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Michel Houellebecq: "Die Möglichkeit
einer Insel" (Hörbuch) | Der Audio Verlag
Die unmögliche Insel
Das Hörbuch "Die Möglichkeit
einer Insel" zeigt einen skeptischen Blick in eine unheilschwangere
Zukunft der Menschheit. Erzählerisch interessant, aber stilistisch
etwas abgedroschen und fast schon künstlich roh, trifft
Michel Houellebecq den Nerv der Zeit; die Ängste in Bezug
auf die erstaunlichen wissenschaftlichen Fortschritte unserer
Zeit, in der ein Mensch scheinbar immer weniger gilt.
Von Sarah von Känel.
Michel Houellebecq nimmt uns in seiner "Möglichkeit
einer Insel" mit auf eine Reise in die Zukunft. Klonen macht's
möglich, das ewige Leben durch Konservierung der DNA. Die
Wiedergeburtssekte der Elohimiten entwickelte diese moderne Form
des Lebens. Durch sein suchendes Leben landet auch der Protagonist
des Werkes, der Komiker Daniel, in den Händen eben dieser
Sekte. Seine DNA wird konserviert und das Wunder gelingt; sowohl
er als auch sein Hund werden geklont und so nach seinem Tod genetisch
wiedergeboren - immer wieder.
Fluch und Segen vom ewigen Leben
Allerdings entfällt durch diese Art der Fortpflanzung die
Notwendigkeit zur biologischen Fortpflanzung. Kontakte zu andern
Neomenschen sind nur noch elektronischer Art. Überhaupt
hat das neue Menschengeschlecht mit den mühsamen menschlichen
Eigenschaften nur noch wenig zu schaffen, sind eher Roboter denn
Menschen. Im Jahr 4005 liest also der Neomensch Daniel 24 den
Bericht seines genetischen Originals, Daniel 1. Daniel 1, Komiker
und Humanist wider Willen, scheiterte seinerzeit genau an diesen
menschlichen "Schwächen", deren sich die Klone
in ihrer sterilen Welt entledigt haben.
Obwohl die alternierende Erzählweise
von Daniel 1 und Daniel 24 für Abwechslung sorgt, bleibt
die Geschichte bis zum Schluss recht lasch. Dann endlich setzt
sich bei dem weiblichen Neomenschen Marie 23 eine durch und durch
menschliche Eigenschaft durch. Die Sehnsucht veranlasst sie,
auszubrechen und auf einer Insel eine neue Gesellschaftsform
zu suchen, wo sich jenseits von altem Menschsein und Neo-Menschsein
die Individuen in Liebe, Fürsorge und Geborgenheit begegnen.
Auch Daniel 24 folgt dieser Verlockung einer Insel. Wird er sie
finden? Gibt es die Möglichkeit des Glücks?
Im Wesentlichen nichts Neues
Dass die Welt scheisse ist, Glück
unmöglich und schlussendlich alles auf Sex hinausläuft,
ist beim französischen Skandalautor Michel Houellebecq nichts
Neues. Eher neu und enttäuschend ist die Plumpheit, mit
der er diese Themen ausbreitet. Poetische Erwartungen, wie sie
der lyrische Titel weckt, werden höchst selten erfüllt.
Lieber beschreibt uns Daniel 1 mehrere Sexsequenzen, die genauso
sinnlos und ekelerregend sind, wie ihm sein Leben scheint. Andererseits
gelingt es Houellebecq einmal mehr, zeitgenössische Ängste,
Entwicklungen und Obsessionen der westlichen Welt haarscharf
auseinander zu nehmen und zu präsentieren. Zivilisation,
Menschlichkeit und ewiges Leben werden ausgeleuchtet und eindeutig
als Zweideutigkeit zwischen Fluch und Segen wahrgenommen. Rudolf
Kowalski und Stefan Hunstein leihen Daniel in diesem bitterbösen
Zeitbild ihre Stimme. Monoton und gefühllos interpretieren
sie Daniel 24, verzweifelt und sehr menschlich scheint die Stimme
von Daniel 1.
Das Hörbuch empfiehlt sich für Leute,
die einen zynischen, gesellschaftskritischen Science-Fiction
schätzen können und nicht schnell rote Ohren bekommen.
Denn einerseits dauert das Hörbuch mit 307 Minuten ganz
schön und andererseits ist Daniels Weltbild zeitweise grob
pornographisch und alles andere als jugendfrei.
4 CDs, 307 Minuten, CHF 45.90
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