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Marcel Beyer: "Vergesst mich" (Roman)
| Dumont Speicher
Vergesst dieses Buch!
"Ein Mann und seine Freundin
laufen unter dem klaren Novemberhimmel durchs Zentrum von Madrid",
heißt es im Klappentext des Buches. Viel mehr sinnvolle
Handlung gibt es dann auch nicht. In einem Sprichwort heißt
es "Man muss die Kunst lieben, nicht verstehen." Ich
kann für den Autor nur hoffen, dass sein Roman einen Liebhaber
findet.
Von Suzanne Walter.
Der Erzähler und seine Freundin sind
nach Madrid gereist, wo sie sich von einem Taxi einfach mal ans
andere Ende der Stadt fahren lassen, um sich dann selbst den
Weg zurück zu ihrem Hotel zu suchen. Sie geraten in das
Ende eines Falangistenaufmarsches und der Erzähler schwelgt
seitenlang in Erinnerungen an den einstigen General Franco, von
dem viele Devotionalien zum Verkauf angeboten werden. Ein Bild
mit Sonnenbrille fasziniert unseren Madridreisenden besonders
und es erinnert ihn an einen Freund...
Der verrückte Freund
Dieser Freund meinte auf einer Madridreise
sich selbst in einem Werbespot zu erkennen, oder vielmehr sein
Gesicht als Kleinkind. Dies stürzt ihn in eine gewaltige
Identitätskrise, aus der er sich nicht mehr herauszuarbeiten
vermag. Er telefoniert oft mit dem Erzähler und teilt ihm
seine Vermutungen zur Entstehung des Bildes mit und somit auch
dem Leser, der sich wohl oder übel durch diese abstrusen
Teile der Erzählung kämpfen muss...
Vergesst mich
Der Titel des Buches steht in Bezug
auf die Angst des Erzählers, den Freund an dessen Wahnvorstellungen
verlieren zu können. Er ruft sogar bei der Frau des Verwirrten
an, um etwas über dessen Zustand herauszubekommen. Dabei
wäre der Leser wohl froh darüber, wenn dieses leidige
Thema endlich abgehakt werden könnte. Das Drama findet sein
Ende im Hotelzimmer von Madrid, in dem der Erzähler schließlich
feststellt, dass er sich in Sorge um den Freund von der eigenen
Freundin entfernt hat.
Zum Schluss
lässt sich nur noch sagen, dass
das Buch wenigstens recht dünn war. Ich möchte niemandem
verbieten, "Vergesst mich" zu lesen. Empfehlen kann
ich es jedoch auch nicht. Marcel Beyer hat nach meiner Ansicht
einen experimentellen Roman für Liebhaber geschaffen, der
sich dem breiteren Publikum verschließt. Verwirrend aufgebaut
und vom Verlauf der Handlung her oft unlogisch versteht sich
der Roman wohl eher als Kunstwerk als ein Lesegenuss.
60 Seiten, CHF 13.90
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