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Im Gespräch mit The Delilahs
Zug-London einfach, bitte.
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Eben noch in der Kanti, jetzt schon
in Camden: The Delilahs |
Sie haben gerade erst die Matura bestanden
und spielen schon auf den grossen Bühnen des Landes. Wenn
sie erreichen, was ihnen vorhergesagt wird, steht ihnen eine
blumige Zukunft bevor. Dass sie nebenbei noch gut aussehende
junge Frauen sind, dürfte ihnen mehr als behilflich sein.
Von Philipp Albrecht.
Alles, was wir von ihnen haben, sind zehn
Demo-Downloads auf ihrer Homepage. Noch kein Album, keine Single.
Und doch sah man die drei Zugerinnen am 20. November 2005 auf
der Front des Kulturteils in der Sonntags-Zeitung. Der Titel:
"Drei Engel als Sonderfall". Und darunter ein Bild,
das fast die halbe Seite beansprucht. Darauf sieht man drei selbstbewusste
junge Frauen auf ihren Verstärkern sitzend und stehend.
Es gäbe mehrere junge Schweizerinnen, die die Rockmusik
entdecken würden, las man im Text, aber die Talentiertesten
seien The Delilahs aus Zug.
Support für die Grossen
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"In London werden sich ein paar
Leute ein Bild von uns machen wollen": Isabella (Gitarre) |
Die Ereignisse überstürzten
sich bereits Wochen zuvor, genauer ab dem 7. Oktober, als The
Delilahs das Vorprogramm der Stereophonics im Zürcher X-tra
bestritten. "Es war supergeil! Die Zuschauer haben sehr
positiv reagiert", sagt Bassistin und Sängerin Muriel
im Badener Lokal Seerose, "Ich hätte mir nie träumen
lassen, irgendwann im X-tra zu spielen", fügt Schlagzeugerin
Sonja an, "der Auftritt im X-tra hat Wellen geschlagen.
Die Anfragen sind dann richtig reingeschneit." Dabei war
das erst ihr vierter Auftritt überhaupt. Drei Wochen später
folgte der Gig im Rohstofflager als Support von Black Rebel Motorcycle
Club. Nach ein paar kleineren Konzerten steht nun ein fünftägiger
Trip nach London an - mit zwei Auftritten. "Das verdanken
wir unserem Manager, der Kontakte in London hat", bekräftigt
Muriel, "aber anscheinend wollen die uns dort auch sehen.
Wir zwingen die Engländer nicht, unsere Musik zu hören."
Ihrem Manager Nigel Day, der in Zug die Produktionsfirma
Fish Food Music betreibt, haben The Delilahs auch die Tatsache
zu verdanken, dass sie im britischen Radio gespielt werden. Der
Brite hat die drei vor eineinhalb Jahren entdeckt und war sofort
begeistert. Er ist überzeugt, dass die Band nach England
gehört. Dort erscheint auch Ende Februar ihre erste Single
"This Is It". "In England erscheint die Single
zuerst nur auf Vinyl, danach auf CD auch in der Schweiz, und
das Album kommt sicher auch bald", versichert Muriel. Einen
Plattenvertrag steht aber zurzeit noch nicht. Das hat weniger
damit zu tun, dass sich kein Label für die Band interessieren
würde, wohl eher verhandelt Manager Day mit mehreren und
versucht möglichst viel für die Band herauszuholen.
Es ginge diesbezüglich schon etwas, beteuert Sonja eher
zurückhaltend. Muriel fährt sanft dazwischen: "Jetzt
kommt erst mal London und dann schauen wir weiter." Und
die eher ruhigere Gitarristin Isabella räumt ein: "Es
kommen in London sicher auch ein paar wichtige Leute, die uns
sehen wollen und sich ihr Bild über uns machen werden."
Also erst mal abwarten. Vielleicht bietet sich ja ein britisches
Label an.
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"Der Auftritt im X-tra hat Wellen
geschlagen": Schlagzeugerin Sonja |
Die Plattensammlung der Eltern
London kennzeichnet einen wichtigen
Höhepunkt im rasanten Aufstieg der Band. Es scheint, dass
sich dort einiges entscheiden sollte. Muriel gesteht ein: "Wir
haben ehrlich gesagt nur bis und mit London geplant. Es chunnt
wies chunnt." Sie hätten es bewusst offen gelassen,
was nachher folgt, ergänzt Sonja. Es könnte also durchaus
sein, dass sie gleich in London bleiben werden? Sonja lacht,
"wir müssen doch noch unser Album fertig aufnehmen.
Klar kann man das auch in London, aber in unserem Studio in Zug
ist es doch so gemütlich."
Sängerin und Bassistin Muriel schreibt
alle Songs. Sie ist erst kürzlich 19 geworden und ist somit
das jüngste Mitglied der Band. In ihren Texten sind keinerlei
Spuren jugendlicher Naivität zu finden. Ganz im Gegenteil:
In ihren knappen Zeilen wimmelt es nur so von Metaphern: "Are
you looking for diamonds?", fragt sie beispielsweise in
"Someone da da da". Auch ihre Stimme ist frei von quietschendem
Mädchengehabe. Sie bewegt sich stilsicher in tieferen Lagen
und vermag problemlos in höhere Gefilde zu wandern. Ihr
Gespür für Musik und Songwriting hat sie zum grössten
Teil ihrer Eltern zu verdanken. Deren Plattensammlung hat die
Tochter sehr geprägt: "Du lernst, die Musik zu lieben.
Bei uns lief sie immer. Wenn ich ohne Musik aufgewachsen wäre,
hätte ich wahrscheinlich auch nie selbst damit angefangen."
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"Die Leute pfeifen schon begeistert,
obwohl wir noch keinen Ton gespielt haben": Sängerin
und Bassistin Muriel |
Nicht ohne Geschlechterkritik
Es ist erfrischend mit anzusehen,
was für eine jugendliche Euphorie die drei jungen Frauen
an den Tag legen. Sie haben gerade erst die Matur bestanden,
befinden sich also mitten in der Adoleszenz, angetrieben durch
einen für hiesige Musikverhältnisse erstaunlichen Enthusiasmus.
Der Frauenbonus spielt dabei sicher eine wichtige Rolle. Alle
drei sind sich bewusst, dass sie ohne den nicht so weit gekommen
wären. Zur Schattenseite gehört denn auch die Geschlechterkritik.
Gewisse Gästebucheinträge auf ihrer Homepage sprechen
für sich. Isa: "Wir können sehr gut mit Kritik
umgehen, sofern sie konstruktiv ist. Wenn's aber nur heisst,
ihr seid heiss und die Musik ist scheisse, dann hören wir
einfach weg." Wie viele Einträge mussten da eigentlich
raus genommen werden, weil sie zu primitiv waren? "Nur einer",
beteuert die Sängerin, "Muriel, du hast geile Titten,
hiess es da. Damit können wir nicht viel anfangen."
Und an den Konzerten? Muriel: "Manchmal ist's schon so,
dass die Leute drei Frauen auf der Bühne sehen und dann
sofort begeistert zu pfeifen beginnen, obwohl wir noch keinen
Ton gespielt haben."
The Delilahs spielen am 22. Februar im Abart,
Zürich (Support von Arab Strap).
www.thedelilahs.com
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