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Christian v. Ditfurth: "Mann ohne Makel"
(Kriminalhörspiel) | Der Audio Verlag
Wenn die Vergangenheit nicht ruht
Drei ungeklärte Mordfälle
in einer vermögenden Hamburger Maklerfamilie konfrontieren
den Historiker Stachelmann sowohl mit einem düsteren Kapitel
der europäischen Geschichte, als auch mit der Vergangenheit
seiner eigenen Familie. Dies ist die spannende Ausgangslage einer
Erzählung, die den Zuhörer zwar zu fesseln vermag,
ihm allerdings auch einiges an Konzentration abverlangt.
Von Monika Blum.
Der Historiker und Uni-Dozent Josef Maria
Stachelmann könnte einem schon fast Leid tun: Beruflich
kämpft er mit seiner längst überfälligen
Habilitation über das KZ Buchenwald, gesundheitlich plagt
ihn seit Jahren eine schmerzhafte Arthritis und mit den Frauen
will's irgendwie auch nie wirklich klappen. Da scheint ein überraschender
Anruf seines alten Studienfreundes Winter und ein darauf folgendes
Wiedersehen eine willkommene Abwechslung zu den mühevollen
Lasten des Alltags zu sein. Doch da dieser, mittlerweile Kommissar
bei der Hamburger Kriminalpolizei, gerade an einem äusserst
undurchsichtigen Fall arbeitet, dessen Lösung möglicherweise
in der Vergangenheit der Involvierten zu suchen ist, wird Stachelmann
bald als Experte zu den Ermittlungen hinzugezogen und gerät
dabei mitten in die Strudel des Verbrechens.
Fragen über Fragen
Bald schon stellen sich dem Historiker
und dessen Jugendfreund Fragen über Fragen: Wer hätte
ein Motiv, sowohl die Frau als auch zwei der drei Kinder des
erfolgreichen Maklers Holler zu töten? Könnte es sein,
dass Maximilian Holler, der aalglatte, skrupellose und eiskalte
Geschäftsmann, gar selbst der Täter ist? Und weshalb
reagiert er, angesprochen auf die Vergangenheit seines Vaters,
so ausweichend? Stachelmann ist sich bald sicher, dass das Motiv
für die grausamen Morde an Hollers Familienmitgliedern weit
zurück, in einem der dunkelsten Kapitel der europäischen
Geschichte, liegt. Doch welche Rolle spielt dabei sein eigener
Vater?
Spannende Einblicke in die Psyche
Christian v. Ditfurth, selbst Historiker,
gelingt mit "Mann ohne Makel" eine durchaus spannende
Geschichte, in welcher gekonnt eine Verbindung zwischen gegenwärtigen
Verbrechen und früheren Gräueltaten hergestellt wird.
In bester Puzzlemanier fügen sich nach und nach jene Teile
zusammen, welche schlussendlich Einblick in die Tat als solche,
vor allem aber auch in die Psyche des Täters geben. In kurzen
Monologsequenzen, welche mit einer zum Teil arg sphärischen
Hintergrundmusik unterlegt sind, gibt dieser dem Hörer höchstpersönlich
Einblick in das Trauma seines Lebens und erklärt so das
Motiv für seine Tat.
Konzentration gefragt
Da sich die Geschichte von verschiedenen
Seiten her auf ihren Höhepunkt zu entwickelt und der Hörer
abwechselnd und in zum Teil sehr rascher Abfolge Stachelmann
bei seinen Recherchen begleitet, dem Polizisten Winter bei einer
Zeugenbefragung über die Schultern schaut und sich dann
wieder blitzschnell in die Psychologie des monologisierenden
Mörders hineindenken muss, erfordert es teilweise einiges
an Konzentration, bei all den verschiedenen Erzählsträngen
nicht den Überblick zu verlieren. Aufgrund dessen ist das
Abspielen dieses Hörbuchs als "Begleitunterhaltung"
beim Autofahren oder wöchentlichen Wohnungsputz eher weniger
zu empfehlen.
Alles in allem ist der "Mann ohne Makel"
aber eine gut gemachte Inszenierung, die nie langweilt und dank
ihrer Kürze von nur gerade 1,5 Stunden gut dazu geeignet
ist, sich an einem regnerischen Sonntagnachmittag die Zeit zu
vertreiben. Und sollte es tatsächlich geschehen, dass der
Sommer dieses Jahr wieder einmal für mehr als nur ein paar
wenige Tage in der Schweiz verweilt, macht sich der "Mann
ohne Makel" bestimmt auch in der "Badi" zwischen
Sonnencrème und Raketenglacé gut.
2 CDs, 110 Minuten, CHF 36.80
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