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Nr. 144 / Juni 2006

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Yasmina Khadra: "Nacht über Algier" (Roman) | Aufbau Verlag
Beklemmender Krimi

Algerien in den späten 80er Jahren: nach den ersten Jahren der Euphorie stellt sich langsam die Erkenntnis ein, dass es dem Land vor der Revolution besser ging, dass die neue Regierung genauso korrupt ist und einzelne Menschenleben nichts zählen, solange die Machthabenden mit ihren Aktionen ihre Ziele erreichen.

Von Claudia Wehrli.

Kommissar Brahim Llob hat es nicht leicht. Zur Zeit herrscht eine Flaute was Fälle angeht, die Arbeit ist mühsam und besteht aus lauter Papierkram. Doch in der Langeweile bahnt sich ein Sturm an, den Llob nur knapp überlebt. Die ersten Anzeichen ziehen am Himmel auf, als Kommissar Llob zu einem Psychiater gebeten wird, der ihn ausdrücklich davor warnt, dass bei einer Amnestie der neuen Regierung ein gefährlicher Psychopath aus dem Gefängnis entlassen werden soll. Zu diesem beängstigenden Aufruf, den Psychopath zu observieren kommt auch noch die Tatsache, dass sein Untergebener Lino sich in grosse Schwierigkeiten bringt. Er hat sich nämlich in die Konkubine eines der mächtigsten Männer Algiers, Haj Thobane, verguckt.

Undurchschaubar bis zum Schluss
Was der Kommissar zu Beginn noch als "postpubertäre Schwärmerei" abtut, entwickelt sich schon bald zu einem echten Problem, da Haj Thobane ein Freund von Llobs Chef ist und sich bei diesem über Lino beschwert. Doch es wird erst richtig kompliziert, als scheinbar ein Anschlag auf Haj Thobane verübt, Lino als Täter gesucht und schliesslich in einem Folterlager eingesperrt wird. Dies ist der Moment, in dem Brahim Llob nicht mehr länger wegschauen kann. Nach und nach wühlt er sich zusammen mit der schönen Journalistin Soria Karadach immer tiefer in die Vergangenheit Algeriens und entdeckt dabei so manches, das nicht im Reinen ist. Immer wieder beschleicht den Leser das Gefühl, dass auch nach der Aufklärung dieses Falles die Welt nicht mehr so sein würde wie vorher.

Düsteres Portrait Algiers
Hinter dem Namen Yasmina Khadra verbirgt sich eigentlich der algerische Schriftsteller und ehemalige Polizist Mohammed Moulessehoul, der vor seinem Gang ins Exil nur unter dem Namen seiner Frau schreiben konnte. Sein Roman beschreibt in offenen, manchmal provozierend deutlichen Worten, wie das Leben in Algier vor dem Bürgerkrieg war. Die düstere Stimmung zieht sich durch das ganze Buch, die schmutzigen Gassen der Stadt widerspiegeln die schmutzigen Geschäfte, die während und nach dem Unabhängigkeitskrieg gemacht wurden und der Leser fühlt sich so sehr in diese fremde Welt versetzt, dass man manchmal das Buch am liebsten für immer weglegen möchte.

Die Charaktere dieses Romans haben ihre Ecken und Kanten und vor allem Kommissar Llob wirkt gerade durch seine Ungehobeltheit dreidimensional und echt. Die düstere Stimmung des Buches kann einem mitunter zu schaffen machen, trotzdem lohnt es sich sehr, diesen packenden Roman zu Ende zu lesen. Ein extrem spannendes Buch, das aber auch Stoff zum Nachdenken liefert.

402 Seiten, CHF 36.00


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