|
Lena rennt
Von einer, die auszog, Filmen zu lernen (Folge 8)
Ein Lagebericht aus Berlin. Die ehemalige
Sehen-Ressortleiterin des Netzmagazins erlebt den Film hautnah.
Sie wird an der DFFB zur Filmproduzentin ausgebildet und meldet
sich monatlich zu Wort.
Von Lena Vurma.
20. Mai 2006. 13.42 Uhr. Nicht nur
die WM steht vor der Tür.
 |
|
|
Vor einem Jahr befand ich mich in
der gleichen Situation wie die neuen Prüflinge an der dffb.
Dass ich angenommen werde, wusste ich zur Zeit, als dieses Foto
entstand, noch nicht. Anfangs Juni 2005. |
Die letzte Woche schlichen die auserwählten
Bewerber für den Studiengang Produktion durch die Gänge
der dffb. Mit schweissig-zittrigen Händen tigerten sie auf
und ab - und es war ein wunderbares Gefühl, locker und
gelassen als "Alteingesessene" lächelnd in der
Kantine abzuhängen... Dabei ist es noch gar nicht lange
her - und doch fühl ich mich schon so als Teil dieser
Schule, dass diese Prüfungssituation schon Jahre her zu
sein scheint. Zwei Tage später hing dann die Liste der Aufgenommenen
am Anschlagbrett. Diesen Herbst werden 4 Frauen und 3 Männer
zum Produktionsstudiengang zugelassen und wir sind natürlich
alle gespannt, wer so unsere Nachfolger als Jüngste sein
wird.
Doch wir hatten nicht lange Zeit, uns Gedanken
über Vergangenes zu machen - denn wir stehen mitten
in den Vorbereitungen für unseren Erstjahresfilm. Damit
auch alles klappt, wurde uns noch ein Tonseminar organisiert,
denn wir drehen nicht stumm wie in allen vorhergegangen Übungen.
So hatten wir noch einmal die Möglichkeit, eine kleine Geschichte
auszudenken, welche wir auf 16mm mit Ton festhalten konnten.
So setzte ich mich mit meinem Lieblings-Drehbuchstudenten zusammen
und wir schrieben einen kurzen Vampirfilm: Eine junge Vampir-Frau,
welche in Plattenbauten bei ihren Nachbarn klingeln geht, um
Pakete abzuholen und so systematisch die ganze Platte aussaugen
kann, bis sie zur nächsten übergeht. Während dem
Dreh lernten wir die Problematik des Tondrehs kennen - denn
es gibt immer irgendwelche Störgeräusche, welche so
schnell wie möglich ausgeschaltet werden müssen, sei
das nun ein laut E-Gitarre spielender Nachbar oder eine Putzmaschine,
welche den Innenhof wischt. Aber am meisten Spass machte natürlich
die Szene, als es zum Biss kam und wir trashig mit Ketchup Richtung
Kamera spritzen...
 |
|
|
Unsere Tonübung spielte in einem
unsanierten Plattenbau - ähnlich zu diesen hier |
Bevor wir nun diesen Kurzfilm schneiden
werden und den Ton anlegen können, hatten wir noch einen
Produktionscrashkurs, welcher uns helfen sollte, unseren Erstjahresfilm
organisatorisch und rechtlich in den Griff zu bekommen. Für
dieses Seminar hatten wir Karsten Aurich als Dozent, welcher
die Produktion bei "Die fetten Jahre sind vorbei" gemacht
hat. Mit ihm lernten wir, wie man ein Drehbuch vorstoppt, um
abschätzen zu können, wie lange der Film wird; wie
wir unseren Erstjahresfilm kalkulieren können, was man beachten
muss, wenn man mit Kindern drehen will, dass bei Szenen, in denen
Geld vorkommt, nur echtes Geld verwendet werden darf, da man
sich sonst strafbar macht, und wo welche Rechte liegen können,
wenn man unbedingt einen gewissen Song in seinem Film haben will.
Und immer wieder, dass am Set das Catering das Wichtigste ist
- und dass auch wenn nicht viel Geld da ist, immer geschaut
werden muss, dass das Team keinen Hunger hat - sonst arbeitet
es nicht gerne...
Eine der wichtigsten Seiten für Berliner Filmschaffende
ist unter anderem www.bffc.de,
denn hier kann man bereits vorgefertigte Antragsformulare für
alle Arten von Drehgenehmigungen herunterladen: von Fahrten mit
Blaulichtfahrzeugen über Parkverbotsschilder aufstellen
zu Sondergenehmigungen in Parkanlagen. Daneben findet man hier
auch spannende Locations wie leerstehende Krankenhäuser
und Fabrikhallen. Der Preis ist dann wie immer Verhandlungssache...
 |
|
|
Wenn man zum Beispiel in der U-Bahn
drehen will, muss als erstes ein solches Antragsformular ausgefüllt
werden, mit genauen Angaben darüber, wie man mit wem was
genau drehen will. Drehbuchauszüge müssen beigelegt
werden, damit sie überprüfen können, ob etwa ein
Kontrolleur miesgemacht werden soll - dann würden sie's
nämlich von vornherein nicht genehmigen. |
 |
|
 |
|
|
|
|
Wer sich für die rechtliche Seite
des Filmes interessiert, ist mit diesem Buch gut beraten. Es
erklärt mit möglichst einfachen Worten und guten Beispielen
Dinge wie Musikrechte, Kinderdrehgenehmigungen, Persönlichkeitsschutz
usw. |
|
Für meinen Erstjahresfilm muss
ich mich auf die Suche machen nach einem Goldhamster, welcher
eine kleine Rolle spielt. Am Besten wäre es, wenn ich einen
leihen könnte - denn würde ich einen kaufen würd
ich's wohl nicht übers Herz bringen, den dann wieder wegzugeben... |
Was auch immer wieder besprochen wird, ist
die bevorstehende Weltmeisterschaft. Und das nicht im Rahmen
von, wer auf welche Mannschaft tippt, sondern dass unser Erstjahresfilm
genau während der WM gedreht werden soll. Dies führt
zu erheblichen Transporterschwerungen und weil eine grosse Live-Leinwandübertragung
mitten im Sonycenter stattfinden wird, wird es auch schwierig
sein, ohne Polizeieskorte in unsere Schule zu gelangen. Daneben
verfällt während der WM unsere allgemeine Drehgenehmigung
im Zentrum von Berlin, sodass jeder sich etwas ausserhalb suchen
muss. Und wie viele Szenen nachgedreht werden müssen, weil
im Ton laut und deutlich ein "Toooooooooor!" vom Nachbarn
gegenüber zu hören sein wird, steht noch in den Sternen,
aber wird bestimmt öfters vorkommen.
"Für das Sehen Ressort des Netzmagazins,
aus der Filmstadt Berlin. Lena Vurma."
|