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Ho Orchestra: "A Normal Sunday - Live"
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Feingliedrige Popsongs mit Grossaufgebot
Mit Mitgliedern der holländischen
Nits, einer finnischen Frauengruppe und viel Berner Prominenz
hat Simon Ho ein Konzert seiner letztjährigen Tournee dokumentiert.
Von Oswald Iten.
Der Berner Komponist und Arrangeur Simon Ho(stettler)
ist mit zahlreichen Bühnenmusiken, Kammermusikwerken und
als zeitweiliger Teil des Pfannestil Chammer Sexdeets seit den
späten 80er Jahren in der nationalen Musikszene präsent.
Sein erstes, viel beachtetes Solo-Album hat er aber erst 2002
veröffentlicht. Dieser abwechslungsreichen Sammlung unterschiedlichster
Eigenkompositionen folgte letztes Jahr das weniger kaleidoskopartige,
aber wiederum mit vielen Gästen aufgenommene Album "If",
das er auf einer "Winterreise" durch die Schweiz mit
ein paar der an den Aufnahmen beteiligten Gastmusiker vorstellte.
An zwei Konzerten in Basel (und einem in Adelboden) waren gar
die finnische A-Capella-Gruppe Värttinä sowie ein Grossteil
der holländischen Nits zugegen. Diese Geburtsstunde des
erweiterten "Ho Orchestra" liegt nun auf der CD "A
Normal Sunday - Live" vor. Zum Release des Live-Albums
hat Simon Ho zur Freude des Publikums die volle Besetzung für
eine Kurztournee Mitte Januar noch einmal zusammengetrommelt.
Konzert und Album vereinen vor allem Songs
aus "If" sowie Nits-Songs und dreistimmige finnische
Folksongs. Der Komponist selbst hält sich weitgehend zurück,
spielt am Bühnenrand Piano oder lauscht ganz einfach seinen
filigranen Arrangements, die beim Orchester um den Gitarristen
Oli Hartung in guten Händen sind. Einzig das rhythmische
Fundament ist zeitweise etwas instabil, seit der Nits-Schlagzeuger
sich zu Andy Hug gesellt hat. Im Gegensatz zu den Konzerten mit
kleinerer Besetzung bestimmt hier massgeblich das Akkordeon des
Finnen Markku Lepisto die Klangfarbe vieler Songs. Eine Stärke
dieser Grossformation besteht darin, dass fast jeder Song ein
anderes Line-Up hat. Einzig die Keyboarderin wirkt an gewissen
Stellen überflüssig. Über diesem Teppich kommt
die Stimme des Entertainers Henk Hofstede ideal zur Geltung,
der mit Vera van der Poel (Mimezine) und der Irish-Folk-Sängerin
Shirley Grimes die Front bildet. Für Abwechslung sorgen,
erst nur als Background-Chor eingesetzt, die Finninnen von Värttinä,
mit denen Hofstede schon seit 20 Jahren einmal zusammenarbeiten
wollte.
Die ansteckende Freude der Musiker auf der
Bühne kommt in dieser Aufnahme allerdings nicht recht zur
Geltung. Eher an ein Studioalbum gemahnend, klingt die Abmischung
seltsam clean und zu transparent. Dadurch treten auch
kleine Ungenauigkeiten in der Interpretation schmerzlicher hervor.
Nach dem eher repetitiven Opener wechselt das Album ab "Hope
is" gekonnt zwischen eingängigen und widerborstigeren
Songs. Die Spannung steigert sich speziell in der zweiten Hälfte
der über 78 Minuten langen CD immer weiter. Höhepunkte
sind etwa "Hotel Simon", der Nits-Song "Adieu
Sweet Bahnhof" oder "Princess of the Window Sill".
Im Zugabenblock steht mit dem bewegenden "Simple Girl"
noch einmal ganz Shirley Grimes' überwältigende Stimme
im Zentrum, bevor die Band das Konzert mit einem ruhigen Instrumentalstück
ausklingen lässt.
Auch wenn die Eindringlichkeit der besten
Performances in dieser Konzertaufnahme nicht zur Geltung kommt
und die mittlerweile eingespielte Band diese Aufnahme ihres ersten
gemeinsamen Auftritts eigentlich schon überholt hat, lohnt
sich dieses Dokument einer musikalischen Winterreise allemal.
www.simonho.ch
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