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Akif Pirinçci: "Der eine ist stumm,
der andere ein Blinder" (Thriller) | Rotbuch
Düsteres modernes Märchen
In seinem neuesten Werk verlässt
Pirinçci einmal mehr die Katzenwelt ("Felidae")
und taucht tief in die Abgründe der menschlichen Psyche
ein. Dabei gelingt ihm ein genialer, aber auch verstörender
Thriller.
Von Stefanie Feineis.
Der Fall, der eine Polizeisonderkommission
seit einem ganzen Jahr beschäftigt, mutete wie eine schlechte
Kopie des Märchens "Der Rattenfänger von Hameln"
an: Zwölf Kinder verschwinden im Umkreis von etwa hundert
Kilometern auf mysteriöse Weise und scheinbar ohne Motiv.
Zwischen den Kindern bestehen keine erkennbaren Gemeinsamkeiten.
Nichts scheint sie zu verbinden. Und keine Spur verrät den
Täter.
"Alter Hase"
Nach über einem Jahr ohne den kleinsten Hinweis taucht plötzlich
die Leiche des ersten entführten Kindes auf. Der Zeitpunkt
des Todes liegt erst wenige Tage zurück. Sind die anderen
Kinder noch am Leben? Ein verzweifelter Wettlauf mit der Zeit
beginnt. Unter diesem Druck beschliesst der Polizeipräsident,
zweigleisig zu ermitteln und zusätzlich zur Sonderkommission
einen "Alten Hasen" ins Rennen zu schicken: Die Profiler-Legende
Richard Claudius.
Ungleiche Partner
Claudius zur Seite steht der junge Hauptkommissar Hugo Hoffer,
genant Hugh, der nicht nur äusserlich das totale Gegenteil
seines Partners darstellt. Während Hugo sich stets schick
kleidet, das Leben eines ungebundenen Singles geniesst und am
Anfang einer glänzenden Karriere steht, hat Richard nach
einer gescheiterten Ehe und dem Absturz seines Sohnes ins Drogenmilieu
mit dem Leben abgeschlossen und sich freiwillig in die Psychiatrie
einweisen lassen. Doch während für Hugo nur Fakten
zählen, verlässt sich sein älterer Partner auf
seine Intuition. Und die sagt ihm, dass es zwischen den Kindern
doch eine Verbindung geben muss
Entscheidender Hinweis
Und so beginnen die beiden, den Fall erneut aufzurollen. Quälend
langsam geht es voran, Rückschläge sind an der Tagesordnung.
Akif Pirinçci lässt den Leser mit den Ermittlern
verzweifeln. Aufwärts geht es erst, als Hugo eines Abends
über einen Link in einem symbolreichen Computerspiel auf
ein Internettagebuch stösst. Nach und nach taucht er ein
in eine zugleich faszinierende und abstossende Welt exzessiver
Sexualität, in einen archaischen Fortpflanzungsmythos. Und
langsam scheint sich eine Verbindung zu ihrem Fall aufzubauen.
Akif Pirinçci zeigt hier eindrucksvoll,
dass er auch ohne seinen bekanntesten Protagonisten, den Katzendetektiv
Francis, einen beeindruckenden Thriller mit überzeugenden
Charakteren vorlegen kann.
411 Seiten, CHF 38.60
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