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Lena Blaudez: "Farbfilter" (Kriminalroman)
| Unionsverlag
Schwarz auf Weiss
In Lena Blaudez neuestem Buch stolpert
die Fotografin und Afrikaliebhaberin Ada Simon von einem Mord
zum anderen. Ob dem vielen Sterben ist bedauerlicherweise die
erzählte Geschichte über internationalen Rohstoff-,
Holz- und Menschenhandel zu dürftig und undurchschaubar
geraten, der Farb- gerät zum Graufilter und lässt den
Leser im Dunkeln.
Von Raphaela Gysi.
Farbfilter beginnt in einem pittoresken Schloss
in Mecklenburg, eine der entwicklungsbedürftigsten Regionen
Deutschlands. Ada Simon nimmt an einer internationalen Konferenz
über den Handel mit Tropenhölzern teil und wird durch
die Begegnung mit einem alten Bekannten in die Vergangenheit
zurückgeworfen.
Geruchsinn
Eigentlich wollte Ada nur eine Fotoserie für ein europäisches
Wochenjournal fertig stellen; unvermittelt wird sie jedoch in
eine Mordserie verwickelt, die sie nicht mehr loszulassen scheint.
In Westafrika verschwindet ein Umweltaktivist, ein katholischer
Pater wird ermordet und Ada gilt als Hauptverdächtigte.
Mit einer Ausreisesperre versehen bleibt ihr nichts anderes übrig,
als dem Mord am Pater auf den Grund zu gehen. Dabei hat sie nicht
nur eine gefährliche Dschungelreise, ein Abenteuer mit einem
frisch verheirateten Einheimischen, sondern auch die Malaria
und Nächte im Hurenhaus zu überstehen.
Lena Blaudez vermag mit wenigen Worten die
farbenfrohe und verrückte Welt des schwarzen Kontinents
zu Papier zu bringen. Die Afrikaerfahrung der Autorin ist auf
jeder Seite spür-, manchmal sogar riechbar. Egal ob Douala,
der westafrikanische Urwald oder Lolodorf, alle Orte verbindet
Lena Blaudez mit einem bestimmten Geruch. Auf diese Weise wird
dem Leser ermöglicht, sich noch tiefer in die westafrikanische
Welt einzuschnuppern.
Unsinn
Leider vermag die Story um den ermordeten Umweltaktivisten mit
der deskriptiven Feinfühligkeit nicht mithalten. Die handelnden
Figuren sterben wie die sprichwörtlichen Fliegen und zu
diesem Zwecke werden Gorillafallen, Voodoozauber, Pistolen und
auch schon mal die blossen Hände eingesetzt. Die
Hinweise darauf, wer wen aus welchem Grund ermordet hat oder
gerne noch ermorden würde, sind spärlich gesät
und vermögen es auch gegen Ende des Buches nicht, Licht
ins Dunkle zu bringen. Anfänglich scheint sich die Geschichte
um den internationalen Holzhandel zu drehen, plötzlich werden
illegale Rohstofftransfers zum Mittelpunkt des Interesses und
zu Guter letzt wird auch noch der Sklavenhandel mit kleinen Kindern
thematisiert.
Der Showdown zwischen Schwarz und Weiss, zwischen
Ada Simon und den mysteriösen Hintermännern der blutigen
Morde, findet fernab des farbigen Afrikas im mecklenburgischen
Schloss statt. Doch auch der Szenenwechsel führt nicht zur
erhofften Aufklärung, die Motive hinter den Verbrechen bleiben
nach wie vor im Dunkeln.
Dies mögen alles dringende ökologische
und humanitäre Probleme - nicht nur in Afrika -
sein, der Versuch alles auf einmal in einem plausiblen Kriminalroman
zu verknüpfen, muss aber leider als missglückt bezeichnet
werden.
282 Seiten, CHF 34.90
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