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Kevin Brockmeier: "Die Stadt der Toten"
(Roman) | Sammlung Luchterhand
Ein Buch über das Erinnern
Die Stadt der Toten ist jener Ort,
an dem sich die Toten versammeln, solange man sich auf Erden
noch ihrer erinnert. Doch plötzlich beginnt die Stadt sich
zu leeren, denn auf der Erde hat sich eine schreckliche Katastrophe
ereignet; ein Buch über die Macht der Erinnerung.
Von Magdalena Pfaffl.
Als die Erde von einem schrecklichen Virus,
genannt "the Blinks", heimgesucht wird, überlebt
nur Laura Byrd, die zu dieser Zeit gerade auf einer einsamen
Expedition in der Antarktis war. Und in der Stadt der Toten,
jenem Ort zwischen Leben und Tod, an dem die Toten weilen, solange
sich noch ein Lebender an sie erinnert, versammeln sich all die
Menschen, an die Laura sich erinnert; nicht nur ihre Eltern,
Freunde und Arbeitskollegen, sondern auch all die Menschen, denen
Laura im Laufe ihres Lebens begegnet ist. Der blinde Mann aus
der U-Bahn, das kleine Mädchen, dem Laura den davonfliegenden
Luftballon zurückgeben konnte, der Mann, der in der Fußgängerzone
einsam den Weltuntergang ankündigt, oder der Geliebte aus
der College-Zeit.
Einsamer Kampf ums Überleben
Gleichzeitig kämpft Laura in
der Antarktis ganz auf sich gestellt ums Überleben. Nach
Wochen ohne Kontakt zur Außenwelt findet sie den Mut, die
warme Forschungsstation zu verlassen und sich in die unwirtliche
Umwelt der Antarktis hinein auf die Suche nach anderen Menschen
zu machen und herauszufinden, was eigentlich geschehen ist. Doch
auch, als längst jede Hoffnung verloren scheint und das
wahre Ausmaß der Katastrophe nicht mehr zu leugnen ist,
weigert Laura sich aufzugeben und daran zu glauben, dass sie
der letzte Mensch auf Erden sein könnte. Sie zieht weiter,
wieder hinaus in die Kälte, in der Hoffnung, mit einem stärkeren
Funkgerät noch andere Überlebende ausfindig zu machen.
Spannung und Philosophie
Kevin Brockmeier verknüpft die
beiden Handlungsstränge aus der Stadt der Toten und Lauras
einsamen Kampf ums Überleben gekonnt zu einer Geschichte.
Wenngleich es keine direkte Interaktion zwischen Laura und den
Einwohnern der Stadt der Toten gibt, scheinen doch beide Welten
in einem ständigen Wechselspiel zu stehen. Gleichzeitig
ergänzen sie sich wunderbar: Lauras Einsamkeit, die aber
doch viel Handlung und Spannung bietet, wenn der Leser mit ihr
mitfiebert und wissen will, was auf der Erde geschehen ist, und
ob es nicht doch noch Menschen gibt, ergänzt sich mit der
Stadt der Toten, wo fast schon philosophische Diskussionen über
den Menschen, die Erinnerung und das Wesen der Stadt geführt
werden.
Prädikat: Lesenswert!
Gekonnt verbindet der mehrfach ausgezeichnete
amerikanische Autor Kevin Brockmeier eine Geschichte voll Spannung,
von der man sich schwer losreißen kann, mit einer berührenden
Erzählung über die Macht der Erinnerung und all die
Menschen, mit denen man im Laufe eines Lebens zusammentrifft.
Und das alles bei einer moderaten Länge und einem ebenfalls
moderaten Preis. Prädikat: lesenswert!
256 Seiten, CHF 16.60
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