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Religion
Affen mit Atombomben? - Religion im 21. Jahrhundert
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Links: Ein steinzeitliches Grab |
Rechts: Verschiedene Formen von Heroin |
In der Archäologie sieht man die ersten
Bestattungen, also die beginnende Religiosität, als der
entscheidende Schritt vom Affen zum Menschen an. Macht uns das
religionsentfremdete 21. Jahrhundert über kurz oder lang
vom Menschen zum Affen?
Von Magdalena Pfaffl.
Man befrage einmal die alte Dame von gegenüber
über die "Jugend von Heute". Wahrscheinlich wird
sie sich beschweren, diese hätte keine Manieren mehr, wisse
nicht mehr, wie man sich benimmt und sei überhaupt viel
zu bequem. Und, natürlich, am Glauben mangle es. Mal ehrlich,
es ist ja auch ganz gewaltig "uncool", heute gläubig
zu sein. Das hat irgendwie so einen Hauch von Rückständigkeit,
wenn man sagt "ich glaube an Gott".
Religion als PR-Gag
Absurd wird das Ganze, wenn man sich dann in der gängigsten
aller Ersatzreligionen umsieht: in der Glitzerwelt von Hollywood.
Dort ist es, nicht erst neuerdings, top-modern einer Religion
anzugehören. Nicht dem altmodischen Christentum, freilich,
das sorgt einfach nicht für genug PR. Vielmehr sind es die
ostasiatischen Religionen und "Weltanschauungen", die
die Prominenz anziehen wie das Licht die Motten: Buddhismus,
Taoismus oder die Kabbala erfreuen sich steigender Beliebtheit
und Meditation und Yoga gehören längst zum Standard.
Gute PR - oder ein verzweifelter Versuch der Selbstfindung in
einer Welt aus Make-up und Silikon?
Fundamentalismus
Doch das 21. Jahrhundert ist auch die neue Blütezeit der
Fundamentalisten. Seien es die fundamentalistischen Christen
in US-Amerika, welche längst nicht mehr nur in den Reihen
der Mormonen zu suchen sind, oder fundamentalistische Muslime
in den Staaten der Arabischen und Persischen Welt. Denn der Fundamentalismus
in der islamischen Welt ist mitnichten ein historischer Zustand.
So waren sowohl Afghanistan bis zur Machtübernahme des Taliban-Regimes,
als auch der Irak bis zur Besatzung durch die Anti-Terror-Allianz
moderne, offene, ja, säkulare Staaten, in denen ganze Heere
leicht bekleideter Frauen in Kabul und Bagdad die Nächte
zum Tag machten.
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Eine Yoga-Übung |
Do ut Des - Ich gebe, damit du zurückgibst
Europa scheint sich unterdessen - auch wenn man das nicht zugibt
- in zwei Lager zu spalten: Auf der einen Seite Atheisten und
Agnostiker, welche sich auf die Naturwissenschaften verlassen
- und auf der anderen eine immer weiter steigende Zahl von Individual-Religiösen,
darunter vor allem viele Christen, die an Gott glauben, ohne
aber mit der jeweiligen Kirche viel zu tun haben zu wollen. Böse
Zungen mögen ihnen nachsagen, viele von ihnen seien schlicht
zu geizig, um die Kirchensteuern zu zahlen. Doch sie selbst würden
entgegnen, das Kosten-Nutzen Verhältnis sei einfach nicht
groß genug. Wird hier Religion zur Kosten-Nutzen-Rechnung?
"Opium fürs Volk"
Sind wir nun also bald nur noch Affen
mit Atombomben? Wird Religion in einer kapitalistischen Welt
zur Dienstleistung? Oder hatte doch Karl Marx Recht, als er sagte,
"Religion ist Opium fürs Volk". Vielleicht auch,
weil teure Gurus uns die trendigen, fernöstlichen Religionen
in etwa genauso überteuert verkaufen wollen, wie der Drogendealer
ums Eck sein Heroin.
Oder aber sind wir Europäer, genauso wie die Menschen in
vielen anderen Staaten rund um die Welt, nur einfach in einer
emotional zerrüttenden Zeit auf der Suche nach einem Glauben,
der sich an uns und unsere Welt anpasst - anstatt dass wir uns
an die Religion anpassen müssen?
www.eltern.de/forfamily/schule_erziehung/erziehung/religion_zahlen.html (Die Kirche in Zahlen)
In Zahlen:
1950 besuchten in Deutschland 50%
der Bevölkerung mindestens einmal wöchentlich einen
Gottesdienst; 1998 waren es nur noch 18%.
1970 waren 94% der deutschen Bevölkerung Mitglied einer
christlichen Kirche, 2003 nur noch 63%.
In der BRD leben 100 000 Deutsche Buddhisten.
Ca. 140 000 Menschen in Deutschland gehören alternativen
Religionsgemeinschaften jüngeren Entstehungsdatums an. |
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