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Iain Levison: "Abserviert" (Roman)
| Matthes & Seitz Berlin
Was für eine Drecksarbeit
Er hat einen Hochschulabschluss in
Englisch und trotzdem müht er sich mit schlechtbezahlten
Jobs ab: Iain Levison erzählt von seiner mühseligen
Odyssee durch den Untergrund der US-Arbeitswelt - ein packender
Roman!
Von Stephan Sigg.
Mangelnde Arbeitsbereitschaft kann man diesem
Autor in der Tat nicht vorwerfen. Im Stil eines Günther
Wallraffs schildert er, wie es um die Jobs in den USA steht und
zwar aus erster Hand: Vom Tellerwäscher zum Millionär?
Vergiss es! Iain Levison hat einen Hochschulabschluss in Englisch
in der Tasche und doch wird er immer wieder "abserviert".
Mit viel Flexibilität tingelt er von einem Job zum nächsten,
versucht sich als Möbelpacker, als Supermarkt-Arbeiter und
fliegt sogar nach Alaska, um in einem verrosteten Kahn im Schichtbetrieb
gefangene Fische auseinander zu nehmen.
Schuften bis zum Umfallen
Die Sklaverei wurde abgeschafft? Spätestens
nach der Lektüre von "Abserviert" muss die Frage
mit einem eindeutigem "Nein" beantwortet werden. Iain
Levison erzählt von Arbeitgebern, die ihrem "Humankapital"
jegliche Würde und Ethik absprechen. Kündigungsschutz,
Gewerkschaft oder bezahlten Urlaub? - Kannst du vergessen!
In diesen Betrieben wird geschuftet bis zum Umfallen. Denn das
einzige, was zählt, ist der Profit und nach dem hat sich
jeder zu richten.
Dubiose Stellenausschreibungen
Auch wenn Levison manchmal ganz unten
durch muss, gibt er nicht auf und versucht es immer wieder von
Neuem. Was bleibt ihm auch anderes übrig? Von irgendetwas
müssen Miete, Essen & Co ja bezahlt werden. Doch mit
der Zeit hat er den Dreh raus und weiss, auf welche Stellenausschreibungen
man sich sowieso nicht melden und auf welche "erfolgsversprechende"
Geschäftsmethoden man sich besser nicht einlassen soll.
Denn viele Unternehmen benötigen ihre Angestellten nicht
nur zur Profitoptimierung, sondern schlagen aus dem Arbeiter
selbst Profit.
Packender als mancher Thriller
Levison nimmt in seinen Erzählungen
kein Blatt vor den Mund und zeigt, dass zum Überleben in
diesem wilden Arbeitsdschungel zwei Dinge notwendig sind: zynischer
Humor und eine grössere Portion List. Der Autor und Sohn
deutscher Eltern muss sich mittlerweile nicht mehr mit solchen
krassen Jobs herumschlagen, konnte er mit seinem Kriminal-Roman
"Betriebsbedingt gekündigt" in den USA und in
vielen europäischen Ländern doch grosse Erfolge feiern.
Auch mit "Abserviert" dürfte er viele Leser begeistern.
Levison zieht seinen Leser total in den Bann. "Abserviert"
ist packender als mancher Thriller - einer der spannendsten
Romane seit langem!
219 Seiten, CHF 34.80
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