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Nr. 141 / März 2006

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Religion
Affen mit Atombomben? - Religion im 21. Jahrhundert

Links: Ein steinzeitliches Grab | Rechts: Verschiedene Formen von Heroin

In der Archäologie sieht man die ersten Bestattungen, also die beginnende Religiosität, als der entscheidende Schritt vom Affen zum Menschen an. Macht uns das religionsentfremdete 21. Jahrhundert über kurz oder lang vom Menschen zum Affen?

Von Magdalena Pfaffl.

Man befrage einmal die alte Dame von gegenüber über die "Jugend von Heute". Wahrscheinlich wird sie sich beschweren, diese hätte keine Manieren mehr, wisse nicht mehr, wie man sich benimmt und sei überhaupt viel zu bequem. Und, natürlich, am Glauben mangle es. Mal ehrlich, es ist ja auch ganz gewaltig "uncool", heute gläubig zu sein. Das hat irgendwie so einen Hauch von Rückständigkeit, wenn man sagt "ich glaube an Gott".

Religion als PR-Gag
Absurd wird das Ganze, wenn man sich dann in der gängigsten aller Ersatzreligionen umsieht: in der Glitzerwelt von Hollywood. Dort ist es, nicht erst neuerdings, top-modern einer Religion anzugehören. Nicht dem altmodischen Christentum, freilich, das sorgt einfach nicht für genug PR. Vielmehr sind es die ostasiatischen Religionen und "Weltanschauungen", die die Prominenz anziehen wie das Licht die Motten: Buddhismus, Taoismus oder die Kabbala erfreuen sich steigender Beliebtheit und Meditation und Yoga gehören längst zum Standard. Gute PR - oder ein verzweifelter Versuch der Selbstfindung in einer Welt aus Make-up und Silikon?

Fundamentalismus
Doch das 21. Jahrhundert ist auch die neue Blütezeit der Fundamentalisten. Seien es die fundamentalistischen Christen in US-Amerika, welche längst nicht mehr nur in den Reihen der Mormonen zu suchen sind, oder fundamentalistische Muslime in den Staaten der Arabischen und Persischen Welt. Denn der Fundamentalismus in der islamischen Welt ist mitnichten ein historischer Zustand. So waren sowohl Afghanistan bis zur Machtübernahme des Taliban-Regimes, als auch der Irak bis zur Besatzung durch die Anti-Terror-Allianz moderne, offene, ja, säkulare Staaten, in denen ganze Heere leicht bekleideter Frauen in Kabul und Bagdad die Nächte zum Tag machten.

Eine Yoga-Übung

Do ut Des - Ich gebe, damit du zurückgibst
Europa scheint sich unterdessen - auch wenn man das nicht zugibt - in zwei Lager zu spalten: Auf der einen Seite Atheisten und Agnostiker, welche sich auf die Naturwissenschaften verlassen - und auf der anderen eine immer weiter steigende Zahl von Individual-Religiösen, darunter vor allem viele Christen, die an Gott glauben, ohne aber mit der jeweiligen Kirche viel zu tun haben zu wollen. Böse Zungen mögen ihnen nachsagen, viele von ihnen seien schlicht zu geizig, um die Kirchensteuern zu zahlen. Doch sie selbst würden entgegnen, das Kosten-Nutzen Verhältnis sei einfach nicht groß genug. Wird hier Religion zur Kosten-Nutzen-Rechnung?

"Opium fürs Volk"
Sind wir nun also bald nur noch Affen mit Atombomben? Wird Religion in einer kapitalistischen Welt zur Dienstleistung? Oder hatte doch Karl Marx Recht, als er sagte, "Religion ist Opium fürs Volk". Vielleicht auch, weil teure Gurus uns die trendigen, fernöstlichen Religionen in etwa genauso überteuert verkaufen wollen, wie der Drogendealer ums Eck sein Heroin.
Oder aber sind wir Europäer, genauso wie die Menschen in vielen anderen Staaten rund um die Welt, nur einfach in einer emotional zerrüttenden Zeit auf der Suche nach einem Glauben, der sich an uns und unsere Welt anpasst - anstatt dass wir uns an die Religion anpassen müssen?

www.eltern.de/forfamily/schule_erziehung/erziehung/religion_zahlen.html (Die Kirche in Zahlen)

In Zahlen:
1950 besuchten in Deutschland 50% der Bevölkerung mindestens einmal wöchentlich einen Gottesdienst; 1998 waren es nur noch 18%.
1970 waren 94% der deutschen Bevölkerung Mitglied einer christlichen Kirche, 2003 nur noch 63%.
In der BRD leben 100 000 Deutsche Buddhisten.
Ca. 140 000 Menschen in Deutschland gehören alternativen Religionsgemeinschaften jüngeren Entstehungsdatums an.


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