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"Free Zone" von Amos Gitai (Roadmovie)
| Filmcoopi
Intifada und Krieg als einzig sichere Werte
Ein stark agierendes Frauentrio macht sich
in Amos Gitais neustem Film per Taxi auf den Weg von Jerusalem
in eine Freihandelszone im Grenzgebiet von Jordanien zum Irak.
Gut gemeint ist der Film, man hätte den Darstellerinnen
aber doch ein besseres Drehbuch gewünscht.
Von Christoph Aebi.
Minutenlang verharrt die Kamera auf dem Gesicht
der Amerikanerin Rebecca (Natalie Portman), die sich soeben von
ihrem israelischen Verlobten getrennt hat. Wieso, bleibt wie
so vieles in diesem Roadmovie bis zum Schluss ein Rätsel.
Rebecca lässt ihren Emotionen freien Lauf, die Tränen
kullern ihr die Backe runter während im Hintergrund "Had
Gadia", ein hebräisches Klagelied über den Teufelskreis
des Hasses und der Gewalt, ertönt. Erst da sieht man, dass
das Auto vor der Klagemauer mitten in Jerusalem steht.
Gepanzerte Wagen
statt Blumen
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Am Steuer des Wagens sitzt die Israelitin
Hanna, deren Mann gepanzerte Wagen baut und diese in der "Free
Zone" zwischen Jordanien und Irak an Händler aus allen
Ländern des Nahen Ostens weiterverkauft. Wie wir später
erfahren, züchtete Hanna auf ihrer Farm einst Blumen. Nach
der ersten Intifada blieben die palästinensischen Arbeiter
aber weg, es kamen thailändische, welche später der
hohen Arbeitslosenquote unter Israelis wegen ausgewiesen wurden.
So verwelkten die Blumen, aus der Blumenfarm machte ihr Mann
eine Werkstatt für gepanzerte Wagen, während Hanna
begann, Taxidienste anzubieten. Da ihr Mann verletzungsbedingt
transportunfähig ist, macht sie sich auf den Weg nach Jordanien,
um eine grosse Summe Geld abzuholen, die "der Amerikaner",
ein Geschäftspartner ihres Mannes, ihnen schuldet. Rebecca,
verloren im Land ihres Ex-Verlobten, bittet Hanna, sie auf diese
Reise mitzunehmen. An deren Ende treffen sie auf die Palästinenserin
Leila (Hiam Abass), die ihnen mitteilt, das Geld sei verschwunden
und der Amerikaner unabkömmlich.
Grenzen überwinden
Die Freihandelszone, welche im Film
als Leitmotiv und Schauplatz fungiert, existiert tatsächlich.
Es gibt keinen Zoll, keine Steuern und Händler aus Irak,
Ägypten, Syrien, Jordanien und Israel reisen dorthin, um
Autos zu kaufen und zu verkaufen. Menschen, deren Länder
nicht einmal diplomatische Beziehungen zueinander unterhalten,
überwinden an diesem Ort nicht nur politische Grenzen, sondern
auch die Mauer in ihren Köpfen. Die Filmcrew überwand
Grenzen als erstes israelisches Team, welches in Zusammenarbeit
mit dem jordanischen Filminstitut ein Projekt realisieren konnte.
Auch die im Film vorkommende Oase in der Freihandelszone, wo
ein Palästinenser eine Waisenhausfarm für palästinensische
Flüchtlinge gründete, existiert tatsächlich. Bereits
zweimal wurden Versuche unternommen, sie niederzubrennen. Einmal
von Palästinensern, einmal von Israelis. Auch im Film steht
sie am Schluss in Flammen. So bewahrheiten sich die Worte Hannas,
die sagt, das einzig Sichere in Israel seien die Intifada und
der Krieg.
Starke Darstellerinnen - schwache Umsetzung
Mit diesem Film aufzuzeigen, dass
aus praktischer gegenseitiger Notwendigkeit emotionale Solidarität
werden kann, wenn nur die Grenzen in den Köpfen der Menschen
überwunden werden können, ist dem Film zwar gelungen,
trotzdem hat er zu viele Schwächen. Durch Bildüberblendungen
werden die Vorgeschichten der Filmfiguren erzählt, dies
nimmt dem Film aber den Drive und wirkt verwirrend und langatmig.
Einige Szenen wirken statisch, die Figuren sind manchmal hart
an der Grenze zum Klischee. Schade für die wirklich fantastischen
Darstellerinnen: Natalie Portman, deren ausdrucksvolles Spiel
ihr letztes Jahr einen Golden Globe für "Closer"
bescherte, ist auch hier stark. Die Almodóvar-Muse Carmen
Maura hat einen kurzen, aber prägnanten Auftritt als zukünftige
Schwiegermutter Rebeccas und die in Israel als Komödiantin
gefeierte Hanna Laslo spielt ihre Filmfigur mit einer Ruppigkeit
und gleichzeitig mit einer so grossen Zärtlichkeit, dass
ihr letztes Jahr am Filmfestival in Cannes für ihre Rolle
als Hanna zu Recht der Preis als Beste Darstellerin verliehen
wurde.
Ab dem 15. Juni 2006 im Kino.
Originaltitel: Free Zone (Israel, USA
2005)
Regie: Amos Gitai
Darsteller: Natalie Portman, Hanna Laslo, Hiam Abbass, Carmen
Maura, u.a.
Dauer: 90 Minuten
CH-Verleih: Filmcoopi
www.imdb.com/title/tt0441761/
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