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"Angel-A" von Luc Besson (Drama)
| Monopole Pathé
Vive l'amour!
Luc Besson behauptet, zehn Jahre lang am
Drehbuch von "Angel-A" geschrieben zu haben - eine
lange Zeit. Das Ergebnis ist sehenswert. Mehr noch.
Von Sven Zaugg.
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Der kleinwüchsige Ganove André
(Jamel Debbouze) schlägt sich mit kleineren Gaunereien durchs
Leben und macht sich dabei wenig Freunde. Sich selbst vorgaukelnd,
dass er ein erfolgreicher Geschäftsmann ist, ist der Geduldsfaden
bei den meisten seiner Gläubiger schon gerissen. An Verfolgungswahn
leidend und sich selbst belügend, stiehlt sich André
auf der Suche nach der Erlösung durch Paris. Diese meint
André in der Seine zu finden, er stellt sich auf die Brüstung
einer Brücke und gedenkt zu springen, als er "tout
à coup" eine Frau auf derselben Brüstung sieht,
die das Gleiche vorhat. Sie springt er auch, nicht mehr, um sich
umzubringen, sondern um die engelhafte, hoch gewachsene Frau
mit blondem Schopf zu retten. Mit Müh und Not bringt der
kleine André es fertig, die um zwei Köpfe grössere
Angela (Rie Rassmussen) zu retten. Sie bedankt sich und raucht.
Die blonde Schönheit mit den endlos langen Beinen heftet
sich fortan wie eine Klette an den glücklosen André,
und wie durch ein Wunder scheint sich die Pechsträhne plötzlich
ins Gegenteil zu wandeln.
Selbstkritik
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André und Angela spazieren, springen
und hetzen von nun an durch Paris, von Gläubiger zu Gläubiger,
um Andrés Schulden zu begleichen. André schwatzt
und Angela besorgt "le cash" auf meist sehr unorthodoxe
Weise. So verschlägt es die beiden in eine "Designer-Bar"
wo die sexy Angela einen Typen nach dem anderen aufreisst, mit
ihnen in der Toilette verschwindet und gut gelaunt die Tanzfläche
wieder betritt, um den nächsten Willigen abzuschleppen.
Dabei bezahlen ihre "Freier" gutes Geld, das von André,
mittlerweile stockbesoffen an der Bar sitzend, entgegengenommen
wird. "J'en ai marre", faselt André, packt Angela
am Arm und verlässt mit ihr die Bar. "Pourquoi",
schreit er sie an. Die Begeisterung, eine solch komische Frau
gefunden zu haben, die ihm scheinbar alle Problem lösen
kann, weicht schnell einer harschen Selbstkritik - dem Unvermögen,
das Leben selbst in den Griff zu kriegen. Mehr und mehr mutiert
Angela zum Spiegel seines Selbstbetrugs und evoziert in der verlorenen
Seele Andrés eine bittere Selbstreflexion.
Sehen lernen
Luc Besson thematisiert in "Angel-A" das Zu-Sich-Selbst-Finden
und kritisiert den Selbstbetrug in der Anonymität. In existenzialistischer
Manier zeigt Besson die Folgen des Verharrens in der Selbstlüge
und die daraus resultierende Unfähigkeit zu handeln. Einem
Sog, dem man sich nur durch Eingeständnisse seiner non-fiktionalen
Situation und durch Selbstakzeptanz entziehen kann. Besson zeigt
die Mutation eines Menschen, der sich zuerst lieben lernen muss,
um wieder fähig zu sein, die Welt mit anderen Augen zu sehen.
Das Sehen lernen. Dieser Ansatz einer neuen Perspektive ist in
schwarz-weiss Aufnahmen zu bewundern, Aufnahmen eines anderen
Paris'. Besson versucht ein neues, ein gar reduziertes Bild von
"seiner" Stadt zu malen, prononciert durch feine Schnitte
und lange Einstellungen. Paris erscheint minimalistisch, ja sogar
nebensächlich, verliert aber dabei nie den Charme. Das stille
Paris.
"Angel-A" ist das interessante Comeback
eines Regie-Genies unserer Tage und eine Ode an die Stilistik
des Kurzfilms. Semidokumentarisch nimmt uns Besson mit auf einen
sonderbaren Stadtrundgang, zeigt uns armselige Gestalten, lange
Beine und einen clownesken Helden - André, einer von
vielen. In Paris.
Seit dem 25. Mai 2006 im Kino.
Originaltitel: Angel-A (Frankfreich 2005)
Regie: Luc Besson
Darsteller: Jamel Debbouze, Rie Rasmussen
Dauer: 90 Minuten
CH-Verleih: Monopole Pathé Films AG
www.angela-lefilm.com
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