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Nr. 140 / Februar 2006

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Im Gespräch mit The Delilahs
Zug-London einfach, bitte.

Eben noch in der Kanti, jetzt schon in Camden: The Delilahs

Sie haben gerade erst die Matura bestanden und spielen schon auf den grossen Bühnen des Landes. Wenn sie erreichen, was ihnen vorhergesagt wird, steht ihnen eine blumige Zukunft bevor. Dass sie nebenbei noch gut aussehende junge Frauen sind, dürfte ihnen mehr als behilflich sein.

Von Philipp Albrecht.

Alles, was wir von ihnen haben, sind zehn Demo-Downloads auf ihrer Homepage. Noch kein Album, keine Single. Und doch sah man die drei Zugerinnen am 20. November 2005 auf der Front des Kulturteils in der Sonntags-Zeitung. Der Titel: "Drei Engel als Sonderfall". Und darunter ein Bild, das fast die halbe Seite beansprucht. Darauf sieht man drei selbstbewusste junge Frauen auf ihren Verstärkern sitzend und stehend. Es gäbe mehrere junge Schweizerinnen, die die Rockmusik entdecken würden, las man im Text, aber die Talentiertesten seien The Delilahs aus Zug.

Support für die Grossen

"In London werden sich ein paar Leute ein Bild von uns machen wollen": Isabella (Gitarre)
Die Ereignisse überstürzten sich bereits Wochen zuvor, genauer ab dem 7. Oktober, als The Delilahs das Vorprogramm der Stereophonics im Zürcher X-tra bestritten. "Es war supergeil! Die Zuschauer haben sehr positiv reagiert", sagt Bassistin und Sängerin Muriel im Badener Lokal Seerose, "Ich hätte mir nie träumen lassen, irgendwann im X-tra zu spielen", fügt Schlagzeugerin Sonja an, "der Auftritt im X-tra hat Wellen geschlagen. Die Anfragen sind dann richtig reingeschneit." Dabei war das erst ihr vierter Auftritt überhaupt. Drei Wochen später folgte der Gig im Rohstofflager als Support von Black Rebel Motorcycle Club. Nach ein paar kleineren Konzerten steht nun ein fünftägiger Trip nach London an - mit zwei Auftritten. "Das verdanken wir unserem Manager, der Kontakte in London hat", bekräftigt Muriel, "aber anscheinend wollen die uns dort auch sehen. Wir zwingen die Engländer nicht, unsere Musik zu hören."

Ihrem Manager Nigel Day, der in Zug die Produktionsfirma Fish Food Music betreibt, haben The Delilahs auch die Tatsache zu verdanken, dass sie im britischen Radio gespielt werden. Der Brite hat die drei vor eineinhalb Jahren entdeckt und war sofort begeistert. Er ist überzeugt, dass die Band nach England gehört. Dort erscheint auch Ende Februar ihre erste Single "This Is It". "In England erscheint die Single zuerst nur auf Vinyl, danach auf CD auch in der Schweiz, und das Album kommt sicher auch bald", versichert Muriel. Einen Plattenvertrag steht aber zurzeit noch nicht. Das hat weniger damit zu tun, dass sich kein Label für die Band interessieren würde, wohl eher verhandelt Manager Day mit mehreren und versucht möglichst viel für die Band herauszuholen. Es ginge diesbezüglich schon etwas, beteuert Sonja eher zurückhaltend. Muriel fährt sanft dazwischen: "Jetzt kommt erst mal London und dann schauen wir weiter." Und die eher ruhigere Gitarristin Isabella räumt ein: "Es kommen in London sicher auch ein paar wichtige Leute, die uns sehen wollen und sich ihr Bild über uns machen werden." Also erst mal abwarten. Vielleicht bietet sich ja ein britisches Label an.

"Der Auftritt im X-tra hat Wellen geschlagen": Schlagzeugerin Sonja

Die Plattensammlung der Eltern
London kennzeichnet einen wichtigen Höhepunkt im rasanten Aufstieg der Band. Es scheint, dass sich dort einiges entscheiden sollte. Muriel gesteht ein: "Wir haben ehrlich gesagt nur bis und mit London geplant. Es chunnt wies chunnt." Sie hätten es bewusst offen gelassen, was nachher folgt, ergänzt Sonja. Es könnte also durchaus sein, dass sie gleich in London bleiben werden? Sonja lacht, "wir müssen doch noch unser Album fertig aufnehmen. Klar kann man das auch in London, aber in unserem Studio in Zug ist es doch so gemütlich."

Sängerin und Bassistin Muriel schreibt alle Songs. Sie ist erst kürzlich 19 geworden und ist somit das jüngste Mitglied der Band. In ihren Texten sind keinerlei Spuren jugendlicher Naivität zu finden. Ganz im Gegenteil: In ihren knappen Zeilen wimmelt es nur so von Metaphern: "Are you looking for diamonds?", fragt sie beispielsweise in "Someone da da da". Auch ihre Stimme ist frei von quietschendem Mädchengehabe. Sie bewegt sich stilsicher in tieferen Lagen und vermag problemlos in höhere Gefilde zu wandern. Ihr Gespür für Musik und Songwriting hat sie zum grössten Teil ihrer Eltern zu verdanken. Deren Plattensammlung hat die Tochter sehr geprägt: "Du lernst, die Musik zu lieben. Bei uns lief sie immer. Wenn ich ohne Musik aufgewachsen wäre, hätte ich wahrscheinlich auch nie selbst damit angefangen."

"Die Leute pfeifen schon begeistert, obwohl wir noch keinen Ton gespielt haben": Sängerin und Bassistin Muriel

Nicht ohne Geschlechterkritik
Es ist erfrischend mit anzusehen, was für eine jugendliche Euphorie die drei jungen Frauen an den Tag legen. Sie haben gerade erst die Matur bestanden, befinden sich also mitten in der Adoleszenz, angetrieben durch einen für hiesige Musikverhältnisse erstaunlichen Enthusiasmus. Der Frauenbonus spielt dabei sicher eine wichtige Rolle. Alle drei sind sich bewusst, dass sie ohne den nicht so weit gekommen wären. Zur Schattenseite gehört denn auch die Geschlechterkritik. Gewisse Gästebucheinträge auf ihrer Homepage sprechen für sich. Isa: "Wir können sehr gut mit Kritik umgehen, sofern sie konstruktiv ist. Wenn's aber nur heisst, ihr seid heiss und die Musik ist scheisse, dann hören wir einfach weg." Wie viele Einträge mussten da eigentlich raus genommen werden, weil sie zu primitiv waren? "Nur einer", beteuert die Sängerin, "Muriel, du hast geile Titten, hiess es da. Damit können wir nicht viel anfangen." Und an den Konzerten? Muriel: "Manchmal ist's schon so, dass die Leute drei Frauen auf der Bühne sehen und dann sofort begeistert zu pfeifen beginnen, obwohl wir noch keinen Ton gespielt haben."

The Delilahs spielen am 22. Februar im Abart, Zürich (Support von Arab Strap).

www.thedelilahs.com


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