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Nr. 144 / Juni 2006

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Christian v. Ditfurth: "Mann ohne Makel" (Kriminalhörspiel) | Der Audio Verlag
Wenn die Vergangenheit nicht ruht

Drei ungeklärte Mordfälle in einer vermögenden Hamburger Maklerfamilie konfrontieren den Historiker Stachelmann sowohl mit einem düsteren Kapitel der europäischen Geschichte, als auch mit der Vergangenheit seiner eigenen Familie. Dies ist die spannende Ausgangslage einer Erzählung, die den Zuhörer zwar zu fesseln vermag, ihm allerdings auch einiges an Konzentration abverlangt.

Von Monika Blum.

Der Historiker und Uni-Dozent Josef Maria Stachelmann könnte einem schon fast Leid tun: Beruflich kämpft er mit seiner längst überfälligen Habilitation über das KZ Buchenwald, gesundheitlich plagt ihn seit Jahren eine schmerzhafte Arthritis und mit den Frauen will's irgendwie auch nie wirklich klappen. Da scheint ein überraschender Anruf seines alten Studienfreundes Winter und ein darauf folgendes Wiedersehen eine willkommene Abwechslung zu den mühevollen Lasten des Alltags zu sein. Doch da dieser, mittlerweile Kommissar bei der Hamburger Kriminalpolizei, gerade an einem äusserst undurchsichtigen Fall arbeitet, dessen Lösung möglicherweise in der Vergangenheit der Involvierten zu suchen ist, wird Stachelmann bald als Experte zu den Ermittlungen hinzugezogen und gerät dabei mitten in die Strudel des Verbrechens.

Fragen über Fragen
Bald schon stellen sich dem Historiker und dessen Jugendfreund Fragen über Fragen: Wer hätte ein Motiv, sowohl die Frau als auch zwei der drei Kinder des erfolgreichen Maklers Holler zu töten? Könnte es sein, dass Maximilian Holler, der aalglatte, skrupellose und eiskalte Geschäftsmann, gar selbst der Täter ist? Und weshalb reagiert er, angesprochen auf die Vergangenheit seines Vaters, so ausweichend? Stachelmann ist sich bald sicher, dass das Motiv für die grausamen Morde an Hollers Familienmitgliedern weit zurück, in einem der dunkelsten Kapitel der europäischen Geschichte, liegt. Doch welche Rolle spielt dabei sein eigener Vater?

Spannende Einblicke in die Psyche
Christian v. Ditfurth, selbst Historiker, gelingt mit "Mann ohne Makel" eine durchaus spannende Geschichte, in welcher gekonnt eine Verbindung zwischen gegenwärtigen Verbrechen und früheren Gräueltaten hergestellt wird. In bester Puzzlemanier fügen sich nach und nach jene Teile zusammen, welche schlussendlich Einblick in die Tat als solche, vor allem aber auch in die Psyche des Täters geben. In kurzen Monologsequenzen, welche mit einer zum Teil arg sphärischen Hintergrundmusik unterlegt sind, gibt dieser dem Hörer höchstpersönlich Einblick in das Trauma seines Lebens und erklärt so das Motiv für seine Tat.

Konzentration gefragt
Da sich die Geschichte von verschiedenen Seiten her auf ihren Höhepunkt zu entwickelt und der Hörer abwechselnd und in zum Teil sehr rascher Abfolge Stachelmann bei seinen Recherchen begleitet, dem Polizisten Winter bei einer Zeugenbefragung über die Schultern schaut und sich dann wieder blitzschnell in die Psychologie des monologisierenden Mörders hineindenken muss, erfordert es teilweise einiges an Konzentration, bei all den verschiedenen Erzählsträngen nicht den Überblick zu verlieren. Aufgrund dessen ist das Abspielen dieses Hörbuchs als "Begleitunterhaltung" beim Autofahren oder wöchentlichen Wohnungsputz eher weniger zu empfehlen.

Alles in allem ist der "Mann ohne Makel" aber eine gut gemachte Inszenierung, die nie langweilt und dank ihrer Kürze von nur gerade 1,5 Stunden gut dazu geeignet ist, sich an einem regnerischen Sonntagnachmittag die Zeit zu vertreiben. Und sollte es tatsächlich geschehen, dass der Sommer dieses Jahr wieder einmal für mehr als nur ein paar wenige Tage in der Schweiz verweilt, macht sich der "Mann ohne Makel" bestimmt auch in der "Badi" zwischen Sonnencrème und Raketenglacé gut.

2 CDs, 110 Minuten, CHF 36.80


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