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Nr. 144 / Juni 2006

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Ulrike Purschke: "Hendrikje, vorübergehend erschossen" (Roman) | dtv premium
Leben lohnt

Das Leben könnte so schön sein würde es nicht dann und wann von den kleinen Alltagsproblemen beschwert. Aber nicht immer bietet sich sofort ein Ausweg an. Wenn das Blau des Himmels für immer hinter einem Grauschleier verdeckt zu sein scheint, gibt es für Viele nur eine Lösung: Suizid. So denkt auch Hendrikje, doch ihr Versuch sich zu erhängen scheitert kläglich.

Von Fee Anabelle Riebeling.

Hendrikje Schmidt steht kurz vor ihrem vierunddreißigsten Geburtstag, als Schlag auf Schlag ihr Leben zerbricht. Gerade noch bekommt sie die Zusage für eine Ausstellung mit ihren eigenen Malereien und ihr Leben scheint eine positive Wendung zu nehmen. Doch plötzlich trennt sich der Freund, die Grossmutter stirbt am Weihnachtsabend und das Atelier mit ihren Bildern brennt in der gleichen Nacht noch ab und die Versicherung zahlt nicht, weil es angeblich Brandstiftung war. Ihr Leben ist ein Scherbenhaufen, direkt daneben ein riesiger Schuldenberg.

Es reicht
Hendrikje hat genug von ihrem Leben und versucht es zu beenden. Aber auch das klappt nicht. Ganz alleine und mit dem Vorsatz überfordert, bittet sie an ihrem Freudentag die Freunde um Unterstützung - bei ihrem Selbstmord. Und die erklären sich bereit, völlig aufopferungsvoll und garantiert ohne Profitgedanken. Natürlich! Doch konsequenterweise missglückt auch die Zusammenarbeit: Hendrikje lebt hinterher immer noch. Was man von zwei ihrer Freunde nicht mehr sagen kann. Irgendwas läuft eben immer schief.

Weiter leben
Wie die Protagonistin es schafft, nicht nur am Leben zu bleiben, sondern auch noch glücklich zu werden, erfährt der Leser von Hendrikje selbst. Mittlerweile inhaftiert, schildert sie mit einer gehörigen Portion Zynismus ihre Erlebnisse der Anstaltspsychologin, der Leser folgt als stiller Zeuge der Unterhaltung. Und so erfährt er, warum Hendrikje gerade in ihrem schwärzesten Moment lernt, ihr Leben wieder positiv zu sehen. Und plötzlich arrangieren sich die Scherben ihres Lebens zu einem unerwarteten Gesamten. Hendrikje ist am Ende stärker und um einige Erkenntnisse reicher als jemals zuvor.

Lesen!
Ulrike Purschke hat mit "Hendrikje, vorübergehend erschossen" einen gelungenen Roman geschrieben. Sie treibt in ihrem Debüt die einzelnen Situationen lustvoll ins Groteske, doch zieht sie diese Konsequenz leider nicht bei der Schilderung aller auftauchenden Charaktere durch. Während sich Hendrikjes Zynismus wie ein roter Faden durch den Text zieht, wird der Galgenhumor der Freunde nicht genug ausgereizt. Die ab und an ausgesprochenen Spitzen sind zu isoliert voneinander - die Geschichte verliert von der einen bis zur anderen zwischenzeitlich an Tempo. Aber nichtsdestotrotz macht es Freude das Buch zu lesen. Und es ist auch ein Muss: Denn auf den letzten Seiten wird besonders deutlich, dass dieser Roman ein clever ausgeklügeltes und durchdacht formuliertes Kunstwerk ist. Einfach gut.

220 Seiten, CHF 21.10

Zur Autorin

Ulrike Purschke wurde 1961 in Kassel geboren. Nach dem Abitur ging sie nach Hamburg um dort u.a. am Deutschen Schauspielhaus als Schauspielerin zu arbeiten. Danach studierte sie darstellende Kunst in Hamburg, Literaturwissenschaft in Rom und ging dann doch wieder in die Hansestadt für ihr Studium der Filmdramaturgie. Nach unzähligen Drehbüchern ist "Hendrikje, vorübergehend erschossen" nun ihr erster Roman. 1996 erhielt Purschke den Preis für das beste Drehbuch für den Kurzfilm "Höhere Gewalt". Die Autorin lebt in Berlin und ist Mitglied im Autorenteam der ZDF-Telenovela "Julia - Wege zum Glück".


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