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Lyrics Born, DJ Mike Relm (22. Januar 2006)
| Fri-Son, Fribourg
Unscheinbare Exklusivität
Stadionkonzerte sind oftmals synonym
zu schlechter Musik. Was wirklich zählt, sind die kleinen,
feinen Konzerte. Wie das von Lyrics Born und DJ Mike Relm im
Fri-Son.
Von Joel Glatz.
Ein feuchter, nebliger Sonntag im grauen Schweizer
Januar ist die ideale Ausgangslage um sich an einem feurigen
Rap-Konzert ein bisschen aufzuwärmen, so dachte ich, als
ich mich auf den Weg ins Fri-Son machte. Das dachte ich also,
aber kaum jemand anderes. Denn, obwohl das Line-Up durchaus Exklusivität
versprach, kam mir die seltene Ehre zu, von 3 Bardamen gleichzeitig
bedient zu werden; sprich: der Saal war so voll wie die Biergläser
vom Samstag. Nämlich absolut leer. Es scheint, als hätte
der Rest der Welt eine(en) Frau/Mann für den es sich lohnt
am Sonntag Abend zuhause zu bleiben, Karotten zu schälen
und einen feinen Vegi-Eintopf auf den Tisch zu zaubern. Sei's
drum, einige einsame Gestalten fanden ihren Weg dann doch noch
ins Mekka der guten Musik im Röschtigraben und wurden von
DJ Enroi mit einem fetten, sehr US-Underground-lastigen Showcase
wärmstens begrüsst. So schien sich doch eine einigermassen
gelöste Stimmung zu etablieren und bald traf auch die erste
Lady auf der Tanzfläche ein um ihr Hinterteil mal ein bisschen
durch die Luft zu schwenken.
Doch das war noch gar nichts, denn die Schwenkerei
ging erst richtig los, als DJ Mike Relm die Bühne betrat.
Neben 2 Turntables verfügt der talentierte Entertainer auch
über eine Technik, die es ihm erlaubt Videos, die auf eine
Leinwand projiziert wurden, parallel zur Musik zu scratchen.
Eröffnet wurde seine Session mit Video-Scratches des Kult-Films
"Reservoir Dogs". Und quasi mit dem Tarantino-Bonus
(kennst du jemanden, der "Pulp Fiction" scheisse findet?)
als Basis, scratchte sich Mike Relm mit seinem Bastard-Pop-Mix
(alte Gassenhauer plus dreckige Beats) ins Herzen der knapp 90
Anwesenden. Und erreichte gar erste, ekstatische Zwischenrufe
aus diesem mageren Publikum. Vielleicht auch, weil er Tracks
wie "Sounds of Silence" von Simon & Garfunkel,
die man schon immer schön, aber irgendwie stillos fand,
dank den druntergelegten Beats für 2 Minuten sowas wie Stil
verlieh.
Das Publikum war also durchaus schon angeheizt,
als Lyrics Born die Bühne betrat. Und das wusste der asiatische
US-Rapper für sich zu nutzen. Unterstützt von einer
wunderhübschen jungen Dame produzierte er das, was sich
kleine Schwestern schon lange wünschten: rauhe Rapstyles
gemischt mit smoothem SingSang und Party-Beats. Und Lyrics Born
traf damit auch genau den Nerv des Publikums. So wurde dieser
feuchte, neblige Sonntagabend doch noch sowas wie ein denkwürdiges
Ereignis. Ein feines Konzert vor kleinem Publikum gibt dem Besucher
nämlich das begehrenswerte Gefühl der Exklusivität.
Beinahe noch mehr Exklusivität als die Reste des Gemüse-Eintopfs
fein säuberlich in den vorher bereits geputzten, grasgrünen
Kompostbehälter zu schmeissen, um sich dann in dasselbe
Bett und neben dieselbe Frau zu legen wie gestern.
www.lyricsborn.com
www.mikerelm.ch
www.fri-son.ch
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