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Nr. 144 / Juni 2006

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Curzio Malaparte: "Die Haut" (Roman) | Zsolnay
Tanz auf dem Vulkan

«Curzio Malaparte lesen ist eine Zumutung. Doch sie lohnt sich.» Dies schreibt die märkische Allgemeine.de über den Roman «Die Haut». Dem kann man nur voll und ganz zustimmen. Doch selten machte es so viel Spass, die Doppeldeutigkeiten und Anspielungen eines Zynikers zu entwirren.

Von Nicole Disler.

«Kannst du garantieren, dass wir nicht in eine Falle gehen?» «Ich kann gar nichts garantieren, wir sind im Kriege, denke ich.» «Der General will wissen, ob die Via Appia Antica »im allgemeinen« sicherer ist.» «Was soll »im allgemeinen« bedeuten?» fragte ich Jack «Will er sagen: für gewöhnlich? In Friedenszeiten ist es eine ganz sichere Strasse, Jetzt weiss ich's nicht.» «Im allgemeinen», meinte Jack «soll vielleicht heissen: im besonderen.» «Ich weiss nicht, ob sie im besonderen sicher ist, aber gewiss ist sie schöner.»

Bessere Menschen sind die schöneren Sieger
Genau wie «Kaputt» ist auch «Die Haut» ein Antikriegsroman. Malaparte erzählt von seiner Zeit als Verbindungsoffizier 1943, nachdem Neapel durch die Amerikaner, diese stolzen, gross gewachsenen, besseren Menschen mit den weissen Zähnen befreit wurde. Malaparte wandert durch das pestverseuchte, unterlegene Neapel. «Einen Krieg zu verlieren ist zweifelsfrei viel schwieriger als ihn zu gewinnen». Begeistert werfen italienische Widerstandskämpfer ihre Waffen in den Dreck, dem erstbesten, und auch den Amerikanern, zu Füssen. Immer und immer wieder, weil es so ein Heidenspass ist. Wer die Antiamerika Romane von Michael Moore gemocht hat, jedoch vielleicht etwas flach fand, wird dieses Buch lieben. Jedoch auch Europa kommt nicht gerade gut weg.

Scharfe Zunge und keine Gnade
Voll scharfzüngigem Witz und nicht mit doppeltem, sondern oft gleich dreifachem Boden beschreibt Malaparte sein Neapel. Wer Malaparte tatsächlich ist, wie denn nun seine wahre politische Gesinnung ist, bleibt auch in diesem Buch weitgehend schleierhaft. Er dreht sein Mäntelchen nach jedem Wind und bewundert hingebungsvoll mal die eine, mal die andere Seite. Die Ironie mischt sich oft mit Geständnissen und dies alles wird untermalt von schauerlichen Bildern aus dem verlorenen, unterlegenen Neapel. Da zeigt sich die letzte echte Jungfrau Neapels für einen Dollar mit gespreizten Beinen vor amerikanischen Offizieren, oder ein Mann, welcher von einem Panzer überrollt wurde, bleibt am Boden als «in Menschenform zugeschnittene Haut» zurück.

Wer Wortwitz mag, wer schnelle Wortwechsel schätzt und Doppeldeutigkeiten geniesst, wird an diesem Buch seine helle Freude haben. Auch heute ist Malaparte noch brandaktuell. Um ein oft verwendetes Bild zu benutzen: Dieses Buch ist ein Tanz auf dem Vulkan!

444 Seiten, CHF 46.20


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