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Nicol Ljubic: "Heimatroman oder wie mein
Vater ein Deutscher wurde" (Roman) | DVA
Reise in die Vergangenheit
Gemeinsam mit seinem Vater fährt
Nicol Ljubic nach Kroatien, um von dort die abenteuerliche Reise,
die seinen Vater vor vierzig Jahren von Zagreb nach Deutschland
geführt hat, zu rekonstruieren - eine spannende Vater-Sohn-Geschichte.
Von Stephan Sigg.
Nicol Ljubic will die Vergangenheit seines
Vaters kennen lernen und herausfinden, ob seine Erinnerungen
tatsächlich der Realität entsprechen. So setzen sie
sich in Bremen ins Auto und fahren nach Kroatien. Der Vater,
der sich selbst als richtiger Deutscher bezeichnet, hat sich
in seiner neuen Heimat hochgearbeitet - vom Flüchtling
zum angesehen Lufthansa-Mechaniker. Doch nun, von einer längeren
Krankheit gezeichnet, ist er nicht mehr der "Grizzly",
wie man ihn früher oft genannt hat. Trotzdem ist der Sohn
fest von der Notwendigkeit der Vater-Sohn-Reise überzeugt.
Flucht aus Jugoslawien
Nach einem Verwandtenbesuch in Zagreb,
beginnt der eigentliche Teil ihres Abenteuers: Sie fahren nach
Triest, wo Nicol Ljubics Vater die erste Zeit nach seiner Flucht
aus dem kommunistischen Jugoslawien verbracht hat. Sofort wird
beiden klar, dass die Zeit ihre Spuren in der Stadt hinterlassen
hat. Es braucht einiges an Rekonstruktionsarbeit, bis sich Ljubics
Vater wieder an die alten Häuser und Strassen erinnert.
Doch Autor Ljubic kann sich selbst überzeugen, dass die
Geschichten von seinem Vater nicht erfunden sind, sondern tatsächlich
der Wahrheit entsprechen. Das gleiche wiederholt sich in den
nächsten Stationen auf Korsika und in Südfrankreich.
Nur eine bleibt verschollen: Die geheimnisvolle
Monique, mit der Ljubics Vater in den 60ern Jahren eine Affäre
gehabt haben will. Die angebliche Besitzerin einer Metzgerei
und Dame von Welt, die damals rege Kontakte zum Who-is-Who der
französischen Highsociety pflegte, ist wie vom Erdboden
verschluckt und keiner will sich an sie erinnern. Hat es sie
wirklich gegeben oder ist sie bloss ein Hirngespinst?
Mit einem Augenzwinkern
"Heimatroman" ist eine spannende
Erzählung im Stil eines "Road-Movie". Der Autor
(geboren 1971) mit kroatischen Wurzeln erzählt ohne Pathos,
dafür aber mit einem Augenzwinkern auf ganz persönliche
Weise einen Teil seiner Lebensgeschichte. Stets weiss er den
verschiedenen Erzählungen, eine komische Seite abzugewinnen.
Vater und Sohn sind unterwegs und lernen sich dabei immer besser
kennen und lernen auch, ihre Macken und Ticks besser zu akzeptieren.
Eine gelungene Schilderung über einen Vater, der als Gastarbeiter
nach Deutschland gekommen ist und nun dort "deutscher als
mancher Deutscher" ist und einen Sohn, der eine aussergewöhnliche
Reise in die Vergangenheit und damit gleichzeitig ein Stück
Gastarbeiter-Geschichte beschreibt.
213 Seiten, CHF 31.90
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