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Patricia Highsmith: "Small g, eine Sommeridylle"
(Roman) | Diogenes
"Summer in the city"
Mit ihrem letzten Roman erzählt
die grosse Patricia Highsmith eine Geschichte rund um ein Szenelokal
in Zürich. Eine Gruppe von eigenwilligen Charakteren trifft
sich und verbringt zusammen eine Sommeridylle, die ihre Leben
verändern wird
Von Thomas Iseli.
Wer kennt es nicht, das Gefühl, wenn
es wieder Sommer wird in der Stadt. Den ganzen Tag strahlendes
Wetter, ein Mittagessen am See und am Abend eine heisse Party
um danach erschöpft der lauen Sommernacht in einen süssen
Traum zu entfliehen. Was Joe Cocker mit seinem berühmten
"Summer in the City" so umschreibt: "go out and
find a girl, come on come on and dance all night, despite the
heat it will be alright and babe don't you know it's a pity the
days can't be like the night in the summer in the city",
heisst bei Patricia Highsmith ganz einfach: "Small g -
eine Sommeridylle".
Szenelokal "Small g"
Der Roman spielt in der Schwulenstadt
Nummer eins der Schweiz, in Zürich. Ricky, ein schwuler
Werbeillustrator und -grafiker, ist ständig unterwegs. Nicht
von seiner Seite weicht Lulu, seine Hündin. Zu zweit zieht
es die beiden immer wieder zu "Jakob", wie das "small
g" unter der Woche bürgerlich heisst. "Small g"
ist ein Szeneort und Anziehungspunkt verschiedener Persönlichkeiten,
die meisten homosexuell, manche au bi oder hetero. Eines Tages
erscheint die niedliche, aufregend-zärtliche und hübsche
Luisa im "Jakob". Zusammen mit ihrer Ersatzmutter und
Lehrmeisterin Renate frühstückt sie jeweils im Lokal
und lernt so Ricky kennen. Dieser steht Luisa, die erst vor kurzem
nach Zürich kam, um ihre Lehre zu beenden, als Freund zur
Seite, als die alte Renate sie terrorisiert und vor Eifersucht
am Abend nicht aus dem Haus lässt. Luisa lernt Teddie und
Dorrie kennen - beide verlieben sich in sie, die diese Beziehungen
nicht so ernst nimmt und am Schluss der Geschichte sich nicht
ganz sicher ist, ob sie nun Frauen oder Männer liebt.
Die gestörte Sommeridylle
"Small g" ist nicht nur ein Roman, es ist ein Buch,
das Lebensgefühle vermittelt. Die Geschichte ist zugleich
der letzte von Patricia Highsmith publizierte Roman. Wer die
"grande dame" kennt, weiss, dass Liebe für sie
nicht die Vollendung der Gefühle und des Glücklichseins
zwischen zwei Personen ist. Liebe ist für sie der Anfang
einer Tragödie in den Abgründen der menschlichen Seele,
in der sich ihre Protagonisten nicht mehr zu Recht finden und
der sie nur unter Einsatz von kriminellen Mitteln entfliehen
können. Wer jedoch bei "Small g" eine solche dramatische
Wende erhofft, liegt falsch. Die Sommeridylle im Roman ist von
Dauer und zieht sich durch die ganze Geschichte. Obwohl die Erzählung
mit einem Mord beginnt, ist es eigentlich ein Roman über
Leidenschaft und in diesem Fall nicht mit Betonung auf «Leiden».
In ihrem Werk reflektiert Patricia Highsmith unsere Einstellung
gegenüber Andersdenkenden mit einem Plädoyer für
Toleranz und Solidarität.
Zuerst abgelehnt, nun neu übersetzt
"'Small g'" wurde vom Verlag
Alfred Knopf, New York, abgelehnt und erst posthum 1995 bei Bloomsbury
Publishing Plc, London, sowie im Verlag Diogenes, Zürich,
veröffentlicht. Der Roman ist Teil der Diogenes-Neuübersetzungen
der Werke von Patricia Highsmith und wird abgerundet mit einem
informativen Nachwort von Paul Ingendaay.
464 Seiten, CHF 39.90
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