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Jan Koneffke: "Abschiedsnovelle"
(Roman) | Dumont Speicher
Keine Spur von einem "Abschied ohne Schmerz"!
Ein vollkommen fehlleitender Klappentext
ist keine gute Visitenkarte für einen Roman! Wenn dann auch
noch die Handlung zu wünschen übrig lässt, hilft
es auch nichts mehr, wenn sich der Autor handwerklich als Talent
entpuppt.
Von Magdalena Pfaffl.
Der Klappentext verspricht eine Geschichte
"von Liebe und Erotik ohne die Furcht vor dem Tod und einem
Abschied ohne Schmerz". Selten hat die Verfasserin dieses
Artikels einen so unzutreffenden Klappentext gelesen. Fast könnte
man an dieser Stelle von einer Irreführung des Lesers schreiben.
Liebe und Erotik findet man in "Abschiedsnovelle" zwar
en masse, auch den Namen gebenden Abschied findet man schließlich
am Ende des Buches ganz plötzlich, wenn man schon gar nicht
mehr darauf hofft. Ansonsten aber hat Jan Koneffkes "Abschiedsnovelle"
nicht viel gemeinsam mit dem durch den Klappentext vorgestellten
Buch.
Eine "sinnenfrohe Liebe"
Der erfolglose Junganwalt Johannes trifft auf die schon beinahe
beängstigend lebenslustige Claire. In rastlosen Nächten
und Tagen verliebten sich Johannes und Claire ineinander und
werden ein Paar. Es entwickelt sich eine - wie der Klappentext
ausnahmsweise richtig schreibt - "sinnenfrohe Liebe"
voller Erotik aber auch mit der Ahnung eines Geheimnisses rund
um Claire. Sie ist zu sehr auf ihre Freiheit bedacht, zu flatterhaft
und unbeschwert, als dass diesem Charakter nicht eine Tragödie
zu Grunde läge.
Das und der Titel "Abschiedsnovelle" lassen nun, da
der Leser das Liebespaar Claire und Johannes hinlänglich
kennen gelernt hat, auf die Auflösung des Rätsels warten,
die wohl einen "Abschied" mit sich bringen muss.
Eine endlose Abfolge von Momentaufnahmen
Und so liest man Seite um Seite. Weniger, weil Jan Koneffke mit
einer so spannenden Handlung aufzuwarten hätte, vielmehr
beschreibt er eine endlose Abfolge von Momentaufnahmen im gemeinsamen
Leben von Johannes und Claire, sondern wegen des Geheimnisses
um Claire. Was ist es, was sie zu der macht, die sie ist? Und
was ist das für ein "Abschied", über den
Koneffke schreiben soll?
Schließlich schreibt Koneffke über den Urlaub in Rom,
welcher auch im Klappentext beschrieben wurde. Es bleiben nur
noch ein paar dutzend Seiten bis zum Buchende und die Spannung
steigt.
Ein Abschied - voll Schmerz!
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Das etruskische "Liebespaar von
Cerveteri" soll Jan Koneffke als Inspiration für seine
"Abschiedsnovelle" gedient haben.
Quelle: Wikipedia |
Tatsächlich. Auf einmal ist Claire
verschwunden. Einfach so. Doch keine Spur von einem "Abschied
ohne Schmerz". Im Gegenteil: Am Boden zerstört fliegt
Johannes schließlich nach Deutschland zurück, verkriecht
sich in seiner Wohnung und siecht langsam dahin. Aber warum ist
Claire so plötzlich verschwunden?
Doch Jan Koneffke gibt keine Antworten. Er stellt Frage um Frage
in den Raum und seine "Abschiedsnovelle" ist vollgeladen
mit Geheimnissen und Mysterien. Ja, man könnte meinen, die
ganze Person der "Claire" sei ein einziges Mysterium.
Doch alles, was Koneffke dem Leser zu bieten hat, ist eine zarte
neue Liebe, um wenigstens seinen Protagonisten, Johannes, nicht
vollkommen am Boden zerstört zurückzulassen.
"Abschiedsnovelle" ist eine Erzählung
mit Potenzial, und das trifft auch auf ihren Autor, Jan Koneffke,
zu. Er versteht es, den Charakteren Leben einzuhauchen. Und er
tut das so gut, dass er seinen Leser nur um ihretwillen dazu
bringt, sich nicht von seinem Buch losreißen zu können.
Angesichts dieser handwerklichen Fähigkeiten ist es wirklich
schade, dass "Abschiedsnovelle" inhaltlich nichts zu
bieten hat!
112 Seiten, CHF 13.90
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