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Nr. 141 / März 2006

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Ersatzreligion Mode
Schöner Schein oder religiöses Sein?

Eines haben Modeboutiquen und Kirchen ja gemeinsam: Beide bieten offene Türen. Einziger Unterschied: Am ersten Ort wird eingetreten, am zweiten ausgetreten. Kein Wunder, wird die Mode gemeinhin als Ersatzreligion bezeichnet.

Von Franziska Leuenberger.

Gucci, Armani, Prada, Versace oder Dolce & Gabbana heissen die Luxusmarken, wie man sie in der Pariser Champs Elysée oder in der Zürcher Bahnhofstrasse findet. Seit längerem bieten diese Boutiquen mehr als nur Mode an: Während die Kirche zunehmend um Mitglieder kämpfen muss, sind Namen, Marken und Labels längst zur Ersatzreligion geworden.

Jung, schön, erfolgreich
Das deutsche Supermodel Heidi Klum macht es vor: Jung, schön, erfolgreich und seit neuestem auch noch TV-Star: Ihre Sendung "Germany's Next Topmodel" sorgte wegen des vorgelebten Mode- und Schlankheitswahns zwar für Aufregung, wurde jedoch nicht abgesetzt. Von den Medienschaffenden wurde diese Entscheidung als richtig bewertet: Schlanke und sexy gekleidete Leute gehören schliesslich zu unserem Alltagsbild, die Fernsehshow ist nichts anderes als Spiegel der Realität.

Trendig und sexy muss die junge Mode von heute sein, frau will gefallen. - Und zwar nicht nur die Jet-Setterin, die verwöhnte Millionärstochter oder das Hollywood-Sternchen. Eine Marktlücke wurde entdeckt: Seit modischer Glanz und Glamour auch für Ottilie Normalverbraucher erschwinglich geworden ist, nimmt das Buhlen um die (Kauf-)Gunst in den Shoppingmeilen täglich zu: Gap, Blue Dog, Orsay, Tally Weijl oder Hennes & Mauritz lauten die Namen, die mit diesem Konzept erreichen, wovon Kirchen nur träumen können: Gute Frequenz bis zu wellenartigen Anstürmen, wenn wieder mal die Schnäppchenjagd eröffnet und die Ware noch günstiger zu erstehen ist als sonst schon.

Schuluniform?
Mode als Luxus- oder Gebrauchsgut? "Kleidung ist zum Anziehen da", ist sich die ältere Generation einig. Klar, dass das zuvor erstandene Schnäppchen also auch in der Schule stolz zur Schau getragen werden kann. Ist es daher erstaunlich, dass die Schuluniform in der Schweiz seit jüngstem wieder ein Thema ist? Der (un-)freiwillige Blick auf Stringtangas gehört vielleicht schon bald der Vergangenheit an. Die vor kurzem an Schweizer Schulen durchgeführten uniformierten Testphasen sind jedenfalls auf positives Echo gestossen. Die Schüler waren so zumindest im Schulzimmer vom modischen Gruppendruck befreit und konnten sich zur Freude beider Parteien wieder besser auf ihre schulischen Leistungen konzentrieren. Soll für Schweizer Kinder und Jugendliche Realität werden, was in anderen Ländern und Kulturen schon lange Alltag ist? Dank fehlenden Geldern und föderativem Bildungssystem wird diese Hoffnung für alle Eltern wohl eher ein Wunschtraum bleiben.

Eine Modeerscheinung
Mode als Ersatzreligion existiert nicht erst seit gestern - ein Grund mehr, dem Begriff nachzugehen. Bis heute findet zwar keine Religionsdefinition allgemeine Anerkennung; jedoch interessiert die Etymologie des Wortes, welche sich unter anderem auf das lateinische "religare" bezieht, zu Deutsch "festhalten, an etwas festmachen". Kann die Mode die Religion als Halt fürs Leben wirklich ersetzen?
Abgesehen davon, dass der Mode nicht in allen Glaubensrichtungen dieselbe Bedeutung zukommt, darf nämlich eines nicht vergessen werden: Auch Sport, Politik oder der Beruf kann zur Ersatzreligion werden, zu dem, woran man sich festhält. Anders als die eigentliche Religion sind diese Werte jedoch vergänglich; nirgends wird dies besser ersichtlich als bei den ständig wechselnden Modetrends. Und gibt es mit Rockstar Bono oder Popsängerin Madonna nicht zunehmend mehr modebewusste Leute, die sich sogar öffentlich zu ihrem Glauben, ihrer Religion bekennen? Die Mode als Ersatzreligion ist nichts anderes als eine "Modeerscheinung".


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