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Nr. 144 / Juni 2006

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Marcel Beyer: "Vergesst mich" (Roman) | Dumont Speicher
Vergesst dieses Buch!

"Ein Mann und seine Freundin laufen unter dem klaren Novemberhimmel durchs Zentrum von Madrid", heißt es im Klappentext des Buches. Viel mehr sinnvolle Handlung gibt es dann auch nicht. In einem Sprichwort heißt es "Man muss die Kunst lieben, nicht verstehen." Ich kann für den Autor nur hoffen, dass sein Roman einen Liebhaber findet.

Von Suzanne Walter.

Der Erzähler und seine Freundin sind nach Madrid gereist, wo sie sich von einem Taxi einfach mal ans andere Ende der Stadt fahren lassen, um sich dann selbst den Weg zurück zu ihrem Hotel zu suchen. Sie geraten in das Ende eines Falangistenaufmarsches und der Erzähler schwelgt seitenlang in Erinnerungen an den einstigen General Franco, von dem viele Devotionalien zum Verkauf angeboten werden. Ein Bild mit Sonnenbrille fasziniert unseren Madridreisenden besonders und es erinnert ihn an einen Freund...

Der verrückte Freund
Dieser Freund meinte auf einer Madridreise sich selbst in einem Werbespot zu erkennen, oder vielmehr sein Gesicht als Kleinkind. Dies stürzt ihn in eine gewaltige Identitätskrise, aus der er sich nicht mehr herauszuarbeiten vermag. Er telefoniert oft mit dem Erzähler und teilt ihm seine Vermutungen zur Entstehung des Bildes mit und somit auch dem Leser, der sich wohl oder übel durch diese abstrusen Teile der Erzählung kämpfen muss...

Vergesst mich
Der Titel des Buches steht in Bezug auf die Angst des Erzählers, den Freund an dessen Wahnvorstellungen verlieren zu können. Er ruft sogar bei der Frau des Verwirrten an, um etwas über dessen Zustand herauszubekommen. Dabei wäre der Leser wohl froh darüber, wenn dieses leidige Thema endlich abgehakt werden könnte. Das Drama findet sein Ende im Hotelzimmer von Madrid, in dem der Erzähler schließlich feststellt, dass er sich in Sorge um den Freund von der eigenen Freundin entfernt hat.

Zum Schluss
lässt sich nur noch sagen, dass das Buch wenigstens recht dünn war. Ich möchte niemandem verbieten, "Vergesst mich" zu lesen. Empfehlen kann ich es jedoch auch nicht. Marcel Beyer hat nach meiner Ansicht einen experimentellen Roman für Liebhaber geschaffen, der sich dem breiteren Publikum verschließt. Verwirrend aufgebaut und vom Verlauf der Handlung her oft unlogisch versteht sich der Roman wohl eher als Kunstwerk als ein Lesegenuss.

60 Seiten, CHF 13.90


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