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Nr. 140 / Februar 2006

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Lyrics Born, DJ Mike Relm (22. Januar 2006) | Fri-Son, Fribourg
Unscheinbare Exklusivität

Stadionkonzerte sind oftmals synonym zu schlechter Musik. Was wirklich zählt, sind die kleinen, feinen Konzerte. Wie das von Lyrics Born und DJ Mike Relm im Fri-Son.

Von Joel Glatz.

Ein feuchter, nebliger Sonntag im grauen Schweizer Januar ist die ideale Ausgangslage um sich an einem feurigen Rap-Konzert ein bisschen aufzuwärmen, so dachte ich, als ich mich auf den Weg ins Fri-Son machte. Das dachte ich also, aber kaum jemand anderes. Denn, obwohl das Line-Up durchaus Exklusivität versprach, kam mir die seltene Ehre zu, von 3 Bardamen gleichzeitig bedient zu werden; sprich: der Saal war so voll wie die Biergläser vom Samstag. Nämlich absolut leer. Es scheint, als hätte der Rest der Welt eine(en) Frau/Mann für den es sich lohnt am Sonntag Abend zuhause zu bleiben, Karotten zu schälen und einen feinen Vegi-Eintopf auf den Tisch zu zaubern. Sei's drum, einige einsame Gestalten fanden ihren Weg dann doch noch ins Mekka der guten Musik im Röschtigraben und wurden von DJ Enroi mit einem fetten, sehr US-Underground-lastigen Showcase wärmstens begrüsst. So schien sich doch eine einigermassen gelöste Stimmung zu etablieren und bald traf auch die erste Lady auf der Tanzfläche ein um ihr Hinterteil mal ein bisschen durch die Luft zu schwenken.

Doch das war noch gar nichts, denn die Schwenkerei ging erst richtig los, als DJ Mike Relm die Bühne betrat. Neben 2 Turntables verfügt der talentierte Entertainer auch über eine Technik, die es ihm erlaubt Videos, die auf eine Leinwand projiziert wurden, parallel zur Musik zu scratchen. Eröffnet wurde seine Session mit Video-Scratches des Kult-Films "Reservoir Dogs". Und quasi mit dem Tarantino-Bonus (kennst du jemanden, der "Pulp Fiction" scheisse findet?) als Basis, scratchte sich Mike Relm mit seinem Bastard-Pop-Mix (alte Gassenhauer plus dreckige Beats) ins Herzen der knapp 90 Anwesenden. Und erreichte gar erste, ekstatische Zwischenrufe aus diesem mageren Publikum. Vielleicht auch, weil er Tracks wie "Sounds of Silence" von Simon & Garfunkel, die man schon immer schön, aber irgendwie stillos fand, dank den druntergelegten Beats für 2 Minuten sowas wie Stil verlieh.

Das Publikum war also durchaus schon angeheizt, als Lyrics Born die Bühne betrat. Und das wusste der asiatische US-Rapper für sich zu nutzen. Unterstützt von einer wunderhübschen jungen Dame produzierte er das, was sich kleine Schwestern schon lange wünschten: rauhe Rapstyles gemischt mit smoothem SingSang und Party-Beats. Und Lyrics Born traf damit auch genau den Nerv des Publikums. So wurde dieser feuchte, neblige Sonntagabend doch noch sowas wie ein denkwürdiges Ereignis. Ein feines Konzert vor kleinem Publikum gibt dem Besucher nämlich das begehrenswerte Gefühl der Exklusivität. Beinahe noch mehr Exklusivität als die Reste des Gemüse-Eintopfs fein säuberlich in den vorher bereits geputzten, grasgrünen Kompostbehälter zu schmeissen, um sich dann in dasselbe Bett und neben dieselbe Frau zu legen wie gestern.

www.lyricsborn.com
www.mikerelm.ch
www.fri-son.ch


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