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Oskar Kokoschka: "Mörder, Hoffnung
der Frauen" (Klassiker) | Reclam
Der Maler als Dichter
Der am 1. März vor 120 Jahren
geborene Oskar Kokoschka hat zu Beginn seiner Karriere auch geschrieben.
1908 an der Kunstschau in Wien war er der "Oberwildling"
seiner Kunst wegen. Das gleichzeitig erstmals aufgeführte
Drama "Mörder, Hoffnung der Frauen" unterstrich
die Skandalösität des noch jungen Künstlers zusätzlich.
Das Stück wird heute als Vorläufer des Expressionismus
bezeichnet.
Von Jolanda Heller.
Das Schau-Spiel "Mörder, Hoffnung
der Frauen" ist nur wenige Seiten lang, aber von einer grossen
Intensität. Nicht nur die Sprache evoziert gewaltige Bilder,
das gesamte Stück ist ein "gemaltes Drama", das
über die Regieanweisungen in den Bewegungen der Schauspieler
und der Lichtregie auf die Bühne kommt.
Mann und Frau
Das Stück liest sich wie eine moderne Fassung von Kleists
Penthesilea. Frau und Mann treffen sich, sind voneinander angezogen,
doch zusammen können sie nicht kommen, zu unterschiedlich
sind sie. Gängige Frauenbilder der Zeit werden aufgerufen,
die Frau als der Natur nahe stehend und der Mann als der Gewalttätige,
Rohe. Die Reduzierung der Figuren auf die Definitionen von Otto
Weiningers "Geschlecht und Charakter" ist dennoch zu
kurz gegriffen. So hat auch der Mann seine nachdenklichen Momente,
er scheint mit seinem Schicksal als Eroberer nicht glücklich
zu sein.
Der Tod der Frau
Das Ende des Stückes ist in ein Lichtermeer getaucht. Der
Mann - zuvor von der Frau tödlich mit dem Messer verletzt
und in einen Turm gesperrt - erstarkt durch das Blut der Frau,
das er ihr wie ein Vampir aussaugt. Er bricht aus dem Turm aus
und schlägt die Frauen und Männer, die beide Hauptfiguren
begleitet hatten, wie Fliegen nieder. Hinter ihm brennt der Turm
lichterloh. Das Hinter-sich-lassen der Frau, sein Erstarken durch
ihr Blut und auch das Niederbrennen des Turms als Phallussymbol
scheinen Anzeichen dafür, dass die Zeit für ein Zusammenfinden
von Mann und Frau noch nicht gekommen ist.
Kokoschkas unglückliche Liebeszeit mit
Alma Mahler sollte erst noch kommen und dort ist sie es, die
ihn hinter sich lässt. In seinem Stück "Hiob"
ist es dann der Mann, der am Ende an der zu grossen Liebe zu
seiner Frau stirbt.
287 Seiten, CHF 11.90
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Info
Das Schauspiel "Mörder, Hoffnung
der Frauen" wurde am 4. Juli 1921 in Stuttgart als Oper
in einem Akt uraufgeführt. Komponiert wurde die Oper von
Paul Hindemith, die musikalische Leitung hatte Fritz Busch und
die Ausstattung stammte von Oskar Schlemmer.
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