|
Bloc Party (Earshakerdays) (25.November 2005)
| Volkshaus, Zürich
"We're going to win this!"
Endlich war es so weit. Im Rahmen der Earshakerdays
trafen die verschiedensten Bands im Volkshaus aufeinander. Skandinavische
oder Englische, es war sicherlich ein Festival, das einiges zu
bieten hatte. Am Ende überzeugte aber nur ein grossartiger
Act: Bloc Party machten das Ereignis zum Musikfest.
Von Dominik Petermann.
Obwohl die Earshakerdays als Festival aufgezogen
waren, trug das Ganze doch einen ziemlich alltäglichen Konzertanstrich.
Die Bands, die am frühen Abend die Bühne betraten,
hinterliessen eine Art Vorgruppen-Nachgeschmack. Allen voran
Madrugada, die nicht sehr animierend wirkten, um
es mal bescheiden auszudrücken. Der Fangemeinde schien es
aber dennoch gefallen zu haben. Den absoluten Höhepunkt
bildeten die Londoner Bloc Party. Sie fegten über
das Publikum hinweg und bewiesen, warum sie der Headliner dieses
Abends waren. Die vier Engländer traten mit wuchtiger Präsenz
auf die Bühne, zeigten, dass jeder sein Instrument einverleibt
hat, und trugen ihre Stücke in herrlicher Spiellaune vor.
Man sieht der Band die Freude am Auftritt an. Eine Mischung aus
eiserner Disziplin und kreativer Inszenierung. Als hätte
Gott die Musik nur für diese Herren gemacht. Sänger
und Gitarrist Kele Okereke behauptet, die Gitarre sei ihm schon
als Kind in den Schoss gefallen, und die Erkenntnis, dass er
auch als Sänger taugt, liess nicht lange auf sich warten.
1998 traf er auf den zweiten Gitarristen Russell Lissack, um
fortan das Leben als Musiker zu bestreiten. Mit der Engagierung
des Bassisten Gordon "Gordy" Moakes und des herausragenden
Schlagzeugers Matt Tong, samt ihren musikalischen Einflüssen,
gelang ihnen die perfekte Konstellation, die sie heute als Band
ausmacht.
Den bescheidenen Anfang bildete "So Here
We Are", und liess ein fulminantes Konzert erahnen. Und
das war es auch. Von "Positive Tension" über "Banquet"
bis zu den Über-Hits "Like Eating Glass" und "Helicopter"
liessen die Londoner nichts aus, um das Publikum zu beeindrucken.
Neue Songs, darunter auch die vor kurzem erschienene Single "Two
More Years" waren zu hören, was die Genialität
von Bloc Party einmal mehr zum Ausdruck brachte. Definitiv eine
Band, die uns noch lange mit ihren musikalischen Exzessen erfreuen
wird. Leidenschaftlich hämmerte Drummer Matt Tong seine
Rhythmen aufs Fell und faszinierte eindrücklicher als auf
dem Tonträger mit unglaublichen Breaks und gekonnten Taktwechseln.
Man war fast versucht zu denken, er mache die halbe Band aus,
obwohl die Künste der anderen Mitglieder auch nicht zu verachten
sind. Vor allem die dissonanten Riffs von Kele, im Einklang mit
der charismatisch "schwarzen" Stimme und seinem Cockney-Akzent.
Melodiöse Gitarrensoli und progressive Basslinien komplettieren
schliesslich das Gesamtwerk Bloc Party. Ein wahrhafter Erguss
musikalischen Könnens, rhythmisch und kraftvoll vorgetragen.
Dass England eine Vormachtsstellung im Export
junger Indie-Bands geniesst, ist klar. Wir liebten die Kaiser
Chiefs, waren überwältigt von Maxïmo Park, hörten
die Futureheads. Trotz allem bleibt der Preis für die beste
Newcomer Band Bloc Party zu überreichen. Und auch gleich
der Preis für das beste Debütalbum dieses Jahres. Wie
wenn sie es gewusst hätten, singen sie in "Price of
Gas" selbstbewusst: "We're going to win this!"
Eine junge, ambitionierte Band, die das Zepter an sich gerissen
hat, um fortan die Musikwelt zu revolutionieren. Sie kamen, sahen
und siegten.
www.blocparty.com
|