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Nr. 144 / Juni 2006

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Akif Pirinçci: "Der eine ist stumm, der andere ein Blinder" (Thriller) | Rotbuch
Düsteres modernes Märchen

In seinem neuesten Werk verlässt Pirinçci einmal mehr die Katzenwelt ("Felidae") und taucht tief in die Abgründe der menschlichen Psyche ein. Dabei gelingt ihm ein genialer, aber auch verstörender Thriller.

Von Stefanie Feineis.

Der Fall, der eine Polizeisonderkommission seit einem ganzen Jahr beschäftigt, mutete wie eine schlechte Kopie des Märchens "Der Rattenfänger von Hameln" an: Zwölf Kinder verschwinden im Umkreis von etwa hundert Kilometern auf mysteriöse Weise und scheinbar ohne Motiv. Zwischen den Kindern bestehen keine erkennbaren Gemeinsamkeiten. Nichts scheint sie zu verbinden. Und keine Spur verrät den Täter.

"Alter Hase"
Nach über einem Jahr ohne den kleinsten Hinweis taucht plötzlich die Leiche des ersten entführten Kindes auf. Der Zeitpunkt des Todes liegt erst wenige Tage zurück. Sind die anderen Kinder noch am Leben? Ein verzweifelter Wettlauf mit der Zeit beginnt. Unter diesem Druck beschliesst der Polizeipräsident, zweigleisig zu ermitteln und zusätzlich zur Sonderkommission einen "Alten Hasen" ins Rennen zu schicken: Die Profiler-Legende Richard Claudius.

Ungleiche Partner
Claudius zur Seite steht der junge Hauptkommissar Hugo Hoffer, genant Hugh, der nicht nur äusserlich das totale Gegenteil seines Partners darstellt. Während Hugo sich stets schick kleidet, das Leben eines ungebundenen Singles geniesst und am Anfang einer glänzenden Karriere steht, hat Richard nach einer gescheiterten Ehe und dem Absturz seines Sohnes ins Drogenmilieu mit dem Leben abgeschlossen und sich freiwillig in die Psychiatrie einweisen lassen. Doch während für Hugo nur Fakten zählen, verlässt sich sein älterer Partner auf seine Intuition. Und die sagt ihm, dass es zwischen den Kindern doch eine Verbindung geben muss

Entscheidender Hinweis
Und so beginnen die beiden, den Fall erneut aufzurollen. Quälend langsam geht es voran, Rückschläge sind an der Tagesordnung. Akif Pirinçci lässt den Leser mit den Ermittlern verzweifeln. Aufwärts geht es erst, als Hugo eines Abends über einen Link in einem symbolreichen Computerspiel auf ein Internettagebuch stösst. Nach und nach taucht er ein in eine zugleich faszinierende und abstossende Welt exzessiver Sexualität, in einen archaischen Fortpflanzungsmythos. Und langsam scheint sich eine Verbindung zu ihrem Fall aufzubauen.

Akif Pirinçci zeigt hier eindrucksvoll, dass er auch ohne seinen bekanntesten Protagonisten, den Katzendetektiv Francis, einen beeindruckenden Thriller mit überzeugenden Charakteren vorlegen kann.

411 Seiten, CHF 38.60


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