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Saïan Supa Crew: "Hold-Up"
| EMI
Rohff: "Au-delà de mes limites" | EMI
113: "113 degrés" | Sony BMG
Akhenaton: "Double Chill Burger" | EMI
Rap français: Zweiter Frühling oder Ausverkauf?
Rap aus Frankreich hat seit jeher einen
Ausnahmestatus. Für manche sind die Beats aus den Banlieues
sogar die besten überhaupt. Seit ein paar Jahren herrscht
jedoch Katerstimmung. Nun ist Aspirin in Sichtweite: Gleich vier
neue Alben von grossen Namen aus verschiedensten Genre-Ecken
wurden auf den Markt geworfen.
Von Gregor Frei.
Der Freak-Rap: Saïan Supa Crew
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Niemand scheint geeigneter, die von Gleichförmigkeit
bestimmte Krise im Rap français zu beenden, als die Saïan
Supa Crew, irgendetwas zwischen den französischen Wailers
und dem französischen Wu-Tang Clan. Ihr Vorgänger "X-Raisons"
ist ein Meilenstein, ihre Auffassung von Hip Hop als Sammelbecken
von ausufernder Kreativität zumindest in Frankreich einzigartig.
"Hold-Up" heisst ihr neues Teil, und wie man es vom
Ensemble aus Paris nicht anders erwarten konnte, ist es ein lebendiges
Mosaik aus Turbo-Beats, wirbelnden Raps, Gitarren, Comedy-Einlagen
und gefühlvollen Singparts. Sly, Leeroy, Sir Samuel, Vicelow
und Féfé haben sogar noch einen draufgegeben: "Hold-Up"
lebt von einem Maximum an wildem, manchmal chaotischem Drive,
der nur durch zwei Lieder durchbrochen wird: "96 Degreez"
besingt zusammen mit Patrice emotionale Hitze-Momente, "Rouge
Sang" die Tragik der schwarzen Geschichte. Bis hierhin scheint
der französische Rap gerettet. Doch plötzlich geht's
bergab: Die zweite Albumhälfte besteht mehr oder weniger
nur aus belanglosen Gesangsnummern mit Fokussierung auf die Begriffe
"fille" und "lady". Altern ist ja normal.
Dazu stehen bewundernswert. Nur ist das nicht der beste Weg,
um den französischen Rap zu neuen Ufern zu führen.
Spätestens mit der abschliessenden House-R'n'B-Nummer "Fly"
ist die Chance vergeben.
www.saiansupacrew.com
Der Disco-Rap: Rohff
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"PARENTAL ADVISORY: EXPLICIT CONTENT",
steht auf Rohffs neuer Doppel-CD, und es ist kein Zufall, dass
ausgerechnet Rohff mit dem für Frankreich unüblichen
Etikett protzt. Kaum ein Rapper aus dem grossen Nachbarland orientiert
sich so stark am populären amerikanischen Hip Hop wie der
"Cauchemar du rap français": Knarren sind sein
Lieblingssujet, hochgetunte Synthesizer sein Markenzeichen und
auch die Tatsache, dass er in seinen Shout-Outs vor allem Leute
wie Pharell und The Game erwähnt, stimmt den auf typischen
Banlieue Rap eingestellten Hörer recht misstrauisch. Die
31 Lieder, die sich auf die beiden CDs verteilen, sind denn auch
weniger einnehmend als langweilend. Die Produzenten können
sich bis zum Schluss nicht recht entscheiden zwischen Party und
Schiesserei. So mischt sich die oberflächliche Gefälligkeit
des Dirty South mit der Trostlosigkeit französischer Vorstädte.
Abgesehen von ein paar Liedern, in die "Roh deux f"
überdurchschnittlich viel Herzblut giesst ("La hass",
"Trop dangereux"), verliert sich der Mann aus Paris
in diesem unrühmlichen Zusammenspiel. Einem, der sein letztes
Lied dazu nutzt, um die baldige Veröffentlichung seiner
DVD anzukündigen, kann man sowieso nicht trauen.
Der Hardcore-Rap: 113
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Während Saïan in der Fantasiewelt
und Rohff in glitzrigen Hallen spielen, halten sich 113 in düsteren
Kellern auf. Dort rappen sie über Beats, deren Aggressivität
mit Gewehrschüssen zu vergleichen ist. Nur wenn arabische
oder weibliche Gastsänger auftauchen, geben sie sich mit
leichterer Musik ab: Banlieue-Härte trifft auf Orient-Romantik.
Das tönt roh und militant. Partisanen, die mit ins Feld
ziehen, sind Leute wie Mobb Deep, Buju Banton oder Booba und
Le Rat Luciano. Die zwei Letzteren bieten auf "On sait l'faire"
etwas vom Beeindruckendsten, was man in letzter Zeit aus Frankreich
gehört hat: Ein typisch 113 hochtechnischer Beat (vom Hausproduzenten
Demon), darüber vier MCs, deren Bedrohlichkeit sehr echt
wirkt. So echt, dass man der idiotischen Auffassung der französischer
Politiker, Rapper wie 113 und Booba seien für die Vorstadt-Krawalle
verantwortlich, für einen kurzen Moment doch ein bisschen
Glauben schenkt. Die andere, ebenso typische Seite von "Cent
trèize" kommt auf Liedern wie "Partir loin"
zur Geltung: Arabisch angehauchte Beats erzeugen nach Wasserpfeife
duftende Stimmungen, die den Körper schwingen lassen. Dass
Rim'K, AP und Mokobe das Potential zum Retten haben, beweisen
sie mit "113 degrés" nicht zum ersten Mal. Ein
paar kleine Löcher im Boot lassen es dennoch untergehen.
Knapp daneben ist leider auch daneben.
Der Melancholie-Rap: Akhenaton
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Der Zeitpunkt der neusten Akhenaton-Veröffentlichung
ist fast ein bisschen zynisch: Während alle rumjammern und
der Kater immer noch nicht ausgeschlafen ist, kommt der Altmeister
und sagt: Schaut, so einfach ist es. Akhenatons traurig-zuversichtlichen
Beats weichen auch heute noch jedes Herz auf und bringen jeden
Kopf zum Schütteln. Das Problem ist nur: Das Ding ist ein
Best-Of. Drei Viertel auf "Double Chill Burger" stammen
aus der Vergangenheit, aus der Zeit, als alles noch besser war
eben. Vielleicht will der Kopf des legendären IAM-Trios
ein bisschen Nachhilfeunterricht unterteilen. Vielleicht will
AKH auch einfach noch ein bisschen Kohle machen. Die Zusammenstellung
all seiner Perlen wie "Paese", "Mes soleils et
mes lunes", "Nid de guêpes" begeistert jedenfalls.
Und auch seine neuen Lieder sind der Konkurrenz in Sachen Feinfühligkeit
noch um Weiten voraus. Akhenaton hat dabei seinem altbekannten
Basilikum noch mehr Pfeffer beigegeben. Speziell zu erwähnen
ist das feierliche "Leurs temps de cuisson", dessen
Beat Blaukreuz-Bläser mit Mozart-Streichern kreuzt. Ein
weiteres Mal sind die Gerichte von Akhenaton mehr als nur gelungen:
Das Aufeinandertreffen von weicher Harmonie und purer Härte
funktioniert wie eh und je. Ein bisschen holt Akhenaton somit
das goldene Zeitalter in die Gegenwart. Der französische
Rap ist damit leider nicht gerettet.
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