Amerikanerin Rebecca (Natalie Portman), die sich soeben von ihrem israelischen Verlobten getrennt hat. Wieso, bleibt wie so vieles in diesem Roadmovie bis zum Schluss ein Rätsel. Rebecca lässt ihren Emotionen freien Lauf, die Tränen kullern ihr die Backe runter während im Hintergrund "Had Gadia", ein hebräisches Klagelied über den Teufelskreis des Hasses und der Gewalt, ertönt. Erst da sieht man, dass das Auto vor der Klagemauer mitten in Jerusalem steht.

Gepanzerte Wagen statt Blumen

Am Steuer des Wagens sitzt die Israelitin Hanna, deren Mann gepanzerte Wagen baut und diese in der "Free Zone" zwischen Jordanien und Irak an Händler aus allen Ländern des Nahen Ostens weiterverkauft. Wie wir später erfahren, züchtete Hanna auf ihrer Farm einst Blumen. Nach der ersten Intifada blieben die palästinensischen Arbeiter aber weg, es kamen thailändische, welche später der hohen Arbeitslosenquote unter Israelis wegen ausgewiesen wurden. So verwelkten die Blumen, aus der Blumenfarm machte ihr Mann eine Werkstatt für gepanzerte Wagen, während Hanna begann, Taxidienste anzubieten. Da ihr Mann verletzungsbedingt transportunfähig ist, macht sie sich auf den Weg nach Jordanien, um eine grosse Summe Geld abzuholen, die "der Amerikaner", ein Geschäftspartner ihres Mannes, ihnen schuldet. Rebecca, verloren im Land ihres Ex-Verlobten, bittet Hanna, sie auf diese Reise mitzunehmen. An deren Ende treffen sie auf die Palästinenserin Leila (Hiam Abass), die ihnen mitteilt, das Geld sei verschwunden und der Amerikaner unabkömmlich.

Grenzen überwinden
Die Freihandelszone, welche im Film als Leitmotiv und Schauplatz fungiert, existiert tatsächlich. Es gibt keinen Zoll, keine Steuern und Händler aus Irak, Ägypten, Syrien, Jordanien und Israel reisen dorthin, um Autos zu kaufen und zu verkaufen. Menschen, deren Länder nicht einmal diplomatische Beziehungen zueinander unterhalten, überwinden an diesem Ort nicht nur politische Grenzen, sondern auch die Mauer in ihren Köpfen. Die Filmcrew überwand Grenzen als erstes israelisches Team, welches in Zusammenarbeit mit dem jordanischen Filminstitut ein Projekt realisieren konnte. Auch die im Film vorkommende Oase in der Freihandelszone, wo ein Palästinenser eine Waisenhausfarm für palästinensische Flüchtlinge gründete, existiert tatsächlich. Bereits zweimal wurden Versuche unternommen, sie niederzubrennen. Einmal von Palästinensern, einmal von Israelis. Auch im Film steht sie am Schluss in Flammen. So bewahrheiten sich die Worte Hannas, die sagt, das einzig Sichere in Israel seien die Intifada und der Krieg.

Starke Darstellerinnen - schwache Umsetzung
Mit diesem Film aufzuzeigen, dass aus praktischer gegenseitiger Notwendigkeit emotionale Solidarität werden kann, wenn nur die Grenzen in den Köpfen der Menschen überwunden werden können, ist dem Film zwar gelungen, trotzdem hat er zu viele Schwächen. Durch Bildüberblendungen werden die Vorgeschichten der Filmfiguren erzählt, dies nimmt dem Film aber den Drive und wirkt verwirrend und langatmig. Einige Szenen wirken statisch, die Figuren sind manchmal hart an der Grenze zum Klischee. Schade für die wirklich fantastischen Darstellerinnen: Natalie Portman, deren ausdrucksvolles Spiel ihr letztes Jahr einen Golden Globe für "Closer" bescherte, ist auch hier stark. Die Almodóvar-Muse Carmen Maura hat einen kurzen, aber prägnanten Auftritt als zukünftige Schwiegermutter Rebeccas und die in Israel als Komödiantin gefeierte Hanna Laslo spielt ihre Filmfigur mit einer Ruppigkeit und gleichzeitig mit einer so grossen Zärtlichkeit, dass ihr letztes Jahr am Filmfestival in Cannes für ihre Rolle als Hanna zu Recht der Preis als Beste Darstellerin verliehen wurde.

Ab dem 15. Juni 2006 im Kino.

Originaltitel: Free Zone (Israel, USA 2005)
Regie: Amos Gitai
Darsteller: Natalie Portman, Hanna Laslo, Hiam Abbass, Carmen Maura, u.a.
Dauer: 90 Minuten
CH-Verleih: Filmcoopi

www.imdb.com/title/tt0441761/


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