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April, April
Das Editorial diesmal von:
Lukas Hunziker, Chefredaktor
& Co-Leiter Ressort Lesen

Über die Macht der Medien wird heftig
und häufig diskutiert. Zu Recht, denn der Einfluss der Medien
auf Individuum und Gesellschaft ist gewaltig. Die Medien liefern
nicht nur Informationen, sondern bilden auch Meinungen und dies
nur schon, weil eine absolut unvoreingenommene Berichterstattung
ein Ding der Unmöglichkeit ist. Als Journalist kann man
sich zwar um Objektivität bemühen, erreichen kann man
sie nie. Doch sind sich die Leser, Hörer und Zuschauer dessen
bewusst? Mediengläubigkeit ist ein oft gehörtes Schlüsselwort,
das mal mit Furcht, mal mit Abschätzigkeit ausgesprochen
wird. Was aber meint Mediengläubigkeit? Die relativ harmlose
Gewohnheit, den Medien schlicht zu viel Glaube zu schenken? Oder
aber eine Ersatzreligion, deren heiliges Buch die Tageszeitung
und deren Gottesdienst die Fernsehnachrichten sind?
Letzteres hat zweifellos etwas Bedrohliches
und ist weniger realitätsfern, als wir vielleicht glauben.
In den Vereinigten Staaten beispielsweise sind Politik und Medien
seit je her enger verknüpft als bei uns. Ob die US-Medien
wirklich so sehr zur politischen Meinungsmache beigetragen haben,
wie es die Gerüchte besagen, sei dahingestellt. Dass Medienberichte
nicht selten falsche Ängste und Unruhen in der Bevölkerung
auslösen, ist jedoch eine Tatsache. Heute schmunzeln wir
über die Geschichte von Orson Welles' Hörspiel "Krieg
der Welten", welches von vielen Hörern für Realität
gehalten wurde und eine Massenflucht vor den vermeintlichen Ausserirdischen
auslöste. Aber können wir mit Sicherheit sagen, dass
es uns anders gehen würde? Es muss ja nicht immer gleich
die Invasion vom Mars sein; reicht es nicht schon, wenn wir unsere
Meinung über Tagesaktualitäten und politische Vorgänge
von den Medien bilden lassen? Der Grenze zwischen Information
und Beeinflussung ist fliessend; dessen sollten sich sowohl Medienschaffende
wie Konsumenten bewusst sein.
Das Netzmagazin hat die Aprilausgabe zum Anlass
genommen, die Mediengläubigkeit seiner Leserinnen und Leser
auf die Probe zu stellen. In jedem Ressort war am 1. April ein
Scherzartikel zu finden, der mehr oder weniger glaubwürdig
war. Wir kündigten ein Pink Floyd Konzert für die Schweiz
an, gaben die Todesstunde von Campari bekannt, verkauften einen
Teil Spaniens an die USA und berichteten über ein Buch,
das die dunklen Machenschaften des Netzmagazins aufdeckt. Viele
Leserinnen und Leser dürften an der Glaubwürdigkeit
einiger dieser Artikel gezweifelt haben. Aber wir sind sicher,
dass auch so manche und mancher auf einen unserer Aprilscherze
reingefallen ist.
Ab sofort sind die Scherzartikel als solche
gekennzeichnet. Den anderen Artikeln, welche unsere Aprilausgabe
zieren, darf man Glauben schenken. Das ausführliche und
abwechslungsreiche Dossier des Ressorts Denken beschäftigt
sich diesen Monat nicht wie gewohnt mit einem spezifischen Thema,
sondern hat den Denken-Autorinnen und -Autoren freie Hand bei
der Themenwahl gelassen. Das Ressort Hören stellt den verschlafenen
Provokanten Adam Green vor und sprach mit den volljährig
gewordenen Punkrockern von "Mudhoney". Vladimir Nabokov,
Autor von "Lolita" und Schmetterlingsforscher, gibt
sich im Ressort Wissen die Ehre.
Wir hoffen, dass Sie als kritische Leserin
oder als kritischer Leser nicht alles glauben, was Sie in den
Medien sehen, hören oder lesen. Sollten Sie aber auf einen
unserer Aprilscherze reingefallen sein, würden wir uns freuen,
wenn Sie uns dies an leserbriefe@netzmagazin.ch
mitteilen würden.
Alles Gute im April!
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