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Nr. 144 / Juni 2006

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Klassiker
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Oskar Kokoschka: "Mörder, Hoffnung der Frauen" (Klassiker) | Reclam
Der Maler als Dichter

Der am 1. März vor 120 Jahren geborene Oskar Kokoschka hat zu Beginn seiner Karriere auch geschrieben. 1908 an der Kunstschau in Wien war er der "Oberwildling" seiner Kunst wegen. Das gleichzeitig erstmals aufgeführte Drama "Mörder, Hoffnung der Frauen" unterstrich die Skandalösität des noch jungen Künstlers zusätzlich. Das Stück wird heute als Vorläufer des Expressionismus bezeichnet.

Von Jolanda Heller.

Das Schau-Spiel "Mörder, Hoffnung der Frauen" ist nur wenige Seiten lang, aber von einer grossen Intensität. Nicht nur die Sprache evoziert gewaltige Bilder, das gesamte Stück ist ein "gemaltes Drama", das über die Regieanweisungen in den Bewegungen der Schauspieler und der Lichtregie auf die Bühne kommt.

Mann und Frau
Das Stück liest sich wie eine moderne Fassung von Kleists Penthesilea. Frau und Mann treffen sich, sind voneinander angezogen, doch zusammen können sie nicht kommen, zu unterschiedlich sind sie. Gängige Frauenbilder der Zeit werden aufgerufen, die Frau als der Natur nahe stehend und der Mann als der Gewalttätige, Rohe. Die Reduzierung der Figuren auf die Definitionen von Otto Weiningers "Geschlecht und Charakter" ist dennoch zu kurz gegriffen. So hat auch der Mann seine nachdenklichen Momente, er scheint mit seinem Schicksal als Eroberer nicht glücklich zu sein.

Der Tod der Frau
Das Ende des Stückes ist in ein Lichtermeer getaucht. Der Mann - zuvor von der Frau tödlich mit dem Messer verletzt und in einen Turm gesperrt - erstarkt durch das Blut der Frau, das er ihr wie ein Vampir aussaugt. Er bricht aus dem Turm aus und schlägt die Frauen und Männer, die beide Hauptfiguren begleitet hatten, wie Fliegen nieder. Hinter ihm brennt der Turm lichterloh. Das Hinter-sich-lassen der Frau, sein Erstarken durch ihr Blut und auch das Niederbrennen des Turms als Phallussymbol scheinen Anzeichen dafür, dass die Zeit für ein Zusammenfinden von Mann und Frau noch nicht gekommen ist.

Kokoschkas unglückliche Liebeszeit mit Alma Mahler sollte erst noch kommen und dort ist sie es, die ihn hinter sich lässt. In seinem Stück "Hiob" ist es dann der Mann, der am Ende an der zu grossen Liebe zu seiner Frau stirbt.

287 Seiten, CHF 11.90

Info

Das Schauspiel "Mörder, Hoffnung der Frauen" wurde am 4. Juli 1921 in Stuttgart als Oper in einem Akt uraufgeführt. Komponiert wurde die Oper von Paul Hindemith, die musikalische Leitung hatte Fritz Busch und die Ausstattung stammte von Oskar Schlemmer.


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