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Nr. 140 / Februar 2006

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Ho Orchestra: "A Normal Sunday - Live" | RecRec
Feingliedrige Popsongs mit Grossaufgebot

Mit Mitgliedern der holländischen Nits, einer finnischen Frauengruppe und viel Berner Prominenz hat Simon Ho ein Konzert seiner letztjährigen Tournee dokumentiert.

Von Oswald Iten.

Der Berner Komponist und Arrangeur Simon Ho(stettler) ist mit zahlreichen Bühnenmusiken, Kammermusikwerken und als zeitweiliger Teil des Pfannestil Chammer Sexdeets seit den späten 80er Jahren in der nationalen Musikszene präsent. Sein erstes, viel beachtetes Solo-Album hat er aber erst 2002 veröffentlicht. Dieser abwechslungsreichen Sammlung unterschiedlichster Eigenkompositionen folgte letztes Jahr das weniger kaleidoskopartige, aber wiederum mit vielen Gästen aufgenommene Album "If", das er auf einer "Winterreise" durch die Schweiz mit ein paar der an den Aufnahmen beteiligten Gastmusiker vorstellte. An zwei Konzerten in Basel (und einem in Adelboden) waren gar die finnische A-Capella-Gruppe Värttinä sowie ein Grossteil der holländischen Nits zugegen. Diese Geburtsstunde des erweiterten "Ho Orchestra" liegt nun auf der CD "A Normal Sunday - Live" vor. Zum Release des Live-Albums hat Simon Ho zur Freude des Publikums die volle Besetzung für eine Kurztournee Mitte Januar noch einmal zusammengetrommelt.

Konzert und Album vereinen vor allem Songs aus "If" sowie Nits-Songs und dreistimmige finnische Folksongs. Der Komponist selbst hält sich weitgehend zurück, spielt am Bühnenrand Piano oder lauscht ganz einfach seinen filigranen Arrangements, die beim Orchester um den Gitarristen Oli Hartung in guten Händen sind. Einzig das rhythmische Fundament ist zeitweise etwas instabil, seit der Nits-Schlagzeuger sich zu Andy Hug gesellt hat. Im Gegensatz zu den Konzerten mit kleinerer Besetzung bestimmt hier massgeblich das Akkordeon des Finnen Markku Lepisto die Klangfarbe vieler Songs. Eine Stärke dieser Grossformation besteht darin, dass fast jeder Song ein anderes Line-Up hat. Einzig die Keyboarderin wirkt an gewissen Stellen überflüssig. Über diesem Teppich kommt die Stimme des Entertainers Henk Hofstede ideal zur Geltung, der mit Vera van der Poel (Mimezine) und der Irish-Folk-Sängerin Shirley Grimes die Front bildet. Für Abwechslung sorgen, erst nur als Background-Chor eingesetzt, die Finninnen von Värttinä, mit denen Hofstede schon seit 20 Jahren einmal zusammenarbeiten wollte.

Die ansteckende Freude der Musiker auf der Bühne kommt in dieser Aufnahme allerdings nicht recht zur Geltung. Eher an ein Studioalbum gemahnend, klingt die Abmischung seltsam clean und zu transparent. Dadurch treten auch kleine Ungenauigkeiten in der Interpretation schmerzlicher hervor. Nach dem eher repetitiven Opener wechselt das Album ab "Hope is" gekonnt zwischen eingängigen und widerborstigeren Songs. Die Spannung steigert sich speziell in der zweiten Hälfte der über 78 Minuten langen CD immer weiter. Höhepunkte sind etwa "Hotel Simon", der Nits-Song "Adieu Sweet Bahnhof" oder "Princess of the Window Sill". Im Zugabenblock steht mit dem bewegenden "Simple Girl" noch einmal ganz Shirley Grimes' überwältigende Stimme im Zentrum, bevor die Band das Konzert mit einem ruhigen Instrumentalstück ausklingen lässt.

Auch wenn die Eindringlichkeit der besten Performances in dieser Konzertaufnahme nicht zur Geltung kommt und die mittlerweile eingespielte Band diese Aufnahme ihres ersten gemeinsamen Auftritts eigentlich schon überholt hat, lohnt sich dieses Dokument einer musikalischen Winterreise allemal.

www.simonho.ch


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