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Nr. 144 / Juni 2006

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Dieter E. Zimmer: "Nabokov reist im Traum in das Innere Asiens" (Reiseabenteuerbuch/Anthologie) | Rowohlt
Lesen und träumen und reisen

"Ich sehe, wie er sich inmitten des Gepolters abrutschender Steine von seinem Sattel hinunterbeugt und in dem an einem langen Stock befestigten Netz mit einer weiten Ausholbewegung einen königlichen Verwandten unserer Apollofalter fängt."

Von Vera Sirin.

Dieses Buch besteht aus zwei Teilen. Der erste Teil besteht aus dem Reisebericht von Nabokov, in welchem er eine fiktive Reise seines Vaters so beschreibt, als wäre er dabeigewesen. Der zweite Teil beschreibt die Reise von russischen, englischen, granzösischen und deutschen Entdeckungsreisenden, welche im ausgehenden 19. Jahrhundert in die Dsungarei, nach Ostturkestan, in die Mongolei, nach Westchina und nach Tibet reisten. Zur selben Zeit und am selben Ort spielt die geträumte Reise von Nabokov und seinem Vater.

Zwei Reisen, eine Geschichte
Beide Reisen sind zur selben Zeit und am selben Ort angesiedelt, doch die eine hat tatsächlich stattgefunden, während die andere nur erträumt ist. Erstaunlicherweise mangelt es der geträumten Reise keineswegs an farbenprächtigen, schillernden und vor allen Dingen historisch korrekten Details. Nabokov machte seinem Ruf als peinlich genauer Rechercheur alle Ehre mit diesem Reisebericht. Dieter E. Zimmer spürte seinen Quellen nach und listete sie fein säuberlich im Anhang auf. In Wirklichkeit war Nabokokvs Vater Politiker und kein Schmetterlingsforscher, jedoch arbeitete Nabokov selbst am Museum of Natural History einige Jahre lang als Schmetterlingsexperte. Zweifellos ist dieser Band ein Leckerbissen für alle philologischen Glasperlenspieler.

Ein "must-have"
Dies ist ein Buch, welches man sich gerne ins Bücherregal stellt. Es ist reich illustriert mit zeitgenössischen Fotos und Stichen. Jedoch wie bei allen Büchern, die eine gute Figur im Bücherregal machen, braucht es einen gewissen Durchhaltewillen beim Lesen. Einige Längen und detaillierte Beschreibungen wollen durchgestanden und erkämpft werden. Doch trotz fehlender Spannung und Unterhaltsamkeit bringt einem dieses Buch sowohl seine Zeit als auch seinen Ort näher. Man kann sich gut in die Expeditionsteilnehmer hineinfühlen. Auch der Erzählstil der ersten Hälfte ist darauf ausgelegt, den Leser in die Geschichte "hineinzuziehen". Der Erzähler wechselt unmerklich von der Er- in die Ich-Perspektive.

Ein must-have für alle Philologen, Glasperlenspieler, Schmetterlingsforscher und solche, die es werden wollen.

318 Seiten, CHF 52.20

Info

Nabokov wurde durch seinen Roman "Lolita" weltberühmt. Stanley Kubricks Verfilmung der Geschichte des Lehrers Humbert Humbert welcher sich in die minderjährige Tochter seiner Vermieterin verliebt gilt als Klassiker der Filmgeschichte. Literarisch gesehen ist "Die Gabe" das wohl bedeutendste Werk Nabokovs.


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