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Curzio Malaparte: "Die Haut" (Roman)
| Zsolnay
Tanz auf dem Vulkan
«Curzio Malaparte lesen ist
eine Zumutung. Doch sie lohnt sich.» Dies schreibt die
märkische Allgemeine.de über den Roman «Die Haut».
Dem kann man nur voll und ganz zustimmen. Doch selten machte
es so viel Spass, die Doppeldeutigkeiten und Anspielungen eines
Zynikers zu entwirren.
Von Nicole Disler.
«Kannst du garantieren, dass wir nicht
in eine Falle gehen?» «Ich kann gar nichts garantieren,
wir sind im Kriege, denke ich.» «Der General will
wissen, ob die Via Appia Antica »im allgemeinen«
sicherer ist.» «Was soll »im allgemeinen«
bedeuten?» fragte ich Jack «Will er sagen: für
gewöhnlich? In Friedenszeiten ist es eine ganz sichere Strasse,
Jetzt weiss ich's nicht.» «Im allgemeinen»,
meinte Jack «soll vielleicht heissen: im besonderen.»
«Ich weiss nicht, ob sie im besonderen sicher ist, aber
gewiss ist sie schöner.»
Bessere Menschen sind die schöneren
Sieger
Genau wie «Kaputt» ist auch «Die Haut»
ein Antikriegsroman. Malaparte erzählt von seiner Zeit als
Verbindungsoffizier 1943, nachdem Neapel durch die Amerikaner,
diese stolzen, gross gewachsenen, besseren Menschen mit den weissen
Zähnen befreit wurde. Malaparte wandert durch das pestverseuchte,
unterlegene Neapel. «Einen Krieg zu verlieren ist zweifelsfrei
viel schwieriger als ihn zu gewinnen». Begeistert werfen
italienische Widerstandskämpfer ihre Waffen in den Dreck,
dem erstbesten, und auch den Amerikanern, zu Füssen. Immer
und immer wieder, weil es so ein Heidenspass ist. Wer die Antiamerika
Romane von Michael Moore gemocht hat, jedoch vielleicht etwas
flach fand, wird dieses Buch lieben. Jedoch auch Europa kommt
nicht gerade gut weg.
Scharfe Zunge und keine Gnade
Voll scharfzüngigem Witz und nicht mit doppeltem, sondern
oft gleich dreifachem Boden beschreibt Malaparte sein Neapel.
Wer Malaparte tatsächlich ist, wie denn nun seine wahre
politische Gesinnung ist, bleibt auch in diesem Buch weitgehend
schleierhaft. Er dreht sein Mäntelchen nach jedem Wind und
bewundert hingebungsvoll mal die eine, mal die andere Seite.
Die Ironie mischt sich oft mit Geständnissen und dies alles
wird untermalt von schauerlichen Bildern aus dem verlorenen,
unterlegenen Neapel. Da zeigt sich die letzte echte Jungfrau
Neapels für einen Dollar mit gespreizten Beinen vor amerikanischen
Offizieren, oder ein Mann, welcher von einem Panzer überrollt
wurde, bleibt am Boden als «in Menschenform zugeschnittene
Haut» zurück.
Wer Wortwitz mag, wer schnelle Wortwechsel
schätzt und Doppeldeutigkeiten geniesst, wird an diesem
Buch seine helle Freude haben. Auch heute ist Malaparte noch
brandaktuell. Um ein oft verwendetes Bild zu benutzen: Dieses
Buch ist ein Tanz auf dem Vulkan!
444 Seiten, CHF 46.20
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