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"C.R.A.Z.Y." von Jean-Marc Vallée
(Coming-of-Age-Familienfilm) | Filmcoopi
Ein warmer Familienfilm
In "C.R.A.Z.Y." erzählt
der Kanadier Jean-Marc Vallée, der es stilistisch ohne
Weiteres mit Jean-Pierre Jeunet ("Amélie") aufnehmen
kann, eine äusserst unterhaltsame Familiensaga.
Von Oswald Iten.
Der kanadische Publikumsliebling "C.R.A.Z.Y."
ist mehr als einfach ein weiterer Film über das Erwachsenwerden
in den sexuell und musikalisch turbulenten 70er-Jahren. Jean-Marc
Vallée, der angeblich auf einen grossen Teil seines eigenen
Lohns verzichtete, um die astronomische Summe von 600'000$ für
die Musikrechte zusammenzubringen, schafft es, eine an sich konventionelle
Geschichte mit zum Teil sehr stereotypen Charakteren mit dermassen
viel Verve zu inszenieren, dass man dem Film 9 der 10 gewonnen
Génie-Awards gerne gönnt. Einzig derjenige für
best motion picture scheint nicht gerechtfertigt, denn
der Film ist zwar eindeutig mehr als die Summe seiner Teile,
all die stilistischen kleinen Wunder können aber nicht darüber
hinweg täuschen, dass die zentrale coming-of-age Geschichte
nicht restlos fesselt.
Eine endlose Suche nach Liebe
Die bisweilen episodische Struktur
und die vielen running gags verdeutlichen nur die Hauptaussage
des Films: Zwar werden die Figuren immer älter, es scheint
sich aber ausser den äusseren Lebensumständen nicht
viel zu verändern. Doch der Reihe nach:
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C.R.A.Z.Y., das sind die Anfangsbuchstaben
der fünf unterschiedlichen Beaulieu-Brüder Christian,
Raymond, Antoine, Zac(hary) und Yvan. Als Erzähler und Protagonist
fungiert der neurotische Zac, der zwar bald seine homosexuellen
Neigungen entdeckt, diese jedoch lange nicht akzeptieren kann,
solange seine Familie und insbesondere der Vater damit nicht
klar kommen. Die Voraussetzungen für eine éducation
sentimentale sind also gegeben, ein Feuerwerk an subtiler
Situationskomik ist garantiert. Doch die unbegrenzte Ausprobierfreude
der damaligen Zeit hindert Zac daran, seinen definitiven Weg
zu finden. Seine unterhaltsamen Tagträume deuten auf eine
ständige Flucht hin. Trotz grundlegenden Einschnitten in
die häusliche Idylle steht auch die Familie am Ende noch
am gleichen Ort wie an jenem Weihnachtsabend, als Zac das Licht
der Welt erblickte und sogleich seine verrückte Familie
zu spüren bekam.
Immer wieder Weihnachten
Diese Ungerechtigkeit, ausgerechnet an
Weihnachten Geburtstag feiern zu müssen, wenn es Geschenke
für alle gibt, und dabei noch jedesmal das Falsche geschenkt
zu bekommen, zieht sich als Orientierungsfaden durch den ganzen
Film. Im familiären Weihnachtsfest kommt nicht nur die heile-Welt-Mentalität
der liebenden Eltern zum Ausdruck, sondern auch deren Verhältnis
zur Kirche, sowie die fixe Idee der Mutter, Zac sei dank seines
Geburtsdatums eine Art Geistheiler (was ihr eine Tupperware-Verkäuferin
bestätigt, worauf fortan sämtliche Verwandten wegen
jedem Fingerschnitt anrufen und sich telefonisch heilen lassen),
während der Vater in ihm den grossen Musiker sieht und ihm
jedes Jahr ein anderes Instrument schenkt.
Eine wahre Space Oddity
Wie die Werbung verheisst, hat die
Musik auch im Film einen grossen Stellenwert. Zwar versteht es
Vallée meisterlich, Bild und Ton in so genialer Weise
zu paaren, dass selbst Gassenhauer von Bowie und den Stones zwingend
eingesetzt erscheinen. Doch die eigentliche Aufmerksamkeit gehört
der nostalgischen Musik des Vaters. So spielt neben seinen Charles-Aznavour-Karaoke-Einlagen
vor allem Patsy Clines Aufnahme des Willie-Nelson-Songs "Crazy"
eine zentrale Rolle.
Wenn "C.R.A.Z.Y." auch keine wahre Auseinandersetzung
mit unterdrückten Wünschen ist und somit niemandem
zu nahe tritt, handelt es sich doch um grosses Kino für
jedes Alter; einen stilistisch erfrischenden Familienfilm eben.
Seit dem 1. Juni 2006 im Kino.
Originaltitel: C.R.A.Z.Y. (Canada 2005)
Regie: Jean-Marc Vallée
Darsteller: Michel Côté, Danielle Proulx, etc.
Dauer: 127 Minuten
CH-Verleih: Filmcoopi
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