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Nr. 144 / Juni 2006

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Kevin Brockmeier: "Die Stadt der Toten" (Roman) | Sammlung Luchterhand
Ein Buch über das Erinnern

Die Stadt der Toten ist jener Ort, an dem sich die Toten versammeln, solange man sich auf Erden noch ihrer erinnert. Doch plötzlich beginnt die Stadt sich zu leeren, denn auf der Erde hat sich eine schreckliche Katastrophe ereignet; ein Buch über die Macht der Erinnerung.

Von Magdalena Pfaffl.

Als die Erde von einem schrecklichen Virus, genannt "the Blinks", heimgesucht wird, überlebt nur Laura Byrd, die zu dieser Zeit gerade auf einer einsamen Expedition in der Antarktis war. Und in der Stadt der Toten, jenem Ort zwischen Leben und Tod, an dem die Toten weilen, solange sich noch ein Lebender an sie erinnert, versammeln sich all die Menschen, an die Laura sich erinnert; nicht nur ihre Eltern, Freunde und Arbeitskollegen, sondern auch all die Menschen, denen Laura im Laufe ihres Lebens begegnet ist. Der blinde Mann aus der U-Bahn, das kleine Mädchen, dem Laura den davonfliegenden Luftballon zurückgeben konnte, der Mann, der in der Fußgängerzone einsam den Weltuntergang ankündigt, oder der Geliebte aus der College-Zeit.

Einsamer Kampf ums Überleben
Gleichzeitig kämpft Laura in der Antarktis ganz auf sich gestellt ums Überleben. Nach Wochen ohne Kontakt zur Außenwelt findet sie den Mut, die warme Forschungsstation zu verlassen und sich in die unwirtliche Umwelt der Antarktis hinein auf die Suche nach anderen Menschen zu machen und herauszufinden, was eigentlich geschehen ist. Doch auch, als längst jede Hoffnung verloren scheint und das wahre Ausmaß der Katastrophe nicht mehr zu leugnen ist, weigert Laura sich aufzugeben und daran zu glauben, dass sie der letzte Mensch auf Erden sein könnte. Sie zieht weiter, wieder hinaus in die Kälte, in der Hoffnung, mit einem stärkeren Funkgerät noch andere Überlebende ausfindig zu machen.

Spannung und Philosophie
Kevin Brockmeier verknüpft die beiden Handlungsstränge aus der Stadt der Toten und Lauras einsamen Kampf ums Überleben gekonnt zu einer Geschichte. Wenngleich es keine direkte Interaktion zwischen Laura und den Einwohnern der Stadt der Toten gibt, scheinen doch beide Welten in einem ständigen Wechselspiel zu stehen. Gleichzeitig ergänzen sie sich wunderbar: Lauras Einsamkeit, die aber doch viel Handlung und Spannung bietet, wenn der Leser mit ihr mitfiebert und wissen will, was auf der Erde geschehen ist, und ob es nicht doch noch Menschen gibt, ergänzt sich mit der Stadt der Toten, wo fast schon philosophische Diskussionen über den Menschen, die Erinnerung und das Wesen der Stadt geführt werden.

Prädikat: Lesenswert!
Gekonnt verbindet der mehrfach ausgezeichnete amerikanische Autor Kevin Brockmeier eine Geschichte voll Spannung, von der man sich schwer losreißen kann, mit einer berührenden Erzählung über die Macht der Erinnerung und all die Menschen, mit denen man im Laufe eines Lebens zusammentrifft. Und das alles bei einer moderaten Länge und einem ebenfalls moderaten Preis. Prädikat: lesenswert!

256 Seiten, CHF 16.60


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