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"Der Rote Kakadu" von Dominik Graf
( Drama ) | Filmcoopi
Rübermachen oder nicht? Das ist hier die Frage
Im Jahre 1961 teilt die Staatsmacht den
Himmel über Deutschland. Im Westen scheint die Sonne auf
kapitalistischen Boden und im Osten ist dieser sozialistisch.
Rennen kann man auf beiden Wiesen, bloss unterschiedlich weit.
Sich an Musik ergötzen kann man auf beiden Wiesen, bloss
nicht an derselben. Dominik Graf nimmt uns für die letzten
vier mauerlosen Monate mit nach Dresden. Dort werden die Rennstrecken
immer kürzer und die Musikauswahl wird zunehmend magerer.
Zu den Liedern, die noch übrig bleiben, tanzen die Dresdner
am liebsten im berüchtigten Tanzlokal "Roter Kakadu".
Von Denise Liebchen.
Schon wieder ein Film über Deutschland
und seine Vergangenheit. Nachdem "Der Untergang" das
Ende des Zweiten Weltkrieges und "Good Bye Lenin!"
die Wiedervereinigung thematisierte, macht "Der Rote Kakadu"
die Geschichtsstunde nun komplett. Das ist auch gut so. Immerhin
hat jede dieser Epochen den deutschen Alltag in einem Masse geprägt,
das längst eine Leinwandverarbeitung legitimiert. Regisseur
Graf entschied sich in diesem Fall für ein Gesellschaftsdrama,
das durch Elemente aus Komödie, Musikfilm, Politdrama und
Romanze ästhetisch erweitert wurde.
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Elvis Presley als Staatsfeind Nummer 1
Musik kennt keine Grenzen. Denkste!
Das sieht die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED)
anders. Gleich in der Exposition des Films zertrampeln Volkspolizisten
einen Kofferplattenspieler, der zuvor eine Horde von DDR-Jugendlichen
zum Tanzen anheizte. Dieser Rock'n'Roll gilt als "Gift des
Staatsfeindes". Die Vorliebe für Musik aus dem Westen
ist nur einer von vielen Gründen, warum das Ministerium
für Staatssicherheit, im Volksmund Stasi genannt, dir auf
die Pelle rückt. So ergeht es auch den drei Hauptprotagonisten.
Das Dreieck der Liebe
Siggi ist ein begabter junger Bühnenmaler
im Schauspielhaus. Danach möchte er Bühnenbild an der
Hochschule in Leipzig studieren. Ebenfalls kreativ tätig,
schreibt Luise Gedichte. Diese deklariert die SED als "dekadent"
und so arbeitet sie bis auf weiteres in einer Schnapsfabrik.
Im DDR-Jargon: Sie muss sich in der Produktion bewähren.
Ihr Mann Wolle lebt seine Kreativität weniger in der Kunst
als in anderen Frauen und der Rebellion aus. Zum Beispiel wenn
er die Sängerin der "Roten Kakadu"-Band in einer
Nebenstrasse zum Fliegen bringt oder einem Parteifunktionär
in das Sektglas pinkelt. Wolle ist im Gegensatz zu Siggi ein
richtig rauer Bursche. Was kein Hindernis für eine dicke
Männerfreundschaft darstellt. Doch damit eine Dreiecksgeschichte
wirklich eine ist, muss Siggi noch Luise lieben.
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Im "Roten Kakadu" fliegen die
Korken
Das Tanzlokal war der erste "Jazzkeller"
in der DDR. In seinen vier Wänden begeisterten Berühmtheiten
wie Heinz Rühmann und Nina Hagen das Publikum. Im Film dient
er als Treffpunkt für die jungen Dresdner, die sich zwischen
Tischtelefonen, befrackten Kellnern und alkoholischem Repertoire
westmusikalisch austoben. Noch wird hier ein Stasi-Offizier,
der stolz den neuesten sowjetischen Tanz vorführt, das Opfer
ausgiebigen Gelächters. Doch bald sollen die Lachenden die
Opfer sein. Alle werden sie im Gerichtssaal landen: Siggi, Luise,
Wolle und die Rock'n'Roll-Band aus dem "Roten Kakadu".
Die Zeit der wilden Nächte hat ein jähes Ende gefunden.
Jetzt stellt sich für die Darsteller die Frage: Rübermachen
oder nicht? Viel Zeit bleibt ihnen nicht mehr. Etliche DDR-Bürger
wählten die "Republikflucht", weil sie ihre Freiheit
und Selbstverwirklichung in der Diktatur als bedroht sahen. Allein
im April 1941 flohen rund 30.000 Menschen in den Westen.
Der bewusste Verzicht und das lange Dreieck
Dominik Graf entscheidet sich gegen
eine überladene Klischeedarstellung der Deutschen Demokratischen
Republik. Nicht alle zeitgeschichtlichen Hinweise sind für
den heutigen Zuschauer auf Anhieb entschlüsselbar. Der Film
zeigt ein blasses Dresden, in dem uns die filmsprachliche Subtilität
DDR-Luft schnuppern lässt. Wofür wir uns wohl auch
bei dem Drehbuchautor bedanken können, immerhin erlebte
dieser in den 1960er-Jahren seine Jugend in Dresdener Umgebung.
Im gleichen Atemzug muss aber auch erwähnt werden, dass
das Drehbuch gegen Ende zu langatmig ausgefallen ist. Die dreieckige
Liebesgeschichte zwischen Siggi, Luise und Wolle verliert im
letzten Drittel ihre Spannung. In diesem Fall rechtfertigen die
155 km Gesamtlänge der Berliner Mauer die 128 Minuten Gesamtspielzeit
nicht. Aber die wundervolle Jessica Schwarz als Luise schreit
förmlich nach einem Kinobesuch.
Ab dem 15. Juni 2006 im Kino.
Originaltitel: Der Rote Kakadu (Deutschland
2006)
Regie: Dominik Graf
Darsteller: Max Riemelt, Jessica Schwarz, Ronald Zehrfeld
Dauer: 128 min.
CH-Verleih: Filmcoopi
www.roterkakadu.de
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