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Nr. 144 / Juni 2006

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Jan Koneffke: "Abschiedsnovelle" (Roman) | Dumont Speicher
Keine Spur von einem "Abschied ohne Schmerz"!

Ein vollkommen fehlleitender Klappentext ist keine gute Visitenkarte für einen Roman! Wenn dann auch noch die Handlung zu wünschen übrig lässt, hilft es auch nichts mehr, wenn sich der Autor handwerklich als Talent entpuppt.

Von Magdalena Pfaffl.

Der Klappentext verspricht eine Geschichte "von Liebe und Erotik ohne die Furcht vor dem Tod und einem Abschied ohne Schmerz". Selten hat die Verfasserin dieses Artikels einen so unzutreffenden Klappentext gelesen. Fast könnte man an dieser Stelle von einer Irreführung des Lesers schreiben. Liebe und Erotik findet man in "Abschiedsnovelle" zwar en masse, auch den Namen gebenden Abschied findet man schließlich am Ende des Buches ganz plötzlich, wenn man schon gar nicht mehr darauf hofft. Ansonsten aber hat Jan Koneffkes "Abschiedsnovelle" nicht viel gemeinsam mit dem durch den Klappentext vorgestellten Buch.

Eine "sinnenfrohe Liebe"
Der erfolglose Junganwalt Johannes trifft auf die schon beinahe beängstigend lebenslustige Claire. In rastlosen Nächten und Tagen verliebten sich Johannes und Claire ineinander und werden ein Paar. Es entwickelt sich eine - wie der Klappentext ausnahmsweise richtig schreibt - "sinnenfrohe Liebe" voller Erotik aber auch mit der Ahnung eines Geheimnisses rund um Claire. Sie ist zu sehr auf ihre Freiheit bedacht, zu flatterhaft und unbeschwert, als dass diesem Charakter nicht eine Tragödie zu Grunde läge.
Das und der Titel "Abschiedsnovelle" lassen nun, da der Leser das Liebespaar Claire und Johannes hinlänglich kennen gelernt hat, auf die Auflösung des Rätsels warten, die wohl einen "Abschied" mit sich bringen muss.

Eine endlose Abfolge von Momentaufnahmen
Und so liest man Seite um Seite. Weniger, weil Jan Koneffke mit einer so spannenden Handlung aufzuwarten hätte, vielmehr beschreibt er eine endlose Abfolge von Momentaufnahmen im gemeinsamen Leben von Johannes und Claire, sondern wegen des Geheimnisses um Claire. Was ist es, was sie zu der macht, die sie ist? Und was ist das für ein "Abschied", über den Koneffke schreiben soll?
Schließlich schreibt Koneffke über den Urlaub in Rom, welcher auch im Klappentext beschrieben wurde. Es bleiben nur noch ein paar dutzend Seiten bis zum Buchende und die Spannung steigt.

Ein Abschied - voll Schmerz!

Das etruskische "Liebespaar von Cerveteri" soll Jan Koneffke als Inspiration für seine "Abschiedsnovelle" gedient haben.
Quelle: Wikipedia
Tatsächlich. Auf einmal ist Claire verschwunden. Einfach so. Doch keine Spur von einem "Abschied ohne Schmerz". Im Gegenteil: Am Boden zerstört fliegt Johannes schließlich nach Deutschland zurück, verkriecht sich in seiner Wohnung und siecht langsam dahin. Aber warum ist Claire so plötzlich verschwunden?
Doch Jan Koneffke gibt keine Antworten. Er stellt Frage um Frage in den Raum und seine "Abschiedsnovelle" ist vollgeladen mit Geheimnissen und Mysterien. Ja, man könnte meinen, die ganze Person der "Claire" sei ein einziges Mysterium. Doch alles, was Koneffke dem Leser zu bieten hat, ist eine zarte neue Liebe, um wenigstens seinen Protagonisten, Johannes, nicht vollkommen am Boden zerstört zurückzulassen.

"Abschiedsnovelle" ist eine Erzählung mit Potenzial, und das trifft auch auf ihren Autor, Jan Koneffke, zu. Er versteht es, den Charakteren Leben einzuhauchen. Und er tut das so gut, dass er seinen Leser nur um ihretwillen dazu bringt, sich nicht von seinem Buch losreißen zu können. Angesichts dieser handwerklichen Fähigkeiten ist es wirklich schade, dass "Abschiedsnovelle" inhaltlich nichts zu bieten hat!

112 Seiten, CHF 13.90


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