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Nr. 144 / Juni 2006

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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"Douches Froides" von Antony Cordier (Drama) | Frenetic Films
Kalte Duschen, warme Luft

Der erste Spielfilm des französischen Regisseurs Antony Cordier erzählt, etwas unentschlossen und wenig packend zwischen Gesellschaftsdrama und Coming-of-Age Film pendelnd, von den familiären, amourösen sowie sportlichen Freuden und Nöten eines siebzehnjährigen Judokämpfers.

Von Christoph Aebi.

Mickael ist Kapitän eines Judo-Teams und bereitet sich auf sein Abitur vor. Er wächst im Arbeitermilieu auf: Der Vater, ein Taxifahrer, gibt einen grossen Teil seines Einkommens gleich wieder für alkoholische Getränke irgendwelcher Art aus. Die Mutter verdient als Putzfrau etwas dazu, kann aber dennoch die chronischen Geldprobleme nicht lindern. So spart die Familie, wo es nur geht; benützt Kerzen als Lichtquelle und die heisse Luft des Backofens als Haartrockner. Mickael lernt somit früh, auf vieles zu verzichten und ist froh, wenn er der heimischen Misere entrinnen und sich dem Judo oder seiner Freundin Vanessa widmen kann. Als die reiche Familie Steiner in den Ort zieht, deren Sohn Clément in den Judo-Klub eintritt und Cléments Vater als neuer Sponsor des Clubs auftritt, prallen zwei soziale Welten aufeinander und verändern Mickaels Leben Schritt für Schritt.

Ménage à trois
Mickael und Vanessa freunden sich mit Clément an, die Dinge nehmen ihren Lauf und schlussendlich finden sich die drei im Anschluss an das Judo-Training auf der Tatami-Matte wieder, wo das sportliche Ringen nahtlos in einen flotten Dreier übergeht. Mickael, der gelernt hat, alles zu teilen und auf vieles zu verzichten, bemerkt zuerst gar nicht, was dies für ihn bedeutet. Als er aber gezwungen ist, sechs Kilo runterzuhungern um bei einem anstehenden wichtigen Wettkampf in einer tieferen Gewichtsklasse antreten zu können, und Clément nicht nur im Judo, sondern auch in Liebesangelegenheiten je länger je mehr zu seinem Konkurrenten wird, kommt es zum Eklat.

Warme Luft
"Douches Froides", welcher im Rahmen der Filmreihe "French Touch" in den Kinos läuft, will sowohl Gesellschafts- und Sozialdrama, als auch ein Film über das Erwachsenenwerden sein, ist schlussendlich aber keines von beidem so richtig. Für eine wirklich gute und packende Studie über die Unterschiede zwischen der Arbeiter- und der Unternehmerschicht sind die Figuren, besonders diejenigen der reichen Familie Steiner, zu klischiert gezeichnet. Dafür fehlt dem Regisseur Antony Cordier das geniale Händchen eines Ken Loach, über den er vor zwei Jahren einen kurzen Dokumentarfilm drehte. Die Beweggründe für das Verhalten der Jugendlichen lassen sich nicht immer wirklich nachvollziehen, so dass einen der Film nicht richtig packt und schlussendlich seltsam kalt lässt. Einzig dem Hauptdarsteller Johan Libéreau, aus über 250 Jugendlichen für seine Rolle als Mickael ausgewählt, nimmt man wirklich ab, was er spielt. Für eine Erstlingsrolle in einem Kinofilm ist dies beachtlich und rettet den Film vor dem totalen Untergang.

Ab dem 22. Juni 2006 im Kino.

Originaltitel: Douches Froides (Frankreich 2005)
Regie: Antony Cordier
Darsteller: Johan Libéreau, Salomé Stévenin, Florence Thomassin, etc.
Dauer: 102 Minuten
CH-Verleih: Frenetic Films

www.bacfilms.com/site/douchesfroides


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