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Nr. 144 / Juni 2006

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Iain Levison: "Abserviert" (Roman) | Matthes & Seitz Berlin
Was für eine Drecksarbeit

Er hat einen Hochschulabschluss in Englisch und trotzdem müht er sich mit schlechtbezahlten Jobs ab: Iain Levison erzählt von seiner mühseligen Odyssee durch den Untergrund der US-Arbeitswelt - ein packender Roman!

Von Stephan Sigg.

Mangelnde Arbeitsbereitschaft kann man diesem Autor in der Tat nicht vorwerfen. Im Stil eines Günther Wallraffs schildert er, wie es um die Jobs in den USA steht und zwar aus erster Hand: Vom Tellerwäscher zum Millionär? Vergiss es! Iain Levison hat einen Hochschulabschluss in Englisch in der Tasche und doch wird er immer wieder "abserviert". Mit viel Flexibilität tingelt er von einem Job zum nächsten, versucht sich als Möbelpacker, als Supermarkt-Arbeiter und fliegt sogar nach Alaska, um in einem verrosteten Kahn im Schichtbetrieb gefangene Fische auseinander zu nehmen.

Schuften bis zum Umfallen
Die Sklaverei wurde abgeschafft? Spätestens nach der Lektüre von "Abserviert" muss die Frage mit einem eindeutigem "Nein" beantwortet werden. Iain Levison erzählt von Arbeitgebern, die ihrem "Humankapital" jegliche Würde und Ethik absprechen. Kündigungsschutz, Gewerkschaft oder bezahlten Urlaub? - Kannst du vergessen! In diesen Betrieben wird geschuftet bis zum Umfallen. Denn das einzige, was zählt, ist der Profit und nach dem hat sich jeder zu richten.

Dubiose Stellenausschreibungen
Auch wenn Levison manchmal ganz unten durch muss, gibt er nicht auf und versucht es immer wieder von Neuem. Was bleibt ihm auch anderes übrig? Von irgendetwas müssen Miete, Essen & Co ja bezahlt werden. Doch mit der Zeit hat er den Dreh raus und weiss, auf welche Stellenausschreibungen man sich sowieso nicht melden und auf welche "erfolgsversprechende" Geschäftsmethoden man sich besser nicht einlassen soll. Denn viele Unternehmen benötigen ihre Angestellten nicht nur zur Profitoptimierung, sondern schlagen aus dem Arbeiter selbst Profit.

Packender als mancher Thriller
Levison nimmt in seinen Erzählungen kein Blatt vor den Mund und zeigt, dass zum Überleben in diesem wilden Arbeitsdschungel zwei Dinge notwendig sind: zynischer Humor und eine grössere Portion List. Der Autor und Sohn deutscher Eltern muss sich mittlerweile nicht mehr mit solchen krassen Jobs herumschlagen, konnte er mit seinem Kriminal-Roman "Betriebsbedingt gekündigt" in den USA und in vielen europäischen Ländern doch grosse Erfolge feiern. Auch mit "Abserviert" dürfte er viele Leser begeistern. Levison zieht seinen Leser total in den Bann. "Abserviert" ist packender als mancher Thriller - einer der spannendsten Romane seit langem!

219 Seiten, CHF 34.80


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