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Nr. 144 / Juni 2006

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

LENA RENNT    KINO    DVD    BÜHNE

 

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Lena rennt
Von einer, die auszog, Filmen zu lernen (Folge 8)

Ein Lagebericht aus Berlin. Die ehemalige Sehen-Ressortleiterin des Netzmagazins erlebt den Film hautnah. Sie wird an der DFFB zur Filmproduzentin ausgebildet und meldet sich monatlich zu Wort.

Von Lena Vurma.

20. Mai 2006. 13.42 Uhr. Nicht nur die WM steht vor der Tür.

Vor einem Jahr befand ich mich in der gleichen Situation wie die neuen Prüflinge an der dffb. Dass ich angenommen werde, wusste ich zur Zeit, als dieses Foto entstand, noch nicht. Anfangs Juni 2005.
Die letzte Woche schlichen die auserwählten Bewerber für den Studiengang Produktion durch die Gänge der dffb. Mit schweissig-zittrigen Händen tigerten sie auf und ab - und es war ein wunderbares Gefühl, locker und gelassen als "Alteingesessene" lächelnd in der Kantine abzuhängen... Dabei ist es noch gar nicht lange her - und doch fühl ich mich schon so als Teil dieser Schule, dass diese Prüfungssituation schon Jahre her zu sein scheint. Zwei Tage später hing dann die Liste der Aufgenommenen am Anschlagbrett. Diesen Herbst werden 4 Frauen und 3 Männer zum Produktionsstudiengang zugelassen und wir sind natürlich alle gespannt, wer so unsere Nachfolger als Jüngste sein wird.

Doch wir hatten nicht lange Zeit, uns Gedanken über Vergangenes zu machen - denn wir stehen mitten in den Vorbereitungen für unseren Erstjahresfilm. Damit auch alles klappt, wurde uns noch ein Tonseminar organisiert, denn wir drehen nicht stumm wie in allen vorhergegangen Übungen. So hatten wir noch einmal die Möglichkeit, eine kleine Geschichte auszudenken, welche wir auf 16mm mit Ton festhalten konnten. So setzte ich mich mit meinem Lieblings-Drehbuchstudenten zusammen und wir schrieben einen kurzen Vampirfilm: Eine junge Vampir-Frau, welche in Plattenbauten bei ihren Nachbarn klingeln geht, um Pakete abzuholen und so systematisch die ganze Platte aussaugen kann, bis sie zur nächsten übergeht. Während dem Dreh lernten wir die Problematik des Tondrehs kennen - denn es gibt immer irgendwelche Störgeräusche, welche so schnell wie möglich ausgeschaltet werden müssen, sei das nun ein laut E-Gitarre spielender Nachbar oder eine Putzmaschine, welche den Innenhof wischt. Aber am meisten Spass machte natürlich die Szene, als es zum Biss kam und wir trashig mit Ketchup Richtung Kamera spritzen...

Unsere Tonübung spielte in einem unsanierten Plattenbau - ähnlich zu diesen hier
Bevor wir nun diesen Kurzfilm schneiden werden und den Ton anlegen können, hatten wir noch einen Produktionscrashkurs, welcher uns helfen sollte, unseren Erstjahresfilm organisatorisch und rechtlich in den Griff zu bekommen. Für dieses Seminar hatten wir Karsten Aurich als Dozent, welcher die Produktion bei "Die fetten Jahre sind vorbei" gemacht hat. Mit ihm lernten wir, wie man ein Drehbuch vorstoppt, um abschätzen zu können, wie lange der Film wird; wie wir unseren Erstjahresfilm kalkulieren können, was man beachten muss, wenn man mit Kindern drehen will, dass bei Szenen, in denen Geld vorkommt, nur echtes Geld verwendet werden darf, da man sich sonst strafbar macht, und wo welche Rechte liegen können, wenn man unbedingt einen gewissen Song in seinem Film haben will. Und immer wieder, dass am Set das Catering das Wichtigste ist - und dass auch wenn nicht viel Geld da ist, immer geschaut werden muss, dass das Team keinen Hunger hat - sonst arbeitet es nicht gerne...
Eine der wichtigsten Seiten für Berliner Filmschaffende ist unter anderem www.bffc.de, denn hier kann man bereits vorgefertigte Antragsformulare für alle Arten von Drehgenehmigungen herunterladen: von Fahrten mit Blaulichtfahrzeugen über Parkverbotsschilder aufstellen zu Sondergenehmigungen in Parkanlagen. Daneben findet man hier auch spannende Locations wie leerstehende Krankenhäuser und Fabrikhallen. Der Preis ist dann wie immer Verhandlungssache...

Wenn man zum Beispiel in der U-Bahn drehen will, muss als erstes ein solches Antragsformular ausgefüllt werden, mit genauen Angaben darüber, wie man mit wem was genau drehen will. Drehbuchauszüge müssen beigelegt werden, damit sie überprüfen können, ob etwa ein Kontrolleur miesgemacht werden soll - dann würden sie's nämlich von vornherein nicht genehmigen.

Wer sich für die rechtliche Seite des Filmes interessiert, ist mit diesem Buch gut beraten. Es erklärt mit möglichst einfachen Worten und guten Beispielen Dinge wie Musikrechte, Kinderdrehgenehmigungen, Persönlichkeitsschutz usw.

Für meinen Erstjahresfilm muss ich mich auf die Suche machen nach einem Goldhamster, welcher eine kleine Rolle spielt. Am Besten wäre es, wenn ich einen leihen könnte - denn würde ich einen kaufen würd ich's wohl nicht übers Herz bringen, den dann wieder wegzugeben...

Was auch immer wieder besprochen wird, ist die bevorstehende Weltmeisterschaft. Und das nicht im Rahmen von, wer auf welche Mannschaft tippt, sondern dass unser Erstjahresfilm genau während der WM gedreht werden soll. Dies führt zu erheblichen Transporterschwerungen und weil eine grosse Live-Leinwandübertragung mitten im Sonycenter stattfinden wird, wird es auch schwierig sein, ohne Polizeieskorte in unsere Schule zu gelangen. Daneben verfällt während der WM unsere allgemeine Drehgenehmigung im Zentrum von Berlin, sodass jeder sich etwas ausserhalb suchen muss. Und wie viele Szenen nachgedreht werden müssen, weil im Ton laut und deutlich ein "Toooooooooor!" vom Nachbarn gegenüber zu hören sein wird, steht noch in den Sternen, aber wird bestimmt öfters vorkommen.

"Für das Sehen Ressort des Netzmagazins, aus der Filmstadt Berlin. Lena Vurma."

Fragen, Anregungen, Kritiken? Lena rennt auch für euch und beantwortet gerne alles unter Lena.Vurma@netzmagazin.ch.


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